Grenzen: Training für die Straße

  • Ein wirklich schwieriges Thema, allerdings auch eines, welches gerade Neulingen in der Kampfkunst besser helfen könnte, die Kampfkunst, z. B. in Form von Streetfightin oder Selbstverteidigung, nicht zu Idealisieren und als Allheilmittel anzusehen, sondern so einzuordnen, wie es bodenständig sein sollte: Als Möglichkeit bzw. als Chancen-Schaffer.


    In der Sache geht es um die Frage, wie real man in einem Training überhaupt trainieren kann, wenn man den Anspruch hat, für die Straße zu Trainieren. Wenn ich hier schreibe "für die Straße" dann meine ich nicht diese idealisierte Betrachtungsweise eines Ernstfalles. Ich meine jene Situationen, wie sie teilweise auch über YouTubeVideos zu sehen sind: plötzliche, unerwartete Attacken. Ich will keine Panik machen, dennoch ein kleines Video, damit verstanden wird, worum es mir geht: Kampf Mann gegen Mann... sozusagen der "Idealfall":


    Hier noch einmal - als weiteren Input - eine Gegenüberstellung von Training und Ernstafall: www.sai-fon.de/Training.pdf


    Frage wäre: Was ist Eure Ansicht zum Thema... welche Grenzen sind auf jeden Fall in einem Training im Gegensatz zum Ernstfall gegeben, wo also ist die Grenze eines "realistischen Trainings"??

  • Viele „Sucker Punches“ verfehlen Ihre Wirkung nicht, weil die „Opfer“ in der richtigen Distanz stehen.


    Von daher sollte es vermieden werden in Stresssituation in sucker punch distanz zu stehen, oder halt selber schnell einen sucker punchen raushauen. ;)


    Thema: Distanz

  • Will ich gleich mal "reingrätschen" und deutlich machen, dass wir hier beim Thema bleiben, welches klar ist und eine ebenso klare Frage enthält. Dein Beiträg ist da eigentlich OT... ich lass den mal, mache aber gleich klar, dass wir im Thema vorankommen wollen und uns nicht irgendwelchen anderen Themen, wie z. B. "Welche Distanzen sind gefährlicher, welche ungefährlicher" widmen...

  • ... also ich verstehe noch nicht ganz die Rolle des Videos, das Du hier eingestellt hast,

    soll damit gezeigt werden, dass es 'auf der Straße' eben so zugeht?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Das Video zeigt Sequenzen, wie es real abläuftg. Dabei steht der Gegner genau vor einem, ist also eigentlich das Paradebeispiel für "Mann gegen Mann". Auffällig ist, wie sehr das Überraschungsmoment eine Rolle spielt. Die Frage ist die Frage aus dem ersten Thread: Wie kann man - sieht man die Videos aus Opferseite - so etwas so trainieren, dass man diese Szenen "umdrehen" könnte, bzw. wo sind im Training Grenzen, also was kann man nicht mehr trainieren.


    Und dann gibt es da noch die Szenen, bei denen die Täter nicht vor mir stehen und erkennbar sind und/oder bei denen es mehrere derartiger Täter gibt... wo also sind hier Grenzen im Training?


    Den Link im ersten Thread habe ich bereinigt... aber hier nochmal die PDF: Training vs. Realität

  • Auf sowas kann man eigentlich so gut wie gar nicht vorbereitet sein und auch nicht hin trainieren, da es oftmals die Überraschung ist, die einen zum Opfer werden läßt.

    Wenn man lernt Leute zu lesen, kann man sich selbst positionieren und auch eine Vorkampfhaltung einnehmen, die man als Außenstehender nicht unbedingt erkennt.

    Du schlägst zu wie ein Vegetarier!

  • Auf sowas kann man eigentlich so gut wie gar nicht vorbereitet sein und auch nicht hin trainieren, da es oftmals die Überraschung ist, die einen zum Opfer werden läßt.

    Wenn man lernt Leute zu lesen, kann man sich selbst positionieren und auch eine Vorkampfhaltung einnehmen, die man als Außenstehender nicht unbedingt erkennt.

    Wenn ich das richtig verstehe, stimme ich dem zu. Es ist unmöglich das Lesen von Leuten im Rahmen einer Ausbildung zu lernen, da hilft nur sehr viel Lebenserfahrung.

    Das fängt ja schon bei Kleinigkeiten an. Dinge die bei einem typsichen Dönerbudenbesucher "A " bedeuten, heißen dummer Weise bei einem Opernballbesucher etwas komplett Anderes.

    D.h. Man muß nicht nur das Verhalten sondern auch noch noch den Kontext richtig interprätieren.

    Das Spielchen "Ich erkenne sie an ihren Kleidern" es geht nicht mehr. Man kann also nur noch sehr präzise das Verhalten deuten ( und beten das man sich nicht gerade gewaltig irrt )

  • Richtig, die Umsetzung lernt man nur auf der Straße selbst.

    Du schlägst zu wie ein Vegetarier!

  • Auf die Ausgangsfrage bezogen : Wo ist die Grenze des realistischen Trainings.

    Meine Antwort wäre" Da wo die Realität anfängt"

    Man kann Dinge wie Kraft, Ausdauer, Reaktionsvermögen etc trainieren, aber die Realität , beim besten Willen nicht.

    Beispiel.

    Das ist schon lange her. Ich habe die Angewohnheit meine Schlüssel an mehrern schweren Karabineren am Hosenbund zu befestigen. Um jemanden zu schlagen, ursprünglich nicht, man merkt einfach schneller wenn man sie liegen läst.

    Wie dem auch sei, ich möchte damit einen Imbiss betreten und werde unsanft abgewiesen. "Schlagringe unerwünscht" Es hat etwas gedauert bis die begriffen das ich die Dinger eben nicht als Waffe sehe...oder besser sah....( Auch SV Kreativität möchte angeschoben sein )

    An diesem Abend ist mir klar geworden das man wirklich alles als Waffe nehmen kann. den heißen Kaffebecher zum Blenden, das Schlüsselband für das Näschen etc.

    Wie soll man sich denn darauf vorbereiten ?

  • Frage wäre: Was ist Eure Ansicht zum Thema... welche Grenzen sind auf jeden Fall in einem Training im Gegensatz zum Ernstfall gegeben, wo also ist die Grenze eines "realistischen Trainings"??

    Die Grenzen sind meiner Ansicht nach folgende:


    - Gesundheit: Wenn es der Gesundheit abträglich wird, ist eine Grenze erreicht.

    - die Gesetzeslage: Wenn Gesetze gebrochen werden, ist Feierabend.

    - Ethik: auch hier gibt es Grenzen, die man nicht überschreiten sollte.


    Warum ich das schreibe ? Es gab mal in Norddeutschland eine Gruppe, die bewußt diese Grenzen verschoben haben. Das Ergebnis war, daß einige ein kämpferisch sehr hohes Niveau erreichten, aber viele mit einem psychischen Knacks da weg gingen.


    Effektiv, war das was die machten .... Moralisch ? Reden wir besser nicht drüber.

  • Die Grenzen sind meiner Ansicht nach folgende:


    - Gesundheit: Wenn es der Gesundheit abträglich wird, ist eine Grenze erreicht.

    - die Gesetzeslage: Wenn Gesetze gebrochen werden, ist Feierabend.

    - Ethik: auch hier gibt es Grenzen, die man nicht überschreiten sollte

    Dem möchte ich erst mal rundum zustimmen.

    Die Realität ist nunmal folgende: Training ist Training, Straße ist Straße. Egal ob bei einer Spezialeinheit, der Polizei oder im zivilen Bereich.

    Im Bereich Combatives/realistischer Selbstschutz muss das Ziel sein, möglichst nah an ein reales Szenario heran zu kommen. Sowohl was die Situation als auch die Örtlichkeit des Trainings angeht. Szenario-Trainings halte ich da für unerlässlich (z.B. in einer Tiefgarage, einem angemieteten Bus, etc.)

    Schluss ist aber definitiv da, wo Gesundheit und Gesetz eine Grenze setzen. Da hat Willi vollkommen recht. Niemand hat was davon, Opfer des eigenen Unterrichts zu werden. Und zu lernen, wie man das Gesetzt (hier: Notwehr-Recht) bricht kann auch nicht das Ziel sein.


    Willi, was genau meinst du denn mit Ethik? Ich interpretiere das mal als die Würde der Teilnehmer. Als Ausbilder spucke ich einen Teilnehmer nicht an, ich beschimpfe ihn nicht aufs Übelste...auch wenn das im Ernstfall durchaus vorkommt. Das würde ich mal unter Ethik verstehen. Oder hast du was anderes gemeint? :)


    Niemand wird die 100%-Marke erreichen, aber so nah wie möglich darauf hin zu arbeiten sollte schon das Ziel sein.

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Im Bereich Combatives/realistischer Selbstschutz muss das Ziel sein, möglichst nah an ein reales Szenario heran zu kommen. Sowohl was die Situation als auch die Örtlichkeit des Trainings angeht. Szenario-Trainings halte ich da für unerlässlich (z.B. in einer Tiefgarage, einem angemieteten Bus, etc.)

    Organisiert ihr das hier im forum - Beispiel Buss?

  • Inwiefern hier im Forum organisieren? Meinst du eine Veranstaltung für Forums-Mitglieder?

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Meinst du eine Veranstaltung für Forums-Mitglieder?

    Wäre auf jedenfall mal 'ne nice Sache.

    Und selbst wenn du Spagat könntest, hinter her dankt es dir sowieso keiner. - Vater Smoo

  • Grundsätzlich finde ich die Idee einer Veranstaltung für Forums-User total cool. Nur hab ich momentan einfach keine Zeit, so was zu organisieren. :D

    Zumal ich noch nicht mal 10 Posts in diesem Forum verfasst habe. Bin ja noch total neu hier! :D

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Grundsätzlich finde ich die Idee einer Veranstaltung für Forums-User total cool. Nur hab ich momentan einfach keine Zeit, so was zu organisieren. :D

    Zumal ich noch nicht mal 10 Posts in diesem Forum verfasst habe. Bin ja noch total neu hier! :D

    Die Anzahl der Postings ist für mich nur ausschlaggebend dafür, dass jemand gerne liest und schreibt.


    Ansonsten nehme ich hier jeden gleich ernst.


    P.S.: Weiß ja nicht wie die anderen das sehen... hoffe ähnlich. :)

    Und selbst wenn du Spagat könntest, hinter her dankt es dir sowieso keiner. - Vater Smoo

  • Eine coole Einstellung, gefällt mir!

    Aber vielleicht kann man das Thema "Forenuser-Veranstaltung" ja in einem eigenen Thread im passenden Sub-Forum anschneiden, damit das hier ned zu sehr ins Off geht ;)

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    - Tony Blauer

  • Willi, was genau meinst du denn mit Ethik? Ich interpretiere das mal als die Würde der Teilnehmer. Als Ausbilder spucke ich einen Teilnehmer nicht an, ich beschimpfe ihn nicht aufs Übelste...auch wenn das im Ernstfall durchaus vorkommt. Das würde ich mal unter Ethik verstehen. Oder hast du was anderes gemeint? :)

    Ich bin nur selten hier, daher antworte ich erst jetzt.


    Es gab mal eine Trainingsgruppe - lange vor dem SV-Hype - die bewußt die Grenzen verschoben haben ...


    Die Mitglieder der Gruppe sollten in der Lage sein in jeder erdenklichen Lage zu kämpfen, um daß zu erreichen wurden die Grenzen bewußt aufgehoben. Beispiele mag ich hier gar nicht anführen, aber anspucken wäre da das harmloseste gewesen ... einige Trainierende wurden so schwer verletzt, daß Blutungen erst in letzter Sekunde gestoppt werden konnten. Da ist keiner rausgegangen ohne einen psychischen Knacks abzubekommen.


    Aber sie konnten was ... es gibt einen Trainer/Meister/Sifu/Sensei der allgemein respektiert ist und sehr gut in seinem Fach ... der ist mal gegen den Cheftrainer angetreten und war derbe am schwimmen ... Die konnten schon etwas. Aber mußten alle einen hohen Preis zahlen.