Diskussions-Kultur

  • Hi Leute,


    derzeit findet gerade in einem anderen Thread eine sehr lebhafte und stellenweise auch sehr emotionale Diskussion statt. Abseits vom ursprünglichen Thema habe ich dabei sehr interessiert beobachten können, wie unterschiedliche Diskussions-Kulturen aufeinander prallen. Und hierin scheint mir sehr viel Zündstoff zu liegen.

    Und da ein Forum ja ein Ort des Austausches und der Diskussion ist, denke ich, dass die Kultur, die in diesem Zusammenhang gepflegt wird, vielleicht einen eigenen Thread wert ist.


    Ich würde gerne vor meiner Fragestellung meine eigene Sichtweise erläutern:


    Ich selbst bin ein Mensch, der die Diskussion/Debatte für eine große Kulturleistung hält. Das Diskutieren aller möglichen Themen ist für mich fast schon eine "heilige" Angelegenheit, weil sie mir erstens erlaubt, Sachverhalte zu verstehen/verständlich zu machen und mich zum zweiten mit meinem Gegenüber in echten Kontakt bringt. Ich stelle mich mit meinen Sichtweisen zur Verfügung, kritisiert, gelobt, umgestimmt oder bestätigt zu werden. Und genauso mache ich das mit meinem Gegenüber auch.

    Man könnte es auch so sagen: Die Diskussion ist für mich Sparring für die soziale/kognitive/emotionale Kompetenz.

    Dabei ist mir in einer Diskussion nicht nur wichtig, WAS gesagt wird, sondern auch (oft viel mehr) WIE etwas gesagt wird. Das gibt mir sehr viel Aufschluss über den Menschen, den ich mir da gegenüber habe.

    Die Diskussion, ob jetzt kontrovers oder korrespondierend, ist für mich Teil meines Lebens, ich treffe mich z.B. seit 16 Jahren jede Woche (nahezu ohne Ausnahme)mit meinen engsten Freunden. In dieser Runde wird dann entweder Pen&Paper-Rollenspiel gespielt oder eben über irgendwelche Themen diskutiert.

    Soviel kurz zu meinem Debatten-Background. :D


    Jetzt zur hiesigen Diskussions-Kultur, wie ich sie derzeit erlebe (und das nicht nur hier im Forum, das möchte ich anfügen).

    Ich hab mich in diesem Forum angemeldet, weil ich gesehen habe, dass hier im Gegensatz zur Alternative durchaus kontrovers und sachlich diskutiert wird und sich der Troll-Anteil auf ein absolutes Minimum beschränkt.

    Aber auch hier sehe ich ein paar Seiten, die mir persönlich sehr missfallen.


    Hier, genau wie in vielen anderen Foren, wird wert auf kurze, knappe und sachliche Beiträge gelegt. Ich beobachte seit langem, dass die Effizienz immer mehr Einzug in die Debattier-Kultur hält. Knackig formulierte Argumente, bitte nicht mehr als zwei oder drei Zeilen. Dieses Axiom wird allenthalben auch von verschiedenen Mods angemahnt.

    Aber warum eigentlich? Wenn ich mich in einem Forum anmelde, dann bin ich (korrigiert mich, wenn ich falsch liege) doch jemand, der am Austausch von Meinung/Wissen/Erfahrung interessiert ist. Nur warum bin ich denn nicht daran interessiert, mich mit den Äußerungen meines Gegenübers zu beschäftigen? Warum will ich seine Meinung in kurzer Form und zeiteffizient konsumieren? Warum nehme ich mir denn nicht die Zeit, mich mit dem Geschriebenen meines Gegenübers auseinander zu setzen? Ich empfinde das Ermahnen hin zum Kurzfassen als unhöflich und als Zeichen, dass es mir mein Gegenüber nicht wert ist, mich mit ihm und seinen Aussagen zu befassen.

    Wenn ich Drei-Zeiler möchte, melde ich mich bei Twitter an und lasse mir das Argument des Gegenübers mundgerecht vorgekaut in den Hals würgen. Hier werden Argumente nicht gehört/gelesen sondern konsumiert.

    Genauso läuft es dann mit der Antwort...ein kurzer Drei-Zeiler muss als Antwort reichen. Das ist keine Diskussion, sondern eine hoch effiziente Gegenüberstellung von Meinungen. Effizienz will ich in meinem Auto haben, aber nicht in der Diskussion. Immerhin haben wir hier nicht begrenzte Sendezeit.


    In meinen Augen lebt die Diskussion von der Ineffizienz...man kommt vom Thema ab, eröffnet neue Räume, ignoriert diese dann oder füllt sie mit neuen Inhalten. Eine Diskussion sollte ein lebendiges Geschehen sein, und keine tot-moderierte Twitter-Schlacht. Auch das unkommentierte Verlinken von Zeitungsartikeln oder Youtube-Videos ist für mich keine Diskussionskultur. Wenn ich etwas zu einer belebten Diskussion beizutragen habe, sollte ich die Höflichkeit besitzen, mir dafür Zeit zu nehmen. Immerhin tun die anderen das (hoffentlich) auch. Ich verzweifle schier daran zu sehen, dass das Eindampfen von Inhalten in möglichst wenige Worte heute eine Art Qualitätsmerkmal wird...die Diskussion ist eine Kultur und eine Geisteshaltung und sollte sich keinem ökonomischen Prinzip unterwerfen.


    Dass Diskussionen manchmal emotional werden und man sich gegenseitig Dinge an den Kopf wirft, finde ich im Übrigen nicht schlimm. Klar, alles muss im Rahmen sein und persönliche Beleidigungen haben in einer Diskussion keinen Platz. Aber zu einer Debatte gehört eben auch die Emotion. Wenn mein Gegenüber emotional wird, zeigt mir das, dass derjenige auch voll bei der Sache ist und die Dinge ernst nimmt.

    Im Übrigen muss eine Diskussion auch nicht immer zu einem Konsens führen. Warum auch? Im besten Fall haben sich für alle Beteiligten neue Perspektiven eröffnet und jeder geht mit mehr nach Hause, als er gekommen ist. Aber das kann eben nur funktionieren, wenn alle Beteiligten sich auch die Zeit nehmen, ihre Argumente ausgiebig darzustellen und die Argumente der anderen interessiert und konzentriert zu lesen.

    Ich fomuliers mal anders: Wenn jemand ein Problem damit hat, einen langen Text zu lesen und eine Botschaft heraus zu filtern, sagt das meistens mehr über den Lesenden als über den Schreiber aus.


    Ich selbst habe in meiner Tätigkeit als Mod niemals einen User gebeten, seine Posts kürzer zu fassen. Das stand mir, mit Verlaub, in meinen Augen nicht zu. Als Mod habe ich meine Aufgabe darin gesehen, oben genannte Beleidigungen zu unterbinden und die Köpfe ein wenig zu kühlen wenns arg zu sehr hoch kocht. Was hab ich denn ansonsten zu verlieren? Ein Thread läuft aus dem Ruder...na und? Es ist ja nicht so, als würde mir deswegen der Speicherplatz ausgehen. Außerdem kann man alles ja noch einmal nachlesen, es geht nichts verloren. Und oft finden sich die interessantesten Inhalte gerade in einer Diskussion, die ihren Ausgangspunkt thematisch ganz wo anders hatte.


    Manchmal tuts mir gut, mich an eines zu erinnern...nämlich den Ursprung des Wortes Forum. Doch die alten Griechen und Römer würden sich im Grabe umdrehen wenn sie wüssten, was wir aus ihren alten Hallen des Diskurses gemacht haben.



    So, nach den vielen Worten jetzt natürlich die Frage:


    Wie sollte in digitalen Foren diskutiert werden? Ist da noch Platz für echte Diskussion oder nicht? Ist euch das Einlassen auf das Gegenüber wichtiger oder das Angrenzen? Und reichen Drei-Zeiler um eine Diskussion zu bereichern?

    Ich bin gespannt auf eure Meinungen! :D

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Das war ganz schön viel Text, könntest Du die Kernaussagen noch einmal in zwei, drei Zeilen zusammenfassen? ^^

  • Wie sollte in digitalen Foren diskutiert werden? Ist da noch Platz für echte Diskussion oder nicht? Ist euch das Einlassen auf das Gegenüber wichtiger oder das Angrenzen? Und reichen Drei-Zeiler um eine Diskussion zu bereichern?

    Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

    ... o.k., ich habe jetzt erst mal keine umfassende Antwort parat, sondern nur ein Beispiel aus unserem Forum:

    Wir haben da einen Thread, der heißt:

    lustiges Klingenraten oder: wir üben mal Kantei

    und wir sind mittlerweile bei Beitrag # 1958 angekommen,

    und ja, gelegentlich reichten Drei-Zeiler, um die Diskussion zu bereichern,

    oft genügten sogar Ein-Zeiler, und manchmal waren es beinahe 'Romane',

    gelegentlich sind wir auch mal abgeschweift, aber wir sind immer wieder auf das Thema zurückgekommen,

    und ohne das Eingehen auf den Gegenüber wäre dieser Thread nicht so lange am Leben geblieben.

    Und für mich kann ich sagen, dass ich diese Diskussionen dort als bereichernd empfinde.


    Die Qualität eines Beitrags lässt sich ohnehin nur subjektiv beurteilen,

    und Länge ist nicht immer ein Zeichen für Güte.

    Breitgetretener Quark kann eben auch sehr ermüdend sein ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Es kommt auf den Inhalt an.

    Wenn ich viel schreibe, nur um einen langen Post zu verfassen und darin keine Aussagen mit Begründungen habe, ist es für mich immer sehr schnell uninteressant diese zu verfolgen.

    Wenn sich das Ganze immer wiederholt, hunderte Sätze ohne Inhalt, wird die Erwartung an den User immer geringer, das dort mal was mit Inhalt kommt.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Die Frage ist auch wieviel Gedanken sich man darüber macht. Ich gebe zu, dass ich mich oft kurz fasse. Aber ich habe meist alle Information drin, die es für die Diskussion meiner Meinung nach braucht. Nur halt nicht 5fach redundant und manche Sachen implizit.

  • Wenn ich viel schreibe, nur um einen langen Post zu verfassen und darin keine Aussagen mit Begründungen habe, ist es für mich immer sehr schnell uninteressant diese zu verfolgen.

    ...'jetzt bin ich ein wenig verwirrt, wieso hast Du kein Interesse an dem, was Du schreibst?' ...


    diese Antwort wäre dann ein Beispiel dafür, dass man den Schreiber des Zitats nicht ernst nimmt,

    weil der etwas anderes geschrieben hat, als er eigentlich ausdrücken wollte;

    solche Antworten sind nicht weiterführend, egal, ob man sie als Einzeiler formuliert,

    wie ich das gerade getan habe, oder ob man sich darüber romanmäßig ausbreitet.

    Man sollte schon versuchen, den Inhalt eines Beitrags zu verstehen,

    bevor man einen Satz (oder mehrere hundert Sätze) als inhaltsleer abtut.


    Tyrdal

    'Redundanz' ist übrigens ein bewährtes didaktisches Prinzip ...

    und ich mag es gar nicht, wenn ich ständig darauf achten muss,

    was mit einer Äußerung sonst noch 'implizit' gemeint sein könnte,

    so etwas führt schnell zu Fehlinterpretationen ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Dann machst du bei mir was falsch. Meine Aussagen gehören nicht interpretiert. Ich schreibe was ich meine. Und implizit heißt nur, daß man aus den gegebenen Daten sicher auf weitere schließen kann. Beispiel: Ich gebe die einen Weg und eine Zeit. Du kannst daraus implizit eine Geschwindigkeit ablesen.

  • Beispiel: Ich gebe die einen Weg und eine Zeit. Du kannst daraus implizit eine Geschwindigkeit ablesen.

    ... so einfach ist das nun auch wieder nicht,

    ich kann immer noch einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung innerhalb einer geschlossenen Ortschaft kassieren,

    obwohl ich diesen Ort nur mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h durchquert habe ...


    so oder ähnlich ist das wohl mit vielen 'impliziten' Inhalten einer Aussage.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Nun, die letzten Posts implizieren die Rückkehr zum eigentlichen Thema....

    Nehmt mich nicht ernst- ich mache es ja auch nicht!

  • @ Ida:
    Du verstehst mich da gerade falsch.

    Habe mich auch etwas verquert ausgedrückt.

    Wenn Person A ständig seitenlange Posts produziert, in denen es sehr wenig bis gar keinen Inhalt gibt, liest man diese Post eher uninteressiert. So wird es dann auch sein, wenn man drauf konditioniert ist, Post von A, 12 Seiten, Kopfkino: da steht eh nur blablabla drin, überfliegt man den Post nur noch und verpasst vielleicht mal ne wichtige Aussage.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Okay, offensichtlich bion ich da ein wenig falsch verstanden worden:

    Es geht mir gar nicht um die Länge des Postings...es geht mir darum, dass Kürze als Qualitätsmerkmal angesehen wird. Und sogar die Mods auf kurze und prägnante Aussagen wert legen und diese sogar in ihrer Funktion anmahnen.

    Wenn ich nicht bereit bin, mir ein Posting interessiert durchzulesen um dann eben die Aussagen heraus zu lesen, dann ist die Frage, ob ich bei Twitter nicht besser aufgehoben wäre.


    Unsinniges Geschwafel ist Quatsch, natürlich. Bin ich ganz dabei. Nur manchmal braucht es eben ein paar Sätze mehr, um einen Inhalt zu vertiefen. Und manchmal ist es einfach auch meine persönliche Art, mehr zu schreiben.

    Warum ich das mache? Weil es höflich ist, Sätze auszuformulieren und mich der deutschen Sprache auch mal etwas ausführlicher zu bedienen. Kurze Sätze mit Subjekt-Prädikat-Objekt sind mir eben manchmal einfach zu wenig.

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Naja, ich behaupte mal vollkommen arrogant, wir wissen was wir schreiben.


    Ich kann zum Beispiel Kaji und mittlerweile auch Dir kein X für ein u vormachen. Dann weiß ich mit Sicherheit, dass es auch stille Mitleser aus dem höheren "Schwertolymp" gibt. Jeder Quark fällt auf einen zurück, die Szene ist ein Dorf. Andererseits, was habe ich zu verlieren? Ich habe schon damals nicht verstanden, warum einige Kanteiisten damals bei der NBTHK keine Zettel abgegeben haben, um ihr "Gesicht nicht zu verlieren".

  • Es geht um den Inhalt und wie dieser benannt wird.

    Als Beispiel:


    A sagt, der Ball ist rund.

    Das ist eine kurze und präzise Aussage.


    B sagt, der Ball hat die Form des in sich geschlossenen Kreises auf allen Ebenen, welche duch die ... (hier kommen dann tausende Wörter und Sätze, die mit der eigentlichen Beschreibung nichts zu tun haben, es werden Zitate und Aussagen irgendwelcher versorbener Philosophen angeführt, wie man einen Ball beschreiben könnte und was man mit einem Ball anstellen kann) ... und seine Farbe erinnert an die aufgehende Morgensonne. Was A sagt ist mir zu einfach und zu flach, weil nur meine Meinung zählt.
    Und darin sehe ich das Problem.

    Nicht wenn jeman sagt: Der Ball ist rund, jedoch hat er eine leichte Delle, auf grund von..!

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Nun, eine Diskussionskultur sehe ich in diesem Forum schon, auch wenn hier die Mods gerade ein wenig an den Pranger gestellt werden. Es ist hier keinesfalls Richtlinie der Mods nur kurze Postings abzugeben. Inhaltlich kann ich mich Schnüffler nur anschließen, aus unserer Erfahrung heraus ( wir versuchen ja alles mitzulesen) ist aber der Abschweifanteil in den einzelnen Fäden schon manchmal ganz schön hoch. Das siehst Du bereits in diesem kurzen Faden, wenn von deinem Ausgangsthema zur Implizierung abgewichen wird. Das wieder zurückschubsen zum Thema durch die Mods kann man natürlich auch als Hinweis auf kurze Posts auslegen, ist es aber nicht.


    Oftmals ist es aber auch so, dass Argumente als feststehende Tatsachen wiederholt werden, eine Diskussion daher nicht stattfindet sondern nur eine Gegenüberstellung von Ansichten. Ein Überdenken der eigenen Position gibt es dann nicht, daraus wird Konfrontation. An diesem Punkt grätschen wir gern rein , wenn das als Aufforderung zu kurzen Posts gesehen wird....


    Nun, bisher habe ich deine Einlassungen und Gedankengänge gern gelesen, auch wenn die manchmal länger sind ;)


    Als Schlusssatz : ich kann nur lesen was Du schreibst, nicht was Du denkst.


    K/

    Nehmt mich nicht ernst- ich mache es ja auch nicht!

  • Was A sagt ist mir zu einfach und zu flach, weil nur meine Meinung zählt.

    Hier fügst du eine Aussage hinzu, die ich so niemals getätigt habe.

    Ich werbe nicht dafür, die eigene (vermeintliche) Deutungshoheit in möglichst ausufernde Texte zu packen.

    Das eine ist reiner Stil, das andere ist Überheblichkeit.


    Ich habe in meinem Ursprungspost lediglich eine Beobachtung geschildert, die ich mehr und mehr mache, sowohl hier als auch sonst wo: Lange Argumentation, manchmal auch in viele und blumige Worte gekleidet, werden als "Geseier" abgetan und mit einem Mangel an inhaltlicher Qualität gleichgesetzt.

    Gerade in digitalen Foren sollen Argumentationen immer effizienter (Möglichst viel Inhalt mit möglichst wenig Wort) werden. Und das halte ich persönlich für nicht richtig. Der eine ist ein Mensch, der eher knappe Sätze formuliert und die Dinge schnell auf den Punkt bringt. Der andere formuliert aus, braucht mehr Zeit/Platz, um seien Standpunkte darzustellen.


    Mir persönlich sind lange Postings lieber, da sich mir meistens mehr Kontext und Subtext erschließt als durch einen knappen Zwei- oder Drei-Zeiler. Das ist übrigens nicht nur in Foren so, sondern auch in der Presselandschaft.

    Viele Header und griffige Schlagzeilen, Newsfeeds und Twitter-Meldungen und wenig Kontext. Da ist mir ein ordentlich recherchierter, ausführlicher Bericht tausend mal lieber.


    Ich stimme dir durchaus zu, dass lange Texte tendenziell eher dazu verleiten, nur quer zu lesen und möglicherweise die zentrale Botschaft zu verpassen. Aber ich sage auch, dass das mehr mit dem Leser als mit dem Schreiber zu tun hat.

    Ich interessiere mich sehr für das, was jeder Einzelne hier beiträgt und nehme mir auch die Zeit, mich durch längere Texte zu arbeiten. Ich empfinde es sogar als sehr höflich, wenn sich jemand die Zeit nimmt, mehr zu schreiben als nur Stichwort-artige Kurzbeiträge.


    Ich finde ja die Reddit-Tradition des TL;DR gut: ausführlicher Text oben für alle Kontext-interessierten, Kurzfassung mit Kernaussage am Ende für alle Zeitoptimierer. :)


    Meine explizite Kritik richtet sich ja auch nicht an die Leute, die hier diskutieren. Ich finde den Stil des einen besser als den des anderen, aber das ist natürlich persönlicher Geschmack.

    Meine Kritik ging eher in Richtung der Moderation, in der immer wieder auf Kurzfassungen/mehr Klarheit hingemahnt wird. Ich darf als Mod fragwürdige Inhalte (politisch/religiös/ideologisch/etc.) anmahnen, darf persönliche Beleidigungen unterbinden. Aber den Stil eines Foren-Users anmahnen, der gegen keine Regel verstoßen hat? Das sehe ich einfach anders. Es sollte schon noch im Ermessen jedes Einzelnen liegen, wie er seine Argumente ausführt. Wenn einige Leute dies dann als "too much" oder schwer verständlich ansehen, dann muss der jener Einzelne damit leben und kann sich ja selbst überlegen, ob er sein Post-Verhalten ab sofort ändert oder nicht.

    Wenn ich explizite Vorstellungen davon habe, wie in "meinem" Forum diskutiert werden soll, dann sollte ich das in den Regeln festlegen. Damit weiß ich als User von vorneherein, ob "meine Art" der Diskussion hier erwünscht/erlaubt ist und kann mich zur Partizipation entscheiden oder eben nicht. :)

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    - Tony Blauer

  • Jetzt bist du mir doch tatsächlich noch dazwischen gerutscht, Kibon, sonst hätte och gleich Bezug auf deinen Post genommen.


    Natürlich kann ein Mod durchaus auch mal wieder ein bisschen in die eine oder andere Richtung schubsen. Ich halte das zwar nicht für notwendig, aber da bricht mir jetzt sicher kein Zacken aus der Krone. :D

    Es geht mir auch nicht um die Interpretation eurer Interventionen, die sind immer sehr klar, davor ziehe ich auch explizit den Hut.


    Es wurde aber durchaus in dem ein oder andere Post explizit und wörtlich zu weniger ausschweifender Schreibweise gemahnt.


    Oftmals ist es aber auch so, dass Argumente als feststehende Tatsachen wiederholt werden, eine Diskussion daher nicht stattfindet sondern nur eine Gegenüberstellung von Ansichten. Ein Überdenken der eigenen Position gibt es dann nicht, daraus wird Konfrontation. An diesem Punkt grätschen wir gern rein , wenn das als Aufforderung zu kurzen Posts gesehen wird....

    Das ist vollkommen richtig und hier wird natürlich auch jede Diskussion absolut unterbunden. Da bin ich voll und ganz bei dir! Eine Diskussion besteht aus Sichtweisen, nicht aus Tatsachen.



    Im Übrigen liegt es mir fern, euch als Mods an der Pranger zu stellen. Ihr macht hier freiwillig einen tollen Job und ich weiß wie gesagt selbst, wie anstrengend und zeitaufwändig das oft sein kann.


    Ich will das auch nochmal wiederholen: Ich hab mich absichtlich in diesem Forum angemeldet, weil ich hier durchaus eine gute Diskussionskultur und Mod-Tätigkeit sehe. Aber ich benenne auch Grauzonen, ohne dabei aber einzelne zu verurteilen.

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    - Tony Blauer

  • Aber wissen tun wir definitiv auch nicht alles, das Gebiet ist einfach vielfältig. Getreu des Mottos unseres alten Präsis "Es gibt nichts was es nicht gibt" lernt man ständig dazu. So landen wir auch ab und an auf der Nase, aber wir versuchen unsere Meinung so plausibel wie möglich zu begründen.


    Im Kampfsportbereich eines Forums halte ich meist die Klappe. Ja, ich habe lange Jahre Kendo betrieben, aber was soll ich dazu schreiben? Eine KS/KK lernt man im Dojo, Trainingsraum/Halle oder wo auch immer.


    Ansonsten ist Diskussionskultur in Foren häufig auf ein rhetorisches Kräftemessen reduziert. Ich selbst bin davor nicht gefeit. Es ist auf gewisser Weise auch ein Ego-Problem, bei der man seine Meinung, Sichtweise und Standpunkt zu zementieren versucht - wie ein Produkt, dass man verteidigt. Leider aber auch auf einer Art und Weise, welche man von Angesicht zu Angesicht so nicht tätigen würde. Das ist halt Internet.


    Mod zu sein ist dann sicherlich nicht leicht. Kibon mit seiner ruhigen und intelligenten Art fällt mir immer wieder positiv auf. Da mache ich mir in diesem Forum was die Mods betrifft keine Sorgen.


    Vor vielen Jahren habe ich mal wutentbrannt ein größeres KK-Forum verlassen. Erst bin ich mit einem Forumiten und dann mit einem Mod zusammengerasselt. Und so etwas passiert mir, der eher selten auf 180 ist.

    Aber der Typ laberte nur dummes Zeug in Bezug auf Kendo, gab sich wissend in Iai-Do und Koryu-Kenjutsu und machte natürlich alles aktiv. Nur von dem was er schrieb war deutlich zu merken, dass er im Leben nie ein Schwert, Shinai oder Bokken in der Hand hatte. Der Typ kam aus Berlin, und obwohl mein Heimat-Nest etwas größer ist, im Kendo kannte man sich auch Vereinsübergreifend mehr oder weniger gut. Auch im Iai hatte ich reingeschnuppert und im Kenjutsu gab es damals nur eine Adresse. Aber dieser Mensch war mir absolut unbekannt - wenn auch von seinem Gehabe er den Eindruck im Forum einer KK-Größe in Berlin machte. Jeden meiner Kommentare konterte er mit absoluten Blödsinn. Fachlich bekam ich keine Rückendeckung, weil Kendoforen immer unterbesetzt sind. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich forderte ihn auf zu einem Training in meinem Verein zu kommen oder ich eben zu ihm.

    Darauf ging er nicht ein und es kam weiter nur Quatsch. Darauf schrieb ich offen im Forum, das er ein Blender und Dummquatscher ist und im Leben nie eine dieser KK betrieben hat oder betreibt. Erst jetzt schritt ein Mod ein und verwarnte mich. Auf mein Einwand, dass dieser Mensch hier nur ungestraft Blödsinn verbreiten darf und es hier definitiv sich um ein Troll handelt, kam nur lapidar "niemand besitzt den Stein des Weisen..."

    Daraufhin habe ich mich aus dem Forum verabschiedet.


    Internet und Foren sind eine eigene Welt und haben oft wenig mit der Realität zu tun. Ich bin auch in Bogenforen unterwegs und kenne dort viele persönlich. Dadurch weiß ich wie sie wirklich ticken und lese auch ihre Beiträge "anders", wo für andere das schon wieder ein Aufhänger wäre, eine "sinnfreie" Diskussion los zu treten. Womit ich dann wieder den Kreis mit Rhetorikgeplänkel und Internet-Ego schließe.

  • Perath :

    Mit meiner Aussage warst nicht expliziet du gemeint.

    Ich bevorzuge auch im RL kurze, präzise Aussagen. Ist meinem Job und meinem Umfeld geschuldet.

    Ich bin kein Freund von ausufernden UMschreibungen. Eine ausführliche und detaillierte Beschreibung ist persönlicher Stil und Geschmackssache.

    Nur wenn ich es übertreibe und von Höckschen auf Stöckschen komme, verliere ich das eigentliche Thema aus den Augen und starte Nebenkriegsplätze, die das eigentliche Thema nur verwässern.

    Und da finde ich, ist die Aufgabe der Mods, es wieder auf den richtigen Weg zu schupsen.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • wenn ich es übertreibe und von Höckschen auf Stöckschen komme, verliere ich das eigentliche Thema aus den Augen und starte Nebenkriegsplätze, die das eigentliche Thema nur verwässern.

    Klar, die Gefahr besteht...aber wenn ich jemand bin, der die Diskussion und die Argumentation beherrscht, kann ich vielleicht viel schreiben und dabei sogar viel meinen...und das alles beim Thema und auf den Punkt. ;)

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Klar, die Gefahr besteht...aber wenn ich jemand bin, der die Diskussion und die Argumentation beherrscht, kann ich vielleicht viel schreiben und dabei sogar viel meinen...und das alles beim Thema und auf den Punkt. ;)

    Dann liest man das ganze ja auch gerne.

    Das ist dann halt der Unterschied.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!