Selbstverteidigung - Was ist das?

  • Aha - und die Erde ist ne' Scheibe?

  • Viele schön geschrieben Texte, dabei ist mein eigens Fazit per Erfahrung viel kürzer.

    Das wichtigste bei einer SV kenne deine eigenen
    Möglichkeiten und auch noch mehr deine Grenzen vor allem.

    Was will ich damit sagen.

    Zu meiner aktiven Chaoszeit, ich nenne sie mal so, war ich mir wohl bewußt, Kaji und Rennen ? Zwei Welten treffen aufeinander. Eine Schildkröte mit Tretroller war schneller Diese Option ging also nicht. Was ich aber auch wußte, ich hatte einen wahrlich umwerfenden Charme in den Händen. Ich wußte auch das ich ziemlich schnell reagieren kann wenn es denn sein muß, normalerweise hasse ich Eile. Meine Kendolehre in der SV, na ja Kraft, Reaktionsgeschwindgkeit und etwas Gegener lesen, das konnte man eventuell verwursten.

    Der nächste wirklich wichtige Punkt, ich nenne es mal das "Shit-Radar"

    Durch aufmerksames Wahrnehmen der Umgebung ist man am Besten nicht da wo der Ärger ist, verrückter Weise lernt man das wirklich mit der Zeit, man bekommt einen regelrechten Riecher für Ärger

    Die nächste Kunst die hilft "Poker-Do".

    Ich meine das wirklich so, merkt das Gegenüber du hast Schiss sieht er deine Schwächen schneller und du hast weniger Optionen. Also niemals Angst zeigen und wenn die Hosen bis zum Anschlag voll sind. Übrigens wer tief im Innerem in einer SV Situation keine Angst hat, den halte ich für einen Idioten, denn man weis nie ob man heil rauskommt.

    Krähatifität ! Ich weis dieses Wort ist impertinent falsch geschrieben. warum ? Damit rechnet keiner. Der Angreifer kann etwas tun womit du nicht rechnest, also mache es genauso. NImm Anregungen auf ! Was meine ich damit. Zur Erläuterung mal eine kurze Anekdote aus meinem friedlichem Leben.

    Zu Unizeiten habe ich die schlüssel immer an drei schweren Bergsteigerkarbinern am Hosenbund befestigt. Um damit zu schlagen, nein, damit ich ich sie nicht wieder irgendwo liegen lasse. Eines Abends ging ich in einen Imbiss, der Eintritt wurde mir fast verwehrt ! Begründung ? Die meinten meinen Schlüsselhalter, das seine Waffe ! Nach einer Erklärung liessen sie mich trotz bis dahin noch nicht Waffe ein.

    Geraume Zeit später war ich in der zweifelhaft glücklichen Lage diese Inspiration, nennen wir sie "Schlüsslbundalprtaum" auszuprobieren ; ein sehr probates Mittel.

    Wenn du nichts hast und nicht fliehen kannst, Systerm "Lügenbold"

    Was das schon wieder ist ? Der Puter bläst sich auf, der Frosch ebenso, also, dicke Backen machen........Nie vergessen, der Mensch ist zu großen Teilen ein Instinkttier.

    Grantiert das alles ein schadlosen Ausgang ?
    Nicht die Bohne, aber es erhöht die Wahrscheinleichkeit das man heil rauskommt.

    Das waren mal einige wirren Gedanken von einem Nichtkörperkuschler mit Erfahrungshintergrund.

  • So bekommen die beiden Worthülsen aus der Selbstverteidigung plötzlich und unerwartet ein Gesicht. Das also ist plötzlich und unerwartet. Ob dann jemand mit einem Messer, mit einer Machete, mit einer Pistole oder auch zwei Angreifer da stehen, bleibt dann weiterhin dem/den Täter/n überlassen. Man sieht eben auch: Das Opfer, welches diese Messerstiche abbekommen hat, wird nun nicht seine Trainingskleidung aussziehen, duschen und nach Hause gehen.


    Will sagen: Das ist nicht meine Realität. Würde mich das betreffen, so wünschte ich, die Trainer der Selbstverteidigungskurse hätten Recht und es würde dann ein einzelner Angriffs-Dummy vor mir stehen, mich nicht überraschen und mich nicht lebensbedrohlich angreifen.

  • Naja, aber wie Brandenburger schon sagte: Das ist nur ein mögliches Szenario (quasi der worst case). Es gibt noch viele andere bei denen sich mit Training die Chancen verbessern lassen.

  • Tyral: Es ist immer besser etwas zu trainieren, als nichts zu tun. Ich glaube, dass wir uns da einig sind - insofern wandeln wir im seichten Wasser der Binsenweisheiten.


    Die Sache ist auch nicht die, dass es sich bei dem Video um "ein mögliches Szenario" handelt, denn auch das ist eine Binsenweisehit. Das Entscheidende in diesem Video ist, wie Realität aussieht. Was also ist es, wenn man von plötzlich und unerwartet spricht? Wer sich diese Frage gestellt hat, wird in diesem Video fündig. Auch der Umstand, dass Täter gerne ihre Vorteile ausnutzen und dem Opfer sämtliche Vorteile klauen, wird hier bestens gezeigt. Noch einmal: Das hier ist die Realität und man würde hier eine Art Beschönigungen betreiben, wenn man behauptet, dass alle anderen Überfälle auf Personen wesentlich besser ablaufen würden. Stimmt nicht. Insgeheim wissen wir das auch, weil wir alle darüber per YouTube auch immer wieder auf dem Laufenden gehalten werden.


    Oder meinst Du, dass die eigentliche Realtitä viel harmloser ist?

  • Für die meisten Menschen in D ist deren Realität deutlich harmloser. Wie oft kommt so ein Extremfall denn vor? Meistens lassen doch selbst Räuber die Opfer leben, solange die mit dem gewünschten rausrücken.

  • Jetzt lass da mal das Messer weg und setzte Faustschläge.

    Der wirklich trainierte sollte hoffentlich nicht bei dem ersten Treffer direkt zu Boden sinken, sondern reflexmäig zumindest mal das Kinn runter nehmen und die Hände zur Deckung hoch.
    Dann sollte er sich beswegen können.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Ist das so? Ist es so, dass man sagen kann, dass "die Realität" deutlich harmloser ist? Lässt sich das vielleicht auch nicht nur behaupten, sondern auch mit Zahlen belegen? Auch die Aussage, dass Täter ihre Opfer leben lassen, finde ich unglaublich sarkastisch, wenn man auf das Video schaut... genau das hat in diesem Fall nämlich der Täter auch getan: Er hat sein Opfer leben lassen. Der Rest ist dann wiederum purer Menschenverstand. Ich schätze mal, dass Opfer hat den Übergriff nicht überlebt.


    Wenn ich mir die Statistiken des BKA so anschaue, unsere Tageszeitung für den Raum Landkreis Nienburg/W. so durchlese und die Tagesschau, sowie das Heute-Journal anschaue, komme ich nicht drumrum: Angriffe mit dem Messer haben zugenommen. Ob ein Täter dann auch mit dem Messer zusticht, weiß man nicht. Allerdings ist die Realität auch kein Truppenübungsplatz. Will sagen: Ich hoffe nicht, dass irgendein Trainer im Training oder einem Seminar sagt, dass er glaubt, dass die Realität nicht so schlimm ist. Probieren müsste man es ja dann in der Realität - wo auch sonst? Und wenn das daneben geht...


    Also noch einmal Tyrdal: Von herunterspielen und Verallgemeinerungen schwatzen sich Realitäten nicht von selbst dahin, wohin man sie gerne selbst haben würde...


    schnueffler

    Wäre dann noch das Thema plötzlich und unerwartet zu klären. Das kann ich nicht genug erwähnen... ich glaube, viele denken, dass sie ein plötzlich und unerwartet immer noch abfangen könnten. Wäre es so, dann wäre es ja ein erwartet... oder? Warum sonst sollte man auf Nehmerqualitäten setzen, wenn man sowieso nichts abbekommt, weil man eine Reaktionszeit von 0.00 Sekunden hat?

  • Ich setzte auf Nehmerqualitäten und auch auf schnellere Reflexe, die einem helfen, das man doch etwas anspannt oder die genauen KO Punkte rausbewegt, wenn es ins Gesichtsfeld kommt.

    Den ersten werde ich zu 99% nehmen müssen, wenn sich vorher keine Duellsituation aufgebaut hat.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Ich würde mich da jetzt mal ganz klar bei Paladin positionieren.

    Das Problem bei der SV in der REALITÄT sind eben die beiden Faktoren plötzlich und unerwartet. Genau darauf zielen ja moderne SV-Systeme auch ab...zum einen die Reaktionsgeschwindigkeit möglichst gering halten und zum anderen die Abwehr auch unter Hochstress noch abrufbar zu machen. Unsere Reflexe sind nun mal das schnellste, das uns zur Verfügung steht.


    Nur JEDES SV-System, egal ob Hybrid, WT, Taijiquan oder sonst was muss sich an eben jener Realität messen lassen. Und das bedeutet eine einzige Frage: Funktioniert deine SV auch dann noch, wenn der Übergriff plötzlich und unerwartet geschieht?

    Wenn dir die mentale und physische Vorbereitungszeit vorenthalten wird? (gut, das waren zwei Fragen :D )


    In meinen Seminaren referiere ich zum größten Teil (ca. 99% der Zeit) über die erste Sekunde des Übergriffes.

    Im schlimmsten Fall dauert ein Übergriff genau einen Faustschlag. Habe ich die oben genannten Nehmerqualitäten nicht oder setzt es eben den viel besungenen Lucky Punch wars das für mich. Ob ich dann 10 Minuten oder 10 Jahre SV trainiert habe spielt dann keine Rolle mehr.

    SV bedeutet, den ersten Übergriff zu überstehen und die Initiative zu gewinnen bzw. eine dominante Position zu erarbeiten. Ab da habe ich eine Duellsituation und kann in die aktive Anwendung gehen.



    Zum Thema Realität: Es ist eigentlich ziemlich unerheblich, wie "wahrscheinlich" eine Situation ist. In der SV trainieren wir für den Ernstfall, sprich: das Worst-Case-Szenario. Alles andere würde die SV an sich ad absurdum führen.

    Ob Übergriffe mit Messern nun statistisch gesehen steigen oder nicht interessiert mich als Trainer nur in so fern, als dass es meinen Fokus für bestimmte Dinge schärfen kann/soll.

    In der Realität habe ich nur dann etwas von der SV, wenn sie für mich auch in möglichst vielen Situationen anwendbar ist. Das ist in etwa so wie mit der Superkraft des Dreiviertel-Levitierens oder des Langsam-Fliegens...wenn schon denn schon! ;)

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • "Unerwartet"..in meinem kleinem lustigen Text habe ich das "Shit-Radar" erwähnt. Das geht wirklich, ist aber eine Übungssache. Vor jedem Angriff wir man z.B- vom Gegner beobachtet, das Ist unausweichlich. Solche Dinge sollte man einfach wahrnehmen können, ohne dabei paranoid zu sein.

  • Im Video sehe ich einen eiskalten Mord und ohne das Motiv des Täters zu kennen, ist es für mich schwierig, weitere Erkenntnisse daraus zu ziehen.


    Der Täter steht ca. einen Meter vom Opfer entfernt.


    Das Opfer ist arglos hat nicht mal den Verdacht, dass etwas passieren könnte.


    Die erste Attacke ist im Ziel "bulls eye".


    Schwierig da über Training, "shit radar" oder sonst wie was zu machen.


    Die andere Person läßt der Täter ja dann auch in Ruhe.


    Mich würde das Motiv des Täters interessieren.


    Zahlen aus der PKS 2016.


    Fälle von Mord und Totschlag sowie Tötung auf Verlangen legten um 14,3 Prozent auf 2418 Fälle zu, wobei der Anteil der Versuche mit fast 73 Prozent überwiegt.

    Nachweis


    Da sind m M n die Angriffe mit Messern drin.


  • Ist das so? Ja in D ist das noch so. Es gibt vereinzelt Fälle wo Junkies oder psychisch Kranke einfach mal so jemanden stechen. Ansonsten kommen solche Attentate wohl eher im kriminellen Milieu vor. Das zähle ich in dem Zusammenhange nicht.


    Das dieser Täter sein Opfer wohl getötet hat, sagt nichts über unsere Situation hier. Es kann schon sein, daß Messerangriffe hier zugenommen haben, die sehen aber wohl selten so aus wie der hier. Meist fangen die wohl mit nem Streit an und dann ist eigentlich nichts mehr unerwartet und plötzlich.


    Also noch einmal Paladin. Übertreibungen und sinnlose Beispiele bringen einen nirgendwo hin.


    Und klar, wenn man das Messer weglässt und nur noch die Schläge nimmt kommt ein Szenario raus in dem sich das Opfer noch verteidigen kann.

  • Ganz ehrlich: Wir haben eine völlig unterschiedliche Sichtweise von "Realität". In meiner Realität gibt es keine Wiederholungen, wobei auch Schlussfolgerungen àla "... bei dieser Situation war das so, also ist das in anderen auch so..." völlig unsinnig sind. Jede Situation ist anders.


    In diesem speziellen Video ging es mir darum, dass das Opfer keine Chance zur Reaktion hatte. Das Opfer reagierte ganz offensichtlich nicht extra nicht. Es war eben überrascht. Mein Reden: Täter versuchen Opfer zu überraschen - sollte sich eigentlich herumgesprochen haben, dass Täter böse sind und leider damit außerordentlich erfolgreich sind, wie man sieht.

    Reduzieren wir das auf diesen einen Fakt, so bleibt genau das, was ich oben erwähnte: Das ist plötzlich und unerwartet. Ob mit oder ohne Messer: Dieser Angriff wäre immer noch plötzlich und unerwartet, wäre da kein Messer im Spiel und zumindest den ersten Schlag hätte das Opfer nehmen müssen = Nehmerqualitäten. Denn: Plötzlich und unerwartet hängt an keiner Waffe, sondern an PLÖTZLICH und UNERWARTET... ganz natürlich.


    Im Verkehr passieren ebenfalls Dinge plötzlich und unerwartet, auch dort gibt es Überlebende und Tote. Gäbe es dort die großen Kampfkünstler, die das 3. Ei haben und in die Zukunft sehen könnten, wäre das natürlich völlig anders. Da ich wette, dass auch Kampfsportler und Kampfkünstler unfälle bauen, weil plötzlich und unerwartet jemand vor ihnen bremste, ein Tier auf die Fahrbahn läuft oder ein Kind da steht, sollten diese Begriffe einfach geläufig sein. Nur an der Auslegung hapert es noch. Wo Kampfkünstler bei Angriffen denken, sie könnten plötzliche und unerwartete Angriffe abwehren, bekommt plötzlich und unerwartet auf der Straße plötzlich eine ganz andere Bedeutung, weil dadurch, dass man es eben nicht vorherahnen kann, Unfälle passieren. Ist doch komisch, wie man ansich klare und eindeutige Dinge ins ad absurdum quatschen kann.


    Sorry, aber im Bezug auf diese Sachverhalte würde ich Deine Beiträge in die Kategorie Kampfkunst-Romantik einordnen. Eine "Übertreibung" gibt es nicht in der Realität - Jeder Fall für sich wäre dann eine Übertreibung, weil es immer weniger schlimm geht. Wo will man denn da die Grenze ziehen?