Togi-Gedanken.

  • Für Außenstehende ein komisches Thema, aber ich glaube es ist mal sinnvoll, daß Außenstehende mal sehen worüber man sich so seine Gedanken machen darf.

    Es soll auch Sinn der Übung sein, zu verstehen warum wir so langsam sind.

    Die handwerklich Arbeit dauert vielleicht zwei Wochen, die Planung ? Im Zweifel Monate.

    ich habe jetzt eine Woche gegrübelt, was stelle ich im Shiage togi, der Endpolitur an, der Hada ist überwältigend, der Hamon komplett chaotisch. Wie bekomme ich eine gewisse Harmonie in das Erscheinungsbild `?

    Ich denke die Lösung ist die :Den Hada toben lassen, den Hamon etwas zurücknehmen per Hadori. Dann hat man das Alt und Jung schön zum Ausdruck gebracht, wobei bei genauer Betrachtung klar wird, daß das Junge im Alter enthalten ist.

  • wobei bei genauer Betrachtung klar wird, daß das Junge im Alter enthalten ist.

    ... und genau das betrachte ich als wesentlichen Bestandteil aller 'Traditionsüberlegungen',

    auch wenn die Traditionalisten das nicht wirklich wahrhaben wollen.


    nachtrag: ich befürchte allerdings, dass ich mich jetzt auf den falschen Thread bezogen habe ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Grundsätzlich ist die eigentliche "Härtungslinie" weißlich schimmernd. Wie schon richtig bemerkt wurde hänget das mit der Lichtbrechung zusammen. Wie ich bereits in der Einführung in das Nihonto ( Die aber kaum jemand liest. devil.gif ) beschrieben habe, besteht diese Linie aus Nie oder Nioi oder einer Kombination aus beiden. Diese feinen Partikel sind im Grunde genommen nichts weiter als winzige in den Stahl eingebettete gehärtete Kügelchen. Auf ihrer gerundeten Oberfläche streut das Licht natürlich prima.

    Der darunter zur Schneide hin liegende gehärtete Bereich ist nicht immer von Natur aus mit einem weißen Schimmer versehen. Hier muß der Polierer etwas nachhelfen, um die gehärtete Partie als Kontrast zur nicht gehärteten erscheinen zu lassen.

    Dafür gibt es zwei Optionen.

    Beim Hadori-Shiage ( auch Kesho Politur genannt ) wird das Ji möglichst dunkel ( also spiegelartig glatt ) gestaltet. Man darf Dieses natürlich nicht übertreiben, sonst sieht man ja den Hada nicht mehr.Der Vorteil dabei ist, daß die gehärteten Partikel im Ji, also Ji-Nie Chikei u.s.w. deutlich sichtbar sind.

    Man kann sich das wie einen Golfball auf einer Wiese vorstellen. Je flacher und ebener die Fläche ist, um so leichter ist die Kugel, sorry, der Ball zu sehen. Ji-Nie sind ja nichts anderes als kleine Kugeln.

    Würde man den Hada zu plastisch polieren, d.h. die Schweißnähte zu sehr aufreißen und die unterschiedlich harten Stahlsorten reliefartig abschleifen, um so schwieriger sind diese feinen Hataraki genannten Aktivitäten im Ji zu sehen.

    Die Yakiba wird anschließend mittels eines Hazuya genannten Steines leicht aufgerauht und erscheint damit heller als das Ji.

    Die Nie und Nioi Partikel werden bei dieserTechnik regelrecht aus dem umliegenden Material herausgeschält. Wird diese Shiage-Verfahren richtig angewandt, so erscheinen die Körner als hell strahelende Kügelchen. Diese können im Reflex verschiedene Farben annehmen; Blau, weiß, schwarz u.s.w. )

    Nicht immer ist es dabei möglich dem Verlauf des Hamon exakt zu folgen, also wird eine gedachte Linie poliert. Das was man bei einer in diesem Stil polierten Klinge auf einem normalen Foto sieht ist meistens nur das Hadori und nicht der eigentliche Hamon.

    Die zweite Möglichkeit ist das Sashikomi Shiage.

    Bei dieser Technik wird das Ji mittels eines speziellen Nugui das nur die nicht gehärteten Partien angreift geschwärzt.

    Der Vorteil dieser Technik besteht darin das der Hamon vom Verlauf her perfekt dargestellt werden kann.

    Der Nachteil besteht darin das sehr feine Hada zum Verschwinden neigen, und daß durch die Härtedifferenz Tsukare ( Ermüdungen ) auch nett betont werden.

    Was das Thema Säure angeht : Bei Säure werde ich sauer. dieses Mistzeug frist sich erbarmungslos immer weiter in die Laminatstruktur des Schwertes. Das extremste Ergebnis das ich mal zu kommentieren die Ehre hatte, hattedie Konsistens eines Blätterteigs.


  • Wie vielleicht bekannt ist existieren bei der Endpolitur des Nihonto zwei Varianten :

    1. ) Kesho

    2. ) Sahikomi

    Die Kesho Poltur wird auch als Habiroi oder Hadori-shiage bezeichnet.


    Wo liegt jetzt der Unterschiede zwischen beiden Stilen, was sind ihre Vor und Nachteile.


    Wie man zum Beispiel an dem in einem anderen Beitrag erwähnten Moritsugu sieht, ist das Sahikomi-shiage dazu in der Lage, den Verlauf eines dichten Hamon perfekt darzustellen. Wie gesagt, der Hamon muß möglichst dicht sein, also ist Nioi-deki angezeigt. Würde man diese Technik auf einer Nie-Deki Klinge anwenden, so würde der Hamon eine zu difuse Linie ergeben.


    Es wird häufig erzählt, das Sahikomi-Shiage bringt alle Aktivitäten der Klinge ( Chikei, Sunagahi u.s.w. ) besser zur Geltung. Das stimmt so leider nicht.

    Um den Effekt des Sahikomi zu verstehn, muß man sich klarmachen wie der "Trick" funktioniert. ( Falls jemand glauben sollte ich rücke jetzt mit dem Nugui-Rezept raus : Denkste )

    Die grundlegende Technick des Sahikomi besteht darin, die ganze Klingenoberfläche bis zur zweiten Stufe des Shiage, also der Endpolitur mittels des Hada-Steins Jizuya möglichst weiß zu gestalten. Anschleßend wird die nichtgehärtete Partie mittels der Nugui genannten Ölsuspension ( mit verschieden Schleifsteinmehlen u.s.w. ) geschwärzt. Dieses Schwärzen ist nicht´s weiter, als das die nicht gehärtete Partie durch dieses

    Nugui stärker angegriffen wird als die gehärtete Partie. Resultat : Der Hamon ist vom Schliff her noch rauher als die restliche Oberfläche und erscheint daher im weißen Kontrast.


    Man könnte jetzt sagen na prima, das muß doch bei allen Klingen klappen, das gehärtete Material ist doch immer härter als der Rest. Stimmt leider so nicht.

    Das Ji-Nie ist z.B weicher als das Ha-Nie. Daher können bei einem Sashikomi Aktivitäten im Ji kaputtpoliert werden, da diese ja grundsätzlich aus mehr oder minder feinen Ji-Nie aufgebaut sind.

    Das nächste Problem besteht im Erhaltungszustand der Klinge.

    Es darf keine Ermüdung ( Tsukare ) vorhanden sein. Der Kernstahl ist bedeutend weicher als der Kawagane genante Mantelstahl, ergo er wird noch heftiger vom Nugui geschwärzt als der Rest.

    Das Sahikonmi-Nugui ist recht aggressiv, ein sehr feiner hada kann daher leicht verschwinden.


    Fassen wir zusammen : Sashikomi gehört nur auf Klingen ohne Fehler in Nioi-Deki.


    Nun zum Kesho.

    Es ist aus meiner Sicht sehr ärgerlich, daß das Hadori-Shiage häufig mißbraucht wird. Insbesondere in den Zeitraum um 1970

    herum wurde auf Teufelkomm raus Keshoisiert. Leider meisten so, das der Hamon darunter leidet.

    Aber wieso ?

    Es gibt ein "gutes" Kesho und schlechtes Kesho. Um den Unterschied zu sehen muß man sich auch hier verdeutlichen was bei diesem Politurschritt des Anweißens passiert.

    Nachdem dei Klinge mittels des Nugui auf einen fast schwarzen Lüster abgetönt wurde, beginnte der Togishi mittels des hazuya genannten Steins den Hamon anzuweißen.

    Wie schon erwähnt, wirkt die Partie deswegen heller, weil sie etwas rauher gestaltet ist als der Rest der Oberfläche.


    Der Knackpunkt liegt hier beim Hazuya. Der beim Habiroi benutzte Hazuya ist der gleiche Stein der im ersten Schritt der Endpolitur dazu benutzt wird, die Feinheiten des Ji die auf unterschiedlchen Härtegradierungen beruhen hervorzubringen.


    Es ist jetzt aber so, das der Prozess des Habiroi sehr langsam vor sich geht. Ein fauler Polierer nimmt jetzt einfach einen anderen Hazuya, vieleicht einen etwas weicheren, einen etwas rauheren und "Hadorisiert" damit. Das Ergebnis ist wie es sich gehört, eine hübsche weiße Fläche, bloß leider hat er dabei die Feinheiten des Hamon plattgemacht. Das ist das schlechte Kesho.

    Ein guter Togishi nimmt einen adequaten Hazuya und investiert einfach mehr Zeit und Mühe. Das Ergebnis ist eine auf den ersten Blick nur weiße Fläche, bei genauerem Hinsehen aber sieht man jede noch so kleine Aktivität.


    Das Hadori-Shiage besitzt noch zwei weitere Vorteile : Schwache Stellen im Hamon können kaschiert werden, das Ji kann mittels Jizuya und Nugui so behandelt werden, das eventuelle Fehlstellen nicht so sehr in´s Auge fallen.


    Es gibt natürlich diverse Kombiationstechniken zwischen den beiden Stilen. Ich z.B bevorzuge es den hamon nicht ganz in einem Schneegestöber verschwinden zu lassen sonder ihn etwas mit einem Rahmen zu begrenzen.


    Ich hoffe jetzt ist der unterschied zwischen Kesho und Sahikpomi-Shiage etwas deutlicher.


    Nun eine kleine Ergänzung

    Die Säure in der Endpolitur.

    Woran bemerkt man das getrickst wurde ?

    Wenn ein Profi das sehr gut gemacht hat, fast kein Chance, aber die meisten pfuschen zum Glück. Säure ist übrigens dieses so oft gehörte "spezielle Wasser".

    Was passiert wenn man ein Klinge mit Salpetersäure einpinselt ? Das Pflaumenessig konz der alten Welt benutz doch heute keiner mehr.

    Der gehärtete Bereich wird erstmal schwarz, der restliche Bereich schmuddelig weis-grau. Die "Härtelinie" steht heraus wie eine Eins.

    Also muß man die Farben koregieren mittels Hatsuya und Jitsuya.

    Was passiert ?

    Der Hamon steht immer noch heraus, das Ji wird dunkler, der Hamon wird weislich. Oh wies schön ! Prima für ein Pseudosashhikomi !

    Die Sache hat blos einen kleinen Schönheitsfehler. Der gehärtete Bereich hat im entsprechenden Winkel einen ekelhaften Braunstich der Hamon sieht quietsch grell weis aus, das Ji sieht offen aus, der Stahlglanz, die Eleganz ist im Eimer.

    Man kann das noch etwas korrigieren durch mehr Arbeit mit den Tsuya, den Fingersteinen, blos dann, oh Graus landen wir da wo wir auch ohne Säure hingekommen wären.....


    D.h. Bei einer Säure-Politur sieht es so aus das einem sämtliche Merkmale mit naktem Hintern in unschöner Weise in das Gesicht springen. Einige Kenmashi mildern das durch ein weiches Nugui etwas ab.

    Was man aber immer machen kann : Schnüffeln.

    Stinkt die Klinge nach Säure bei den Merkmalen ist auch welche drin. Säure stinkt nämlich wenn sie sich eingefressen hat.


    Ich hoffe das hilft etwas weiter.

    Gruß