SV-Trainer mit behördlichem Hintergrund

  • Hi Leute,


    ich war neulich in eine recht hitzige (aber interessante) Diskussion verwickelt.

    Aufhänger war eigentlich ein recht mieses Angebot zur Trainer-Ausbildung in der SV in nur 60 Stunden. Soweit so gut/schlecht. Der Anbieter hat dann auf diverse kritische Anmerkungen hin u.a. gemeint, dass die Ausbilder samt und sonders aus dem behördlichen und/oder militärischen Bereich kämen.

    Mir ist schon öfters aufgefallen, dass mit diesem Hintergrund der Ausbilder Werbung gemacht wird.

    Und hier meine Frage: Denkt ihr, dass ein behördlicher/militärischer Hintergrund ein Qualitätsmerkmal ist, wenn es um SV-Kurse im zivilen Bereich geht?


    Meine Meinung: Jein.

    Auf der Haben-Seite steht natürlich, dass Ausbilder mit entspr. Hintergrund oft/meistens mehr praktische Erfahrung vorweisen können als Zivilisten und das Training von SV-Techniken zu deren Beruf gehört.

    ABER...zum einen kenne ich bei einigen Polizei- und Militär-Einheiten die Konzepte, nach denen Selbstschutz trainiert wird und das ist gelinde gesagt haarsträubend. Zum anderen finde ich, dass Selbstschutz für einen Behördler doch ein wenig anders zu bewerten ist als für einen Zivilisten, oder? Gewaltanwendung, Ausrüstung, Mannstärke (Thema Überzahl, etc.)...


    Was sagt ihr...ist ein behördlicher Hintergrund ein Qualitätsmerkmal im Selbstschutz?

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Klipp und klares nein.

    Aus dem einfachen Grund, behördlich wird wenig SV trainiert. Eingriffs- und Zugriffstechniken oder töten. Das idealerweise unter Zuhilfenahme von Waffen.

    Die Zielsetzung ist eine andere, mit der dort trainiert wird.

    Ich kann eher mein ziviles Training nützlich dort einbringen, als umgekehrt.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Verständnisfrage:

    Ist 'Selbstschutz' nicht noch etwas anderes als SV?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Was sagt ihr...ist ein behördlicher Hintergrund ein Qualitätsmerkmal im Selbstschutz?

    Nein


    Es zieht aber immer noch bei einigen Leuten ... wenn ich " Krav Maga " anbiete und ein Foto von mir und einem Israeli in Tarnhose und schwarzem Balken über dem Gesicht auf die Homepage packe, zieht das bei einigen Leuten. Dann darf ich mich aber auch nicht beschweren, wenn Leute ins Training kommen und schon ein Messer im Knöchelholster stecken haben und sie ganz verwundert reagieren, wenn man sie rauswirft.


    Mir gefallen die Anbieter, die nicht damit werben, sondern von Behörden und anderen Institutionen direkt angesprochen werden. Daß kann man dann ruhig erwähnen. Und die Szene in D ist eh nicht so groß ... da kennt man sich. Und die schwarzen Schafe kommen halt auf die Liste.

  • Ich habe keine Ahnung von der Ausbildung durch Trainer mit behördlichem Hintergrund, halte mich daher raus. Aber vielleicht am Rand ein Hinweis auf einen Vorfall hier: Polizisten haben in einer Alpha Schule trainiert, einer der Polizisten hat nun ein Disziplinarverfahren am Hals....das ist nämlich nicht Ausbildungskonform...........

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Kibon () aus folgendem Grund: Schreibgefehlerte Stellen geändert...

  • Ich habe keine Ahnung von der Ausbildung durch Trainern mit behördliche Hintergrund, halte mich daher raus. Aber vielleicht am Rand ein Hinweis auf einen Vorfall hier: Polizisten haben in einer Alpha Schule trainiert, einer der Polizisten hat nun ein Disziplinarverfahren am Hals....das ist nämlich nicht Ausbildungskonform...........

    Du musst dazu sagen, dass der Ausbilder es als behördliches Einsatztraining vermarktet hat.

    Und das ist nicht statthaft.

    Es hat niemand was dagegen, wenn du als Einsatzbeamter noch privat was trainierst, aber bei Eingriffs- und Zugriffstechniken sollte man bei dem bleiben, was dienstlich angeboten wird, weil dies meist auf das Team abgestimmt ist und man auf der sicheren Seite ist, wenn mal was passiert.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Als Betroffener ...


    Das Problem in Bielefeld ist, daß dienstliche Einsatztechniken gezeigt wurden. Daß ist uns eben verboten, selbst im privaten/familiären Bereich vorzuzeigen.


    Und ja, ich war sowohl bei der WTEO, als auch beim Alpha in Bielefeld.

  • Hab den Artikel gerade gelesen und musste laut lachen, als ich das von der Kampfaus- und 'regelmässigen' Weiterbildung gelesen habe.

    Hintergrund: Ein langjähriger Schüler von mir ist beim BGS und ab und an erzählt er von diesen "Weiterbildungen" und dass einige Kollegen recht allergisch darauf reagieren.

    In der eigentlichen Ausbildung wird einiges trainiert, später kommt es wohl eher auf die eigene Einstellung und Bereitschaft an hier was zu tun.

  • Perath , ein behörtlicher Hintergrund sagt meiner Meinung nach nicht unbedingt etwas über die Fähigkeiten und Qualifikation aus.
    Zu mal das Thema SV (im zivilen Breicht) dort kein Thema ist.
    Wie die Ausbildung im behörtlichen Bereicht ist, lasse ich mal außen vor.

    VG Chris

  • Danke für eure Rückmeldungen...die decken sich in der tat auch mit meinen Ansichten und Vermutungen.


    Verständnisfrage:

    Ist 'Selbstschutz' nicht noch etwas anderes als SV?

    Kommt drauf an, wen du fragst, aber da ich normalerweise auch zwischen diesen beiden Begriffen unterscheide: Ich habe mit Selbstschutz in dem Fall die Selbstverteidigung im Sinne Taktischer Nahkampf/Combatives/etc. gemeint. :)


    Zu der Sache in Bielefeld: Ich hatte das eben so mitbekommen, dass der Betroffene privat zu einer Schulung gegangen ist, um sich fortzubilden. Anscheinend gibt es Kritik an den inner-behördlich vermittelten Konzepten. Dass der Trainer dort Zugriffs-Techniken zeigt, hatte ich mir soweit gedacht, das machen ja viele (obs nun Sinn macht oder nicht ^^).

    Meint ihr mit Alpha-Typ, dass der Trainer das Alpha Combat System von Paul unterrichtet? Oder heißt seine Schule nur so?


    Ich find das Thema gar nicht so einfach zu beleuchten, da doch auf beiden Seiten berechtigte Interessen vorliegen, oder? Da ich aber keinerlei Bezug zu Behörden jedweder Art habe, kann ich da nur als Laie einen Blick von außen drauf werfen.

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Die Schule hier: http://www.alpha-bielefeld.com/


    Ich habe von 2009 - 2013 dort das Alpha Combat System und auch Eingriffstechniken ( logischerweise auf der Basis von Alpha ) trainiert.


    Davor war ich bei der WTEO in Bielefeld ... seit 2013 ( ? ) als ich schon längst raus war, wurde der Vertrag gekündigt. Ich kenne jemanden aus Paderborn der dann ins PhB VT gewechselt ist - als Beispiel.


    Privat kann man ja machen was man will, daß Problem ist eben das zeigen unserer Konzepte - deswegen ist das ja in Bielefeld hochgekocht. Ich habe jetzt z.Bsp. ein Jahr lang JFGF/JKD und Inosanto Kali gemacht um jetzt ins Grappling ( LL + Boxen, oder BJJ + Boxen ) zu wechseln. " Combatives " läuft dann auf Seminarebene weiter.


    P.S.:


    Herr Soos nennt sein System seit einiger Zeit " Alpha Krav Maga " ;). Auch inhaltlich hat sich wohl was geändert ... aber damit habe ich jetzt nichts mehr zu tuen.

  • Als ich APLHA trainiert habe, war das System auch grade dabei, sich ein wenig zu verändern, was mein damaliger Ausbilder aber geflissentlich ignoriert hat.

    Ich hab auch gelesen, dass er sein System jetzt ALPHA Krav Maga nennt. Naja, wenn er meint. Sein Fokus liegt ja anscheinend inzwischen eh zu 90% auf seiner Kampfsportschule.

    Das ALPHA wird aussterben, da hilft auch kein Name-Dropping. Ich fand das "alte" ALPHA eigentlich extrem gut. Würde mich trotzdem mal interessieren, was sich da jetzt konkret geändert hat. :D

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer