Selbstverteidigung Diskussion über Realität und Wirklichkeit

  • Hier die Diskussion über die Qualität und Ansprüche an Selbstverteidigungskurse, herausgelöst aus dem " Bücher über Selbstverteidigung" Faden weiterführen!

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Hallo allerseits,
    @Kibon..Danke für die Extrahierung..


    @fenrir,
    Hallo Hai,,
    Du schreibst über die SV - Kurse im DKV.

    Warst Du bei einem solchen Kurs und was hat Dir besonders gefallen?


    Ich habe Kurse bei Jürgen Kestner besucht,ebenso Lehrgänge bei Frank Sattler
    sowie diversen anderen.
    Bei Kestner und Sattler haben mich persönlich der Bezug zur Realität begeistert.
    Beide sind oder waren aktive Pol-Beamte,sowie Ausbilder bei den Polizeien ihrer Länder.
    Es spricht einfach die Erfahrung aus den beiden..meine Meinung.


    gruss Hai

  • Hallo Hai,


    Danke für die Antwort.


    Für mich ist Selbstverteidigung etwas völlig anders als ich es bei der Bundeswehr oder andere bei der Polizei gelernt haben.
    Bei der Bundeswehr und die Polizei hat ähnliche Aufgaben, die müssen einschreiten und können, nicht eine Gefahr beurteilen und dann lieber sich leise aus dem Staub machen.

    Für die Selbstverteidigung muß einfach eine Unterscheidung getroffen werden.



    a) Für den Kampfsportler, der regelmäßig ins Training geht und seine Techniken gut beherrscht.


    b) Für das Mädel( können auch Jungens sein) das lieber die Gefahr vorher erkennen möchte und sich nicht mit anderen Leuten schlagen will.
    Denn wenn das Mädel nicht regelmäßig ins Kampfsport-Training geht, kann sie auch keine Techniken wirkungsvoll einsetzen.



    Daher denke ich, ist der SV- Kurs des DKV auch nichts für Menschen, die nicht aus einem Karate-Verein oder einer Karate-Schule kommen.
    Nur meine Ansicht, lasse mir gerne erklären, wie Du das siehst.


    Gruß

  • Man muss unterscheiden, wenn man über Polizisten im Bereich SV redet.
    Geht es um Zugriffs- und Einsatztechniken oder um real erlebte Gewalt gegen Polizisten.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Moin,
    @fenrir,


    Daher denke ich, ist der SV- Kurs des DKV auch nichts für Menschen, die nicht aus einem Karate-Verein oder einer Karate-Schule kommen.


    Gruß

    sehe ich nicht so,ich bin mit verschiedene Leutchen dahin, die bisher keine Erfahrung im Karate oä hatten,
    und diese waren begeistert.
    SV ist Kampfart unabhängig, bin ich der Meinung.


    gruss Hai

  • Hallo,

    Man muss unterscheiden, wenn man über Polizisten im Bereich SV redet.
    Geht es um Zugriffs- und Einsatztechniken oder um real erlebte Gewalt gegen Polizisten.

    Ja,stimmt!
    Das trifft in diesem Fall auf beide Einsatztrainer zu,sie lehren ua. Einsatz-Zugriff-Fixiertechnik und haben
    in ihren aktiven Einsatzzeiten reale Gewalt erlebt.
    Dadurch ergibt sich eine sehr anschauliche art des lehrens, wie ich finde-aus der Praxis für die Praxis!
    Ist für mich auch ein Kriterium,Lehrgänge im Bereich SV auszusuchen,haben die Personen
    reale Gewalt erlebt oder nicht.


    Für mich persönlich konnte ich von beiden eine Menge mitnehmen und selber in Einsätzen
    anwenden/umsetzen.


    gruß Hai

  • Wenn dem so ist, ist es gut.
    Weil oftmals hört/liest man ja: Referent xyz ist Einsatztrainer bei der Polizei (und dort dann nur noch in der Ausbildung tätig) oder war so und so lange bei der Spezialeinheit abc. Dort wird dann eher weniger der Schwerpunkt bei der SV liegen.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Hi KaliOs,


    Auf jeden Fall sollte SV unabhängig von irgendwelchen Systemen sein


    kannst Du das etwas ausführen, was Du mit Systemabhängigkeit meint und wie sie sich (positiv) auswirkt?


    Interessierte Grüße


    Mac :-)

  • SV-Techniken sollten einen praktikablen Mix darstellen und nach dem Motto "keep it simple" auf gebaut sein und nicht ein System wieder spiegeln.
    Sie sollten auch in enger oder dicker Kleidung oder Schuhwerk anwendbar sein.


    Ich habe Techniken in SV-Seminaren mit hohen Tritten gesehen - der Übungsleiter war TKDler
    Pak Sao, Kettenfauststösse und klassischer WT Stand
    Eingänge und Würfe, bis hin zum Bodenkampf....
    so etwas entspricht nicht meiner Vorstellung von reinen SV-Techniken, sondern hier wird ein System auf SV angewendet,

  • Was sind reine SV Techniken?
    Irgendwie die berühmteste Gretchenfrage, aber eigentlich erst die zweite. Ich denke, erstmal muss man schauen, was die berühmte SV überhaupt ist und welche Lebensbereiche sie abdeckt. Für mich definiere ich es so, das eine SV Situation jene ist, in der ich unvermittelt und/oder unverschuldet in eine Bedrohungs- oder Angriffslage gerate, in der ich mich, also meine Unversehrtheit und/oder die meiner Freunde oder mein Eigentum verteidigen muss. Für mich fallen dabei Polizisten, Personenschützer, Türsteher oder andere Leute aus dem bewachenden Gewerbe per se nicht unter die Gruppe von Menschen, die SV betreiben, sondern Ihrer Job machen, der immer das Risiko mitbringt, dass man als agierende Person auch persönlich angegriffen wird. Im Umfang der Aufgaben ist eine entsprechende Ausbildung und ein fortwährendes Training nötig, welches auch alle Fähigkeiten zur Selbstverteidigung mit abdecken muss, ist aber mMn kein Thema in der SV, so wie ich sie definiere.


    Wenn ich also davon ausgehe, dass die SV sich also an den Normalbürger richtet, muss ich auch die Trainingsmethoden an die Personen, Lebensumstände und den grundlegenden Gedanken ausrichten, das es "nur" darum geht, möglichst unbeschadet aus einer Situation zu kommen, in der ich mich nicht befinden will. Dabei kann ich auch berücksichtigen, dass manche Leute (z.B. Teakwondoler) besonders gut hoch kicken können. Und wenn sie es können, sollen sie es machen, wenn die Situation es erlaubt. Wenn ich mich als TDKler aber in einem SV Kurs an unbedarfte Teilnehmer wende und hohe Kicks in einem Kurs über, dann muss man sein Wirken natürlich hinterfragen.


    SV-Techniken sollten einen praktikablen Mix darstellen und nach dem Motto "keep it simple" auf gebaut sein . Und das sehe ich genauso. Aber das ist nicht die wirkliche Problematik, die in SV Kursen abgehandelt werden müssen. Viel wichtiger ist, dass man Menschen dazu bringen muss, nicht nur zu reagieren, sonder auch, die gelernten Techniken in einer Situation gegen einen anderen Menschen konsequent anzuwenden, und dann sich aus der Situation zu entfernen (also wirklich zu flüchten).

  • Hi Rene,

    (z.B. Teakwondoler)

    manche haben zwar einen Holzkopf, haben mit Holz oder Tee trotzdem nichts zu tun.


    Es ist nicht Teak Won do, sondern Tae-Kwon-Do und die heißen nicht -doler sondern -doin am Ende bzw. abgekürzt TKDin.


    Winke


    Mac ;-)

  • Wahrlich holzig das Ganze.
    Ich sage mal aus meiner Sicht die wichtigste, mit Abstand wichtigste SV Angelegenheit besteht aus zwei Punkten.
    Auf der einen Seite das Überwinden der eigenen Angst, auf der anderen das Überwinden der Hemmungen.
    Es ist eben nicht so einfach jemanden wirklich ernsthaft zu verletzen, was sich aber wenn man halbwegs unverletzt rauskommen will eben nicht vermeiden lässt.
    Genau da sehe ich aber einen der großen Klemmpunkte.
    Das "mit welcher Technik" oder "welchem Werkzeug" verteidigt man sich ist dabei sekundär.
    Es wird das genommen was gerade da ist.
    Das Loslösen von Techniken macht dabei auch Sinn, denn in welcher KK wird z.B "Schlüsselbund mit schweren Karabinern" trainiert ? Da hilft blos Gefühl für die Situation und spontanes Handeln.
    Was anderes machen die meisten Angreifer doch auch nicht.
    Nur meine Überlegungen
    Gruß
    Euer Kaji, der im Augenblick alles durch die extra große rosa Brille sieht.

  • Danke, ich habe grad ein Deja vu. Werde versuchen mich zu besser. Aber du weißt, mit dem kommenden Alter lässt die Erinnerungsfähigkeit nach. ;-)



    ... Da hilft blos Gefühl für die Situation und spontanes Handeln.


    Was anderes machen die meisten Angreifer doch auch nicht.

    Auch den Gedanken sollte man weit nach hinten schieben, weil man als vermeintliches Opfer erstmal gar nichts weiß von der Situation, ergo auch nichts von dem oder den Angreifer(n).

  • Mit spontanem Handeln meinte ich eigentlich direkt ohne Hemmung und Angst auf die Situation reagieren. mehr Infos hat man halt nicht.
    Blos mehr hat der Angreifer zumeist auch nicht.
    Habe ich vielleicht etwas verholzt ausgedrückt.

  • Ohne Hemmungen, sicher, wenns denn geht. Nur dem "ohne Angst" würde ich nicht zustimmen. Angst zu haben ist erstmal überhaupt nicht schlimm. Angst ist ja auch ein gewisser Schutz, der uns davor bewahrt in Situationen zu eilen, die einen schnell überfordern können. Den Umgang mit Angst kann man aber - zumindest begrenzt - üben, in dem man in Szenarien übt. Wobei das Wort Szenarien in der SV immer ein wenig überzogen klingt und eigentlich eine kurze Simulationen meint. Sei es der Überfall in der dunklen Gasse, die Nötigung auf dem Heimweg von einer Feier oder was auch immer. Hier kann man in einem Kurs durchaus den entsprechende Druck aufbauen und die Nötige Angst erzeugen. Wenn unsere Teilnehmer nach einem Kurs nur so aufmerksam sind, dass sie frühzeitig weglaufen und allensfalls das Ego ein wenig angeschlagen ist, bin ich schon gut zufrieden.

  • Irgendwie habe ich heute nicht die Blüte des Formulierens in der Hand.
    Natürlich hat man Angst. Der Trick ist blos sich davon nicht lähmen zu lassen. Ob man das Leuten in einem Kurs beibringen kann ?

  • Das kommt wohl auf die jeweiligen Teilnehmer an. Grundlegend denke ich ja, denn man gibt ja durch das Training ein Werkzeug an die Hand, mit dem man bei den Eintreten der Angst ein Stück Kontrolle übernehmen und somit den weiteren Verlauf mitbestimmen kann.

  • Hi Kaji,


    ich denke, dass es wichtig ist, keine Angst vor der Angst an sich zu haben, sondern sie auch ein Stück als Berater anzunehmen.
    Dies gilt insbesondere vor der Eskalation einer Situation.


    Mit Angst vor der Angst meine ich, dass es kontraproduktiv ist, wenn man Angst mit Szenarien füllt. Zum Beispiel: Wenn ich was sage, schlägt er/sie zu, dann verliere ich Zähne, dann ist er/sie aufgeputscht und er/sie wird noch mehr schlagen, mich umbringen etc...


    Vor Jahren habe ich einmal ein Buch mit dem Titel "Mut zur Angst" (Gavyn de Becker oder so ähnlich) gelesen, welches dazu aufrief Angst/Intuition ernst zu nehmen und weder wegzurationalisieren noch sich davon lähmen zu lassen sondern als Chance anzusehen, einer sich anbahnenden Situation zu entziehen.


    Viele Grüße


    Mac

  • Das kommt wohl auf die jeweiligen Teilnehmer an. Grundlegend denke ich ja, denn man gibt ja durch das Training ein Werkzeug an die Hand, mit dem man bei den Eintreten der Angst ein Stück Kontrolle übernehmen und somit den weiteren Verlauf mitbestimmen kann.


    Hallo René,
    dieses Werkzeug würde mich sehr interessieren.
    Wie bringst Du dazu, dass jemand seine Angst überwinden lernt?
    Ich bin der Meinung, dass das kein technischer Aspekt ist, sondern ein rein mentaler, den man immer wieder trainieren muss.
    Ich glaube nicht, dass man das in Kursen, die nur ein paar Stunden oder Wochen dauern lernen kann.


    Vielleicht zäumt man das Pferd von einer anderen Seite auf und stellt sich die Frage, welche Attribute ein SV-Training mitbringen muss...
    Sicherlich ist da die Technik-Komponente, die man lernen sollte.
    Ich sag immer, wer "feste Hauen und/oder Treten" kann hat schon einmal klare Vorteile.
    Man sollte aber auch das "Einstecken" trainieren, damit man nicht gleich vor Schreck und Schmerz in Schockstarre fällt, wenn man mal Eine gelangt kriegt.
    Stress, Angst, Frust...auch das sind Komponenten, die in ein SV-Training einfließen sollten.
    Ich habe mal diese Richtung eingeschlagen, und das war nicht wirklich witzig. Da kommt man nicht vom Training heim und sagt, "das war ein klasse Training", da fühlt man sich wie die letzte Wurst. Und da sollte ein guter Lehrer fähig sein, den Schüler dazu zu bringen, das Wurststadium zu überwinden.
    Mein Weg war es nicht, mir tat das nicht gut...
    Zu guter Letzt:
    Mir persönlich (!) ist da auch die persönliche Erfahrung des Lehrers wichtig, was natürlich immer sehr zwiespältig betrachtet werden muss.
    Wenn mir jemand SV verkauft, dem die echte Erfahrung fehlt, dem glaube ich erst mal nix...
    Ich lerne auch nicht kochen bei jemanden, der zig Rezepte auswendig kann, aber noch nie am Herd gestanden hat.


    Wie seht Ihr das?