Free- (Cage-) Fights als Quelle von Gewalt?

  • Hi zusammen,


    Free-Fight werden gerne in den Medien als gesellschaftlich unverträglich postuliert, da sie angeblich verrohen und die Bereitschaft (von Zuschauern) erhöhen, auch außerhalb des Cages auf am Boden befindliche Gegner einzuschlagen.


    Sind sie eine Quelle für Gewalt oder Veränderungen von Gewaltwahrnehmungen?


    Viele Grüße


    Mac

  • Warum sollten sie? Hat das Pro-Wrestling denn soviel verändert in der Richtung? Auch wenn letzteres Show so werden dort doch sehr viel extremere Aktionen gezeigt.

  • Sind sie eine Quelle für Gewalt oder Veränderungen von Gewaltwahrnehmungen?

    Bei einer psychisch stabilen Person wohl kaum.
    Genauso wenig wie sich eine Korrelation zwischen gewaltätigen Filmen, Videospielen oder Heavy Metal Musik zur Gewaltbereitschaft der allgemeinen Bevölkerung
    feststellen lässt.


    Persönlich finde denke es liegt mehr damit zusammen das unsere Gesellschaft oftmals so Gewaltfrei ist.
    Jungs haben heutzutage oftmals so wenig Erfahrung mit Prügeleien, das sie nie das richtige Maß an Gewalt kennen lernen.
    In dem Sinne: Früher hat man sich gestritten, geprügelt und beim Bier vertragen. Heute sind Handgreiflichkeiten so selten das jede Handgreiflichkeit als ernsthafte Gefahr wahrgenommen wird,
    die dann unnötig eskaliert wird.
    Wahrscheinlich übertreibe ich hier auch nur unnötig, jedoch denke ich das dies jedoch ein Teil dieses Trends ist.

  • Hmmm....meiner bescheidenen Meinung nach denke ich, dass es nicht so ist.


    Wer mal richtig eins auf Mäulchen bekommen hat, weiß, wie weh das tut und überlegt sich beim zweiten mal, ob er es wieder tun soll (bei einigermaßen vorhandener Intelligenz - wobei wir da ein viel größeres Problem haben bei den unmengen von Blöd-Zeitungsleserern - anderes Thema).


    Für mich sind diese Cage- Free- oder sonst was für Spektakel nichts anderes wie der Circus Maximus im alten Rom - Brot und Spiele will das Volk.
    Dazu zählen - für mich - auch Sachen wie Formel 1, Ski Abfahrt etc.
    Es gibt sicherlich Zuschauer, die das sportliche interessiert, andere schauen sich das aber nur an, weil sie möglichst spektakuläre Stürze, Unfälle und sonst was sehen wollen.


    Das die Gesellschaft wegen solcher Sachen verroht - Nein.
    Das die verrohte Gesellschaft solche Sachen sehen möchte - Ja!

  • Für mich sind diese Cage- Free- oder sonst was für Spektakel nichts anderes wie der Circus Maximus im alten Rom - Brot und Spiele will das Volk.
    ...
    Das die verrohte Gesellschaft solche Sachen sehen möchte - Ja!

    ... noch ist es vielleicht nur ein Teil der Gesellschaft,
    sollte man diesem Teil tatsächlich den Gefallen tun, sich in den Medien wiederzufinden?


    gruß ida

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Hallöle,


    Dazu habe ich gemischte Gefühle:
    - Der Cage ist viel sicherer für die Kämpfer. Sie können nicht rauspurzeln.
    - Sie sind geschützt vor Flitzern oder Eingriffen von außen
    - Das Kampfgeschehen lässt sich isoliert begreifen, denn sie stehen mitten im Ring, aber doch irgendwie am Rande der Gesellschaft.


    Negativ:
    - Es nimmt Formen des Hahnenkampfes an (Publikumsabhängig)
    - Traditionen spielen einer imme geringere Rolle (Zeitgeist)
    - Die Sache ist mehr Happening, als sportlicher Vergleich (geworden)


    - - - - - - - - - - -


    Die Gewaltverherrlichung wurde ja m.E. dadurch in den Sport getrieben, dass es irgendwann zum guten Ton in der MMA-Szene gehörte reinzurufen. "Knall ihm nen paar! JAWOLLO"


    Das ist ja noch die Untergrenze von der aus man das Ganze denken muss um sich der Grenze des 'unerträglichen' zu Nähern ohne es im vorhinein als unzulässigen Dummbatzensport abzutun. Letztlich ist es aber auch egal, da Freefight eben kaum noch gesellschaftstauglich ist. Damit greife ich das Publikum an, dass den Sport verkommen lies. Mit Überlieferungen und traditionellem Austausch hat das nichts mehr zu tun. Es ist sogar so, dass die Organisateuere es auf ein stringentes Durchpeitschen von einem Kampf nach dem anderen reduziert haben.


    Wäre ich Sumo-Ringer, ich würde auch nicht daran teilnehmen :D


    Auch die Kämpfer tun ihr Übriges. Zwar gibt es 'shake hands' die eine schöne Message senden, das wars auch schon. Der Geist vieler KKe wurde ausgehölt. Für mich ist das nicht schön anzusehen. Mein Kämpferideal hält nach einem gewonnenen Kampf die Füße still und verneigt sich. Man bedankt sich, dass der Gegner sich gestellt hat und verlässt die Fläche. Von Nationalstolz, großem Rumgefeiere und so habe ich nie was gehalten, weil Gewalt eben etwas ist, dass wir abgegeben haben und nur zum Selbstschutz anwenden sollten. Der Wettkampf im Freefight ist eine legale Methode auszutesten, wie gut man ist in eingeschränktem Anwendungsbereich zu kämpfen. Deshalb möchte ich es auch erhalten. Nur die Entwicklung ist nicht meins.


    Eine uralte Überlieferung aus China besagt, dass zwei der größten KungFu-Meister aus einer Provinz im Kampf gegeneinander klären wollten, wer das beste KungFu beherrscht. Als sie sich gegenüberstanden hat sich keiner bewegt, aber beide wussten wer gewonnen hat...


    FG

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

    - George Santayana, Philosoph und Schriftsteller.


  • Auch die Kämpfer tun ihr Übriges. Zwar gibt es 'shake hands' die eine schöne Message senden, das wars auch schon. Der Geist vieler KKe wurde ausgehölt. Für mich ist das nicht schön anzusehen. Mein Kämpferideal hält nach einem gewonnenen Kampf die Füße still und verneigt sich. Man bedankt sich, dass der Gegner sich gestellt hat und verlässt die Fläche. Von Nationalstolz, großem Rumgefeiere und so habe ich nie was gehalten,

    Naja, man trainiert auf einen Kampf hin und gewinnt. Warum sollte man sich da nicht freuen dürfen?


    Ich find die "ich darf keinen gelungenen Spielzug feiern" Regel in der NFL auch hochgradig blöd.

  • Bescheidenheit sollte man ganz einfach nur vorleben. Jedes Wort darüber zerstört ihren Wert.


    Weil:
    Wenn man darüber redet, hat man es nicht gelebt.


    Vorbilder sterben langsam aus.

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

    - George Santayana, Philosoph und Schriftsteller.

  • Ich rede nicht davon, dass man ein emotionsloser Zombi werden soll.


    Es geht darum ein richtiges Fundament als Kämpfer aufzubauen. Meiner Meinung nach, sieht das so aus, dass man die Kampffläche verlässt mit Respekt vor Publikum, Kampfrichtern und vor allem dem gegnerischen Coach und dem Kontrahenten - und danach wird gemeinsam feiert.


    ----


    Bis her nehme ich das total Kuddelmuddelig wahr. Teilweise kamen Kämpfer mit tiefen Cuts auf mich zu "Ey, du kennst dich doch aus, hab' ich gehört. Muss das genäht werden?"


    "Auf jeden Fall! Nächstes KH ist zweimal links abbiegen."


    "Achso, kann man kleben?"


    "Nein."


    "Ja kann man?"


    Dieser Coach hatte keinen Respekt vor seinem Schützling. Er hatte nicht den blassesten Dunst eines Hauches eines Schimmers, was es bedeutet seinem Kämpfer best möglich zur Seite zu stehen. Man wollte unbedingt die bequemste Variante. "Ey, kannst du das nicht auch?"


    Ja nee...


    Is klar.


    :D

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

    - George Santayana, Philosoph und Schriftsteller.

  • Und was hat das jetzt mit den Sieg feiern zu tun? Der Trainer wär auch scheiße wenn sein Schützling total bescheiden über seinen Cut meditiert hätte.

  • Entschuldige, dass ich nicht einfach geschrieben habe:


    Mich nervt diese Unachtsamkeit und Respektlosigkeit.


    Das Gemeinsame geht verloren. Hauptsache irgendwie die Ellbogen ausfahren und einen Kämpfer auf den Markt bringen.

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

    - George Santayana, Philosoph und Schriftsteller.

  • Ich glaube, dass MMA nicht so gesellschaftsfähig wie Fußball ist. Fußball ist aus meiner Sicht geradezu eine Brutstätte der Gewalt. Der Unterschied: Beim MMA steht von vornherein der Kampf Mann-gegen-Mann in den Vordergrund. Beim Fußball geht es von vornherein um das Spiel. Die Gewalt dort findet sehr subtil statt. Für mich ist das so ähnlich wie mit den Drogen und dem Alkohol: Obwohl der Alkohol eine Droge ist, wird er - weil gesellschaftlich anerkannt - nicht als Bösewicht identifiziert.


    Abgesehen davon: Ich mag MMA allerdings grundsätzlich nicht. Das ist legalisiertes Prügeln.

  • Mal eine Frage, damit ich weiß, wohin jetzt die Reise geht: Darf ich keine persönlichen Ansichten mehr haben, ohne gleich darüber diskutieren zu müssen? Das Thema ist MMA als Quelle von Gewalt. Bleiben wir doch einfach beim Thema und evtl. einer Meinung von Dir direkt zum Thema?

  • Der Unterschied ist:


    Der User Rambat schrieb im Demokratiethread die weisen Worte:

    • DOXA ist das, was man "Meinungswissen" nennt. es beruht auf ansichten, meinungen, vorstellungen und muß nicht bewiesen oder begründet werden.
      kann es naturgemäß auch gar nicht.
    • EPISTEME hingegen ist das, was man "Faktenwissen" nennt, und dieses muß begründet und, wie der name schon sagt, faktenbasiert sein.

    -------------


    Es stehen sich Meinung (Doxa) und Wissen (Episteme) gegenüber.


    Mit Meinungen kann man nicht argumentieren. Wenn es in einem Forum (geeigneter Personenkreis, der eine sachverständige Erörterung von Problemen oder Fragen garantiert) unterhält, dann steht innerhalb eines Diskurses (methodisch aufgebaute Abhandlung über ein bestimmtes [wissenschaftliches] Thema) der Erkenntnisprozess im Zentrum.



    Hin und wieder kristallisieren sich zwei wesentliche Meinungen heraus, die eine, die dafür hält, die Ansicht, die es für richtig empfindet. Und eine Ansicht, die es ablehnt.



    Die Krux ist, eine vermittelnde Ansicht für alle zu ermitteln.


    Dabei kann man nicht über Doxa argumentieren. Erst mit Abschluss, also der Erreichung eines Erkenntnisgewinns, können wir wieder herzhaft über Vorlieben und Abneigungen debattieren.


    Im Fokus steht, ob MMA und Freefight bzw. Cagefight eine Quelle von Gewalt ist. Dafür sind bislang noch keine wirklichen Quellen zur Erkenntniserlangung gekommen, weder für die dafürhaltende, noch für die dagegensprechende Ansicht.


    Nur aus einem fundierten Repertoire an Belegen für diese Ansichten, kann man herausstellen, ob und wenn ja, welche Quellen der Gewalt aus dem MMA usw. hervorgehen.


    Mit fröhlichem


    Taekwondo


    Frohe Pfingsten


    Peter

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

    - George Santayana, Philosoph und Schriftsteller.

  • Das gilt für jeden KS/KK.

    Das trifft aus meiner Sicht nicht zu. In vielen KK bzw. KS wird überhaupt nicht gekämpft, in vielen werden Leichtkontaktkämpfe ausgetragen, in vielen gibt es technische Begrenzungen. Ich habe das Wort "Prügeln" benutzt, um deutlich zu machen, dass es sich hier m. E. um etwas unkontrolliertes handelt. Darüber kann man denken, wie man will - ich denke so.

  • Das Thema ist MMA als Quelle von Gewalt.

    Also:
    Welche Auswirkung hat die heute übliche öffentliche Darstellung von MMA auf ungefestigte Charaktere,
    die sich gerne solche Kämpfe anschauen und gelegentlich auch mal ihre Phantasien ausleben wollen ...


    Kann man womöglich den Totschlag von Bad Godesberg auf einen solchen Hintergrund zurückführen?
    Hat da tatsächlich jemand zu viel von solchen Sachen konsumiert, oder gibt es da ganz andere Hintergründe?
    Führt der kritiklose, weil ahnungslose Konsum solcher 'Darbietungen' zur Verrohung?


    Bevor jetzt alle über mich herfallen:
    ich behaupte nichts, ich frage bloß ...



    p.s.:
    mir geht es hier eigentlich auch nicht um diejenigen, die MMA tatsächlich betreiben,
    sondern eher um die, die es nicht betreiben, es aber ganz schrecklich cool finden ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)