lustiges Klingenraten oder: wir üben mal Kantei

  • GRUNDSÄTZLICH misstraue ich jedem Horimono! Das nur als Tip, Ida. Stelle die Klinge in den Vordergrund, nicht diesen Schnickschnack. Horimono können immer Atobori sein, also irgendwann hinzugefügt worden sein. Ein Horimono ist kein Qualitätssiegel. Es gibt genug Horimono, welche die Klingen durch grottoide Ausführung regelrecht verschandeln:


    http://www.aoijapan.com/img/sword/2016/16570-2.jpg

    Tsuruta hatte auch noch einen Tsunatoschi, wunderschöne Klinge mit einem unterirdischen Horimono. Habe ich jetzt nicht mehr gefunden.


    Mit Shinshinto bin ich absolut bei Dir. Die ganze Klinge schreit mit allen Merkmalen danach. Auch die Ausführung des Bizen-Den, der Lieblingstradition des Shinshinto ist typisch für die Zeit. Man beachte die runden Tani, also die Wellentäler, die Tsuruta mal wieder nicht korrekt in seinen Fantasie-Zeichnungen wiedergibt. Aus diesen Tani schwingen sich die Gonome zu "M" artigen Gebilden auf und bilden so diesen zeitypischen, geradezu hysterisch peniblen Choji.

  • Ich merke schon, hier rollen die Büsche durch den Fred. Dabei habe ich schon ein Zaunpfahl gegeben.


    Ich finde das Horimono jetzt nicht sooo prickelnd und ich bin mir nicht sicher, ob das von Anfang an dran war. Es sieht beindruckend aus, aber wenn man genau hin schaut: naja...


    Zur Klünge: Das Ding ist nicht der Brecher - breit und stark - aber elegant mit auffälliger Sori und typisch extendierender Spitze. Diese Form kommt mir bekannt vor, ist de facto typisch für meinen Wunschschmied.


    Die Tradition haben wir: Bizen.


    Mist, ist ziemlich das hippste seiner Zeit. Wir müssen eingrenzen.


    Der Hamon ist ziemlich markant. Ich hatte ihn schon beschrieben. Dazu haben eine Yakidashi. Jeder Bizen-Spezialist seiner Zeit hatte seinen typischen Choji. Auffallend ist hier das Deki und die "Schreibweise" der Hamon. Der Schöpfer möge mir verzeihen, aber hier geht nicht gerade der Choji-Punk ab. Dieser Gunome-Midare-Choji punktet durch seine irgendwie pedantische Art. Jeder Bogen, jede Kurve scheint mit unendlicher Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt gezeichnet worden sein (im Gegensatz zur Oshigate, der Schmied würde sich im Grabe rumdrehen). Hataraki? Igitt! Der Schmied erlaubt gerade noch das Nie - Entschuldigung, herzallerliebstes feinstzuckeriges Ko-Nie - an den Tani und bei den Choji-Ashi nach unten zu streuen. Alles zusammen auf einem ähnlich pedantischen Ko-Itame gepinselt.


    Das ist allerbestes Shinshinto-Bizen. Das ist kein Bizen des Shinshinto, was den Koto-Bizen kopieren möchte.


    Was Dir jetzt nicht hilft, Ida, aber wenn ich richtig liege, habe ich von dem Schmied mal ein Waki besessen, was Kaji üüüüberhaupt nicht gefallen hat. Das Ding hatte keinen einzigen Fehler. Es war pedantisch im Hada, pedantisch im Hamon, pedantisch im Ji-Nie...das Nioiguchi war von Anfang bis Ende: pedantisch. Kein einziges Nie-Krümel war zu viel oder zu wenig. Kaji sah auf die Klinge und fiel sofort ins Langeweile-Koma.


    Ich erlaube mir noch die Angel mir einzubeziehen: der Schmied benutzt u.a. etwas das Bizen-Kurijiri, aber er kopiert nicht das Bizen-Nagako-Tapering.


    Noch ein Zaunpfahl: was mir bei meinem Wunschschmied damals aufgefallen ist, dass keine Signatur zwingend der anderen gleicht. Es gibt Signaturen, da ist wirklich jeder Strich von Klinge zu Klinge bis aufs Tagane fast identisch. Bei unserem Mann Fehlanzeige. Ich vermute, das er die Signaturen aus dem Stehgreif direkt eingeschlagen hat und nicht wie üblich, erst einmal auf die Angel gezeichnet und dann nachgeschlagen.

  • Ich überlege die ganze Zeit wie ich einen Zaunpfahl geben könnte...

    Sabiji sagt ja schon richtig Bizen-Den im Shinshinto, blos da haben wir sovile Knilche im angebot, das hilft nicht viel.

    Aber vieleicht hilft dieses ; der Kerl war für Horimono bekannt und arbeitet meistens im Bizen-Den, aber nicht immer !

    Übrgens so nebenbei, Horimono in der Form waren häufig teurer als das eigentliche Schwert, das nur so nebenbei. Von meinem "ich hoffe er ist es" Traumprinzen ist sogar noch eine Rechnung erhalten aus der dieses hervorgeht.

  • Ich finde das Horimono jetzt nicht sooo prickelnd und ich bin mir nicht sicher, ob das von Anfang an dran war. Es sieht beindruckend aus, aber wenn man genau hin schaut: naja...

    ... was heißt hier schon prickelnd?

    Wir haben es hier mit einer Arbeit zu tun, die einer Vorlage von Ikkanshi Tadatsuna 'nachempfunden' wurde:

    Omote: Kurikara und Vajra Ken

    Ura: Pflaumenbaum und Bambus

    also von Originalität zunächst mal keine Rede;

    aber die handwerkliche Ausfertigung weist durchaus eine individuelle Handschrift auf.

    Und ja, ich halte das Ding, nachdem ich mir viele Bilder zu diesem Thema angeschaut habe,

    durchaus für eine gute Handwerksarbeit von einem Könner.

    Die bekanntesten Horimonomeister dieser Zeit waren Yoshitane, Nobuhide und Sadakazu.

    Alle haben sie Drachen 'geschnitzt', aber nur die Drachenschuppen von Sadakazu passen zu unserem Rätselding.

    Und von Sadakazu 'weiß' ich (weil so gelesen), dass er so ziemlich alles nacharbeiten konnte,

    was zu seiner Zeit geschätzt war, und dass er das mit einem erheblichen Perfektionismus tat.

    Warum also nicht so ein pedantisches Bizen-den-Teil, wie es ein echter Bizen-Schmied niemals gemacht hätte?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • ... nachtrag:

    als ich meinen letzten Beitrag schrieb, hatte ich Kajiheis 'Zaunpfahl' noch nicht gelesen,

    ich werde wohl noch einmal in die Umlaufbahn gehen ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Och auch die Shinshinto Nobukuni-Schule hat hervorragende Horimono in dem Stil geschnitten, die waren es aber auch nicht. Nobuhide ? Doch nicht mit der Klingenform, das Shinogi-Ji müßte Schmaler sein, die Klinge nambokuchoesker und die Kissaki spitziger und die Yakidashi...neeeeeeeeee

    Sadakazu : Der Hamon stimmt nicht, der Hada past nicht und die Angel tanzt im Balettschritt aus der Reihe.

    Honjo Yoshitane :Da passt eigentlich auch nichts.


    Probieren wir es anders : Welche Großgruppe war seid dem Shinto für Bizen-Den bekannt und zersplitterte in diverse Grüppchen in Osaka, Kii etc.

  • Hanben wir nicht, blos wenn ich die direkte
    Ableger Gruppe sage kann ich auch gleich den Schmied jodeln. Es ist halt etwas Hinterttür.

  • Sadakazu : Der Hamon stimmt nicht, der Hada past nicht und die Angel tanzt im Balettschritt aus der Reihe

    ... na ja, die yasurime hätten exakter und deutlicher ausfallen müssen, das hatte mich auch von Anfang an gestört.

    Aber bei hamon und hada war ich mir nicht sicher, weil ich aus den mir zugänglichen Quellen,

    welche doch recht beschränkt sind, herausgelesen habe,

    dass dieser Schmied so ziemlich alles gemacht hat, was zu dieser Zeit gefragt war.

    Da habe ich wohl noch etwas Nachholbedarf ...


    Weil meine Ratezeit jetzt schon fast um ist,

    nenne ich als Kandidaten einfach mal mein jetziges 'Wühlprojekt':

    die Yokoyama-Schule und hier zuvörderst Sukenaga,

    für eine sorgfältige Überprüfung dieser Idee reicht es allerdings nicht,

    im Moment leide ich an erheblichem Zeitmangel.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Keine schlechte Idee, aber nein. Aber gut dann mal ein dicker Zaunpfahl. Unser Schmied hatte im Shinshnito entfernt etwas mit der Ishido Schule zu tuen, gehörte aber nicht dazu.

    Hinweis zwei : Er wechselte sein Nakago-Jiri, die vorliegende Form benutze er nur bei realtiv späten Arbeiten. Vorher nutze er das Iri-Yamagata, also die eckige Form des ha-agari kruijiri.

    UNser Mann war ein Schüler Suishinshis Masahides und baute auch gerne mal einen scheppernden Toran hamon.

  • ... hm, Masatsugu und Naotane hatte ich eigentlich in meiner bisherigen Suche ausgeschlossen,

    weil ich immer noch das horimono im Hinterkopf hatte,

    da war für mich nichts Passendes zu finden,

    die Drachenschuppen von denen haben mir einfach nicht gefallen ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Der Umweg läuft über die Unju Korekazu Schule ( Teil der Ishido-Gruppe ) . So das war jetzt ein ganzer Gartenzaun.

  • Freitach!


    Ich denke hier passt alles: die Form, das Pedantische, die Möhre im A...

    Chounsai Tsunatoshi. Vielleicht auch in Zusammenarbeit mit seinem Sohn, da ich auch wie Kaji glaube, das es eine späte Arbeit ist. Das er selbst in den 50gern des 19. nicht immer das Kurijiri gemacht hat, bewies auch das Waki, was ich mal besaß.


    Im übrigen glaube ich nicht, das Tsunatoshi ein Schüler Masahides war. Ich denke er war Schüler seines großen Bruders, der Eleve bei Masahide war. Sein Bruderherz Tsunahide war auch der eigentliche Toran-Spezialist, während ich von Tsunatoshi nur eine einzige Toran-Arbeit gesehen habe, und die sah schrecklich aus. Wo Tsunatoshi mehr eingestiegen ist, war die frühe Suguha-Spinnerei Masahides. Diese Suguha-Arbeiten, auch frühe Choji zeigen auch eingestreutes grobes Nie, bei den späteren Arbeiten ausschließlich Ko Nie. Auch dieses "O-Hada" was ihm nachgesagt wird, habe ich bei späten Arbeiten nie gesehen.

    Horimono und Tsunatoshi sind eigentlich nicht gängig. Selbst normale Bohi sind selten. Ich denke, das "Tattoo" hat sich mal ein Besitzer reinschneiden lassen.

  • ... na ja, Unju Korekazu und Tsunatoshi haben sich schon auf meinem Schmierzettel,

    auf dem ich meine Ideen sammle, herumgetrieben,

    aber ich habe das nach hinten geschoben, weil mir das horimono zu sehr ins Auge stach,

    da habe ich wohl möglicherweise einen Fehler gemacht.


    Zur Erklärung (nicht zur Entschuldigung):

    diese Woche hatte ich einfach zu wenig Zeit, mich damit etwas gründlicher zu befassen.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Chounsai Tsunatoshi ist der Klingenverbrecher.

    Horimono hat der sowohl des Öfteren mal geschnippelt.

  • blast die Pauken, schlagt die Tromben

    ... Du hast übrigens die Zimbeln vergessen ;)


    und nein, für mich ist die neue Runde keineswegs einfach,

    hätte Herr Tsuruta nicht so viel verraten,

    hätte ich wenigstens in Bezug auf Zeit und Stil vielleicht noch den ein oder anderen Punkt sammeln können,

    aber nun habe ich ja schon alles auf dem Silbertablett, und der Rest besteht darin,

    die 'Feinarbeit' zu leisten, und das ist für mich immer noch schwer ...


    also mal sehen, was ich habe:

    - Übergangszeit zwischen oei-Bizen und sue-Bizen

    - hamon sieht irgendwie nach koshi-no-hirata midare aus

    - jihada ist itame-mokume-Mix mit ordentlich viel chikei

    - utsuri sieht nach bo-utsuri aus

    - die boshi ist ziemlich 'spitzig'


    Also da gäbe es u.a. die Schüler der '-mitsus' und Iesuke (shodai oder nidai),

    wobei ich zu letzterem neige.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.