lustiges Klingenraten oder: wir üben mal Kantei

  • Gut, das es Hizen ist da hat sich unser Freund mal wieder verplappert. Aber es gibt eine Kleinigkeit auf die ich gerne hinweisen würde. Sieht man sich die Reflexbilder an, springen einem die Ashi ja förmlich mit nacktem Nie ins Gesicht.. Warum ich erwähne ich diese Ashi ? Es sind großenteils wunderbar ausgeprägte Futoi-Ashi, also Breitfüße. Ein Kanteimerkmal dieser Provinz und Schule.

  • Sieht man sich die Reflexbilder an, springen einem die Ashi ja förmlich mit nacktem Nie ins Gesicht.. Warum ich erwähne ich diese Ashi ? Es sind großenteils wunderbar ausgeprägte Futoi-Ashi, also Breitfüße. Ein Kanteimerkmal dieser Provinz und Schule.

    ... also ich habe in den Reflexbildern schöne runde yakigashira und naga-ashi gesehen.

    Die yakigashira liegen sehr eng beieinander und das Ganze sieht so ein bisschen aus wie eine Aneinanderreihung

    von vielen kleinen Schreibschrift-m.

    Ist es das, was Du mit 'Breitfüßen' meinst?

    (Den Begriff Futoi-Ashi habe ich nicht finden können, gibt es für diese Sache noch einen anderen Begriff?

    Abu-no-me ist es wohl nicht, denn die müssten ja paarweise auftreten, oder?)


    Mit Kanei würde ich Dir im Grunde Recht geben, Hizen hat nur den Haken, dass die sich nicht bzw. überwiegend an diesen Ductus halten.

    Oh weh, dann muss ich wohl anders vorgehen;


    deshalb schaue ich mir mal die Nakago etwas genauer an:

    das Ende ist iriyamagata, die yasurime sind sujikai.

    Damit scheidet Tadayoshi/Tadahiro 1. Generation aus,

    seine yasurime sind kiri und gelegentlich flache katte-sagari.

    Auch die zweite Generation Tadahiro scheidet aus, weil auch er normalerweise kiri-yasurime benutzt,

    gelegentlich aber auch flache katte-agari yasurime.

    Sujikai yasurime hingegen werden von der 1. Generation Masahiro und der 1. Generation Yukihiro angebracht.

    Da aber die nakago Yukihiros ein kurijiri hat, bleibt bis jetzt die 1. Generation Masahiro übrig.

    Wenn ich jetzt einfach Kan-ei als gegeben annehmen könnte, wäre ich schon ziemlich sicher,

    den richtigen Schmied gefunden zu haben,

    denn was ich bis jetzt so über die hamon weiß, ließe sich schon damit vereinbaren.


    na ja, ich sehe schon, ein bisschen weiterforschen muss ich wohl noch ...


    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • ... ein bisschen weiterforschen muss ich wohl noch ...

    tja, ich hab's versucht, aber für die nächsten Generationen habe ich bei weitem nicht so viel Material finden können

    wie bei den frühen, die Informationen waren meist recht allgemein mit wenig Bildmaterial.


    Also bleibe ich lieber bei den beiden Brüdern Masahiro und Yukihiro.


    Von Yukihiro habe ich da eine Klinge gefunden, deren Reflexbilder gut zu unserem Rätselding passen:
    https://www.aoijapan.com/katan…ga-jyu-dewa-kami-yukihiro

    allerdings passt die nakago wegen des runden Endes nicht.


    Weil ich aber irgendwo gelesen habe, dass Masahiro und Yukihiro ähnlich gearbeitet haben sollen

    und manchmal auch verwechselt werden, wenn das Schwert nicht ubu ist,

    gebe ich jetzt als Tipp 'Hizen Masahiro, erste Generation' ab,

    wohlwissend, dass meine Überlegungen löchrig wie Schweizer Käse sind ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Atari Ida san ! Volltreffer ! Klasse Herleitung.

    Hier das nächste Schnuckelchen.

    https://www.aoijapan.com/appraisal-quiz-482

    ... ein blindes Huhn findet gelegentlich auch mal ein Korn ;)


    Der 'Volltreffer' hat auch etwas damit zu tun, dass Herr Tsuruta so viel 'geplappert' hat,

    dadurch bin ich ganz schnell auf Hizen-Tadayoshi gestoßen;

    die Grundlagen der 'klasse Herleitung' habe ich bei Markus Sesko gefunden,

    weil ich nach 'yasurime Tadayoshi' gegoogelt habe:

    https://books.google.de/books?…%20markus%20sesko&f=false

    der Rest war einfach nur ein bisschen 'Wahrscheinlichkeitsrechnung';

    ich bin also weit entfernt von einer soliden Sachkenntnis, auf deren Grundlage ich ein fundiertes Urteil abgeben könnte ...


    ... das neue Schnuckelchen bleibt diesmal wohl von mir verschont,

    weil ich so was nicht mit 'drei Minuten Draufstarren' schaffe und ich in der Osterwoche nicht so viel Zeit habe.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ich behaupte eine recht späte Arbeit des Koyama Munetsugu

    sagst Du das jetzt bloß, weil Munetsugu seit 1861 kiri yasurime gemacht hat,

    oder gibt es da noch mehr Anhaltspunkte?

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  • ... so, also die Lösung ist mit einer Woche Verspätung (wegen Umzugs) jetzt da,

    und natürlich hatten die beiden Herren vom Balkon wieder mal Recht :)

    Bizen Suke Munetsugu


    Das neue rätselhafte Samstagding

    gefällt mir so auf den ersten Blick ganz gut,

    mal sehen, ob das nach dem zweiten Blick immer noch so ist ;)

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Nun, ich riskiere es mal und schreibe einen Namen auf meinen Zettel, den wir bisher noch nicht bei einer Aoi-Kantei hatten. Reines Bauchgefühl, bin mal gespannt...

  • Ich habe noch keinen Namen, den ich auf den Zettel schreiben könnte,

    deshalb erzähl ich mal ein bisschen, was ich so sehe:


    Also es ist eine recht kräftige Klinge mit einer Länge von 72 cm, Herr Tsuruta nennt sie breit und dick.

    Sie hat shinogi - zukuri, chu - kissaki und eine tori-zori von 2,3 cm, außerdem kann man funbari erkennen,

    sie dürfte also ubu sein.

    Die nakago weist sujikai - yasurime auf, das untere Ende ist iriyama.


    Die jihada ist von einer sehr klaren Textur, ich sehe koitame, das stellenweise wirkt, als ob es 'fließen' möchte,

    viel feines, gleichmäßig verteiltes nie und chikei. Im shinogi-ji kann man masame erkennen.


    Der hamon beginnt als suguha und wechselt dann fast übergangslos in ein großwelliges gunome midare,

    ich denke, das könnte eine Kyoto - yakidashi sein.

    Die yakiba reicht stellenweise fast ganz bis an die shinogi heran.

    Der hamon wirkt sehr lebendig mit viel kinsuji und sunagashi.

    Kurz vor der yokote wird die Härtelinie noch einmal gerade und läuft dann in der kissaki noch ungefähr bis zur Mitte neben der fukura her,

    bevor sie dann in eine maru-kaeri übergeht. Im Scheitel sieht sie etwas 'ausgefranst' (hakikake) aus.


    Von der Zeit her sieht das ganz nach Shinto aus, vielleicht Kanbun.



    Als nächstes würde ich mich jetzt bei den Kyoto-Schulen umsehen wollen.

    Könnte es sein, dass ich damit in eine Sackgasse gerate, oder lohnt es sich, da weiterzumachen?

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  • Weitermachen! Bis jetzt sind wir Beide 100% Deckungsgleich - sollte ich richtig liegen.


    Tsurutas Toran-Erwähnung verstehe ich in unserem Falle gar nicht. Weder hat der Hamon was damit zu tun, noch "mein" Schmied. Zeitlich könnte sich die Klinge sogar einen Ticken später als Kanbun bewegen, so Richtung Enpo.

  • ... ja, die sori ist für kanbun wohl wirklich zu tief, aber ich war mir etwas unsicher, weil unsere Klinge so 'kompakt' wirkt.


    Ansonsten habe ich im Moment etwas Probleme mit dem Bereich rund um die Spitze,

    die Oshigata zeichnet anscheinend den Verlauf der Härtelinie zumindest kurz vor der yokote nicht so richtig nach,

    und auf dem Foto kann ich die boshi auch nicht wirklich gut erkennen.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Nun, auf den Reflektionsbildern erscheint die Boshi tatsächlich so, wie bei der Oshigata. Unspektakuläres Maru Kaeri. Hilfreich bei der Kantei? Jain. Mein Kanditat folgt da nicht grundsätzlich bis gar nicht dem Prototyp der Schule.