lustiges Klingenraten oder: wir üben mal Kantei

  • ... nee, ich kann mich nicht so recht mit Naotane anfreunden,

    mein Favorit heißt Gassan Sadakazu.

    Seine Klingen haben eine große stattliche Form,

    und er hat ja nicht nur ayasugi-hada gemacht, sondern durchaus auch masame,

    hamon in gunome-midare mit dickem nie und reichlich hataraki findet man bei ihm auch,

    und auch die boshi passt sehr gut.

    Nakago mit kurijiri und yasurime in sujikei mit kesho passt ebenfalls.


    Um auf Kajis Zaunpfahl zurückzukommen:

    Ein Tausend Sa Sa ist er auch ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • mein 'offizieller' Donnerstagstipp:

    Zeit: Bakumatsu (1844 - 1867)

    Schmied: Gassan Sadakazu

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Zahlendreher in der Zeit: nicht 1867 sondern 1876, sorry

    und ja, vor 1850 wird es nicht sein ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • in irgendeinem Gespräch mit Herrn Hagenbusch kam ich auf eine Klinge zu sprechen, die bei irgendeiner Veranstaltung gezeigt wurde. Ich fragte ihn, können Sie sich an die Klinge bei...Nein! Kam abrupt. Wissen Sie, ich erinnere mich nur an Klingen, an die es sich zu erinnern lohnt.

    Damals empfand ich eine solche Aussage als recht arrogant. Zurückblickend hat er vollkommen recht. Letztens habe ich Unterlagen zu Hause gesucht und dabei sind mir Bilder und Unterlagen in die Hände gefallen von Klingen und anderen Stücken die Ich mal besessen habe. Ich war vollkommen erschrocken, dass ich diese Sachen vollkommen vergessen hatte. Auf den Treffen der NBTHK oder anderswo habe ich etliche sehr gute Klingen gesehen. aber wirklich eingebrannt haben sich nur eine überschaubare Zahl von Klingen, die ich immer noch vor meinem geistigen Auge abrufen kann.

    Dieses Naotane Waki gehört dazu. Ich meine es war Shobu-Zukuri und ich meine, es war um die 40 cm lang. Die Ji war aufgerissen durch unzählige Masa-artige Nie-Formationen obwohl der Hada nicht einmal 100% astreines Masame war, sondern eine Mischung aus Itame und prominenten Masanagare. Ähnlich wie hier. Das Waki hatte damals nicht diese Yakidashi-artige Formation, aber im wesentlichen entspricht diese Machart genau der Damaligen.

    Als ich nun unsere Klinge sah kam das Bild sofort hochgeflasht. Ich mag falsch liegen, ist ja auch schon etliche Jährchen her, aber ich bin ganz zuversichtlich. Geht´s schief, siehe mein Versprechen.


    Ansonsten bedanke ich mich natürlich in das mir entgegengebrachte Vertrauen.:evil:


    Was mich allerdings wundert, dass niemand die Proportionen in Frage stellt. Ich hatte gleich beim ersten sehen irgendwie ein Störgefühl. Irgendwie hat Tsuruta mit den Maßangaben Mist gebaut. Wenn das Ding wirklich nur knapp über 30 cm lang ist, müsste das Teil wie Ida so schön schrieb ein Miniaturkatana sein, also schmal wie ein Partyspieß. Wenn allerdings die Angabe der Breite der Ha-Machi Region stimmt und setze ich die Im Verhältnis zur Länge, müsste das Teil pi mal Daumen plus/minus 50 cm lang sein.


    Deswegen mein Tip: Naotane, etwa 50 cm, um die 1820ger.

  • 'Ja, ja, sich dass an jeden Mist erinnern. Was glaubt man denn wie es mir geht.

    Pie mal Pflaumenkuchen hab ich im Laufe der Zeit so um die 600 Klingen bearbeitet. Gesehen bedeutend mehr Erinnern kann ich mich vielleicht an 20, 30 ig, aber das waren dafür wirkliche Knaller. alleine der Sendai Kunikane, Erbarmung , das war ein Geschoss.

    An welche Klinge ich bis heute extrem gerne denke, das war der Hosokawa Tadayoshi Tanto . So ein irrsinniges Utsuri auf einer Shinshinto-Tanto, einfach nur genial.

    https://www.nihontophoto.com/sakura-shi-hosokawa-tadayoshi

    Oder dieser vollkommen irre Möchtergern Gassan. Ayasugihada vom feinsten , blos jeder Hadastrang aus Ko-Itame aufgebaut. Der Hada im Hada.

    Allerdings gitbes auch eine nicht bedeutende Klinge an die ich mich aber trotzdem gerne erinnere. Horigawa Chikamitsu, ein schmied aus dem Showa. Warum ich mich an das Ding erinnere ? Es wird ja immer gesagt Sudareba kann niemand mehr...Denkste, das war ein modernes Schwert mit knalligem Sudareba.

    Ach ja, der Anfang war auch sehr lustig. Als ich anfing selsbtständig als Schwertschleifer zu arbeiten kam ein Kunde vorbei. einige Sachen zu machen, andere zum Ansehen.

    Bei drei schwertern dacht ich ich falle vom glauben ab. hohlt der doch einen O-Wakizashi raus. Wer mich kennt, weis ich liebe gutes Buntmetal Kodogu, am Besten mit figürlichen Darstellungen.

    Was hält er mir vor die Nase : Hamano Noriyuki II, Sujet Saketester und das ganze en suite montiert ohne Beschädigung. Ich mach das Schwert auf und kriege leichte Schnappatmung, da war ich das Kaliber noch niocht so gewöhnt...Hatakedea Sanemori , zwar suriage aber ansonsten voll im Futter.

    Wisst ihr was, es macht echt mal Spaß sich zu erinnern was man alles so schon an tollen Dingern gesehen hat....

    Wird jetzt aber zu sehr OT.

  • Ansonsten bedanke ich mich natürlich in das mir entgegengebrachte Vertrauen.

    ... natürlich vertraue ich Dir und auch Kaji,

    aber in diesem Falle wollte ich einfach mal sehen, wo ich hinkomme, wenn ich dem vertraue, was ich bereits gesehen habe.

    Und spätestens morgen ist dann eure Lehrlingin wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen ;)

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • ...und ihr müsstet Euch eigentlich in "die Ungläubigen" umbenennen. Der Schmerz sitzt nach wie vor tief.


    Zum Neuen: wieso eigentlich Yamashiro Texture? Die ...haben schon immer ihr eigenes Ding gemacht, egal ob in ... oder in ...

  • Ja, bei der hamon kommt man ziemlich schnell drauf. Ich denke, es waren die aus K., nur bei der Generation bin ich mir noch nicht so ganz sicher,

    weil die sori unserer Klinge nicht ganz so flach ist, wie bei den Klingen aus den Anfangszeiten der Schule.


    die ungläubige Ida

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Grundsätzlich ist sind die frühen Vertreter der Mishina-Schule für ihre Arbeiten im Shizu-Stil berühmt und bekannt. Außerdem sahen sie sich selbst in direkter Abstammung von Kaneuji. Und genau hier passt auch der sehr minoeske Hada unseres Stückes hin. Wieso also Yamashiro-Texture? Das Einzige was Yamashiro ist, ist die elendig lange Yakidashi. Spätere Osaka-Arbeiten zeigen meist recht kurze Yakidashi. Entwickelt wurde der Sudare wohl in der Yoshimichi Linie, wurde aber auch von anderen Schmieden dieses "Syndikats" gefertigt.

    Ich besaß mal ein Waki vom Shodai Yamato kami, den ich neben Hisamichi für den fähigsten Schmied der Familie um Kanbun und später halte. Das Waki zeigte auf einer Seite Sudare, auf der anderen Seite den Shizu-Stil mit genau diesem Hada und nicht mit dem typischen Osaka-Hada. Die Yoshimichis der dritten Gen. wirken schon recht hölzern. Dem Yamato kami hätte ich diese Arbeit noch zugetraut, aber der hat gerne eine Tama in die Boshi eingebaut und die Yakidashi ist nun wirklich für ihn zu lang.

    Bleiben wohl nur die Urheber des Übels...

  • Bleiben wohl nur die Urheber des Übels

    Nun, ich bin bei Tanba no Kami Yoshimichi gelandet, und zwar im Kyoto-Zweig dieser Schule.

    Kyoto wegen der dafür typischen yakidashi und wegen der boshi, die in Kyoto wohl etwas 'rundlicher' war als in Osaka.

    Wegen der hamon kommt frühestens der nidai (2. Generation) in Frage.

    Aber ich habe, wie oben gesagt, noch Zweifel, weil die sori unserer Klinge deutlich stärker ist als in den Vergleichsklingen,

    die ich gesehen habe. Von Yoshimichi 3.gen habe ich gar nichts gefunden, und bei Yoshimichi 4.gen hat zwar die sori gepasst,

    aber die Klingen waren zu breit :/

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Der Minoeinschlag ist ja nicht das große Wunder, war doch der Urheber der ganzen Mishina Bande ein Schmied aus Mino.

  • Der Minoeinschlag ist ja nicht das große Wunder, war doch der Urheber der ganzen Mishina Bande ein Schmied aus Mino.

    Nun ich fürchte, dass ich nichts anderes geschrieben habe...

    Grundsätzlich ist sind die frühen Vertreter der Mishina-Schule für ihre Arbeiten im Shizu-Stil berühmt und bekannt. Außerdem sahen sie sich selbst in direkter Abstammung von Kaneuji. Und genau hier passt auch der sehr minoeske Hada unseres Stückes hin. Wieso also Yamashiro-Texture?

  • Ähm nö. nur weil sich jemand als Nachfolger sieht heißt es nicht, daß er einen Bezug hat. Die 56 Tomonari Genration hatte mit dem auch nicht zu tuen. Während in diesem Falle war der Papa ein astreiner Mino-Kaji. Der hatte zwar auch nichts mit Kaneuji zu tuen, aber was solls.

    Desweiteren : Shizu ist eine Melange aus Sohsu und Yamato, hattten wir ja oft genug, das hier ist vom Hada her klassisches Sue-Koto Mino. Ja es ist Shinto, blos Stile wechselten sich nicht so schnell.

    ich hoffe der Widerspruch wird vergeben.

  • Ich habe keinen Nerv mich hier auf ein Spitzfindigkeiten-Duell einzulassen. Die wahrscheinlich reale 8. oder 9. Generation Kaneuji und einer Linie von Schmieden mit diesem direkten stilistischen Bezug mit einem Werbegag der Yokoyamaschule zu vergleichen ist Deiner nicht würdig. Dass alle diese Schmiede Mino-Kaji waren, weil Kaneuji Yamato/Soshu Melange zum begründen des Mino-Den führte, dass es diverse Strömungen im Mino gab und das Stilistiken in einen Zeitraum von 150 Jahren diversen Einflüssen unterliegen und das gerade der Mino-Den im Sue-Koto die dynamischsten Veränderungen aller Gokaden durchlief ist unbestreitbar. Unbestreitbar ist aber auch, dass die Wertschätzung der Mishina Schule rein schmiedetechnisch auf der Umsetzung des Shizu-Stils beruht. Ist es nicht gerade das besondere Wesen der aufkommenden Shinto-Renaissance, dass sich Schmiede auf ihre stilistischen Wurzeln besonnen haben um den Idealen ihrer Traditionen entsprechend der Kamakura und/oder Nanbokucho Periode nahe zu kommen?

    Zudem Bezug sich meine Darlegung auf dem Umstand, dass Tsuruta den Hada mit Yamashiro-Texture beschrieb.


    Weißt Du, ich mache die Sache hier weil sie mir Spaß und Freude macht. Fängt es mir an nicht mehr Spaß zu machen, dann lasse ich es sein. Momentan fängt es an, dass mir der Spaß an der Sache abhanden kommt.

  • Tut mir leid, ich wollte dich eigentlich nicht ärgern.

    Shizu Bezug, ich weis das die sich darauf beriefen, aber wenn ich mir einen Shizu Hamon ansehe und dann z.B: unsere vorliegende Klinge; die Gemeinsamkeiten halten sich doch sehr in Grenzen.

    Da vermag ich Shizu doch schon eher bei z.B: Kiyomaru wiederzu finden.

    Der Hada ; hm, ich sehe da ehrlich gesagt nur einen klassischen Mino-Hada, mehr eben nicht. Yamashiro ? Definitv keine Spur, da bin ich komplettt bei dir.

    Übrigens die 7 Großgruppen des Sue-Koto Mino aufgrund des hada auseinander halten zu wollen; Kamikaze, geht nicht. Da kommt man nur noch über den Hamon weiter.

    Womit du ebenfalls recht hast, es wurde stilistisch in der Zeit alles durch die Mangel gedreht und das nicht nur in Mino. In Bizen stolpert man über einen astreinen Soshu Hitatsura, in Mino über einen Bizen Choji etc

    In Kombination mit der vorhergehenden Zeile kommt man also dabei raus, das man teilweise ohne Signatur nicht mehr sagen kann welcher Mino-Schmied es denn nun verbrochen hat das Schwert.

  • Nein, der Sudare unserer Klinge hat mit Shizu nix zu tun. Was bei dieser Klinge auffällt, ist halt ein Shinto-Stil mit großer Koto-Sehnsucht auf Grund des ausdrucksstarken Hada. Die große Sori vertärkt das nur noch. Je weiter man ins Shinto kommt, umso höher die Neigung den Hada zu verfeinern. Deswegen würde ich unser Schwert gefühlsmäßig eher früher ansetzen.

  • Das Ding sollte eigentlich Shodai Kyo sein. Der setz das Segel Kerl. Was die Yakidashi angeht, man sieht auch die leichten Midare die für Kyo typisch sind, im Gegensatz zu dem glattem Aufschwung von Osaka.

    Was den Hada angeht hast du großenteils recht, aber da muß man höllisch aufpassen. mir ist vor geraumer Zeit ein Kaga no kami Sadaihiro über den Weg gelaufen, Hadatach bis der Arzt kommt. Auf der anderen Seite diese teilweise vollkommen überfeinerten Kotoarbeiten aus der Yamashiro Ecke, Ayanokoji etc.

    Eigentlich witzig, je länger ich dabei bin, um so unsicherer werde ich obwohl ich immer mehr sehe.

    Vielleicht dreht meine interne Datenbank durch, .

    Oder ich werd schwertirre,

    wer weis.

  • Eigentlich witzig, je länger ich dabei bin, um so unsicherer werde ich obwohl ich immer mehr sehe.

    Vielleicht dreht meine interne Datenbank durch, .

    Oder ich werd schwertirre,

    wer weis.

    Mit immer höheren Anspruch an eine Sache verliert man leider oft eine gewisse "Unbedarftheit". Beim Bogenschießen wäre Deine Beschreibung schon fast Targetpanik.