lustiges Klingenraten oder: wir üben mal Kantei

  • na, denn sag ich mal Gendai, Mitte 20. Jhd., wahrscheinlich Mukansa,

    weiter bin ich nicht gekommen ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Also jetzt nutze ich mal die Gelegenheit, dass alle anderen gerade irgendwie mit was anderem beschäftigt sind,

    und breite mich hier aus:


    Unsere neue Klinge ist Shinogi-zukuri mit einer etwas längeren Chu-kissaki,

    und wie Herr Tsuruta schon sagt, ist sie mit einer Länge von 62,4 cm ziemlich kurz.

    Dennoch denke ich, dass sie u.a. wegen des leichten funbari ubu ist.

    Insgesamt wirkt die relativ breite Klinge mit ihrer leichten Tori-zori recht kompakt.

    Die ebenfalls recht kurze, kompakte Nakago endet in einem Iriyamagata Jiri,

    die Yasurime sind in Sujikai mit einem Kesho-Abschluss ausgeführt.


    Die Jihada besteht aus ziemlich fein gestricktem aber durchaus markantem Itame und Mokume,

    im Shinogi-ji ist kein Nagare zu sehen.


    Die Härtelinie ist sehr auffällig:

    sie ist nicht nur symmetrisch auf der Vorder-und Rückseite,

    da gibt es auch noch Symmetrien auf der selben Seite.

    Ansonsten sieht sie so aus:

    Start mit einer Osaka Yakidashi, Übergang in Toranba,

    und dann gibt es da eben noch das 'Yuki no moragie'.


    Also erster Anlauf:

    Shinto Osaka, Tsuda-Schule


    Frage:

    Sowohl Länge (Kürze) als auch Hamon sind auffällig,

    kann das etwas damit zu tun haben, dass die reichen Geschäftsleute aus Osaka zwar nur 'kurze' Klingen führen durften,

    aber diese besonders prächtig aussehen sollten?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • ... o.k., wie es aussieht, muss ich wohl dieses Mal allein rätseln,

    die 'lustigen Bergketten im Dreierrhythmus' haben mich nicht unbedingt weiter gebracht.

    Also breite ich jetzt mal meine Kandidaten aus, die ich in die engere Wahl gezogen hatte

    und entscheide mich dann nach eingehender Diskussion mit mir selbst für einen von ihnen:

    Da wäre also zunächst mal Sukehiro,

    für ihn spricht das 'yuki no muragie' und er ist wohl auch der Erfinder des Toran-Ba,

    aber irgendwie wirken seine 'Meereswellen' runder und weniger dramatisch als in unserem Rätselding.

    Inoue Shinkai habe ich ausgeschlossen, weil sein Nakago-jiri nicht passt.

    Dann wäre da noch Terukane, der ähnlich wie Sukehiro gearbeitet hat,

    bei ihm habe ich sogar einen Hamon gefunden, der unserem ziemlich ähnelt,

    aber irgendwie ist der mir insgesamt zu rundlich, zu fließend

    http://www.sho-shin.com/terukane2a.jpg

    ja und dann bleibt mir noch Sukenao übrig,

    dem ich die 'Ecken und Kanten' in diesem Hamonmuster am ehesten zutraue.

    Für ihn spräche übrigens auch die Boshi, deren breite ausgefranste Härtelinie schon relativ kurz hinter der Yokote wieder umkehrt.


    Also mein Tipp heißt Sukenao,

    weil ich's nicht besser weiß ...

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  • Also mein Tipp heißt Sukenao,

    weil ich's nicht besser weiß ...

    ... hab mir noch mal den Terukane genauer angeschaut und revidiere meine Entscheidung:


    mein endgültiger Tipp für unser rätselhaftes Samstagsding lautet Terukane.

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  • Der Breitag ist noch nicht zu Ende und die Atnwort lautet Gonoshin Terukane, aka nidai Echigo no kami Kanesada.

    Der Hauptknackpunkt bei dem Ding sind die Dreiergruppen von Gunome in Berghangform

  • Frohes Neues!sparkling_wine-svg


    Na, so rätselhaft ist das Ding gar nicht. Terukane sollte ziemlich sicher stimmen. Mich erinnern diese Formationen eher an Segelohren. Ganz typisch für Terukane sind zum Beispiel für die Zeit untypischen extrem gestreckten Kissaki. Von der Form sehen die dann fast eher wie Shinshinto-Klingen aus.


    Apropos Shinshinto: diese gegenläufigen Wellen und der spiegelgleiche Hamon sind auch ein wichtiges Kantei-Merkmal für Ozaki Suketaka, der ja Osaka Shinto kopiert hat. Nur diese "Schwupper" in den Hängen hat er so nicht gemacht. die sind eher in einer glatten "Dünung" verlaufen.

  • Zwei Fragen an meine geschätzten Herren Lehrer:


    - Herr Tsuruta sagt, die Kasane (immerhin 0,75 cm) sei 'dünn',

    ist sie das nur in Relation zur Dicke über den shinogi gemessen,

    ist also der shinogi eher hoch?

    - Die meisten naginata haben zwar keine yokote, aber einige wohl doch,

    könnte es sein, dass unser Rätselding naginata-naoshi ist?

    (Das saki-zori würde jedenfalls dazu passen ...)

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  • ... danke für die Antwort,

    dann nehme ich einfach mal einen relativ hohen shinogi an, bis jemand mich eines Besseren belehrt ;)

    und versuche 'unsere' Klinge zu beschreiben:


    sugata

    Nach o-suriage ist die nagasa 62,8 cm lang, sie weist ein sakizori auf,

    es gibt fast keine Breitenabnahme von der Klingenwurzel bis zum Beginn der Kissaki,

    das fukura sieht etwas 'abgetragen' aus.

    Die Klinge ist naginata-naoshi mit einer yokote, was wohl eher selten sein dürfte.


    jihada

    Itame, welches in Richtung ha eher wie nagare aussieht,

    dazu feines ji-nie und chikei und ein nie-utsuri.


    hamon

    Die yakiba ist recht schmal, die sanft verlaufende hamon basiert auf suguha

    mit stellenweise flachem notare und eingemischtem ko-gunome.

    Man könnte sie als 'hoso-suguha-ko-gunome-midare' bezeichnen.

    Entlang des recht hellen, etwas undeutlichen nioiguchi findet man feine kinsuji und sunagashi.


    boshi

    nie-kuzure, das sich teilweise zu einem nijuba wandelt, das Ende ist yakitsume.



    Zeit: Nanbokucho, vielleicht Enbun


    erster Versuch, eine Schule zu benennen: Chu-Enju

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
    (Alfred North Whitehead, Logiker und Philosoph, 1861-1947)

  • Ich bitte um Korrektur meiner Klingenbeschreibung ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.
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  • Ich bitte um Korrektur meiner Klingenbeschreibung ...

    Moin Ida,

    wenn ich mir Deine Beschreibung durchlese, entsteht vor meinem geistigen Auge eine ganz andere Klinge. "sanft verlaufender Hamon, suguha-basierend, stellenweise flaches Notare und eingemischrs ko-gonome". Das ließt sich eher yamatoesk.


    Wie immer gefällt mir Tsurutas Oshigata nicht. Sehe ich mir die Reflexionsbilder an, geht da ganz schön der Punk ab. Ich sehe einen sehr aktiven Gonome-midare und irre viel Nie. Ja, er verläuft nah an der Schneide, aber um wie viel mag der Hamon sich schon durch diverse Polituren und Materialverlust der Schneide angenähert haben?


    Utsuri? Ich weiß nicht so recht. Ich tippe eher auf Nie-Formationen, welche sich an O-Itame-Nagare-schichten angelagert haben, teilweise Nijuba erzeugen oder Yubashiri-Charakter haben.


    Einen ähnlichen Effekt habe ich bei mir auf einer Klinge von Monju Shigekuni, der auf einer Seite seltsamerweise immer O-Hada fabriziert.


    Der hohe Shinogi passt allgemein zu einer solchen Klingenform.


    Ich kann mir vorstellen, aus was deine Enju-Zuschreibung basiert, aber der Grundcharakter von Enju ist an sich ein ganz anderer. Zumal Enju auf Yamashiro beruht.


    Ich würde mit dem Rührkuchen-Hada, Gonome-Midare in Nie-Deki, Sunagashi und Kinsuji in einer anderen Tradition suchen. Dann eine Schule, die gerne Naginata gebaut hat.

  • Utsuri? Ich weiß nicht so recht. Ich tippe eher auf Nie-Formationen, welche sich an O-Itame-Nagare-schichten angelagert haben, teilweise Nijuba erzeugen

    So wie es aussieht, habe ich noch manifeste Schwierigkeiten mit den Begriffen 'double ha', 'nijuba' und 'nie-utsuri',

    ich weiß nicht, wie ich die korrekt unterscheiden soll ...


    Ich würde mit dem Rührkuchen-Hada, Gonome-Midare in Nie-Deki, Sunagashi und Kinsuji in einer anderen Tradition suchen. Dann eine Schule, die gerne Naginata gebaut hat.

    Da hatte ich halt gedacht, dass es durchaus Yamatoklingen gibt, die soshuesk aussehen,

    aber Yamashiro ist natürlich wirklich nicht in unserer Klinge.


    Also bleibe ich jetzt mal bei einem kräftigen Soshu-Einfluss und suche nach einer 'Schule, die gerne Naginata gebaut hat',

    dann komme ich bei Hojoji raus, hatten wir schon mal bei Rätsel Nr. 451,

    aber irgendwie sah die Klinge schon ein bisschen anders aus,

    im Moment bin ich etwas ratlos :/

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    • Neu

    Nein Ida, ist jetzt auch meine Schuld mit dem Begriffs-Wirrwarr. Eine Nijuba schwirrt nicht irgendwo im Ji rum, sondern steht schon im Kontext zur Hamon. Aber auf Grund solch kräftiger und fließender O-Hada Strukturen können Nie-Formationen entstehen, die Utsuri-ähnlich sind, in dem Sinne aber kein "Schattenhamon" sind. Man sieht sehr deutlich auf der Klinge diese Ansammlungen aus kräftigen Nie.


    Ich mag mich irren, aber mein Tip basiert aus reinem Bauchgefühl. Leider habe ich wenig Zeit mich genauer darum zu kümmern, deswegen bleibe ich dabei. Mit deiner Enju-schule warst du zumindest geografisch nicht weit von meiner Idee entfernt. Wir hatten auch die Provinz kürzlich im Kantei, nur eine andere Schule.

    • Neu

    Hojoji hat sich in der Hamon Form an Bizen orientiert. Also Choji-Midare. Hier haben wir ein Gunome Midare auf einer Notare Bais, das Ganze in pfeffernden Nie. Der Hada ganz typisch für die Großgruppe.

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    Danke für die 'Zaunpfähle' :)

    Mit deiner Enju-schule warst du zumindest geografisch nicht weit von meiner Idee entfernt

    Hier haben wir ein Gunome Midare auf einer Notare Bais, das Ganze in pfeffernden Nie.

    die habe ich noch etwas genauer betrachtet, und sie haben mich nach Chikuzen geführt;

    in der Sue-Sa-Schule habe ich etwas gefunden, das für mein Laienauge ganz gut zu passen scheint:

    http://www.sanmei.com/contents/media/I31221_S2835_PUP1.html

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