Was sollten Kinder und Jugendliche im Informatikunterricht lernen?

  • Liebe Mitforumiten,


    Im neuen Schuljahr übernehme ich das "Informatik-Profil" in Klasse 7. Ich werde also eine Gruppe von ca. 20 Schüler*innen bis zur 10. Klasse vierstündig in Informatik unterrichten, wobei diese Kinder das Profil gewählt haben (Wahlpflichtbereich). Was die Inhalte angeht, bin ich fast völlig frei. Medienkompetenz, Softwareanwendung von Textverarbeitung über Photoshop bis Datenbanken und natürlich Programmierung.


    Da ich immer gerne mit Nicht-Lehrern über Schule spreche (die haben oft erhellende Ansichten), würde ich euch gerne fragen: Was sollten Kinder und Jugendliche eurer Meinung nach im Informatikunterricht lernen? Habt ihr irgendwelche Vorstellungen?


    Man kann auch (in gewissem Rahmen) Spiele behandeln, sich mit Nachrichten aus online-Portalen auseinandersetzen, irgendwas mit Foren, mit Wikipedia, mit Google, mit Smartphones, mit Logik usw. usf. Der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Von einzelnen Unterrichtsstunden über wiederkehrende "Elemente" bis hin zu langen Unterrichtsreihen ist alles möglich.


    Bisher habe ich Informatik nur zweistündig unterrichtet und meist nur in Klasse acht. Von daher wird das auch für mich etwas Neues. Ich werde in den Ferien einen Plan (Curriculum) für alle vier Schuljahre machen.


    Würde mich über Antworten freuen.


    Viele Grüße,
    Vagabund

    Humor ist der Regenschirm der Weisen. (Erich Kästner)

  • Wir haben damals in Informatik (Wahlfach an einem bayerischen Gymnasium) einfache Programme geschrieben (Turbo Pascal/Delphi), Access-Datenbanken geschrieben und die Steuerung für einen Roboterarm erstellt.
    Was bei mir davon wirklich hängen geblieben ist sind wirkliche Grundlagen: was ist eine Programmiersprache? Wie ist ein Programm aufgebaut? Welche Prozesse laufen im Hintergund? Wie ist eine Datenbank aufgebaut etc.


    Je nachdem wie fit die "Generation WiFi & mobiles Internet" hier wären eventuell auch die Grundlagen der Netzwerktechnik interessant, glaube kaum dass die heutige Generation hier noch weiß was IP-Adressen o.ä. sind ;)

  • Also wenn ich Informatik in der Schule gehabt hätte, dann wäre sicher mal Office-Anwendungen ein Thema. Heute erst recht. Office wird überall schon gefordert. Grafik-Bearbeitung ist eher ein Fun-Teil wenn man nicht Fotograf als Beruf danach wählt^^ Ein Blick in einfaches CAD wäre auch nicht verkehrt.
    Grundlegendes wie Hardware, also wie ist ein PC aufgebaut ist, ist auch interessant. Netzwerktechnik ist heute ein eigenständiger Zweig, dennoch hilft ein wenig Verständnis in diesen Dingen einige Funktionen besser zu verstehen.
    Dann das Betriebssystem; wie war es früher und heute und was für Alternativen.
    Was heute neu auf dem Markt ist, Games selber kreieren. Das macht Spass und ist der erste Schritt zum letzten Teil. Das Programmieren! Da wird es schon schwierig, welche Sprache soll es sein, welche ist vernünftig?? Kurz ein Überblick verschaffen und dann für die Eifrigen kleine Aufgaben stellen.
    Robotronik.. wäre für die Nörds dann das höchste :D


    So sehe ich das..

    "Die Wahrheit versteckt sich oft hinter Lügen"
    Meins!! :D

  • Also wenn ich Informatik in der Schule gehabt hätte, dann wäre sicher mal Office-Anwendungen ein Thema. Heute erst recht. Office wird überall schon gefordert. Grafik-Bearbeitung ist eher ein Fun-Teil wenn man nicht Fotograf als Beruf danach wählt^^ Ein Blick in einfaches CAD wäre auch nicht verkehrt.

    Das hat allerdings alles nix mit dem Begriff Informatik zu tun.

  • Das ist eben auch ein Problem. ^^ Jedes Land sieht das eben anders. Bei uns gehört das eben dazu.. Schulisch :D
    Informatik als Beruf ist bei uns dann schon wenig härterer Tobak.
    Und da ich auch Länderübergreifend tätig bin, habe ich da zum Teil heftige Unterschiede gesehen.


    Und da es ja Wahlfach ist.. und er sagt, es steht ihm frei was er an den Schüler bringt, also wieso nicht Excel vertiefen? :D

    "Die Wahrheit versteckt sich oft hinter Lügen"
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  • Vielen Dank für die Anregungen :)


    Kogaratsu : Hehe, über Alternativen zum "herkömmlichen Betriebssystem" habe ich auch schon nachgedacht, aber wir haben in der Schule leider nur Win und Mac (über Bootmanager). Da wird sich über Aternativen wie Linux nur theoretisch sprechen lassen und das limitiert sowohl den Spaß als auch den Umfang. Und, ja. wir haben an unserer Schule sogar die Möglichkeit, einfache Robotersteuerungen zu programmieren und auszuprobieren :)


    Tyrdal : Das Fach heißt zwar "Informatik", aber das wird sehr weit verstanden. Z.B. haben wir in Hamburg auch die Auflage, den "Hamburger Medienpass" mit den Kindern zu machen. Da geht es um Spiele (und Gefahren), Smartphone (und Gefahren), Urheberrecht, Cybermobbing usw.


    Ich habe damals in der Schule (ab Klasse 9) auch nichts weiter als Programmieren gelernt, alles andere war außen vor. Das hat sich heute stark gewandelt und ich denke, dass das auch gut so ist. Die wenigsten der Kinder, die nun ab kommendem Schuljahr das Profil Informatik haben, werden später im engeren Sinne etwas mit Informatik zu tun haben (weil die meisten von denen allgemein nicht leistungsstark genug für diese Berufe sind und auch oft in Mathe schwach sind). Die meisten werden allerdings beruflich in irgendeiner Weise mit Computern arbeiten. Von daher müssen wir ihnen die grundlegenden Kompetenzen vermitteln, sich später in der Ausbildung oder dann im Job schnell in ein neues Programm einarbeiten und auch generell mit Computer und Internet umgehen zu können.


    Programmieren werden wir aber auch machen. Der Einstieg läuft über allgemeine kleine Logikaufgaben. In Excel kommt dann das Wenn-Dann-Sonst-Konzept erstmalig vor. Dann kommt der App-Inventor vom MIT (http://appinventor.mit.edu/ ) , das begeistert die Schüler in Klasse 8 sehr! Allerdings wird das von den meisten auch als schwierig empfunden. Vielleicht machen wir vorher oder danach auch noch Scratch. Zeit müsste eigentlich genug sein, bei einem vierstündigen Fach.

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  • Was mir immer wieder auffällt ist die nicht vorhandene Medienkompetenz.
    Da werden Sachen in den sozialen Netzwerken und in Foren gepostet.....Manche machen sich echt keine Gedanken und das sehe ich als sehr gefährlich an.


    Als Mitarbeiter einer großen IT-Firma sehe ich auch, dass vielen das Grundverständnis fehlt, in das wir damals hinein gewachsen sind.

    • Zeileneditor: Fehlanzeige
    • Aufbau eines Rechners: Fehlanzeige
    • Grundkenntnisse Netzwerk: Fehlanzeige

    Logischer Aufbau, Problemanalyse, durchaus auch Grundlagen in Projekten (Arbeitspakete, Strukturplan, Eskalation etc.).
    Wenn dann noch was dabei "geschaffen" wird, wie z.B. eine Steuerung, eine App, ein Spiel, dann macht es doppelt Spaß und kann dann auch gut bewertet werden.

  • Ich bin halt kein Informatiker im Gegensatz zum Brüderchen, aber ich würde Eines fordern : Den Kindern etwas mehr Verstand mit dem Datenumgang und der Sicherung der eigenen Daten einzutrichtern. es ist ja sehr schön wenn man alles kann, blos wenn man es nicht sinnvoll einsetzt fliegt es einem um die Ohren.
    Dazu gehört auch der sinnvolle, eigenschützende Umgang mit sozialen Netzwerken.

  • @Kaji: Da stimme ich dir absolut zu. Das wird in verschiedenen Abstufungen wahrscheinlich in jedem Jahr wieder kommen (nennt man "Spiralcurriculum"). Außerdem gibt es immer wieder die Möglichkeit, aktuelle Nachrichten zum Thema aufzugreifen. Das ist generell das Schöne am Fach Informatik: Es ist sehr aktuell und die Dinge ändern sich auch immer mal wieder (in der Physik und Chemie, meine eigentlichen Steckenpferde, kann man das nicht so sehr behaupten ;-) )



    durchaus auch Grundlagen in Projekten (Arbeitspakete, Strukturplan, Eskalation etc.).

    Gute Idee, daran hab ich noch gar nicht gedacht. Vielleicht wird das mal ein Projekt in einer höheren Klasse... Also ein Projekt über Projektarbeit ;-) Möglicherweise könnte man dazu Mitarbeiter aus einem Unternehmen einladen... Hm... :rolleyes:


    In Klasse 7 wird es übrigens ganz langsam losgehen mit allgemeinen Grundlagen, z.B. "wie mache ich mir ein sicheres Passwort und merke es mir bis nächste Woche?". Wenn ich nämlich in Klasse 8 Schüler aus den anderen Profilen bisher gehabt habe, war das immer ein großes Problem ;)
    Mal ein Beispiel: Ein Schüler wusste nicht, dass er eine Mailadresse, die er sich in der Schule angelegt hat (z.B. bei gmx) auch von allen anderen Rechnern auf der Welt nutzen kann. Ihm war auch nicht klar, dass der Benutzername und das PW, das er benötigt, um sich am Schulrechner einzuloggen, nichts mit seinem E-Mail-Account zu tun hat. Er war durchaus intelligent (immerhin gut genug, um eine zweite Fremdsprache ab Klasse 7 zu wählen), aber als einer der wenigen hatte er bis dato halt ü-ber-haupt nichts mit Computern zu tun.


    Dann gibt es aber halt auch diejenigen, die bereits erweiterte Kenntnisse haben, klar.


    Außerdem "wie heißen die Tasten auf der Tastatur?" (die meisten wissen nicht, was mit "enter" oder "Control" gemeint ist), gängige Shortcuts, Struktur schaffen durch Verzeichnisse usw.
    Dann kommt Textverarbeitung (Texte formatieren usw. Evt. auch schon für die Stärkeren Trennung von Inhalt, Struktur und Layout).

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  • Dann kommt Textverarbeitung (Texte formatieren usw. Evt. auch schon für die Stärkeren Trennung von Inhalt, Struktur und Layout).

    ... das wäre vielleicht auch fachübergreifend mit den Deutschkollegen gemeinsam machbar,
    ist halt immer eine Frage, wie gut ihr im Kollegium miteinander könnt ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Stimmt, das wäre eine Möglichkeit, danke für die Idee! Da gibt es durchaus einige Kolleginnen, mit denen ich mir das vorstellen könnte. Daran wären dann die drei Deutschlehrerinnen der drei Parallelklassen beteiligt... Die wiederum zum gleichen Zeitpunkt dieses Thema bearbeiten müssten... Mal sehen, ob das organisatorisch geht, aber ansprechen kann man's ja mal :)

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  • Ist also wie ichs befürchtet hatteund es üblich ist, der Name Informatik wird völlig falsch verwendet. Programmieren gehört übrigens auch nicht zwingend dazu.


    Da es also um generelle Anwenderkompetenz geht würde ich mal auf die Risiken bei Facebook und Co hinweisen was deren Datensammelwut angeht. Mit Passwörten anlegen liegste auch nicht schlecht.

  • Ich kann deine Pein gut nachvollziehen. Als (ehemaliger?) Ingenieur musste ich mich auch erst einmal damit abfinden, dass z.B. der Begriff "Arbeit" immer wieder falsch verwendet wird ;( ;)


    Aber du hast natürlich vollkommen recht. Übrigens: Eine meiner damaligen Kolleginnen hatte zwar Informatik studiert, wollte aber mit "Programmieren" oder "Entwicklung" nichts zu tun haben.

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  • Was soll den das Ziel dieses Faches sein ?
    Die Leute zu Programmieren ausbilden, Zu Systemadministratoren, Informatikern etc ?
    Das glaube ich weniger. ZIel muß es doch sein den sinnvollen Umgang mit dem Maschinchen zu erlernen.


    Was den Begriff der Unterrichtseinheit angeht : Wenn man in der Grundschule von Mathematikunterricht spricht sehe ich auch sanft rot, wenn ich mir ansehe was auf Gymnasien teilweise verzapft wird, fange ich an griftgrün zu blinken...
    Aber irgendwie muß das Kind ja ja heißen. ;)

  • Da ist aber ein erheblicher Unterschied. Die Rechenregeln, die ich in der Schule lerne sind schon noch Grundlage und notwendig für die "richtige" Mathematik mit den lustigen Theorien und Beweisen. Informatik auf der anderen Seite ist älter als Computer. Warum kann man den Untericht dann nicht einfach als Computerunterricht bezeichnen?


    Den grundsätzlichen Aufbau und die Funktionsweise von Computern würde ich trotzdem mit in so einen Unterricht nehmen. Man muss ja nicht zu sehr in Detail runter. Und Netzwerktechnik ist oft spannend für Kiddies. Damit kann man, Hardware vorrausgesetzt, auch praktisch experimentieren.

  • Ich denke schon, dass das Fach Informatik den Namen verdient hat, wenn man sich anschaut, auf was es in Klasse 11 hinaus läuft. Hier ein Auszug aus dem Bildungsplan:



    Das ist allerdings für viele Schüler illusorisch, denn ich unterrichte an einer Art Gesamtschule (heißt bei uns nur anders) und einige aus meinem künftigen Kurs werden nur den Hauptschulabschluss schaffen (ob überhaupt eine(r) die Quali für die Oberstufe schafft, wage ich zu bezweifeln).


    Aber auch an einem Gym sollte man m. E. ganz viel Wert auf allgemeine Anwenderkompetenz legen. Das ist heute so viel wichtiger als zu unseren Zeiten, als noch praktisch niemand online war.


    Man kann das alles auch durchaus als Grundlage dafür ansehen, dass die Schüler in späteren Schuljahren überhaupt die Fertigkeiten haben, um sich die eigentlichen informatikspezifischen Inhalte mit einem Computer zu erarbeiten. Ohne Computer ginge es vielleicht auch, aber das wäre ja so wie Physik ohne Experimente (was auch geht, ich musste es als Schüler selbst ertragen).


    In Chemie nehmen wir auch zu anfangs die verschiedenen Geräte und die Benutzung eines Gasbrenners durch.


    Danke für den Einwand, Tyrdal, denn für mich ist das eine gute Gelegenheit, über das, was ich da mache und das Warum zu reflektieren. Das ist mir sehr wichtig und war auch der Grund, warum ich mich in meinem ersten Beruf nicht wohl gefühlt habe. (Der Sinn fehlte.)


    LG,
    Bundus


    P.S.
    Wenn man an einer FH ein Ingenieurwesen studiert, wird man in Mathe von den mir bekannten Profs übrigens mit Theorien und Beweisen komplett in Ruhe gelassen. Dennoch nennt man das Fach "Mathematik" und nicht "praktisches Rechnen" :D

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  • Wenn du Netzwerk machst, geh mit denen auch durch, wie man einen Router sicher konfiguriert. Am besten nimmst einen alten mit, falls du einen hast.
    Warum man wlan nur mit WPA2 absichern soll, warum man nach außen hin nur Anwendungen und Ports laufen lassen soll, die man auch anbieten will.
    Vielleicht kurz vereinfacht das OSI Modell anschauen.


    Im Serverbereich ggf diverse Standarddienste (80/443, 22, 23..) besprechen, dann verstehen sie auch warum "www2.<domain.tld>" kein neues Internet ist,
    bzw wieso "die Cloud" auch nur Dienste auf anderen PCs sind.