Friedfertige Kampfkunst

  • Immer wenn ich so etwas höre denke ich leise im Inneren : Was für ein Geschwafel, was glauben die Herrschaften denn wozu die Techniken zum Massakireren des Gegners entwickelt wurde ?
    Wenn sich teilweise Aikidoka z.B hinstellen und etwas von Friedfertigkeit etc erzählen ; momentmal es war doch ein gewisser Chiba, ein Meisterschüler Ueshibas der mit den friedfertigen Techniken seinen Schülern die Knochen brach ?
    Um friedfertig zu sein muß ich eben keine KK erlernen.
    Wenn ich mein Schwert immer nur in der Scheide behalten will ; so brauche ich auch nicht den Umgang damit zu lernen.
    Blso dann ist die ganze KK nur noch leeres Geschwafel aus meiner Sicht.
    Sobald ich das Schwert aber ziehe bin ich eben nicht mehr friedfertig und schaffe in dem Augenblick auch kein Frieden ausser ich gewinne das Gefecht.
    Gefecht, hört sich nicht nach weissen Tauben an irgendwie.
    Aber nur in dieser nichtfriedfertigen Phase macht doch die KK Sinn.


    Soweit meine Haltung kurz umrissen.
    Wie seht ihr das ?

  • Hallo KAJIHEI


    ein schönes Thema.


    Aber könnten die Behauptungen der Aikido-ka : Aikido - ein Weg des Friedens , nicht doch stimmen.
    Siehe einfach hier:


    www.youtube.com/watch?v=Tv7BTKQzn50


    weitere Filmchen ...

    Immer wenn ich so etwas höre denke ich leise im Inneren : Was für ein Geschwafel, was glauben die Herrschaften denn wozu die Techniken zum Massakireren des Gegners entwickelt wurde ?
    Wenn sich teilweise Aikidoka z.B hinstellen und etwas von Friedfertigkeit etc erzählen ; momentmal es war doch ein gewisser Chiba, ein Meisterschüler Ueshibas der mit den friedfertigen Techniken seinen Schülern die Knochen brach ?
    Um friedfertig zu sein muß ich eben keine KK erlernen.
    Soweit meine Haltung kurz umrissen.
    Wie seht ihr das ?

  • Ja sehr friedfertig. Frei nach dem Motto " Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein". Ein nicht unerheblicher Teil der Sachen die gezeigt werden sind schwerverletzend wenn man sie etwas dynamischer ausführt.

  • Abschreckung ist also friedfertig, interessante These. :D
    Mal im Humpert , wie kommen Leute darauf das eine KK friedfertig sein kann ? Wenn ich mir dieses gerede über den inneren Aufbau anhöre denke ich irgendwie immer ganz leise im Hinterstübchen, jetzt rechnen wir mal den ganzen pseudophilosphischen Kram raus und dann landen wir vermutlich bei dem was sich der Erfinder dieser KK mal dabei gedacht hat.
    Wenn dann noch Aikidoka anfangen das Friedfertige Ueshiba in die Schuhe zu schieben...ich komme da nicht mit. ?(

  • Man kann selbst dadurch friedfertiger werden, wenn man im Training seine ganzen Agressionen raus läßt.
    Man wird gelassener.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Das ist richtig und einsichtig, blos dadurch wird doch die KK als solche immer noch keine friedfertige....

  • Das ist richtig, zumindest nicht gegen die Pratzen! ;)

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Nur wie kommt man aber auf den Gedanken das der "Erfinder" sich eine KK als Antiaggressionstherapie ausgedacht hat ?
    Da würde es fröhliches Holzhacken auch tun.

  • Das kann ich dir auch nicht beantworten.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Hallo KAJIHEI


    ich kann Dir Deine Frage auch nicht beantworten.
    Aber siehe hier:


    www.tanden-aikido.de/


    Diese Schule befindet sich in der Bundeshauptstadt Berlin.
    Auch findest Du im Link verschiedene Module die einiges erläutern.
    Dann meine Erfahrung aus dem Aikido, dort wollte keiner Sparring machen und wir waren immer sehr freundlich zueinander.
    Ich wurde öfters darauf hingewiesen, nur die vorgeschriebenen Angriffe zu verwenden und mich bei den Techniken nicht zu sperren.


    Für mich war das Training wirklich friedlich.
    Als eine Antiaggressionstherapie? Von den Menschen dort ...brauchte das keiner.


    Aber bestimmt meldet sich auch noch eine Aikido-ka ... und erklärt einiges mehr.
    Gruß


    Nur wie kommt man aber auf den Gedanken das der "Erfinder" sich eine KK als Antiaggressionstherapie ausgedacht hat ?
    Da würde es fröhliches Holzhacken auch tun.

  • Um friedfertig zu sein muß ich eben keine KK erlernen.
    Wenn ich mein Schwert immer nur in der Scheide behalten will ; so brauche ich auch nicht den Umgang damit zu lernen.


    Da muss ich Dir widersprechen, aber im Ergebnis liegen wir vermutlich nahe beieinander, weil es eben alle KK-Fähigkeiten ein zweischneidiges Schwert sind.


    Manchen Menschen hilft die Kampfkunst, ihre Aggressionen besser in den Griff zu bekommen oder ihre Freizeit sinnvoller zu nutzen. Wenn aber die Kampfkunst manchen Menschen dabei hilft, ihre Aggressionen besser in den Griff zu bekommen oder die Freizeit mit Sport anstelle mit sinnlosem ggf. gewaltaffinem Unfug zu verbringen, dann dient dies in diesen Fällen durchaus der Friedfertigkeit. Aber natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, dass schlechte Trainer das Gegenteil bewirken und mentale Defizite weiter verstärken und dadurch die Kampfkunst den Unfrieden erhöht, es ist eben alles im Leben ein zweischneidiges Schwert.


    Nehmen wir an, ein harmloser 60 Kilo Spinner S schlägt mit einer schwachen Rechten in Richtung des Kiefers des X, um diesem seine Geldbörse zu stehlen. Wenn der X keine KK beherrscht, wird er entweder getroffen oder muss den 60 Kilo-Kriminellen S mit harten Schlägen zum Kopf bearbeiten, um den Angriff sofort und endgültig abwehren zu können und verletzt sich dabei ggf. noch die eigene Hand. Am Ende sind beide verletzt oder zumindest einer von beiden.
    Und jetzt denselben Fall, wo der X eine KK beherrscht. Da kann es genügen, wenn der Spinner S einen solchen Schubser erhält, dass er keine Lust mehr hat auf eine körperliche Auseinandersetzung, weil er merkt, dass seine Schlagkraft viel geringer ist als die seines mutmaßlichen Opfers. Oder es genügt wegen der in der KK erworbenen Fähigkeiten dass der X den S einfach am Kragen packt und in die Luft hält und auslacht. Oder es genügt, dass der X aufgrund der in der KK erworbenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten die Rechte lachend abwehrt und nur sagt „lass den Blödsinn".


    Zum Schwert in der Scheide:
    Meine Meinung: Gerade wenn ich mein Schwert in der Scheide behalten will, muss ich den Umgang mit ihm lernen.
    Wer den Umgang mit dem Schwert nicht gelernt hat, muss es viel öfters ziehen in Notwehr-Situationen als der Geübte, der ggf. den Angriff mit dem stumpfen Griff oder der Schwertscheide oder mit der stumpfen Schwertseite bei einem einseitig geschliffenen Schwert abwehren kann.
    Wobei das Schwert natürlich eine Metapher ist für alle Arten von Notwehr-Werkzeugen.


    Im Escrima ist es so: Die Anfänger wissen, dass sie ohne Waffen in der Notwehr schlecht aussehen wenn sich die körperliche Konfrontation nicht vermeiden lässt, daher würde ein Escrima-Anfänger im Einklang mit der Notwehr auch viel eher seine Notwehrwerkzeuge ziehen und einsetzen als ein Fortgeschrittener um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren. Ist ein Escrimador gut im Escrima, dann kann er harmlosere Angriffe auch waffenlos abwehren, daher dient das Training eben deswegen der Friedfertigkeit, weil für Fortgeschrittene mildere Notwehrmittel möglich sind als für Anfänger. Wird ein Escrimador im Alter schwach und langsam, dann muss er altersbedingt wieder eher seine Notwehrwerkzeuge in der Notwehr einsetzen und kann sich weniger Feindesliebe leisten als in der Blüte der Jugend. Aber natürlich hängt es immer auch vom Trainer ab. Nicht alle Trainer betonen die Feindesliebe, auch insoweit ist die KK ein zweischneidiges Schwert, denn natürlich kann jede Kunst auch im gegenteiligen Sinne d.h. mit der Intention der maximalen Un-Friedlichkeit genutzt werden. Aber wir beide sind uns wohl einige, dass ein in einer KK gut Geübter mildere Mittel einsetzen kann als ein Ungeübter, so er es denn will.


    Die Friedfertigkeit folgt auch schon aus der Körperspannung und Muskulatur. Wer durch KK fit wird und diese Fitness ausstrahlt, der kann auch mit viel milderen Mitteln zum Erfolg kommen, als der körperspannungslose, schwächliche Y, den niemand Ernst nimmt und bei dem die Aggressoren die einfache Beute wittern. Nicht nur das KK-Training, auch das Hanteltraining ist Friedens-Training, weil es mildere Mittel ermöglicht. Große Kraft ermöglicht eben mehr Feindesliebe als wenig Kraft. Aber auch da kommt es auf die innere Einstellung an, auch die Kraft ist ein zweischneidiges Schwert: Denn natürlich kann die Kraft für gute genauso wie für schlechte Werke genutzt werden. An den Früchten sollt ihr sie erkennen.


    Zum Schwert in der Scheide aus biblischer Hinsicht:
    Matthäus 26: „Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort. Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinst Du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?" Heißt im Klartext: Jesus könnte hier den Angriff waffenlos abwehren durch zwölf Legionen Engel.
    Er möchte eben deswegen, dass das Schwert in der Scheide bleibt, weil er den gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff auch mit Engeln abwehren kann. Und eben nur deswegen, weil er so kampfstark ist ,kann das Schwert in der Scheide bleiben. Auch hier zeigt sich: Aus großer Kampfkraft folgt die Option zu großer Friedfertigkeit. Aber eben auch die Option zu maximaler Un-Friedlichkeit. Denn zwölf Legionen Engel trinken sicherlich nicht nur Tee, um einen rechtswidrigen Angriff abzuwehren.


    Wenn ich mich recht erinnere hast Du irgendwann einmal geschrieben, dass Du anstelle des Schwertes in Notwehr auch schon Knüppel eingesetzt hast, auch dieser Knüppel-Einsatz war gelebte Friedfertigkeit, denn Du wirst die Ziele für Deinen Knüppel sicherlich mit Friedfertigkeit ausgesucht haben. Ein Ungeübter hätte den Knüppel vermutlich eher immer nur auf den Kopf des Angreifers geschlagen, Du konntest als geübter Kendoka den Knüppel viel milder einsetzen als ein Nicht-KK, auch weil Du viel präziser und explosiver bist mit dem Stock als ein KK-Laie. Deine Friedfertigkeit war nur möglich, weil Du in der KK geübt bist.
    Umgekehrt gilt aber auch, Lukas 22, 36„…wer aber nichts [kein Schwert] hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert."


    Selig sind, die Frieden stiften.
    Selig sind, die mit den Waffen mildere Ziele wählen als sie nach dem Notwehrrecht wählen dürften.


    Und zu Ueshiba: Könnte es vielleicht sein, dass er am Ende seines Lebens aufgrund seiner Kriegs-Erfahrungen erkannt hat, dass das Zerteilen von Kriegsgefangenen mit dem Schwert und das Befolgen machtpolitischer Kriegs-Aufrufe und das Verheizen einfacher Soldaten nicht das Richtige sind im Leben und auch nicht der Friedfertigkeit dienlich sind?
    Es war schon immer so: Diejenigen, die im Krieg waren, die haben meistens genug von sinnlosen Kriegen und sinnlosen Kämpfen für die Machtinteressen der Herrschaft.
    Sollte es zutreffend sein, dass Ueshiba am Ende seines Lebens weniger kriegsfreudig war als in seiner Jugend, dann finde ich das eine schöne Lernkurve, aber über sein Leben werden sicherlich Aikidoka mehr berichten können. Umgekehrt vermute ich, aber auch das müssten Aikidoka bestätigen, ob es stimmt, dass Ueshiba bei den Kölner Silvester-Pogromen nicht weggesehen hätte, als die Frauen vergewaltigt wurden, eben weil er aufgrund seiner Kriegs-Erfahrungen möglicherweise lernte, wofür es sich im Leben zu kämpfen lohnt und wofür eher nicht. Frauen und Kinder und die Nächsten zu verheizen, das ist die Kunst der Pharisäer und Schriftgelehrten.


    Es kann meines Erachtens nur der maximale Friedfertigkeit leben, der auch maximale Un-Friedlichkeit leben kann. Siehe Matthäus 26.
    Friedfertigkeit ist gerade das nicht, was die Pharisäer und Schriftgelehrte darunter verstehen: Feige wegzusehen, während Frauen oder Kinder vergewaltigt oder anderweitig angegriffen werden, sei es an Silvester in Köln oder sonst wo in Deutschland und Europa. In Frankreich liest man manchmal von Après-Cologne, d.h. „Nach-Köln". In dieser Zeit sollten die Definitionen neu durchdacht werden, auch was das Wort „Friedfertigkeit" betrifft.


    In Frankreich haben diese Woche – unbemerkt von unseren Medien – die Polizisten z.B. Straßen blockiert aus Protest gegen die Angriffe, denen sie permanent ausgesetzt sind. Sie werden in Frankreich noch öfters brutal angegriffen als bei uns, aber Frankreich ist die Vor-Hut, wir sind die Nach-Hut, was den Un-Frieden betrifft. Auch hier muss ich sagen: Es ist eben kein Zeichen von Friedfertigkeit, wenn sich Polizisten von Gewalttätern brutal angreifen lassen ohne effektive Gegenwehr zu leisten. Ganz im Gegenteil führt dies dazu, dass die Gewalttäter jeglichen Respekt vor Recht und Gesetz verlieren und so der Un-Friede verstärkt wird. Leider haben die Polizisten weder in Frankreich noch in Deutschland Rückendeckung, eben weil es in der Politik viel mehr Pharisäer und Schriftgelehrte gibt als Friedfertige und Gerechte.
    Rhetorische Frage: Wenn sich jemand selbst „friedfertig" nennen würde aber noch nie eine Notwehrsituation erfolgreich mit milden Mitteln bewältigte, wie sollte der dann friedfertig sein und kein Pharisäer oder Schriftgelehrter?
    Wie kann jemand friedfertig sein, wenn er dazu beiträgt, dass Frauen und Kinder Freiwild werden für die Kriminellen?

  • Moin,
    war lange nicht mehr hier, Ausnahmezustand bei der Arbeit...
    Also das mit der "friedfertigen Kampfkunst" ist schon ein Paradoxon, denke ich.


    Wobei ich auch denke, eine "relative Friedfertigkeit" und Kampfkunst schließt sich nicht aus. Zum Beispiel betrachte ich jeden der körperliche Gewalt nur anwendet um sich oder andere zu verteidigen als relativ friedfertig. Ich bin mir sicher, die meisten Leute, die ernsthaft Kampfkunst/-sport (egal welche) betreiben sind keine Menschen, die andere zum Spaß angreifen, wie z.B. Hooligans.
    Ob nun eine Kampfkunst "friedfertiger" als eine andere sein kann, das sehe ich kritisch.
    In meinem früheren Aikido-Verband wurde darunter verstanden, dass keine Schläge oder Tritte eingesetzt werden. Wobei Kajihei richtigerweise darauf hingewiesen hat, dass man mit anderen Techniken womöglich noch ernstere Verletzungen verursachen kann. Und dieser völlige Verzicht auf Schläge und Tritte, weil diese als "böse" angesehen werden und nicht zur "friedlichen Kampfkunst" Aikido passen hat in meinen Augen ja dazu geführt, dass dieses Aikido oft sehr realitätsfremd ist und inzwischen mehr Gymnastik als Kampfkunst ist.
    Siehe meinen Thread: Aikido: Kampfkunst oder Gymnastik

  • Ich denke dass das Thema wesentlich komplexer ist, als es den Anschein hat und der größte Fehler wäre es, Kampfkunst als den reinen körperlichen Part zu sehen.


    Die Metapher, dass die guten Schwerter in den Scheiden gehalten werden sollten legt dringend den Fokus auf den Umstand: sei dir deines Handelns mit allen Konsequenzen bewusst! Hier liegt die besondere Verantwortung und die bedeutendste Schwachstelle für alle die, welche Gewalt als Mittel einer Auseinandersetzung sehen. Gewalt sollte das aller letzte Mittel sein und der Praktizierende sollte es erkennen und sich nicht von Emotionen leiten lassen. Auch kann Gewalt sehr subtil sein. Das reine Ausstrahlen von Zanshin kann schon überzeugen, nicht etwas eskalieren zu lassen. Ein Kampf kann also auf verschiedenen ebenen stattfinden und entschieden werden, ohne dass tatsächlich jemand verletzt oder gar getötet wird. Aber auch all dass will gelernt sein.


    Ich habe meinen Leuten beim Kendotraining immer eingehämmert, dass das Shinai nicht nur ein Teil aus 4 Bambuspaneelen ist, mit dem man das Training bestreitet. Das symbolische ziehen der Trainingswaffe sollte keine routinierte Handlung darstellen sondern ein Schritt bedeuten, den man nicht einfach Rückgängig machen kann und dass das Ziel alles Folgenden auf unabdingbar konsequenten Handeln basieren muss. Tue was du tust mit allen wollen, auch gerade, weil es das letzte sein kann, was du in deinem Leben tust. Die Konsequenz ist der Tod, der des Kontrahenten, aber durchaus auch dein eigener. Wer sich dessen wirklich bewusst ist, allen Konsequenzen bewusst ist und dennoch ohne zu zögern bereit ist im letzten Schritt das Schwert zu ziehen, wird dies nie leichtfertig tun.


    Das alles ist jedoch stark Romantik-Schwanger. Die Aufgabe eines Samurai war es zu sterben und war sein Herr noch so ein großer Idiot. den Umstand galt es nicht in Frage zu stellen: wofür eigentlich zu sterben?
    Und diese Frage zieht sich durch die gesamte Weltgeschichte. Man stirbt für Religionen, für Regierungen und Könige, für Werte und Ideale, für die Freiheit. Unterm Strich stirbt man für die Interessen Bestimmter. Und der Gewinn der einen ist immer der Verlust der anderen.

  • Es hat zwar recht wenig mit der Ausgangsfrage zu tun, aber muss ich das jetzt trotzdem los werden, weil sich jedes mal, wenn ich ähnliches les, ein kleines Knäul im Hirn bildet^^


    Irgendwie will es immer nicht in mein Kopf wie man Kendo und Kampf auf Leben und Tod, in der heutigen Zeit noch zusammenbekommt. Ich sterb doch nicht mehrfach pro Woche im Jikeiko, außerdem schweb ich zu keinen Zeitpunkt in Lebensgefahr oder es besteht Gefahr für den Gegner (maximal fürs Ego besteht doch Gefahr). Auch zur Selbstverteidigung taugt Kendo nicht wirklich.


    Sicher man sollte nicht vergessen wo Kendo her kam und welchen Zweck es einmal hatte. Und sicher ist vieles als Imagination im Kendo nützlich, aber man sollte es eben nur als solches sehen. Eine nützliche Imagination, die ein in eine für den Wettkampf/Kendo im Allgemeinen passende Geisteshaltung bringt und einst für die Samurai eine überlebensnotwendige Bedeutung hatte und daher durchaus sich bewährt hatte.


    Aber mehr ist es nicht und dessen sollte man sich auch bewusst machen. Man sollte nicht mehr hinein interpretieren und keine Philosophie/Ideologie daraus ableiten bzw. sich in Traumtänzerein/Spinnerein zu verfangen und glauben, dass man in die Fußstapfen von Samurai läuft ...

    ... Das reine Ausstrahlen von Zanshin kann schon überzeugen, nicht etwas eskalieren zu lassen. Ein Kampf kann also auf verschiedenen ebenen stattfinden und entschieden werden, ohne dass tatsächlich jemand verletzt oder gar getötet wird. Aber auch all dass will gelernt sein.


    Ich habe meinen Leuten beim Kendotraining immer eingehämmert, dass das Shinai nicht nur ein Teil aus 4 Bambuspaneelen ist, mit dem man das Training bestreitet. Das symbolische ziehen der Trainingswaffe sollte keine routinierte Handlung darstellen sondern ein Schritt bedeuten, den man nicht einfach Rückgängig machen kann und dass das Ziel alles Folgenden auf unabdingbar konsequenten Handeln basieren muss. Tue was du tust mit allen wollen, auch gerade, weil es das letzte sein kann, was du in deinem Leben tust. Die Konsequenz ist der Tod, der des Kontrahenten, aber durchaus auch dein eigener. Wer sich dessen wirklich bewusst ist, allen Konsequenzen bewusst ist und dennoch ohne zu zögern bereit ist im letzten Schritt das Schwert zu ziehen, wird dies nie leichtfertig tun....

    Mit dem markierten hab ich in Bezug auf Kendo meine Probleme. Kendo ist doch kein Kampf auf Leben und Tod!?


    Ja, ein Kampf im Kendo kann bereits durch stärkeres Zanshin entschieden werden, aber es findet dennoch zu keinen Zeitpunkt ein Kampf auf Leben und Tod statt bzw. hat zu keinen Zeitpunkt die Gefahr einer Eskalation bestanden.
    Wir gehen doch freiwillig in die Situation des sich messens mit den Shinai ohne die Befürchtung haben zu müssen, dass ernsthaft etwas passiert/man stribt. Nur um unser Kendo zu testen oder warum auch immer manche dies tun. Aber wir nutzen heute im Kendo vieles aus dem Mindset/Traditionen etc. der Samurai, ohne die damalige Umweltbedingungen/Gefahren/Gründe, aber es sind auch neue Gründe (Wettkampfgedanke/Persönlichkeitsbildung) hinzugekommen/Gewichtung hat sich verlagert.


    Wir nutzen die Traditionen/Rituale/Mindset/Trainingsmethoden, als Imagination um im Kendo besser zu werden und weil es sich bewährt hat. Vieles wäre sogar änder-/austauschbar, aber dann wohl auch für viele kein richtiges Kendo mehr.


    Ja, das Shinai ist mehr als ein simples Trainingsgerät, aber es ist eben auch kein Schwert mehr. Niemand stirbt durch das Shinai und man kämpft im Kendo auch nicht auf Leben und Tod. Und man darf/sollte dem Shinai eine wichtige Bedeutung zumessen, weil es eben diese Vorstellung die Geisteshaltung/Mindset beeinflusst und man auch mehr acht gibt auf sein Equipment.


    Sicher sollte man sich während des Trainings bewusst machen, das Kendo etwas anderes ist als zb Fußball spielen und das es eine ganz andere Geisteshaltung für Kendo bedarf, wenn man weiter kommen will. Aber man muss es doch auch nicht übertreiben^^


    So und um doch noch den Bogen zur friedfertigen Kampfkunst zu spannen....
    Eigentlich hat man mit Kendo doch ne super friedfertige Kampfkunst, die gar nicht den Anspruch hat gefährlich sein zu wollen, andere zu verletzen, sondern mehr wert aufs mentale legt und gerade dabei sich vielerlei Dinge aus sehr blutigen Zeiten bedient - aber eben ohne sich dem blutigen bewusst zu sein und vieles romantisiert (und mitunter glaub ich gerade die Imaginationen sind im Kendo der wichtigste Teil, mehr als das körperliche, zumindest wenn man diese bewusst als solche nutzt und nicht hinein interpretiert und dabei das blutige ausblendet). Man killt sich nicht mehr gegenseitig, man schwebt nicht in Lebensgefahr bzw. Equipment ist sicher und schützt. Und wenn man lernen will sich zu verteidigen, sollte man sich ner andere KK zu wenden...


    Das Knäul im Hirn entsteht auch dadurch, das man sich Imaginationen bediehnt aus blutigen Zeiten/Kampf auf Leben und Tod, aber am ende den friedlichen mental stärkenden, persönlichkeitsbildenden Charakter des Kendo betont. Das ist irgendwie ein Wiederspruch^^ was auch okay ist und eigentlich egal, da Kendo eh fetzt :p

  • Ähm, auch im Kenjutusu kämpft man nicht mehr ernsthaft auf Leben und Tod mit der scharfen Klinge....


    Und Kendo ist nicht gefährlich ? NImm mal anstelle eines Shinai ein Bokken....Für Europa tut es auch ein Baseballschläger. ( ich bevorzge einen guten Gehstock aus Eiche,... )


    Hört sich lächerlich an, blos dummerweise funktionieren die Kendotechniken sowohl mit dem Shinai als auch der scharfen Klinge.


    Alles in personam getestet.

  • Natürlich kämpft man auch im Kenjutsu nicht mehr mit scharfer Klinge auf Leben und Tod. Kein Schwertkampf erlernt man heute, um damit in den Krieg zu ziehen oder um auf Leben und Tod zu kämpfen. Und kaum jemand - ausser er hat nen Klatsch an der Birne/läuft Amok - rennt mit Schwert rum um sich zu verteidigen.


    Aber der Sinn und Zweck vom Kendo ist ja nicht mehr gefährlich sein zu wollen bzw. der Kampf auf Leben und Tod. Das nen Hieb mit nen Shinai auf nen ungeschütze Stelle im dümmsten Fall tödlich, aber zumindest nicht gut ist, ist klar und das wenn man gut genug ist/genug Erfahrung hat nen Shinai wie ein Schwert nutzt auch. Entscheidend ist aber für mich der Sinn und Zweck vom Kendo in der heutigen Zeit.

  • Hallo Andromeda,


    ich finde Deinen Beitrag gut.


    Einen Satz habe ich deutlich hervorgehoben.
    Trifft das nicht für viele Kampfsport-Arten zu?
    Auch die Senioren lernen nicht Karate um damit besser zu kämpfen. Sie lernen sich zu konzentrieren,
    komplexe Bewegungen auszuführen, richtig zu atmen,..


    Nebenbei lernen sie bei der Meditation vor dem Training, sich bewußt auf das Training und der Meditation nach dem Training,
    sich wieder auf den Alltag einzustellen.
    Ich habe Kampfsport noch nie allein für die Selbstverteidigung ausgeübt.


    Gruß


    Natürlich kämpft man auch im Kenjutsu nicht mehr mit scharfer Klinge auf Leben und Tod. Kein Schwertkampf erlernt man heute, um damit in den Krieg zu ziehen oder um auf Leben und Tod zu kämpfen. Und kaum jemand - ausser er hat nen Klatsch an der Birne/läuft Amok - rennt mit Schwert rum um sich zu verteidigen.


    Aber der Sinn und Zweck vom Kendo ist ja nicht mehr gefährlich sein zu wollen bzw. der Kampf auf Leben und Tod. Das nen Hieb mit nen Shinai auf nen ungeschütze Stelle im dümmsten Fall tödlich, aber zumindest nicht gut ist, ist klar und das wenn man gut genug ist/genug Erfahrung hat nen Shinai wie ein Schwert nutzt auch. Entscheidend ist aber für mich der Sinn und Zweck vom Kendo in der heutigen Zeit.