Beiträge von Paladin

    Du hast zu 100% meine Zustimmung. Gutes Posting, Dinge auf den Punkt gebracht!

    Also das die auf nix eigenständiges kamen halte ich doch für äußerst unwahrscheinlich. So ziemlich jede Volk, egal wo, hat irgendeine Form des Ringens entwickelt. Da braucht man nicht zwingend Griechen für.

    Das hatte ich oben auch weiter erwähnt, dass eigentlich jedes Land dieser Erde sowas wie einen "Kampfstil" oder eine "Kampfkunst" entwickelt hat. Ich halte es aber für ein Gerücht, andere Stile hätten von den Chinesen oder Japaner "abgekupfert", daher vertrat ich - etwas provokant - diese These.


    Grundsätzlich: Immer wird angenommen, dass China und/oder Japan die "Wiege der Kampfkunst" ist und alle anderen - wie im Eingangsthread beschrieben - abgekupfert haben. Gesichert ist, dass das so nicht stimmt. Hierzu nehme ich nur mal DIESE kurze Ausarbeitung über die Pankration. Unterstellt man, dass überall dort, wo Menschen leben und gelebt haben, die Grundbedürfnisse des Menschen z. B. auf Nahrung, Sicherheit, Zugehörigkeit häufig durch Kriege gesichert wurden, verbindet sich damit auch die Frage, ob die damaligen Soldaten (vllt. schon in der Steinzeit?) mit ihren Waffen und im direkten Nahkampf auch geübt waren (vllt. auch nur aufgrund der Tötung von wilden Tieren und Nahrungsbeschaffung). Die Antwort ist wahrscheinlich "JA", zumindest hat man sich dadurch Vorteile verschafft und diese waren es, die einen Sieg zur Folge hatten. Soweit mal zum Begriff "Wiege".


    Damit ist anzunehmen, dass die Kampfkünste weitaus älter sind, als angenommen. So z. B. wird in der o. g. Ausarbeitung beschrieben, dass in Ägypten vor 6000 Jahren, also weit vor Shaolin und Pankration, Aufzeichnungen von kämpferischen Haltungen gefunden wurden.


    Da ich immer schon auch nicht-asiatische Kampfkünste trainiert habe, ärgert es mich, dass immer wieder China und Japan als Ursprungsländer benannt wurden. Hauptsächlich ist dies m. E. eine Mediengeschichte. China und Japan sind einfach präsenter im kollektiven Bewusstsein.


    Letzte Überlegung: Ich finde es geradezu fatal zu behaupten, die besten Philosophien und philosophischen Ansätze kämen aus dem asiatischen Bereich. Ebenso würde ich die esoterischen Einflüsse keinesfalls den chinesen oder japaner zuordnen, da würden - mir zumindest - zuallererst die Inder einfallen. Allerdings gilt es auch hier deutlich zu machen, dass Philosophie und Esoterik keine Landesgrenzen kennt. Überall in der Welt gab und gibt es Philosophen. Frage ist z. B. wer da - aufgrund seines zeitlichen Daseins - überhaupt die Möglichkeit hatte, von wem abzukupfern. Googeln hilft.

    Das war und ist eher anders herum: Die Chinesen und Japaner haben "abgekupfert". Diese "Ringstile" entstanden so auch nicht in Asien. Wie ich bereits beschrieb, kamen die aus Griechenland. Pankration ist die "Mutter" dieser Systeme.

    Nunja... in der Realität hat fast jedes Land dieser Erde (einschließlich Deutschland) irgendwann mal eine eigene Kampfart bzw. Kampfkunst entwickelt. Wie es immer so ist: Was im kollektiven Gedächtnis verbleibt, steuert sich maßgeblich übers Marketing. Wenn ich mir z. B. überlege, dass Alexander d. Große Kampfkünste aus Griechenland über Indien z. B. nach China brachte, hat man eine ungefähre Idee davon, dass in Europa bereits schon zu dieser Zeit der Kampf versportlicht bzw. als Unterhaltung/Hobby umfunktioniert wurde. Dabei war die Pankration zur damaligen Zeit ein absolut fortschrittliches Kampfsystem und die Griechen bereits unglaublich erfahren im Kämpfen nach Regeln. Zu dieser Zeit hat man sich in den asiatischen Ländern, wie z. B. Japan und China über Kampfkunst als Hobby noch keine Gedanken gemacht. Ganz abgesehen davon, dass z. B. das Tragen von Schwerten ausschließlich einer bestimmten Lobby vorbehalten war.


    Auf den philippinischen Inseln war es ganz ähnlich: Dadurch, dass sie ständig von fremden Mächten besetzt waren, wurde der Kampf praktisch Voraussetzung des Überlebens. Auch wenn geschichtlich die Filipinos ihre Techniken in Tänzen und Freizeitbeschäftigungen "einbauten", war dies lediglich Mittel zum Zweck: Erhaltung der Kampftechniken.


    Warum die Chinesen und Japaner heutzutage im Gedächtnis sind, ist eben Imagepflege und Medienprodukt. Allerdings liegt der derzeitige Mainstream auf härter, schneller, realistischer, ultimativer. Da sind beispielsweise Kampfkünste aus Brasilien, USA, Nahosten und Europa zu erwähnen, wobei MMA ja nun ein Mix von allem und eher eine mediale Geschichte ist. Will sagen: Immer mehr rücken heutzutage die Japaner und Chinesen in den Hintergrund, ebenso die weißen Anzüge. Habe vor Kurzem auf Facebook ein Promotion-Video gesehen, welches "Karate" als Titel hatte. Ganz sicher war das aber kein Karate. Bedeutet: Langsam verwaschen auch die Konturen der Kampfkünste, da z. B. jemand aus dem Krav Maga, dessen Stock- und Messertechniken grottig sind und er sich Nachholbedarf von den FMA holte, nun alles, was er aus dem FMA gelernt hat, als Krav Maga bezeichnen. Gleiches sehe ich viel im Systema, die ebenfalls Techniken, welche klar aus den FMA stammen, als Eigenkreationen bezeichnen. Will sagen: Es findet ein riesiger Klau und eine unglaubliche Lügerei statt, die - wenn man es genau betrachtet - jedes System alles können und trainieren lässt. Da wird im Judo gekickt und mit Messern umgegangen, im Karate klassisch geboxt und geworfen, sich im Systema professionell gegen Messer gestellt (was man vorher nie gesehen hat, weil die Protagonisten immer die Arme hängen ließen und mit einer "weichen Bewegung" den Angriff abrundeten), usw. usf.


    Eigentlich weiß niemand mehr richtig - können vor allem jüngere Kampfkünstler nicht mehr richtig - wissen, was die Systeme als solche für Konturen haben. Weichzeichner, überall dort, wo man hinschaut. Jeder will Kohle machen und hören, was er für ein toller und schneller Kampfsportler ist. Selbstdarstellung spielt auch hier eine große Rolle.

    Jow... kenn ihn leider nur von vielen Videos. Mal ne' Frage, die sich daran anknüpft: Weißt du zufällig, wie teuer er ist, wenn man ihn buchen möchte?

    Was macht ihr in den Sommerferien bzw. im Sommerurlaubquestion-svg Fahrt ihr weg, bleibt ihr zu Hausequestion-svg Werdet ihr aktiver oder geht es bei euch mehr ums Ausruhenquestion-svg

    brandenburger: Das Problem ist einerseits - übergeordnet - , dass ja in der PKS 2017 bereits mit der PKS 2016 verglichen wird, die 2016'ner also bereits enthalten ist und Du - andererseits - alles dazu tust, um einer derartigen Vergleichbarkeit entgegenzuwirken. Genau das ist nicht nur unsriös sondern auch manipulativ. Daher Deine Verwarnung und die deutliche Ansage, dass zu unterlassen. Wenn Du das nicht verstehst, reicht es mir, dass ich das verstehe und eine ziemlich genaue Vorstellung von dem habe, was in diesem Forum auf keinen Fall Nahrung bekommen soll.


    Ok. Ich glaube, dass lassen wir jetzt mal hinter uns und wenden uns dem Thema zu, bei dem wir ja auch - gedanklich - weiter waren...

    Häufig diskutieren wir Themen, die in der Öffentlichkeit äußerst kritisch gesehen werden. Mit "kritisch" meine ich, dass es hierzu mehrere ganz unterschiedliche Auffassungen gibt. Zur Unterstreichung der eigenen Argumentation greifen viele User dabei auf die Verwertung von bestimmten Quellen zurück, wie z. B. auf Zitate bekannter Menschen und auf Statistiken. Dabei fällt auf, das praktisch jeder Quelle unterstellt wird, nicht seriös zu sein. Anders gesagt: Das Totschlagargument ist: Vertraue keiner Quelle. Damit werden Zweifel gesäht. Die Grundsätzlich Frage wäre dann, sollte man sich überhaupt noch auf Quellen beziehen? Sind alle Quellen schlecht und unseriös oder ist es vielmehr heutzutage einfacher, eine Quelle als unseriös zu deklarieren, nur, um den Gesprächspartner argumentativ damit den Wind aus den Segeln zu nehmen? Werden wir langsam so nicht alle irgendwann mal zu Reichsbürgern und stricken uns die Welt, so, wie sie für uns am besten ist?


    Wann also sind Quellen seriös, wann unseriös oder gibt es tatsächlich nur unseriöse Quellen? Wie häufig stolpern wir in Diskussionen über Ausnahmen und machen diese zur Regel? Wie aufgeklärt sind wir heutzutage bei der Flut an Informationen? Wo lernen wir den richtigen Umgang mit all diesen Informationen, wo können wir das lernen, wo und wie lernen das unsere Kinder in der Schule, deren Hauptaufgabe es ganz offensichtlich später sein wird, richtige von falschen Informationen gut trennen zu können? Ein äußerst spannendes Thema mit vielen Sichtweisen und hoffentlich auc heinigen Erkenntnissen... viel Spaß beim Diskutieren:!:

    Also die statistischen Grundlagen sollte man schon in Zweifel ziehen dürfen,

    auch wenn sie von einer 'verlässlichen' Quelle stammen ...

    Aber natürlich. Genauso kann man auch die Zweifler, welche die statistischen Grundlagen in Zweifel ziehen, selbst in Zweifel ziehen dürfen. Letztlich geht es um Intelligenz, Wissen, Erfahrungen und den Sachverstand eines jeden Einzelnen. Eigentlich gibt es keinen Grund, öffentlichen Quellen zu misstrauen. Allerdings würde mich ein grundsätzliches Misstrauen nicht wundern, denn heutzutage schauen viele Menschen bei einer Sache zuerst danach, was gegen diese spricht, als zuerst nach dem zu suchen, was dafür spricht (bei Menschen schaut man meist zuerst, was einem vom anderen trennt, als nach den Gemeinsamkeiten zu schauen). Ebenso ist es Salonfähig geworden, den Einzelfall als Regelfall zu verdrehen. Eine äußerst destruktive und pessimistische Sichtweise auf die Welt. Ich hoffe dann immer, dass diese Menschen weit entfernt von Kindern sind und nichts mit deren Erziehung und Bildung zu tun haben...


    Ich stelle also fest, dass Du keine andere Formulierung parat hast. Schade. Der Rest Deines Beitrages war OT, weil es in diesem Thread nur um die Ergänzung der Board-Regeln geht. Ich denke, damit ist der Sinn dieses Threads auch erfüllt. Er sollte ja lediglich auf die Erweiterung unserer Board-Regeln hinweisen.

    Die eigentliche Aussage z. B. einer Kriminalstatistik:


    1. Die Anzahl der Gewaltverbrechen sind gesunken, oder

    2. Die Anzahl der Gewaltverbrechen sind gleich geblieben, oder

    3. Die Anzahl der Gewaltverbrechen sind gestiegen


    Wenn Du eine passendere Formulierung hast, her damit :thumbsup:

    Aus aktuellem Anlass wurden eben die Board-Regeln durch einen Zusatz geändert. Ich bitte hierbei um Kenntnisnahme und Umsetzung:


    Generelle Regeln:



    Bei der Verwendung von Statistiken ist Folgendes zu beachten:


    1. Bitte verwenden Sie grundsätzlich Statistiken aus seriösen Quellen, hierzu gehören z. B. öffentliche Institutionen, Behörden oder Ministerien. Weniger seriös können Zeitungen (auch Online-Zeitungen), Lobbyisten, private Finanziers, Verbände, etc. sein. Bitte vorher genau überprüfen (wenn nicht sicher, dann bitte einen Moderator ansprechen/anschreiben), da wir Statistiken unseriöser Quellen sofort löschen!
    2. Bei der Verwendung von Statistiken ist es wichtig, sich unmittelbar an den betreffenden Zahlen bzw. Angaben zu halten. Eine persönliche Interpretation der verwendeten Statistiken ist nur erlaubt, wenn diese ausdrücklich als solche zu erkennen ist und sich diese persönliche Interpretation in ihrer Tendenz nicht wesentlich von der eigentlichen Aussage der Statistik entfernt. Eine persönliche Erklärung der Statistik zum Zwecke bestimmter Zusammenhänge ist erlaubt, wenn diese explizit auch Absicht, Anlass oder Sinn der Statistik ist. Auch diese muss extra als solche gekennzeichnet werden.
    3. Thema: Alternative Fakten. In diesem Forum ist es nicht erlaubt und wird somit - ohne Vorwarnung - sanktioniert, wenn Statistiken z. B. aus politischen oder finanziellen Interessenslagen bewusst Fehl- bzw. MIssinterpretiert werden, um einen bestimmten Effekt (z. B. Angst oder Hass) zu unterstützen bzw. ihn hervorzurufen.

    brandenburger : Ich habe Dir eine PM geschickt. Und noch einmal der Hinweis auf die neue PKS HIER aus dem dem Jahr 2017.


    Zur Erinnerung: Die Zahlen flossen in die Argumentation mit ein, weil diese - bereits seit Jahren - mehr oder weniger rückläufig sind, das Gefühl vieler Bürger allerdings unsicherer wird. Eine gegensätzliche Entwicklung, die doch komisch ist? Genau hier, so war mein Einwand, kommen die vielen Anbieter von SV-Kursen ins Spiel. Sie suggerieren einerseits, dass es tatsächlich einen Anstieg von Gewalttaten gibt und bieten andererseits gleich die Lösung: SV-Kurse. Weiter bin ich der Auffassung, dass es hierbei rein ums Geldverdienen geht, diese SV-Kurs wurden für viele Schule eine zuverlässige Einnahmequelle. SV-Kurse zum Zwecke des Einstiegs wären m. E. kein Problem, SV-Kurse zum Zwecke des Erlernens von Techniken für die Straße schon, weil man sowas in einem

    Kurs nicht lernen kann... es fehlen Übung, Routine, Modifikation, Erfahrungen, etc.

    Lieber Brandenburger... wer lesen kann, ist klar im Vorteil.


    Die obige Tabelle macht deutlich, welche Deilikte in ihrer Quantität her gesunken sind. Fakt: Praktisch sind alle Delikte gesunken, außer die der sexuellen Selbstbestimmung. Ich weiß nicht, woher Du Deine Zahlen hast, ganz sicher aber nicht von der polizeilichen Kriminalstatistik, wie Du oben suggeriert hast. Langsam finde ich das, was Du hier machst, auch unseriös.


    Noch einmal: Die Zahlen sind insgesamt gesunken und nicht - so wie du es hier darstellst - gestiegen. Ich bitte darum, dies noch einmal selbst nachzulesen und zu überprüfen. Zusammengefasst im Übrigen auch weniger Morde, in Prozent: - 1,6 % - ich habe die Zahlen extra mit einem roten Pfeil markiert. Ich hoffe, der Pfeil ist groß genug?

    Auszug aus der polizeilichen Kriminalstatistik, hier auch gut zu sehen, wie das Vorjahr aussah. Wie gesagt: Schon lange in der Waage oder am Abnehmen, außer die Strafdelikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die gleichbleibend hoch ist... Ich denke, es ist immer gut, selbst nachzulesen: HIER


    Statistik.jpg


    http://www.spiegel.de/panorama…h-gesunken-a-1206707.html

    http://www.faz.net/aktuell/pol…-nicht-mehr-15579774.html


    Übrigens: Es gibt nur die PKS aus dem letzten Jahr, die "nächste PKS" wäre die von 2018 und die gibt es erst - logischerweise - 2019.


    Die Botschaft ist eindeutig die: Deutschland wird sicherer, die gefühlte Sicherheit sinkt. Genau darum geht es: Wer ist es eigentlich, der diese "gefühlte Sicherheit" beeinflusst und genau darauf habe ich oben meine Gedanken zu geschrieben: Es gibt eine regelrechte SV-Lobby, die - weil sie sehr gut an diesen SV-Kursen verdient - überhaupt keinen Grund hat, damit aufzuhören. Ist doch klar, dass dann dafür auch kräftig geworben wird und ebenso ist klar, dass - wo geworben wird - auch gelogen wird.

    Angesichts der großen Zahl gerade solcher Angebote bin ich mir da noch etwas unsicher,

    zumal mir hier noch nicht die Wechselwirkung zwischen Angebot und Nachfrage klar ist.

    Im Grund hast Du Dir das damit auch selbst beantwortet. Ich fass das mal in meinen Worten zusammen: Der Grund für ein Angebot ist grundstzlächlich Wirtschaftlichkeit. Die Angebote von SV-Kursen gibt es, weil man damit viel Kohle verdienen kann. Damit das auch so bleibt, gibt sich der Wirtschaftszweig von SV-Anbietern alle Mühe zu suggerieren, mit einem Kurs gleichfalls auch Lösungen anbieten zu können. Die Krux: Der mündige Bürger ist nirgendwo unmündigen, als wenn es um seine persönliche Sicherheit geht. Beweis: Deutschland ist faktischer sicherer geworden, fast sämtliche Delikte - vor allem die Gewalttaten - sind eindeutig Rückläufig. Sie waren im Übrigen immer schon auf einem niedrigen Level. Gegen diesen "gesunden Menschenverstand" steht die gefühlte Sicherheit. Bedeutet: Die Kriminalität sinkt, die Unsicherheit in der Bevölkerung steigt. Bedeutet: Die Werbung der SV-Anbieter scheint noch zu funktionieren.


    Hier blendet der mündige Bürger auch all seine Fähig- und Fertigkeiten des lebenspraktischen Bereiches aus und wird innerlich zum Kind: naiv, ohne Weitblick und ohne das Gefühl der Realität. Beim Kauf einer Jeans investiert so eine Durchschnittsdeutscher mehr Zeit, als für die Wahl einer Kampfkunstschule zum Zwecke der eigenen Sicherheit. Wenn jemand ein neues Auto kaufen möchte und ein Renault-Händler sagt ihm, dass Renault die besten Autos baut, glaubt das der Käufer nicht. Warum? Weil jeder Hersteller damit wirbt, das "beste" Auto zu bauen. Wenn ein "Kampfkunstexperte" erklärt, Karate wäre die beste Kampfsportart, glaubt man das. Karate ist tödlich, da gibt es Geheimtechniken und es gibt diese Superlative: Mit Karate kann man sich richtig verteidigen.


    Kurzum: Ein Angebot entsteht aus einem Wirtschaftlichen Gedanken. Für SV-Kurse (gerade für Frauen SV-Kurse) gibt es einen Markt. Viele verdienen daran. Wer schneidet sich schon den Ast ab, auf dem er sitzt? Notfalls erklärt er den Ast zum Naturerbe und spätestens das glaubt jeder - auch wenn es noch so absurd klingt. Warum? Weil SV auch geheimnisvoll ist, man als Laie ja eh nicht so viel versteht und man sich immer als "Grashopper" fühlen will...

    Also würde das in de Konsequenz bedeuten, wollte man wirklich , realitätsnahe SV trainieren müßte alles alles erlaubt sein im Training.

    Genau. Bedeutet: Man müsste z. B. Arme und Gelenke brechen können, Kehlkopf in die Wirbelsäule drücken, in die Augen stechen, mit dem Messer real stechen und schneiden dürfen (hoher Blutverlust, Muskeln und Nerven durchtrennen, etc.). Bedeutet auch: Das Training sollte unbedingt in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses stattfinden, da die Verletzungen und Tötungen an der Tagesordnung wären.


    Allerdings: Genau das könnte nicht nur ich, sondern eben auch der Gegner. Um eine realitätsnahe SV zu trainieren, wäre es dann auch so, dass ich z. B. zum Training komme, mich gerade umziehen will und der Angreifer, der vllt. schon ziemlich nahe zu mir steht, greift mich dann z. B. mit einem Messer an und verletzt mich vllt. auch durch Stiche und Schnitte, weil ich mit dem Angriff nicht gerechnet habe - wie im täglichen Leben.


    Die SV muss weg vom Denken, in einem Straßenkampf müsse man siegen... solche Gedanken versportlichen den Ernstfall. In der Realität geht es ums pure überleben und darum, dass Verletzungen bei einem selbst nicht so übel ausgehen. So weiß man z. B. in Messerkampfsystemen, dass man in einem Ernstfall totsicher geschnitten und/oder gestochen wird und trainiert deshalb z. B. die Hände enstprechend zu halten und bewegen. Sowas habe ich bisher bei noch keinem einzigen SV-System gesehen.

    Ne Ida... die Frage, ob man so etwas überhaupt trainieren kann, weil alles so "überraschend" kommt, stellt sich nicht. Natürlich wäre es von Vorteil, so eine SV zu trainieren, weil diese Systeme so konzipiert sind, dass die zu erlenenden Techniken einen anderen schädigen können.


    Das Problem ist doch: Niemand weiß, ob er mal in so eine Situation gerät und - wenn ja - wann. Praktisch kann das jeden Tag passieren. Die meisten Menschen werden allerdings nie in ihrem Leben mit so einer Situation konfrontiert. Allerdings: Denen, den so etwas passiert, tröstet nicht, dass sie eine Ausnahme sind. Ein einziger Vorfall kann für die Betroffenen das gesamt Leben verändern.


    Meine Absicht ist es, darauf hinzuweisen, wie die Realität ist - nicht, wie sie Kampfkünstler gerne hätten und/oder wie sie gerne trainiert werden: Der Täter als Dummy, ohne große Gegenwehr, Angriffe sind abgesprochen, Verletzungen nicht zu befürchten. Ich finde, da wird der Ernstfall zu stark verharmlost. Auch dieses "plötzlich und unerwartet". Jeder weiß, was damit gemeint ist, nur in der SV meint man, dass "plötzlich und unerwartet" eigentlich "schleichend und erwartet" meint. Letztlich sehe ich im Training meine/n Kontrahenten, auch das ist auf der Straße anders...


    Ich finde, dass in der SV Täter und Täterverhalten sehr verharmlost, runtergespielt und für die SV handelbar aufbereitet wird. Würde man es wirklich realistisch angehen, bedeutet es auch nicht gleich den Weltuntergang... also keine schwarz-weiß-Malerei. Es bedeutet nur, dass sich die Lernenden einer SV über die Realität von Ernstfällen bewusst sind. Ebenso sind sie sich über die Grenzen eines SV-Trainings bewusst. Das wäre schon mal sowas wie ein "guter Anfang"...

    Erstaunlich: Viele Trainer raten - gerade bei Messerangriffen - die Flucht zu ergreifen. Eigentlich wollen sie damit sagen, dass Messerangriffe sehr gefährlich sind und man demnach eher fliehen, als sich dem Angreifer stellen sollte. Die Botschaft ist klar. Doch: Macht eine Flucht Sinn bzw. wann macht eine Flucht Sinn? Über dieses "richtige Reagieren" in einem Ernstfall habe ich bereits im Blog geschrieben, ist HIER nachzulesen.


    Zusammengefasst: Eine Flucht macht grundsätzlich nur dann Sinn, wenn man ziemlich genau einschätzen kann, dass man schneller und ausdauernder ist, als der/die Angreifer. Das ist zwar sowas wie eine Binsenweisheit, wird aber - obwohl sowas eigentlich jeder weiß - so gut wir gar nicht beachtet. Warum? Keine Ahnung. Noch einmal: Wer flüchtet sollte unbedingt schneller als der/die Angreifer sein. Bedeutet: Übergewichtige, ältere und unsportliche Menschen - um mal einige wenige von vielen betroffenen Gruppen zu benennen - sollten so eine Flucht von vornherein ausschließen. Umgekehrt: Es gib eigntlich nur sehr wenige Personengruppen, für die Flucht eine reale Option wäre.


    Weiterhin geht es darum, dass - wenn man flüchten wollte - diese auch nur ein bisschen vorzubereiten. Was ich damit meine ist, dass man sich in so einem Fall z. B. von "Lasten" befreit, wie z. B. unpassendes Schuhwerk, Taschen bzw. Handtaschen, usw. Was allerdings niemals zurückbleiben darf, sind wichtige, persönliche Dinge, wie z. B. der Personalausweis in der Handtasche - um es mal ganz deutlich und plakativ zu machen.


    Letztlich sollte man noch wissen, wohin man läuft. Es heißt ja immer, dass - wenn man flüchtet - dann i. d. F. eine "Öffentlichkeit herstellen sollte"... Auch wieder so ein Ratschlag, der meines Erachtens in der Theorie besser klingt, als er in der Praxis umsetzbar ist. Flucht ist ein Urinstinkt. Bedeutet: Gibt man ihm nach und flüchtet tatsächlich, beherrschen zu diesem Zeitpunkt Urinstinkte zu einem sehr großen Teil unseren Körper. Tunnelblick, Adrenalinausschüttung, Herzrasen... alles Auswirkungen. Mit klarem Denken haben diese Situationen nichts mehr zu tun. Ganz abgesehen davon, dass man für eine "Öffentlichkeit herstellen" erst einmal eine Öffentlichkeit braucht. Täter sind Chancenkiller. Jede Chance, die sie dem Opfer rauben, kommt ihnen zugute. Täter greifen dort zu, wo die größte Möglichkeit eines Erfolges besteht. Sicherlich nicht in einer Fußgängerzone? Naja... vielleicht in der Nähe einer Fußgängerzone, was ja schon einmal eine gute Aussicht auf Erfolg einer Flucht darstellt. Dann gilt aber: Schneller und Ausdauernder als der/die Täter zu sein.


    Wie man es auch dreht und wendet: Bei wirklich genauer Betrachtung des Ratschlages "flüchte lieber, als Dich ein Messer zu stellen" fällt mir immer wieder auf, dass dieser Ratschlag nicht wirklich eine gute Strategie bei einem Ernstfall darstellt. Was ich rate? Entweder man sorgt sich um seine persönliche Sicherheit und trainiert eine professionelle Kampfkunst, in der mit und gegen Messer gearbeitet wird (FMA) oder man muss eben auf das zurückgreifen, was man so über seine Lebenszeit als Ratschläge gehört und mitgenommen hat und wird die dann in einem Ernstfall überprüfen müssen und muss dann mit den Ergebnissen "leben". Für Letztere wird dann der Ernstfall zu einer Überraschungskiste...


    Grundaussage von mir ist also: Flucht nur dann, wenn man schneller und ausdauernder als der/die Täter ist, das richtige Schuhwerk/die richtige Kleidung trägt und nichts zurücklassen muss. Oder übersehe ich etwas: Sollte auch Opa-Fritz, der 120 Kg schwere Bernhard, die 42-jährige Hausfrau Brigitte und der völlig unsportliche Frederik eine Chance bei der Flucht haben? Vielleicht gleich zum nächten Haus laufen und dort klingeln? = Genau das habe ich auch schon einmal gehört. Binsenweisheit: Wo kein Haus ist, ist wohl auch keine Klingel. Umkehrschluss: Du hast als Opfer Glück, wenn Du genau vor einer Häuserreihe überfallen wirst, der/die Täter gehbehindert sind und Du nur den Arm ausstrecken musst, um eine Klingel zu erreichen. Mal im ernst: Wer wird sich auf diese doch sehr vage und unzuverlässige Prognose in einem Ernstfall verlassen wollen, nach dem Motto: Wird schon so sein und gut gehen, einen Plan B benötige ich daher nicht?


    Meine Frage: Wie hört sich das an, was ich über Flucht denke und formuliert habe? Was erzählen Euch Eure Trainer und Ausbilder über die Flucht, was ist Eure Philosophie als Trainer?:/