Beiträge von Vagabund

    Vielen Dank für die Anregungen :)


    Kogaratsu : Hehe, über Alternativen zum "herkömmlichen Betriebssystem" habe ich auch schon nachgedacht, aber wir haben in der Schule leider nur Win und Mac (über Bootmanager). Da wird sich über Aternativen wie Linux nur theoretisch sprechen lassen und das limitiert sowohl den Spaß als auch den Umfang. Und, ja. wir haben an unserer Schule sogar die Möglichkeit, einfache Robotersteuerungen zu programmieren und auszuprobieren :)


    Tyrdal : Das Fach heißt zwar "Informatik", aber das wird sehr weit verstanden. Z.B. haben wir in Hamburg auch die Auflage, den "Hamburger Medienpass" mit den Kindern zu machen. Da geht es um Spiele (und Gefahren), Smartphone (und Gefahren), Urheberrecht, Cybermobbing usw.


    Ich habe damals in der Schule (ab Klasse 9) auch nichts weiter als Programmieren gelernt, alles andere war außen vor. Das hat sich heute stark gewandelt und ich denke, dass das auch gut so ist. Die wenigsten der Kinder, die nun ab kommendem Schuljahr das Profil Informatik haben, werden später im engeren Sinne etwas mit Informatik zu tun haben (weil die meisten von denen allgemein nicht leistungsstark genug für diese Berufe sind und auch oft in Mathe schwach sind). Die meisten werden allerdings beruflich in irgendeiner Weise mit Computern arbeiten. Von daher müssen wir ihnen die grundlegenden Kompetenzen vermitteln, sich später in der Ausbildung oder dann im Job schnell in ein neues Programm einarbeiten und auch generell mit Computer und Internet umgehen zu können.


    Programmieren werden wir aber auch machen. Der Einstieg läuft über allgemeine kleine Logikaufgaben. In Excel kommt dann das Wenn-Dann-Sonst-Konzept erstmalig vor. Dann kommt der App-Inventor vom MIT (http://appinventor.mit.edu/ ) , das begeistert die Schüler in Klasse 8 sehr! Allerdings wird das von den meisten auch als schwierig empfunden. Vielleicht machen wir vorher oder danach auch noch Scratch. Zeit müsste eigentlich genug sein, bei einem vierstündigen Fach.

    Liebe Mitforumiten,


    Im neuen Schuljahr übernehme ich das "Informatik-Profil" in Klasse 7. Ich werde also eine Gruppe von ca. 20 Schüler*innen bis zur 10. Klasse vierstündig in Informatik unterrichten, wobei diese Kinder das Profil gewählt haben (Wahlpflichtbereich). Was die Inhalte angeht, bin ich fast völlig frei. Medienkompetenz, Softwareanwendung von Textverarbeitung über Photoshop bis Datenbanken und natürlich Programmierung.


    Da ich immer gerne mit Nicht-Lehrern über Schule spreche (die haben oft erhellende Ansichten), würde ich euch gerne fragen: Was sollten Kinder und Jugendliche eurer Meinung nach im Informatikunterricht lernen? Habt ihr irgendwelche Vorstellungen?


    Man kann auch (in gewissem Rahmen) Spiele behandeln, sich mit Nachrichten aus online-Portalen auseinandersetzen, irgendwas mit Foren, mit Wikipedia, mit Google, mit Smartphones, mit Logik usw. usf. Der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Von einzelnen Unterrichtsstunden über wiederkehrende "Elemente" bis hin zu langen Unterrichtsreihen ist alles möglich.


    Bisher habe ich Informatik nur zweistündig unterrichtet und meist nur in Klasse acht. Von daher wird das auch für mich etwas Neues. Ich werde in den Ferien einen Plan (Curriculum) für alle vier Schuljahre machen.


    Würde mich über Antworten freuen.


    Viele Grüße,
    Vagabund

    Wie ich bereits schrieb, wer konsumieren also flüchten will tut es, legal hin oder her.
    Verbote bringen also Nichts.
    Sinnvoller wäre es die Gründe für diese Flucht in den Rausch zu eleminieren.


    Unabhängig davon, ob man nun Cannabis legalisieren sollte oder nicht: Bei dieser Aussage muss ich widersprechen. Bzw. ergänzen.


    Es stimmt zwar, dass jemand, der sich ganz feste ein Ziel gesetzt hat, das mit dem Gesetz nicht im Einklang steht (sich eine riesige Waffe oder irgendwelche Chemikalien zu besorgen etc.), dieses Ziel wahrscheinlich auch erreichen wird. Also, ja, wer unbedingt flüchten will, tut es auf jeden Fall.


    Diese Aussage hört man ja oft, u.a. auch von den Gegnern eines strengeren Waffengesetzes in den USA ("Wer sich eine Schwusswaffe beschaffen will, lässt sich von strengeren Gesetzen nicht abhalten!")


    Leider wird dabei immer unterschlagen, dass umso mehr Leute dieses vom Gesetz unerwünschte Verhalten zeigen, je einfacher es ist. Von daher für mich ein nicht zu Ende gedachtes Scheinargument.


    Nur weil eine Sache nur als Kann und nicht als Muß deklariert ist in einner religiösen Schrift heißt es nicht das der Grund deswegen weniger brauchbar ist.


    Das stimmt, aber wenn es ein Kann ist, kann man sich den Gepflogenheiten der umgebenden Kultur auch anpassen.


    Ich glaube, dass ich im dem Kontext "Schule" auch deswegen so empfindliche reagiere, weil ich schon sehr viele männliche "Rabauken" aus muslimischen Elternhäusern kennen gelernt habe. Es sind leider überproportional viele und da hat sich wohl leider ein gewisses Vorurteil bei mir aufgebaut. Es gibt natürlich auch total liebe muslimische Schüler in allen Altersstufen.


    Wie dem auch sei, es gibt ja gottseidank nur sehr wenige Moslems, die sich so verhalten. Die meisten Moslems hierzulande leben den Islam ungefähr so unauffällig, wie die meisten Christen das Christentum. Von mir aus können die sogar noch mehr Moscheen und Minarette bauen, ich mag die Architektur.

    Zwei Punkte fielen mir noch ein:

    • Es geht nicht nur um Schule. Vor einiger Zeit gab es einen Fall in den Niederlanden. Eine Reporterin wollte einem Fußballer zum Sieg gratulieren und streckte die Hand aus. Er aber so "Nö, ich bin Moslem". Hab es mal eben rausgesucht: http://www.spiegel.de/sport/fu…handschlag-a-1061211.html
    • Wie kommt es eigentlich, dass einigen (offenbar ja nur einer Minderheit!) Moslems in Mitteleuropa erst seit kurzem einfällt, dass sie fremden Frauen nicht die Hand geben dürfen? Das sieht für mich danach aus, dass es eine "kann-Vorschrift" ist. So, wie Christen Fasten können oder immer freitags Fisch essen können, aber ihnen keinesfalls die Exkommunikation droht, wenn sie es nicht tun.

    Es wirkt für mich stark nach einem Auswuchs der politischen Islams und den mag ich überhaupt gar nicht tolerieren.


    Gast 2 : Händegeben sei unhygienisch. Rein theoretisch kann man sich über eine Schmierinfektion anstecken, aber das würde ja bedeuten, dass wir niemandem mehr die Hand geben sollten. De facto rät weder das Robert-Koch-Institut noch sonst wer dazu, das Händeschütteln zu vermeiden und mir ist auch nicht bekannt, dass Mitteleuropa wegen dieser Sitte als "infektionsgefährlich" gilt ;-)

    Vielen Dank euch allen :)



    Meine Rabauken im Schulkurs waren übrigens sehr regelaffin.
    Auf der einen Seite testeten sie die Grenzen oft aus, auf der anderen Seite waren sie dankbar für klare Grenzsetzungen.


    Ja, die brauchen auf jeden Fall klare Grenzen. "Kinder brauchen Grenzen" ist schon sowas wie ein Mantra für alle Pädagogen. Leider haben das noch nicht alle Eltern verinnerlicht. Nachdem im vorletzten Jahrhundert zu viele Grenzen existierten, gab es durch laissez-faire das Gegenextrem. Davon sind noch große Teile der aktuellen Elternschaft beeinflusst, leider oft unbewusst! Z.B. hört man: "Was? Ich darf meinem Kind verbieten, sein Handy nach 20:00 zu benutzen?"


    Als wäre das ein Menschenrecht... 8|

    was nun?


    Das frage ich mich an dieser Stelle auch. So tolerant ich bin, aber hier bin ich der Meinung, dass sich diese Kinder/Leute den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen haben. Es muss ihnen klar sein (und das ist es garantiert auch), dass Frauen diese Weigerung als Affront empfinden.


    Ich habe diese Sache in der Schweiz seit Monaten in den Nachrichten verfolgt und jedes Mal ging mir innerlich die Hutschnur hoch, wenn ich mir die Situation vorstelle. Ganz ehrlich: Ich denke dann immer "Rotzlöffel".


    Ich kann doch auch nicht in ein muslimisches Land gehen und mich dort ausschließlich nach meiner Kultur & Religion verhalten bzw. meine Kinder dazu anhalten, die Gepflogenheiten dort zu missachten.


    Dennoch, wenn ich länger darüber nachdenke, fällt es mir nicht leicht, zu einem Ergebnis zu kommen. Dass eine solche gesellschaftliche Entwicklung schwierig ist, sieht man ja auch daran, wie viel diskutiert wird und wie lange es in der Schweiz gedauert hat, bis eine Entscheidung von der Schulbehörde gefällt wurde. Wir haben es hier mit Gratwanderungen zu tun, die echt nicht leicht sind.


    Im Zweifelsfall wird es auf ein "wie du mir, so ich dir" rauslaufen. Wer mir nicht die Hand gibt (und mir dadurch keinen Respekt zollt), dem schenke ich auch keine Beachtung (zolle ihm also auch keinen Respekt) (aus der Perspektive von weiblichen Kolleginnen gesprochen). Das wird natürlich zu weiteren Problemen im Lehrer-Schüler-Verhältnis führen. Was dazu führen wird, dass diese Jungs dann auf muslimische Schulen gehen, die vermutlich entstehen werden (oder schon entstanden sind?)

    weeaboo : Ich werde denen gar keine Techniken beibringen, denn es wird ein Sozialtraining und kein Kampfsporttraining. Das wissen sie allerdings nicht ;)


    Der Ablauf wird in etwa so sein: Liegestütze, Situps, Liegestütze, Situps, Liegestütze, Situps, Liegestütze, Situps, jeder eine Runde mit einem anderen Kämpfen, die anderen schauen zu. Nach jedem Kampf wird mehr oder weniger lang reflektiert, wie gut die Einhaltung von Regeln und Fairness geklappt hat.


    Dann noch schön ausgiebig entspannen, getarnt als Dehnungsübungen. Entspannung ist nämlich auch eine Sache, die den meisten Unholden am meisten fehlt. Außerdem wirkt das weitaus positiver als "Abreagieren".


    Die meisten von denen sind nicht dumm und können sogar gut reflektieren. Wenn sie von anderen Kindern Feedback bekommen, nehmen sie das auch noch besser an als Feedback vom Lehrer.


    Übrigens wird an unserer Schule sehr wenig geprügelt, es geht in den unteren Klassen eher um psychische Gewalt. Heute hat z.B. einer der Pappenheimer einen anderen Jungen durch Sprüche und einen gewissen Tonfall zur Weißglut gebracht. Der angegriffene Junge ist sehr ruhig und versuchte, seine Wut "wegzuatmen", dabei bebten seine Lippen und er schnaubte kräftig. So habe ich ihn noch nie gesehen, die Mutter rief vorhin bei mir an und sagte, dass das seit langem das Heftigste war oder sogar das Heftigste, was er jemals zu erleiden hatte (6. Klasse).


    Als ich ihn fragte, wie genau der Heini ihn so provoziert hatte, konnte er das gar nicht sagen. Auch die Mutter konnte das nicht von ihm in Erfahrung bringen. Der Heini geht da sehr subtil vor und weiß ziemlich genau, was er noch so gerade tun kann um zu behaupten, er hätte nichts gemacht. Damit kommt er aber nur selten bei uns durch (er muss trotzdem in den Trainingsraum usw.). Im Vergleich zur 5. Klasse ist er schon ruhiger geworden, dass sagte auch die Mutter der "Opfers".


    Hintergrund: Der Heini bekommt von seiner Mutter Zucker in den Allerwertesten geblasen. Außerdem Scheidungskind. Vater auch sehr aggro: Rief einmal bei meiner Kollegin an und schrie sofort los: "WAS HABEN SIE GEGEN MEINEN ...???"


    ida : Danke! Klar, das ist ja wieder nur eine Maßnahme von vielen und die Verhaltensänderungen kommen langsam. Mal sehen, was es bringt. Vielleicht werden sie sich auch deswegen im 2. Halbjahr besser benehmen, weil sie nicht mehr in die "Rüpel-AG" wollen ;) Ein bisschen ist das ja auch ein Pranger. Ist aber noch nicht entschieden, ob es diese AG wirklich geben wird.

    Ich werde nächstes Schuljahr wahrscheinlich einen Kurs machen, bei dem nur die allseits bekannten Rabauken aus den Klassen 5-7 mitmachen müssen.


    Wir sind im Lehrerteam zu dem Schluss gekommen, dass wir diesen (zumeist männlichen) Schülern durch eine Ringen-AG, die für sie während der einstündigen Mittagspause am Montag Pflicht sein wird, eine Gelegenheit bieten wollen, das Einhalten von Regeln zu lernen.


    Es wird zwei Lernziele geben:


    1. Sich an Regeln halten
    2. Fairness üben


    Und das ein halbes oder ein ganzes Jahr lang.


    Hintergrund ist auch, diese Schüler wenigstens montags von den anderen fern zu halten, so dass die mal in Ruhe spielen können.

    Hi Smoo,


    Nachtrag :)


    Habe noch einen Text von Annan gelesen, den ich noch nicht kannte. Der ist vom 20.02.2016 und es heißt darin:


    [...]Nehmen Sie das Beispiel des medizinischen Gebrauchs von Cannabis. Wir wissen jetzt aufgrund von Studien aus den USA, dass die Freigabe von Cannabis als Therapeutikum die Zahl der jugendlichen Drogenkonsumenten nicht erhöht, was das am häufigsten vorgebrachte Argument der Gegner dieser Freigabe widerlegt.
    [...]


    Erste Trends zeigen, dass es dort, wo Cannabis legalisiert worden ist, keine Explosion des Drogenkonsums oder der Beschaffungskriminalität gegeben hat. [...]


    Das spricht also eher für Legalisierung. Wenn Cannabis nur zu medizinischen Zwecken freigegeben würde (wogegen m. E. nichts spricht), würde es auch zumindest nicht schwieriger werden, meinen Schülern die Gefährlichkeit dieser Droge nahezubringen. Wenn Cannabis auch zu Freizeitzwecken legalisiert würde, sähe ich da größere Probleme, denn was erlaubt ist, ist im Denken von Kindern und Jugendlichen nicht gefährlich. Ich denke, dass genau deshalb so viele Schüler in jungen Jahren mit dem Rauchen anfangen, weil Erwachsene ganz legal rauchen dürfen und weil es Zigaretten sogar problemlos ohne jede Alterskontrolle am Automaten gibt.


    Wir reißen uns in der 8. Klasse ein Bein aus, um die Kinder von den legalen und illegale Drogen fern zu halten und sehen sie dann in der 9. Klasse nach der Schule an der U-Bahnhaltestelle mit der Kippe stehen. Dass illegale Drogen gefährlich sind, schnallt sofort jeder, aber dass Tabak zu den stärksten Suchtmitteln gehört (man kommt nur äußerst schwer wieder von der Sucht weg), können die Kinder oft nicht nachvollziehen. Das sieht man auch daran, wie die Testaufgaben beantwortet werden. Das liegt nicht nur daran, dass sie den Stoff nicht lernen wollten oder für die Klausur nicht gelernt haben, sondern auch daran, dass es ihnen unlogisch erscheint, dass etwas so gefährliches erlaubt sein soll.


    Annan schreibt zwar auch:

    Kofi Annan schrieb:

    [...] Als Vorbild kann die erfolgreiche Reduktion des Tabakkonsums dienen, einer sehr starken und gefährlichen Sucht. Der Anteil der Raucher ist in vielen Ländern gesunken, und zwar nicht wegen der Drohung mit Gefängnisstrafen, sondern einzig über Regulierung und Aufklärung.[...]


    Allerdings sinkt mir der Anteil der Raucher bei weitem nicht schnell genug. Ich bin nicht dafür, mit Gefängnis zu drohen, aber rauchen sollte allgemein verboten werden, nicht nur für Kinder unter 18. Mindestens gehören Zigarettenautomaten verboten, Rauchen im Auto muss verboten werden (Passivraucherschutz für Kinder) und wer Zigaretten an Jugendliche verkauft oder sie sonstwie beim Süchtigwerden unterstützt (ob vorsätzlich oder fahrlässig), sollte eine empfindliche Geldstrafe bekommen.


    Analoges gilt für Alkohol (70'000 Tote pro Jahr in Deutschland).


    LG,
    Bundus

    Hi Smoo,


    du hast geschrieben, dass sich die Konsumentenzahl nach "Freigabe des Konsums" nicht erhöht, das wäre erwiesen.


    In dem Text, den du dazu verlinkt hast (immerhin ein Nature Artikel und ziemlich aktuell), stehen aber sehr differenzierte Aussagen, die nicht so einfach in eine klare Richtung weisen (um es mir einfach zu machen, habe ich einfach die entsprechenden Stellen fett markiert).


    Was da momentan in den USA passiert, ist ein großes Experiment. Dass sich die Konsumgewohnheiten nicht ändern oder dass es nicht mehr Konsumenten geben wird, steht keinesfalls fest. Allerdings fiel wohl bereits der Cannabisschwarzmarkt als Einnahmequelle für das organisierte Verbrechen weg (finde den Artikel nicht mehr, war bei SPON), was ich positiv sehe.


    Ich bin trotz des Vorstoßes von Kofi Annan skeptisch, was Legalisierungen angeht. Vielleicht wäre eine Illegalisierung von Tabak und Alkohol sogar angebrachter. Diese legalen Drogen machen zusammen ca. 200.000 Tote in Deutschland pro Jahr aus.


    Aber warten wir mal ab, wie sich das in den USA entwickelt (siehe unten). Als Naturwissenschaftler bin ich ja immer für empirische Forschung ;) (ich weiß, das ist ziemlich zynisch, scnr).


    In einem Staat können zwei oder Mehr Religionen nebeneinander nicht funktionieren.


    Dafür gibt es aber viele Gegenbeispiele. Z.B. Süd-Korea. Etwa die Hälfte der Bevölkerung gehört einer Religion an. Davon sind: z



    Das funktioniert dort schon seit über 200 Jahren. Das Christentum kam dort übrigens schon 1784 an und zwar - weltweit wohl einmalig - durch "Selbstmission". Koreanische Intellektuelle hatten das Christentum aus China "mitgebracht".

    Hi Nite,


    deine Postings sind ja sehr tiefgehend. Magst du mal schreiben, wie du zu dem Wissen kommst? Hast du vielleicht etwas in der Richtung studiert? Natürlich nur, falls du das öffentlich machen magst. Ich frage nur aus Interesse, weil es selten ist, dass sich jemand so gut mit dem Islam auskennt und gleichzeitig so "unparteiisch" schreibt.


    LG,
    Bundus


    allerdings meine ich, dass nicht jeder Moslem einfach nur qua seines Daseins/Hierseins zu Deutschland gehören sollte ...


    Da gebe ich dir recht und ergänze: M. E. sollte auch nicht jeder Christ / Buddhist / Hindu / Jude usw. nur qua seines Hierseins zu Deutschland gehören.


    Es gibt auch einige Menschen, deren Vorfahren seit Generationen deutsch sind, die ich aber gerne außerhalb des Landes sehen würde. Die Aberkennung der Staatsbürgerschaft ist aber nicht ohne Grund ziemlich selten und schwierig.

    In den USA gibt es Foltercamps und - in Teilen - die Todesstrafe und sie ist nicht islamisch.
    In China gibt es Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen, eingeschränkte Pressefreiheit und sie ist nicht islamisch.
    Die Liste ist beliebig verlängerbar.


    Die obige Argumentation erschließt sich mir daher nicht.

    Er hat ja nicht geschrieben, dass nur muslimische Staaten so fies sein können. :)


    Nite : Genau, deshalb habe ich die VAE als Beispiel genommen. Du würdest sie also nicht als islamistisch bezeichnen, d'accord. M. E. kann man den Islam dort aber nicht als apolitisch bezeichnen, denn er hat ja durch den Einfluss der Scharia auf das Rechtssystem und auf den Rest der Gesellschaft erhebliche politische Wirkungen entfaltet. Oder?


    Diese differenzierte Begrifflichkeit gibt es bereits mit dem Begriff "Islamismus", welcher weitestgehend synonym mit dem Term "politischer Islam" verwendet wird.


    Nehmen wir z.B. die VAE. Würdest du sagen, das ist ein islamistischer Bund? In meiner Wahrnehmung gibt es einen Unterschied zwischen Islamismus und politischem Islam. Ersterer ist im Gegensatz zum zweiten eine neuere Erscheinung, er ist aggressiv-offensiv und will sich ausbreiten. Letzterer ist ca. 1300 Jahre alt und tätigt keine Terrorakte. Politischer Islam hat die traditionell muslimischen Staaten eben geprägt und es gilt mehr oder weniger die Scharia.


    @alle:
    Und was ist eigentlich mit Indonesien? Typisches Beispiel für die eine oder andere These oder eher Ausnahme?

    Danke, Fidibus! Sehr interessant. Ich habe zwar im alten KKF hin und wieder ein bisschen in die Systema-Threads reingelesen und auch bei deiner Systema-Einheit beim KKF Treffen 2007 oder 2006 (?) mitgemacht, aber das mit diesen kontaktlosen Stolpersachen hatte ich noch nicht mitbekommen.

    Nite meint also, dass es durchaus Staaten gibt, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist, aber nicht zu einem Unrechtsstaat führt. Es gebe also nicht den Islam, man müsse differenzieren.


    Man könnte sich daher auf eine differenzierte Begrifflichkeit einigen und den Islam jener muslimischen Staaten, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, z.B. "politischen Islam" nennen. Damit könnte man dann differenziert sagen "Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland".

    Paladin : An dieser Stelle mal ein Kompliment, wie wacker du deine These vertrittst und wie fundiert du dich mit dem Thema auskennst (weit besser als ich). Mit der Argumentation kann ich mich durchaus anfreunden, auch wenn ich geschrieben habe, dass "der Islam gehört zu Deutschland" und "die Muslime gehören zu Deutschland" grundsätzlich aufs gleiche rausläuft.


    Im alten KKF gab es ja bekannterweise einen gewissen Soziologen. Der hätte hier wohl geschrieben, dass die Gesetzmäßigkeiten eines Systems nicht von seinen Elementen determiniert werden.


    Man kann die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, auf vielen Ebenen beantworten. Historisch, soziologisch, politisch etc. Was aber Christian Wulff mit diesem Satz *erreichen* wollte, war m.E., dass sich die Deutschen so langsam endlich damit anfreunden sollen, dass in ihrem Land eine bedeutende Zahl an Muslimen lebt und dass sie zu einem mehr oder weniger geringen Teil auch das Leben hier beeinflussen.


    Er wollte bezwecken, dass es nicht mehr heißt "wir haben hier auch ein paar Türken im Land, aber die gehören nicht zu Deutschland". Wir sollten uns bewusst darüber sein, dass jemand, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat, Deutscher ist, auch wenn seine Eltern Türken oder - nehmen wir mal was ganz Exotisches - Österreicher waren. Das hat er verkürzt, vielleicht um es griffiger zu machen, und so kam "der Islam gehört" anstatt "die Muslime gehören" heraus.


    Hätte er "die Muslime" gesagt, hätten ihm gewisse Kreise, die gerne viele Ausrufezeichen benutzen, wahrscheinlich vorgeworfen "Wie können denn alle Muslime der Welt zu Deutschland gehören!!11!!!"


    Aber auch diese Kreise gehören zu Deutschland. Im Gegensatz zu den Muslimen allerdings leider.