Traditionen, ein alter Hut?

  • Genau das habe ich mich gefragt, als ich unsere Schule hier eingetragen habe!
    Im Rahmen des Taekwon-Do von "Tradition" zu sprechen halte ich - davon abgesehen - für 'mhhhhh' waghalsig, so alt ist es ja nun mal nicht.
    Ziehe ich aber Kajiheis Definition - also das Bewahren - hinzu, dann passt es.


    Ich sehe uns schon als Bewahrer, aber wir besuchen auch Turniere. Bin ich nun weniger traditionell? (wobei mich relativ wenig juckt, wie Andere das was wir tun, bezeichnen).
    Mein TKD - das weisst Du ja - ist auch anders wie das übliche ITF TKD. Ist es damit ursprünglicher?
    Trotzdem sind wir immer offen für Neues, gerade im Bereich der SV, Trainingslehre etc.


    Also, wer kann helfen: Wann ist ein Dojo/Dojang traditionell?

  • Hi Drax,


    da bin ich bei Dir.


    Die Frage, die ich mir stelle lautet: wann ist Tradition eine Tradition?


    Nach einer, zwei, drei oder zehn Generationen? Wären es denn Lebens- oder Meistergenerationen?
    Oder vielleicht, wenn ich eine eigene Schule aufmache und nach bestimmten Richtlinien führe, begründe ich damit eine Dojo-/Dojang-Tradition? Wenn ja, nach einer Woche, einem Monat, einem Jahr oder einem Jahrzehnt?
    Kann von Tradition gesprochen werden, wenn innerhalb der KK z. B. Technikausführungen geändert werden?
    Oder zählt primär ein gewisser Geist?


    Interessierte Grüße


    Mac :-)

  • Ich bin nicht Drax, finde den Gedanken aber gut. Natürlich wieso denn nicht. Man kann doch Erprobte , Bewährte bewahre und trotzdem neue Elemente zufügen.
    Ein Tradition ist aus meiner Sicht neben dem Bewahren wie ein Haus wo immer wieder angebaut wird ohne den Kern zu verändern.

  • Hallo Drax,


    Du stellst die Frage in den Raum: Tradition in der Kampfkunst Taekwondo.
    Ich gebe Dir recht, wenn Du nur die kurze Zeitspanne meinst, die vergangen ist seit der Name : Taekwondo besteht.


    Wenn ich aber beachte, daß die Gründer, Schulleiter des koreanischen Karate, überwiegend Schüler von Gichin Funakoshi ( 1868 -1957) waren, dann sieht es schon anders aus.
    Das Okinawa-Te wurde von den 36 chinesischen Familien in Kume ( 1392 -1393) , siedelten sich Chinesen auf Okinawa im Auftrag der chinesischen Regierung an., beeinflusst.


    ( Buch-Hinweis: Kata Bunkai - die Geheimen Techniken im Karate, von Helmut Kogel, meyer&meyer Verlag)


    Ob ich nun in einem Dojang der DTU oder bei Kwon jae-Hwa ...oder der IBF.. oder
    die" Tradition " finde, die ich für mich als wichtig erachte?
    Oder ich das " Gesundheits-Taekwondo von Großmeister Seo Yoon-Nam . 9. Dan, der in der WTU ist, so bezeichnen will.


    Ich denke,( das ist meine persönliche Ansicht ,meine Wahrnehmung ist abhängig von meinen Überzeugungen), daher sehe ich das Training bei Dir mit anderen Augen als vielleicht ein anderer Sportler.
    Wie würdest Du denn das Taekwondo bezeichnen, das von Dir als Meister den Schülern/innen im Dojang vermittelt wird?


    Noch einen lieben Gruß


    :)


    Trotzdem sind wir immer offen für Neues, gerade im Bereich der SV, Trainingslehre etc.
    Also, wer kann helfen: Wann ist ein Dojo/Dojang traditionell?

  • Hmmm...., wie würde ich es bezeichnen?
    Erst mal als "Taekwon-Do" ;-)


    Dann aber mit dem Hinweis, dass aus meiner Historie, einiges anders ist, wie in anderen Schulen/Vereinen - selbst wie in unserer Verbands PO.
    Da ich selber jahrelang Judo betrieben habe und ich es für enorm wichtig halte, das man fallen kann und sich auch auf dem Boden zurechtfindet, unterrichte und prüfe ich ab der ersten Stunde auch Falltechniken und im Verlauf des Trainings auch Bodenkampf.
    Ich bin auch überhaupt kein Freund der "Sinuswelle", wie sie in der ITF betrieben wird oder den schmalen Stellungen der WTF (als Beispiel).
    Somit nutzen wir zwar die ITF Nomenklatur - machen aber kein "reines" ITF TKD. Was sich auch daran zeigt, das wir nicht Juchee sondern Ko-Dang praktizieren.
    Auch das Hosinsul ist "anders" (Ich bin immer wieder erschrocken, was auf DAN-Prüfungen so von Einigen gezeigt wird).


    Wie schon geschrieben, ist das vor allem aus meiner persönlichen Historie begründet, dadurch, dass ich schon einige Jahrzehnte dabei bin und ich immer wieder gerne über den Tellerrand schaue und viele gute Bekannte in anderen KK - und natürlich auch allen TKD Stilrichtungen - habe.

    Don't dream it, be it!

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  • Hallo Drax,


    gestern ist mir das Buch von Chuck Norris
    Zen-Kampfkunst im täglichen Leben, wieder in die Hände gefallen.


    Dort das Kapitel: Der Sieg über dich selbst


    Nicht das Siegen liegt dem Kampfkunsttraining als wichtigstes Ziel zu Grunde. In Wahrheit, was viel scheinbar vergessen, dienen die Fertigkeiten dazu Konfliktsituationen aller Art geschickt zu vermeiden. Das Können soll im weitesten Sinn, dazu dienen ein glücklicheres und erfüllteres Leben zu führen.


    Ob ich das als Tradition bezeichnen könnte?
    Auf jeden Fall, zeigt es mir, daß Chuck Norris 8. Dan Tang Soo Do, sich nicht nur mit den Techniken der Kampfkünste oder Kampfsport-Arten beschäftigt.


    Gruß

  • ...
    Die Frage, die ich mir stelle lautet: wann ist Tradition eine Tradition?
    ...

    ... manchmal scheint mir, dass 'Tradition' immer dann beginnt,
    wenn es heißt: "Das haben wir schon immer so gemacht ..."

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Hallo,


    wenn ich Dich zitieren darf?


    Dann würde ich sagen, wie in der Schule.... da haben wir das auch schon immer so gemacht.


    8|


    Aus den Erzählung einiger Kinder, hat sich da nicht viel geändert.

    ... manchmal scheint mir, dass 'Tradition' immer dann beginnt,wenn es heißt: "Das haben wir schon immer so gemacht ..."

  • Wie wichtig sind Traditionen im Bezug auf Kampkünste für euch?

    Jede Kampfkunst die jemand von einen Lehrer erlernt, ist an sich eine Tradition. Einige sind nur älter, andere deutlich Jünger.
    So gesehen sind Traditionen in der Kampfkunst ziemlich wichtig.


    Für mich persönlich ist es nur wichtig das ich tradierte Handlungsweisen verstehe und nachvollziehen kann.


    Das erwähnte:


    "Das haben wir schon immer so gemacht ..."


    Ist für mich Anzeichen für Cargo-Kult. Tradition deren Ursprung, Bedeutung und Zweck vergessen wurde.
    Wenn diese Antwort, so in dieser Form ohne weitere Erläuterung gegeben wird von einem Lehrer wäre das für mich ein Anzeichen einen schlechten Lehrer zu haben und das diese Tradition doof ist.

  • Hmm, das haben wir schon immer so gemacht muss aber nicht unbedingt negativ per se sein. Trainingsabläufe die nicht vom vorheriger Lehrer übernommen wurden, z.B. ein aufwendiges Warmmachen weil einfach die Trainingszeit zu eng bemessen ist, verstoßen ja nach vorherigen Texten gegen die Tradition. Aber, da sie ja nun immer so gemacht werden, ist es wiederum eine eigene Tradition.
    Bei uns zu Hause haben wir auch eine Tradition, die aber erst in dieser Generation festgelegt wurde: einmal am Tag ( und wenn es auch erst spät abends ist, essen wir alle zusammen und quatschen über den Tag). Das ist also eine selbstentwickelte Tradition.
    Tradition bedeutet also für mich eine wiederkehrende freiwillige Handlung.

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Aber, da sie ja nun immer so gemacht werden, ist es wiederum eine eigene Tradition.

    Joa. Der Unterschied ist aber: du weißt warum du diese Tradition eingeführt hast. Es hat eine eindeutige Erklärung und ein Zweck die du deinen Schülern geben kannst. "Wir haben weniger Zeit als andere".
    Nehmen wir jetzt an dein Enkelschüler ist Lehrer geworden in deiner Linie und hat ein eigenes Dojang.
    Er macht weiterhin das kurze Aufwärmen obwohl er für das Training ganze 1 1/2 Stunden mehr Zeit in Anspruch nehmen kann.
    Sein eigener Schüler fragt ihn: "Lehrer, wieso machen wir das Aufwärmen nur so kurz? Alle anderen Hapkido Dojangs in die ich kenne machen das deutlich länger."
    Und er kann nur (weil er nie gefragt hat) antworten: "Nun mein Schüler, das haben wir schon immer so gemacht, so verlangt es unsere Tradition! Und nun trainiere fleißig weiter."
    Und so wurde aus einer sinnvollen Maßnahme zum Zeitpunkt A eine unsinnige Tradition zu Zeitpunkt B.


    Würde er nämlich Wissen warum das Aufwärmen in deiner Linie so kurz war hätte er die Möglichkeit a) Seinen Schüler verständlich zu antworten und b) er könnte die informierte Entscheidung machen das Aufwärmen zu verlängern das die SItuation zum Zeitpunkt B anders ist.

  • Über "Zen" in den KK (oder noch schlimmer: Zen-Kampfkunst) lasse ich mich nicht (mehr) aus.


    Was das Siegen angeht: Die beschriebe Sicht ist eine relativ moderne und wird gerade auch im Gendai-Budo besonders hervorgehoben.
    Die klassischen Schulen haben allerdings sehr wohl den Sieg im Fokus.
    Selbstverständlich haben auch die Koryû Lehren, welche sich im weitesten Sinne damit befassen, was oben beschrieben ist. Die KK diente allerdings nie dazu, ein "glücklicheres und erfüllteres Leben zu führen".

  • Hallo ryoma,


    wenn Du mich zitierst, dann ist Dir aber auch klar, daß Chuck Norris eine modere Kampfsport-Art, das koreanische Karate ,gelernt hat.
    In seinem Buch, erzählt er von seinen Erfahrungen mit Zen, die er nicht im Kampfsport-Unterricht gemacht hat.
    Überhaupt ist sein Buch, keine Einweisung in ZEN sondern er erzählt von seiner Lebenseinstellung, seinen Erfahrungen, auch den Dojo-Regeln, usw.
    vieles aus seiner Zeit als Kampfsportler und auch als Schauspieler.


    Du betreibst eine Kampfkunst-Art, die wenn ich Deine Zeilen richtig deute, von der Tradition beeinflußt ist.
    Von der Tradition der japanischen Kampfkunst oder Kriegskunst.
    Bist Du in der Lage, als Europäer mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund, dich auf diese fremden Kultur völlig einzulassen und auch zu verstehen?



    Frage, die Schüler/innen der Kampfkunst-Arten, warum sie ins Training kommen. Die meisten, wollen keine fremde Kultur erleben, keine Einweisung in Zen, ... sondern nur Techniken und Strategien um sich verteidigen zu können.
    Das war auch der Grund warum Chuck Norris das Tang Soo Do gelernt hat.
    Aber in seinem Buch schreibt er auch, daß er später auch mehr über das DO den Weg erfahren wollte.


    Daher sehe ich keinen Widerspruch, wird dies nicht auch in einem Buch von einem großen japanischen Schwertmeister, als Ziel seiner Kampfkunst oder Kriegskunst so beschrieben?
    Oder habe ich da das falsche Buch gelesen?


    Gruß

  • Soto-Deshi (oh Name in Fenrir geändert), du musst dir keine Sorgen machen ob ich in der Lage bin mich auf diese nicht ganz so fremde Kultur einzulassen.