Reizüberflutung

  • Tach zusammen,


    die modernen SV-Hybride haben es berücksichtigt. Will man zu viele unterschiedliche Techniken anwenden, dann droht die Reizüberflutung für den Anwender, also trainiert man quasi nur noch sehr wenige "bewährte" Techniken. Umgekehrt kann man auch durch äußere Einflüsse vollkommen überrascht und "überflutet" werden.


    Aber es stellen sich viele Fragen, weil jeder Mensch individuell ist und unterschiedlich schnell überfordert wird.


    1. Was ist eigentlich Reizüberflutung und wie wird es in eurem System definiert?

    2. Wie wird es berücksichtigt zu trainieren, dass man selbst nicht reizüberflutet wird und wie erhält man sich dabei die Möglichkeit offen, dass man selbst den Gegner reizüberfluten kann, oder schließt sich das gegenseitig aus?

    3. Welche Wege gibt es zurück zur völligen inneren Gelassenheit, damit man wieder Kampfbereitschaft herstellen kann - wie findet man zum "TAO" zurück?

    4. Ist es möglich, dass Techniken, die man beherrscht, derart in den Hintergrund treten, dass sie sich auf eine innere Blockiertheit nicht mehr auswirken?

    5. Welche Reizüberflutungstaktiken kennt ihr? (Da der Begriff Taktik sehr weit geht, bitte ich hier auch um angemessene Ausführlichkeit)


    Ich würde gerne alle Teilnehmer darum bitten, einfach die jeweilige Frage konkret zu zitieren, und darunter zu antworten, damit es nicht durcheinander gerät. (Prophylaxe)


    Danke für die Teilnahme


    FG

    Si·g·na·tu̱r
    Substantiv [die]

    Eine Kombination von Zahlen und Buchstaben, mit der ein Buch in einer Bibliothek registriert ist.

  • Hast du da auch Fachliteratur zu?


    FG

    Si·g·na·tu̱r
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  • Will man zu viele unterschiedliche Techniken anwenden, dann droht die Reizüberflutung für den Anwender

    Das ist eine Behauptung, die erst einmal begründet werden müsste.


    1. Was ist eigentlich Reizüberflutung und wie wird es in eurem System definiert?

    "Reizüberflutung, Bezeichnung für die Menge und Verschiedenartigkeit von gleichzeitig auf einen Organismus wirkenden Reize. Durch selektive Wahrnehmung wird nur eine Auswahl an Reizen überhaupt wahrgenommen."

    Copyright 2000 Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg

    Suche das Einfache und misstraue ihm.


  • Der Einfachheit halber ales was in fett und farblich geschriebene von mir im zitierten Text.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Smoo, ich glaube, man kann deine Fragen alle zusammenhängend beantworten. Ich will das mal versuchen.


    Die Sache mit der Technikvielfalt und der damit verbundenen Blockade haben wir ja bereits unter dem Thema "Hicks Law" diskutiert.

    Diese Reizüberflutung, wie du es nennst, tritt jedoch erst ein, wenn du an ein System auch das Attribut der realistischen Kampffähigkeit anlegst. In den Combatives/Hybrid-Systemen verfolgt man ja genau deswegen die Philosophie der minimalen Anzahl an Techniken für eine maximale Anzahl an Situationen.


    Ganz anders siehts da wieder in vielen traditionellen Kampfkünsten aus. Meine Erfahrungen beschränken sich hierbei allerdings auf chinesische Stile wie das Baguazhang und das Xingyiquan.

    Ich habe diese Kampfkünste nicht trainiert, um eine reale Wehrfähigkeit zu entwickeln, sondern weil mich diese Stile sowohl physisch als auch philosophisch sehr interessiert haben (und immer noch tun). Eine Reizüberflutung hat hier eigentlich nur am Anfang stattgefunden, als man anhand von Einzeltechniken und Formen die zu Grunde liegenden Bewegungsmuster studiert hat. Das Ganze hat dann nachgelassen, als man von den Techniken mehr hin zu den dahinter liegenden Prinzipien gegangen ist. Plötzlich haben sich etliche Techniken zu Varianten ein und desselben Prinzips zusammen gefunden.

    Das war auch der Punkt, bei dem bei mir die Gelassenheit eingesetzt hat. Ich musste mich nicht mehr so sehr auf die einzelnen Techniken konzentrieren und durfte mehr "in den Flow" gehen, wenn du verstehst, was ich meine. Dass beide Kampfkünste aus der daoistischen Tradition stammen passt hier insofern ganz gut. Denn das Dao besagt, dass alles Eins ist, untrennbar, ständig im Fluss begriffen. ;)

    Abseits dieser romantischen Ausführung verflüchtigt sich die Reizüberflutung dann, wenn die Techniken ins Muskelgedächtnis übergehen. Das ist wie beim Autofahren...heute betätigt man die Gangschaltung nebenbei, die ersten Fahrstunden sah das aber noch ganz anders aus.


    Interessant wird's bei der Reizüberflutung als Mittel im Kampf...da sind wir dann beim EVA-Modell. Darauf gehe ich nachher ein, muss jetzt eine Gruppe leiten.

    Bis später! ;)

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • So...das EVA-Modell.


    In den Combatives (bzw. dem ALPHA, das ich gelernt habe) arbeiten wir viel mit der Reizüberflutung des Gegners. Durch rapide, kurze Schläge zum Gesicht wird die Reizaufnahme-Fähigkeit des Gegners überfordert. Damit verhindern wir, dass sich der Gegner sammelt und wieder die Initiative übernimmt.


    EVA = Eingabe --> Verarbeitung --> Ausgabe

    Das Gehirn nimmt einen Reiz auf, verarbeitet ihn gemäß Priorität und gibt dann einen Handlungsbefehl aus.

    Z.B. Schlag --> Gefahr, Schutz notwendig --> Arme hochreißen/blocken

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Hast du schon mal was von trinkreduziertem Training gehört?

    Si·g·na·tu̱r
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  • Hast du schon mal was von trinkreduziertem Training gehört?

    Sollte man der Gesundheit zu Liebe nicht machen.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Gehört ja, mir erschließt sich nur der Sinn nicht ganz. Kannst du das mal beleuchten?

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • War mal in den 70'ern bei den Holländer schwer angesagt (Thai Boxen) nach dem Motto: Nur die starken überleben!


    Da würde stundenlang knochenhart bis zum echten umfallen trainiert.


    Aus physiologischer Sicht absoluter Bullshit, da der Körper dehydriert.


    War dann irgendwann nicht mehr angesagt, da man merkte, welche Folgen das hatte.


    Würde ich als Trainer auch niemandem empfehlen und niemals praktizieren!

  • Was Drax schreibt habe ich auch so mitbekommen.


    Es geht also nicht um die Physis, sondern um die Psyche. Alle, die das "Wochenende" von Freitag bis Sonntag durchhielten, sollen den Gerüchten zufolge hohe Erfolge erzielt haben.


    Ich halte selbst nichts davon, scheint aber ein "Training" zu sein, dass die mentalen Fähigkeiten stärkt bzw. herauskristallisiert.


    Gibt auch noch andere Methoden...

    Si·g·na·tu̱r
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