Kampfkunst ohne asiatische Lebensweise

  • Mir kam dieser Tage im Netz ein Artikel unter die Augen der mich ein wenig stutzig machte. Es ist ein ellenlanger Text, den ich hier mal nur inhaltlich wiedergeben möchte. Inhaltlich stellte der Verfasser fest, dass alle KK-Betreibenden niemals ein Meister ihrer Kampfkunst würden, wenn sie nicht auch die jeweilige asiatische Lebensweise und deren Philosophie annehmen und auch Leben.

    Angefangen bei morgendlichem Zen-Übungen, Übungen in Kalligraphie, einer landestypischen Ernährung. Am Besten auch nur traditionelle Kleidung tragen. Nun sehe ich das alles aber ein wenig pragmatischer, ich übe werfen, hebeln und treten, muss mich darauf nicht durch langes sitzen im Zen vorbereiten. Ich bin nun mal ein Europäer mit der hier üblichen Lebensweise, glaube aber auch, dass ich meine KK ohne Zen ganz ordentlich hinbekomme.


    Gehört die Annahme asiatischer Lebensweisen für euch zu eurer KK dazu, oder kommt ihr ohne zurecht?


    K/

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Klappt bei mir auch ganz gut ohne das ich ein Schwert anbete oder sonst was.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Es geht definitiv ohne und nicht alle asiatischen KKs sind mit Zen und Co verbunden. Selbst in "meinen" Mutterland werden einige Rituale nur für Touristen abgehalten.

  • Nur weil man eine japansiche Ehefrau hat, in den Zenritus vesinkt versteht man noch lange nicht das Schwert. Das Eine hat mit dem Anderem nur sehr bedingt etwas zu tuen.

    Interesant wird diese Kopplung erst ab einem sehr hohem Level der Kenntnisse. Ohne einwenig die Mentalität und kutlur zu begreifen wird man nie erfassen können warum z.b ein Juyo kein Tokubetsu Juyo ist.

    Also ist die Antwort ein entschiedenes Jein.

  • Nun, in einem Teil gebe ich dir Recht, ein wenig Kultur und Mentalität zu kennen ist nicht verkehrt, vielmehr sogar manchmal hilfreich. Dennoch sehe ich das auch getrennt zu den Vorgaben oben im Text, d.h. keine komplette Adaption der Sitten und Lebensweise führt in der KK von der technischen Seite her sicher nicht zu einem Versagen.


    Ich rege mich ja insofern immer wieder gern auf, wenn höhere Grade meiner KK uns als Hapkidokas oder sogar Hapkidoker bezeichnen, korrekt heißt es Hapkidoin, In bedeutet Mensch.... Das sind dann diejenigen, die sich noch nicht mal ein wenig mit der Kultur oder Sprache beschäftigt haben.



    K/

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Deswegen sagte ich ja jein. es sit eben nicht komplet richtig. Wenn ich verstehen will warum ein Tsuba aus gammligen eisen 10 000 Euro kostet muß ich ich die Denkweise etwas begreifen. Um es als Tsuba zu erkennen und seine Kunstfertigkeit, natürlich nicht. Das Ganze ist sehr zweischneidig.

  • Naja: Nehme ich alle asiatischen Kampfkünste, mag es vielleicht zutreffen. Nehme ich sämtliche Kampfkünste, trifft es ganz sicher nicht zu. Zur Erinnerung: Es existieren ca. 100 Kampfkünste, wobei praktisch jedes Land dieser Erde mindestens eine Kampfkunst konzipiert hat. Die Asiaten - vor allem die Japaner und Chinesen - beanspruchen viel Platz in der Kampfkunst, m. E. völlig zu Unrecht. Einzig bei der Wahrung ihrer jeweiligen Traditionen sind sie Vorreiter.

  • Halte ich für Quatsch.

    Man muss keine asiatische Lebensweise annehmen um die Kampfkunst zu meistern(obwohl es in vielen Fällen sicher hilft. Einer meiner Senpai gehört auch der Urasenke Chanoyu(Teezeremonie) an. Er hat keine Probleme mehr mit Seiza).

    Was von Nöten ist ist ein Verständnis für die kulturellen Hintergründe.

    Ergo wenn ich eine traditionelle japanische Kampfkunst authentisch unterrichten möchte sollte klar sein das das viel besser geht wenn man Japanisch spricht und eine Ahnung hat warum man was macht.

  • Da versucht jemand japansicher zu sein, als die Japaner. Ich kann mir nicht vorstellen das oben genannte Verhaltens- und Lebensweise standard in Japan sind. Machen wirklich alle Japaner täglich Zenübungen, üben sich in Kallegrafie und laufen nur noch in tratitioneller Kleidung rum etc? Das kann ich mir nicht vorstellen, noch nicht einmal für japanische Meister und Lehrer.


  • Umgekehrte Frage: wie wird jemand zum Meister einer europäischen Kampfkunst?


    Durch üben + sich auch theoretisch mit seiner KK beschäftigen und mit der Zeit, Sprache, Zusammenhänge, den Lebensumständen und Geschichte?


    Oder durch irgendeine spezielle Lebensweise wie zb bei mittelalterlichen Schwertkampf oder dem Fechten dadurch das er sich dauerhaft wie damals kleidet, spricht und verhält?

  • Wie Paladin schon schrieb, es gibt unheimlich viele KK's, ganz besonders die Asiaten pflegen hier ja ihre Traditionen und Gebräuche, das aber hier in Europa für mich 1:1 zu übernehmen gibt mir keinen Mehrwert.

    Und eine "Meisterschaft" oder meistern einer KK von einer bestimmten Zeremonie oder Riten abhängig zu machen bekomme ich für mich halt nicht zusammen.

    K/

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Kenntnisse sind durchaus nicht zu verachten, aber asiatisch zu leben? Manche sehen das alles viel zu dramatisch und bauen sich ihre Budoromantik zusammen.

    Wenn es für einen persönliche passt, eine andere Lebenspartner zu pflegen, warum nicht.

    Voraussetzung für das meistern einer Kampfart, nein!

    Ich denke, selbst in den Ursprungsländern sieht man das viel gelassener!

  • Interessantes Thema. Ich habe mich zum Beispiel eine ganze Zeit lang intensiv jap. Keramik auseinander gesetzt, um das jap. Schwert (Kantei) besser zu verstehen. Es gibt wahnsinnig viele Parallelen. Setzt man sich mit Schwertzierraten auseinander, sollte man sich mit jap./chin. Malerei-Schulen auseinandersetzen. Möchte man die dargestellten Themen verstehen, kommt man nicht über Mythen, Sagen, Märchen und realer Geschichte vorbei, usw. usw...

    Mann steigt also tief in die jeweilige, hier jap. Materie ein. Man hat natürlich schon von vornherein eine gewisse Neigung zu dieser Kultur. Sie erscheint einem auf natürlicher Weise weniger fremd als andere Kulturen. Aber man wird dadurch nicht zum Japaner und man kratzt nur an der Oberfläche.

    So bleibt mir auch vieles Fremd und wird es auch immer bleiben. Um so tiefer ich eigentlich eingedrungen bin, um so mehr bin ich mir meiner eigenen kulturellen Identität bewusst geworden. Es ist wie ein Magnet, das gleichzeitig anzieht, aber auch abstößt.


    Manche stricken sich gerne eine Art Semi-Kultur zurecht, in der sie als Pseudo-Japaner aufgehen. Aber nehmen wir z.B. Zen: oft nur reduziert auf Seiza, Meditation, Atemtechnik und Kreise malen. so etwas lässt sich gerne handhaben in unserer bequemen Welt. Wie sieht es aber aus in einem eiskalten Tempel, kargen Essen, wenig Schlaf, strikter Hierarchie, viel Askese und..und..und...


    Genauso gut könnte man hier in Deutschland in irgend ein Kloster gehen.

  • Kibon : Wäre es möglich, den Link zum besagten Artikel zu posten? Bin echt gespannt, was man da zu lesen kriegt. ^^


    Ich wage mich jetzt mal auf die Äste hinaus: Der besagt Autor hat weder längere Zeit tatsächlich in einem asiatischen Land gelebt und wird wohl kaum die Sprache des Landes seiner KK-Wahl sprechen. Klingt zusehr nach Budo-Romantik.


    Ich fokussiere mich jetzt mal auf Japan: Morgendliche Zen-Übungen? HAHAHA!!! Jawohl, jeder japanesische Supermeister einer japanesischen KK, praktiziert stundenlang Zen! Logisch, denn sonst wäre er ja gar kein Supermeister....

    Alle labern von TSÄÄÄN, aber den wenigsten ist bewusst, dass es sich dabei ganz einfach um eine (heute eher unbedeutende) buddhistische Schule handelt.

    Im Westen kennt man ja sowieso nur diesen Bastard-Zen, der mit Klangschalen und Yogahosen in irgendwelchen Tanzstudios meist von gelangweilten Hausfrauen "ausgeübt" wird.


    Ist es einfach in Japan zu leben? Nein, nicht wirklich.

    Ist es toll, in Japan zu leben? Kommt darauf an...

    Ist es besser, in Japan zu leben als sonst wo? Nicht wirklich...


    Es sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe, ob man ein (tiefes) Verständnis der jeweiligen Kultur hat (welches man eigentlich nur erwerben kann, wenn man dort gelebt hat und die Sprache spricht) oder ob man sich aus Versatzstücken eine "Kultur" zusammenbastelt.

    Für das erstere ist es keinesfalls von Belang, ob man nun Zen und KK praktiziert und ausschliesslich Japanisch isst.

  • Zu dem was bisher gesagt wurde kommt noch dazu dass meiner Meinung nach viele der "asiatischer als die Asiaten sein wollen"-Fraktion gerne ihre KK und Kultur und Religion des Ursprungslandes vermischen.

    Nur weil TKD Meister X aus Korea praktizierender Buddhist ist (dass mehr als 50% der Südkoreaner Christen sind wird von der "koreanischer als die Koreaner"-Fraktion ja gerne ignoriert) heißt dass noch lange nicht das Buddhismus Teil des TKD ist. Leider meinen viele der genannten Fraktion genau das.

    Fußball kommt aus England, aber deswegen würde kein Fußballer auf die Idee kommen nur noch warmes Bier zu trinken und Sägemehl-Würstchen zum Frühstück zu essen. Komischerweise findet man aber genau das in den asiatischen KKs.

  • Mein Beitrag oben hätte eigentlich etwas ausführlicher ausfallen sollen, aber ein Termin kam dazwischen.


    Ich betrachte das natürlich alles durch die Koryû-Brille. Und hier dürfte ja bekannt sein, dass im Schnitt an die Mitglieder von authentischen Koryû höhere Anforderungen an das kulturelle Verständnis gestellt werden als z.B. an den durchschnittlichen Freizeit-Karateka oder -Kendoka (ja, Ausnahmen bestätigen die Regel).


    Aber Achtung: Das heisst noch lange nicht, dass sich das auch alle Schüler zu Herzen nehmen. In den Koryû gibt es auch genügend "Mitläufer". Und das ist auch grundsätzlich nicht schlimm. Aber das Oberhaupt einer Ryûha ist gut beraten, nur solchen Leuten den Aufstieg innerhalb der Schule zu ermöglichen, die auch das entsprechende kulturelle Wissen mitbringen bzw. gewillt sind, es sich anzueignen.

    Und dabei geht es weder um Zen-Übungen noch darum wieviele Sushi man essen kann oder ob man auch schön brav auf Futon schläft... ;)


    Damit wir uns richtig verstehen: Das Mitläufertum in Koryû ist auch gerade in Japan verbreitet.

  • Was das japanischer als die Japaner sein angeht, und das Gejodel "Wir dürfen von der Traditon niemals abweichen" im vollkommen überzogenen Masse ; da wird man schnell von geheilt wenn man z.B: eien Polierer mit Latzhose und neben sich eien Cola-Dose bei der Arbeit sieht. das hat mit dem Klischee was man normalerweise vorgesetzt bekommt eben nichts mehr zu tuen, ist aber dummerweise die Realität. Oder auch bei den Toko, den Schwertschmieden, nichts mit klassischer Kleidung und Hammerknechten, Blaumann und .Dampfhammer ist angesagt.

    Die traditonelle Kleidung wird eigentlich nur zum ersten anfeuern der Esse angelegt, weil das ist ein Ritus oder für Showzwecke.

    Werden die Arbeiten dadurch weniger traditonell die dabei herauskommen ? Eben gerade nicht.


    Das war mal so ein wirrer Gedanke dazu.

  • der inhalt des von dir erwähnten artikels läßt darauf schließen, daß der verfasser einer jener spinner ist, die sich der budo-romantik hingeben.

    in japan nennt man solche kasper "chrysanthemen-küsser" ...

    ;)

  • Kibon : Wäre es möglich, den Link zum besagten Artikel zu posten? Bin echt gespannt, was man da zu lesen kriegt. ^^

    Nach dem link suche ich noch, habe es nur in Papierform.


    Hier mal ein kleiner Auszug: ( das ganze Pamphlet wollte ich nicht abtippen, mein scanner streikt :( )


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    Der erleuchtete Meister

    Der Typus des vollkommenen Kampfkunst - Meisters verkörpert den erleuchteten Lehrer. Er ist sowohl Meister des Zen oder des Daoismus als auch Meister der Kampfkunst, er beherrscht Technik, Strategie und Methodik in vollendeter Weise. Die Tiefe seiner Erkenntnis des Universellen befreit ihn von den Fesseln des illusionären Haftens an der Vorstellung eines Egos. Er ist ein Buddha und hat die Grenzen seiner Persönlichkeit transzendiert.>

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!