Selbstverteidigung - Was ist das?

  • Manchmal wirkt Kampfsport tatsächlich, manchmal zuviel und machmal gar nicht. Komisch - das ist ja fast so, wie im richtigen Leben! Ich erinnere mich da an eine Umfrage in einem anderen Forum, in dem viele Kampfsportler angegeben haben, schon einmal Opfer einer Gewalttat gewesen zu sein. Ich glaube, Idealisierungen dienen bei so einem Thema niemanden.


    Training ist Training, Realität ist Realität. Werbung ist Werbung. Wohl dem, der zwischen diesen Dingen unterscheiden kann.


    Mir ist da noch etwas in die Hände gefallen, was ich in diesem Kontext sehr interessant finde. Ist zwar schon älter, denke allerdings, dass sich derartige Situationen heutzutage noch wesentlich problematischer darstellen:

    Joachim Kersten: Selbstverteidigung gegen Gewalt. In: Psychologie heute. Jahrgang 1997/12 schrieb:

    In mehreren Fernsehsendungen nach der Vergewaltigung in der Hamburger S-Bahn wird eine Berliner Judo-Kämpferin gezeigt, wie sie zwei aggressive Jugendliche zwar fachgerecht aufs Parkett legt, sich dabei aber selbst schwer verletzt und invalide wird. Das Schicksal dieser Frau versinnbildlicht Risiken und Nebenwirkungen von Selbstverteidigung als Strategie gegen Gewalt.

  • Ich habe nicht gesagt, dass fortwährendes Training/üben nicht hilfreich ist.

    Aber mir geht dieser ganzes Hype gehörig auf den Nerv.

    Keiner will hören, daß es immer und immer wieder geübt werden muss, sondern die Meisten wünschen eine schnelle Lösung. Aber die gibt es nicht.

  • Ich habe nicht gesagt, dass fortwährendes Training/üben nicht hilfreich ist.

    Aber mir geht dieser ganzes Hype gehörig auf den Nerv.

    Keiner will hören, daß es immer und immer wieder geübt werden muss, sondern die Meisten wünschen eine schnelle Lösung. Aber die gibt es nicht.

    Deswegen keine Kurzkurse.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • P.S.:
    Deswegen gibt es bei uns auch keinen Frauen-SV-Kurs, sondern nur einen Frauen-Workshop, wo von Anfang an klar vermittelt wird, das man einen kleinen Eindruck an dem Wochenende bekommt, was man investieren muss, um seine Verteidigungsfähigkeit (da haben wir es wieder) zu erhöhen. Wir sagen NIEMALS, das Frau sich nach dem WE verteidigen kann.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • P.S.:
    Deswegen gibt es bei uns auch keinen Frauen-SV-Kurs, sondern nur einen Frauen-Workshop, wo von Anfang an klar vermittelt wird, das man einen kleinen Eindruck an dem Wochenende bekommt, was man investieren muss, um seine Verteidigungsfähigkeit (da haben wir es wieder) zu erhöhen. Wir sagen NIEMALS, das Frau sich nach dem WE verteidigen kann.

    Ich habe das an anderer Stelle schon einmal geschrieben, glaube ich.

    SV-Kurse vermitteln oft eine sehr trügerische Sicherheit. Der Teilnehmer KÖNNTE sich bemüßigt fühlen, sich einer Situation zu stellen wo er eigentlich hätte fliehen sollen.

    In unseren Seminaren weisen wir auch immer wieder darauf hin, dass das Gezeigte zwar an sich effektiv, aber nicht sofort umsetzbar ist.


    Paladin, ich finde, du hast in deinem Artikel das Thema gut umschrieben und einige sehr wichtige Punkte herausgearbeitet.

    Dass inzwischen so ziemlich jede KK/KS-Klitsche ihr Angebot als realistische SV bezeichnet hat mMn rein marketing-technische Gründe und nichts mit der Realität zu tun. In der SV spielen nämlich, wie du ja gut beschrieben hast, wesentlich mehr Faktoren als nur die Technik eine Rolle.


    Am Ende kann im Ernstfall so ziemlich alles funktionieren...oder eben gar nichts. Verteidigungsfähigkeit ist kein messbarer Wert, da dem "Ottonormal-Bürger" die Referenzwerte fehlen.

    Was nützt dir dein Training und dein Können, wenn dein Gehirn im Ernstfall einfach abschaltet?


    Ich resümiere mal vor mich hin: SV ist ein Themenkomplex, an dem gerade dieser Tage massiv Geld verdient wird. Es werden Ängste geschürt, bedient, relativiert, aufgebauscht...was auch immer.

    Realistische Selbstverteidigung gibt es nur da, wo auch realistische Übergriffe passieren. Alles andere ist Theorie und Training.

    Ein guter SV-Trainer wird das wissen und es auch entsprechend so vermitteln. Er wird die Teilnehmer auf die Natur der Veranstaltung hinweisen. Ein schlechter Trainer wird auf seinen Behauptungen verharren zugunsten von Geld/Kunden/Klicks usw.

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Manche werden für sowas niemals Training brauchen, andern muss man es nur mal gesagt haben, andere jahrelanges einschleifen und wieder andere werden sowas in einem Ernstfall außerhalb des Dojos nie umsetzen können.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Wieviel Jahre Training sind für solchen Aktionen nötig?


    1 Jahr? 10 Jahre? oder die Ansage: Zwischen die Beine tretten ist ne gute Sache, wenn dir jemand zu nahe kommt.

    Für so etwas benötigt man kein Training und das Wissen hat wohl jeder. Das Problem: Auch wenn man den Gedanken, jemanden einfach zwischen die Beine zu treten, als noch so banal einstuft: Man kann es nicht immer anwenden, weil eben der/die Angreifer auch nicht immer vor einem stehen. Das habe ich ja sagen wollen. Nicht jede Situation ist so, dass sich Angreifer zu erkennen geben und vor einem stehen - genau genommen ist das - so wie ich das recherchieren konnte, eher die Ausnahme z. B. bei den von mir beschriebenen Biertisch- und Schützenfestsituationen. Täter wollen ihr Risiko minimieren und da werden sie sich kaum auf Zeikämpfe einlassen. Sie nutzen ihre Vorteile, Stichwort: Überraschungseffekt. Außerdem ist der Einsatz von Waffen sehr wahrscheinlich, von daher kann man nur dazu raten, zumindest anfänglich besser das zu tun, was ein Täter von einem verlangt. Verlangt er die Brieftasche mit Bargeld, würde ich sie ihm aushändigen, weil ich immer eine 2. dabei habe, die z. B. nur einen 5-Euro-Schein enthält... und dann? Mal sehen was passiert... da muss man dann wohl improvisieren. Wohl dem, der gelernt hat, zu improvieren...


    Aber das "zwischen die Beine treten" ist ein absolut gutes Beispiel dafür, wie der "gemeine Interessent" denkt: "Wenn ich mich verteidige, dann gegen jemand, der vor mir steht. Das erste, woran zu denken ist, ist, den Gegner zwischen die Beine zu treten". Im Übrigen sind das Binsenweisheiten. Bis in die Kampfkunstwelt scheint es sich, wie ich lesen konnte, noch nicht herumgesprochen zu haben, dass auch Täter über das wissen verfügen. Es soll sogar Leute geben, die extra aus diesem Grund einen Tiefschutz tragen. Unglaublich, aber wahr.


    Derartige Diskussion machen also nur Sinn, wenn man endlich versteht, dass auch Täter intelligent sind, vllt. sogar eine Kampfkunst trainieren und einen guten Plan haben, wie sie vorgehen. Täter sind eben nicht die Dummys, für die sie in der Trainingshalle immer gemacht werden. Wer das verstanden hat, trainiert - zumindest vom Kopf her - schon so ähnlich wie realistisch.

  • Hallo Paladin,


    ist der Täter gut vorbereitet, trainiert, entschlossen und nutzt, einen für Ihn günstigen Moment, sind alle Vorteile auf seiner Seite. In diesem Fall sinken die Chancen für eine erfolgreiche Gegenwehr gegen null.


    Von hinter niedergeschlagen und ausgeraubt. Kannst´e nichts machen.


    M M n gibt es aber durchaus eine Vielzahl von Szenarien, die es einem potentiellen Opfer erlauben sich in eine Position zu bringen aktive Gegenwehr zu leisten und so das aller Schlimmste zu vermeiden.


    Auf Nachhauseweg: Frau (26) wird von Mann verfolgt!

    https://www.heidelberg24.de/re…l-belaestigt-8536705.html


    Was spricht dagegen die Polizei zu rufen? Muss man nicht abwarten bis es eskaliert!


    Kiosk-Frau verjagt Räuber in Altenhagen mit Pfefferspray

    https://www.wp.de/staedte/hage…ferspray-id213593209.html


    30-Jähriger wehrt sich mit Pfefferspray gegen Angreifer

    https://www.wa.de/hamm/pelkum-…ay-ueberfall-9459104.html


    Alles richtig gemacht.


    Ich bin der Meinung, dass es Menschen gibt die sich mental mit dem Thema Selbstschutz auseinandersetzten und richtige Schlussfolgerungen daraus ziehen und es gibt Menschen die machen es eben nicht.




  • Ist mir gerade bei der Recherche aufgefallen:


    Die bösen Buben haben den Vorteil Pfefferspray offensichtlich für sich entdeckt.


    Auch so ein Szenario:


    Im Vorbeilaufen ein Ladung Pfefferspray abgekriegt dannach einige Schläge kassiert und anschließend ausgeraubt.


    Kannst´e nichts machen.

  • Hallo Paladin,


    ist der Täter gut vorbereitet, trainiert, entschlossen und nutzt, einen für Ihn günstigen Moment, sind alle Vorteile auf seiner Seite. In diesem Fall sinken die Chancen für eine erfolgreiche Gegenwehr gegen null.

    Sorry, wenn ich das jetzt mal so im gleichen Stil zurückschreibe: Das ist immer das gleiche Gebrabbel. Du sprichst hier ausschließlich von Äußerlichkeiten. Stehen sich zwei gegenüber, gewinnt immer der, der besser vorbereitet, entschlossener und seine Vorteile für sich besser nutzen kann. Bei einem Waschmittel wäscht immer das weißer, welches weißer wäscht. Tolle Statements. Sowas kannst Du Kindern im Kindergarten erzählen. Das sind Binsenweisheiten. Das ist m. E. Kampfkunst-Romantik.


    Ich glaube, Du hast immer noch nicht verstanden, warum es so viele Taten mit so vielen Opfern gibt. Außerdem sprichst Du hier auch nur über einen einzigen Täter und das Szenarium Mensch gegen Mensch. Wie gesagt: So wirbt man, um mehr Kohle zu verdienen.

  • Hallo Paladin,


    gerne mache ich einen Schritt zurück:


    -Konflikte erfolgreich vermeiden

    -Konflikte erfolgreich deeskalieren

    -Konflikte erfolgreich eskalieren


    das ist für mich Selbstverteidigung.

  • OK. Und wie sieht es mit Übergriffen und Überfällen von einen oder mehreren Tätern aus?

    -Konflikte erfolgreich eskalieren


    u U ergeben sich im Laufe der Auseinandersetzung Fluchtmöglichkeiten oder man kann Zeugen auf seine Situation aufmerksam machen.


    Wer weiß das schon.


  • Wie sinnvoll ist eine Flucht?


    Da wir ja bereits im Stadium der Eskalation sind, sehe ich kaum Alternativen.


    Wie sinvoll ist es sich auf einen physichen Kampf mit einer Gruppe einzulassen?


    Da gibt es nicht Viele, denen ich eine Chnace geben würde, da halbwegs unverletzt rauszukommen.


    Was schlägst du vor?


    Kurze Verständisfrage


    Sind wir jetzt beim Themas SV gegen eine Gruppe?

  • Zu Deiner Verständnisfrage: Wir sind beim Thema "Selbstverteidigung". Das schließt alles das, was auf der Straße so vorkommen kan - SELBSTVERSTÄNGLICH - mit ein. So also z. B. der Angriff eines Täters, der Angriff mehrerer Täter, die Täter stehen alle vor einem, das Opfer wird von mehreren Tätern überrascht, das Opfer wird von einem Täter überrascht, das Opfer ist allein, das Opfer befindet sich in Begleitung von Kindern, das Opfer befindet sich in Begleitung von Freunden, usw. usf....


    Das ist eben die Realität, die sich m. E. so gar nicht mit der Realität eines noch so realitätnahen Trainings in Verbindung bringen lassen will.


    Zum Thema Flucht:

    Auch so eine Sache, wo die Trainingsrealität = natürlich unbedingt Flüchten und die reale Straßensituation = Flucht nur, wenn man genau weiß, dass man schneller und ausdauernder als der/die Täter ist absolut nicht übereinstimmen. Ich meine: Was ist denn so schwer daran zu verstehen, nicht zu flüchten, wenn man selbst 100 KG wiegt und vor einem steht ein austrainierter, 80 KG Typ, um mal ein ganz ganz deutliches Beispiel zu geben.


    Wie sich in der Realität schon gezeigt hat, wollen Täter ihren Opfer die Vorteile klauen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 80 KG-Typ, der austrainiert ist, angegriffen wird, ist denkbar gering - außer in Bierzelt- und Schützenfestsituationen. Ansonsten sind Täter clever genug, sich Leute herauszusuchen, die eben nicht unbedingt sportlich aussehen und von denen von vornherein also schon Gegenwehr zu erwarten ist.


    In unseren Workshops zum hineinschnuppern in reale Szenarien kommen immer wieder - vor allem - Frauen, bei denen nicht mal an laufen zu denken ist. Zu 90% waren die Teilnehmer eher älter und unsportlich. Ja - soll man denen wirklich raten, zu flüchten? Und wenn sie flüchten, eine Strecke von vllt. 500 Meter zurücklegen und nicht mehr können, was passiert dann? Glaubt man im Ernst, die Täter sind so geschockt, dass sie erstarren und selbst weglaufen oder umfallen? Die Täter werden dem Opfer hinterherlaufen und - sollte dieses von der Flucht eher geschwächt als gestärkt sein - wird das ein noch leichterses Spiel.


    So sehe ich das. Hast Du eine andere Sichtweise? Ich bin gespannt...

  • Hallo Paladin,


    noch mal zurück zum Thema Übergriffe durch Gruppen, Eskalation mit der Hoffnung, dass sich eine Flucht möglichkeit ergibt.


    Flucht ist wohl der falsche Begriff: sich in Sicherheit bringen trifft es eher.


    Im urbanen Bereich wären, das m M n Orte an denen es potentielle Zeugen gibt.


    Also könnte man nach gezielter oder wilkürlicher Eskalation gegen Gruppenangehörige schauen, dass man sich an einen Taxistand, in eine Tankstelle, oder in einen 24 h schnell Imbiss "rettet" ggf reicht es auch schon die nächste Querstraße zu erreichen, auf den noch mehr (Personen-) Verkehr ist.


    Zeugen schrecken Täter ab.

  • Ich weiß nicht, ob es wirklich solche "sicheren Orte" gibt, wobei es aus meiner Sicht dabei bleibt: Man muss sich sicher sein, schneller und/oder ausdauernder als der/die Täter zu sein. Aber da gebe ich Dir Recht: Es ist sicherlich keine blöde Idee, Öffentlichkeit herzustellen. Ebenso ist es immer eine gute Idee, dass - wenn man sich für eine Flucht entscheidet - auch das "drumherum" im Auge hat, also z. B. genau weiß, wohin man flüchtet, nichts zurücklassen muss und eben auch so etwas Banales, wie die Kleidung stimmt...

  • Ich weiß nicht, ob es wirklich solche "sicheren Orte" gibt, wobei es aus meiner Sicht dabei bleibt: Man muss sich sicher sein, schneller und/oder ausdauernder als der/die Täter zu sein.

    Jede Tanke ist voll mit Kameras, wie bescheuert müsste dann die "clevere" Räuberbande sein, den potentiellen Opfer da hinterher zu gehen?


    Ggf. haben die auch einen Notschalter zu den Cops.


    Ich stelle mir das so vor die Räuber (Gruppe) kommen von vorne, das vermeintliche Opfer räumt elegant ein oder zwei aus dem Weg und flüchtet aus der dunklen Seitenstraße auf die Hauptstraße und dann in die Tanke.


    Dann die Cops rufen.


    Zugegeben optimistisch, aber wenn man gut drauf ist machbar.