Medienkompetenz - Was ist der Stand?

  • Häufig diskutieren wir Themen, die in der Öffentlichkeit äußerst kritisch gesehen werden. Mit "kritisch" meine ich, dass es hierzu mehrere ganz unterschiedliche Auffassungen gibt. Zur Unterstreichung der eigenen Argumentation greifen viele User dabei auf die Verwertung von bestimmten Quellen zurück, wie z. B. auf Zitate bekannter Menschen und auf Statistiken. Dabei fällt auf, das praktisch jeder Quelle unterstellt wird, nicht seriös zu sein. Anders gesagt: Das Totschlagargument ist: Vertraue keiner Quelle. Damit werden Zweifel gesäht. Die Grundsätzlich Frage wäre dann, sollte man sich überhaupt noch auf Quellen beziehen? Sind alle Quellen schlecht und unseriös oder ist es vielmehr heutzutage einfacher, eine Quelle als unseriös zu deklarieren, nur, um den Gesprächspartner argumentativ damit den Wind aus den Segeln zu nehmen? Werden wir langsam so nicht alle irgendwann mal zu Reichsbürgern und stricken uns die Welt, so, wie sie für uns am besten ist?


    Wann also sind Quellen seriös, wann unseriös oder gibt es tatsächlich nur unseriöse Quellen? Wie häufig stolpern wir in Diskussionen über Ausnahmen und machen diese zur Regel? Wie aufgeklärt sind wir heutzutage bei der Flut an Informationen? Wo lernen wir den richtigen Umgang mit all diesen Informationen, wo können wir das lernen, wo und wie lernen das unsere Kinder in der Schule, deren Hauptaufgabe es ganz offensichtlich später sein wird, richtige von falschen Informationen gut trennen zu können? Ein äußerst spannendes Thema mit vielen Sichtweisen und hoffentlich auc heinigen Erkenntnissen... viel Spaß beim Diskutieren:!:

  • wo und wie lernen das unsere Kinder in der Schule, deren Hauptaufgabe es ganz offensichtlich später sein wird, richtige von falschen Informationen gut trennen zu können?

    Da hier mal wieder nach den 'Schullehrern', die alles richten sollen, geschrien wird, schreibe ich mal aus meiner Sicht (ich unterrichte Mathematik und Deutsch)

    Ich könnte jetzt natürlich einen langen Fachaufsatz über beurteilende Statistik liefern (so was machen wir im Mathematikunterricht tatsächlich),
    und mit Quellen zur Literaturgeschichte, Sprachgeschichte, Rechtschreibung, Grammatik können wir im Unterricht ebenfalls ganz gut umgehen.


    Anerkannte Quellen zum 'Allgemeinwissen' waren früher immer die großen Lexikonverlage 'Brockhaus' und 'Encyclopedia Britannica',

    dem steht aber 'Wikipedia' heute keineswegs mehr nach.


    Historische Quellen muss man in den Gesamtzusammenhang einordnen können, auch das wird in der Schule geübt.


    'Quellenkritik' ist jedoch eine ausgesprochen schwierige Sache, gerade bei aktuellen Ereignissen.

    Ist eine Nachricht vertrauenswürdig, bloß weil sie in der Tagesschau gesendet wurde oder in einer 'seriösen' Zeitung stand?

    Antwort: Nein

    Muss man einer Nachricht misstrauen, weil sie im 'Bezahlfernsehen' kam oder in der Bildzeitung stand?

    Antwort: Ebenfalls Nein


    auch das sollten Schüler an Beispielen aus der Vergangenheit lernen (Beispiel Vietnam- und Irakkrieg)).

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ich glaube, man sollte Quellen unterschiedlich bewerten, je nachdem zu welchem Thema sie angeführt werden.


    Handelt es sich um historische Fakten, ist die Quellenlage meistens sehr eindeutig. Ob man da Wikipedia, irgendwelche Sachbücher oder Dokus erwähnt ist relativ egal.

    Da sich viele Diskussionen jedoch um aktuelles Tageseschehen drehen wird die Sache schon schwieriger.

    Ich halte es da generell so: ALLE Nachrichten, egal ob Print, Online, Fernsehen oder Radio, sind zumindest skeptisch zu betrachten, da die reine Information bereits redaktionell gefiltert sind. Mal mehr, mal weniger.
    Statistiken (vor allem behördliche) sind dagegen sehr objektiv und haben mehr mit Mathematik als mit Meinungsmache zu tun.

    In beiden Fällen halte ich es für unerlässlich, die Quellen eben nicht aus der eigenen Filterblase heraus zu verstehen sondern Gegenproben zu machen.


    Ich halte weder unreflektierte Kritik noch unkritischen Glauben für die richtige Herangehensweise.

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Zu meiner Studienzeit durfte als Quellenangabe "Wikipedia" nicht genommen werden. Grund: Praktisch jeder kann dort verändern. Allerdings gibt es zu bestimmten Themenbereichen immer bestimmte Quellen, weil es immer Menschen gibt bzw. gab, die ein Thema bereits versucht haben, zu durchleuchten.


    Ich persönlich finde, dass es naturwissenschaftliche Fächer einfacher haben, denn hier lässt sich vieles regelrecht beweisen. Bei den Geisteswisschenfaften fängt es an und hier wird es m. E. schwierig. Alles lässt sich - wenn man will - demontieren, zerreden. Notfalls zieht man sich mit einem "mit Dir kann man nicht diskutieren"... oder - übergeordnet - "das Thema ist schwierig und zu komplex für diese Diskussion" aus der Affäre. Zumeist geht es dann um Gesichtswahrung. Will sagen: Einerseits gibt es da das - offensichtlich für einige - immer problematischere Umfeld von Themen, andererseits Menschen, die immer weniger informiert sind, sich aber informiert fühlen und auch so agieren (Stichwort: Konfliktkultur).


    Das Problem sind also aus meiner Sicht weder die Themen, noch die Quellen, sondern die Menschen.

  • Wird hier nicht gerade Medienkompetenz mit Diskussionskultur vermischt?

    Wobei Medienkompetenz an sich ein sehr subjektives Verhalten sein kann. Diese Alternativpartei ( ich scheue mich die Abkürzung zu nutzen) wählt aus vorhandenen Medien andere Positionen und setzt sie als gegeben als vielleicht ein sozialdemokratisch geprägter Mensch.

    Anders, bei FB werden immer noch von Eltern Fotos ihrer meist unbekleideten Kinder am Strand eingestellt, obgleich hier in diversen Medien immer wieder auf die sich dadurch möglichen Gefahren und deren in einschlägigen Kreisen mögliche Verbreitung hingewiesen wird. Kompetenz? Sehr fraglich.

    Richtig, in naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen bekommt man belegbare Aussagen, im Bereich der Psychologie ( 2 Freunde arbeiten in diesem Gebiet und in langen Gesprächen sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass auch Psychologie nur subjektiv sein kann) wird es schon schwammig.

    Medienkompetenz kann man meiner Meinung nur erlangen, in dem man selbst unterschiedliche Medien zur Information heranzieht, hier eine allgemein vorhandene Kernaussage sucht und diese für sich selbst bewertet. Und somit ist diese eigene Wertung wiederum subjektiv, da andere bei selber Quellenauswahl durchaus einen abweichenden Kernsatz finden.

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!