Wie seid Ihr zu Eurer KK/KS gekommen?

  • Man wird alt, wenn man sich erinnert.

    :P


    Ich glaube, ich fange erst mal mit meiner Neigung zu Scharfen Sachen an.


    Antike japanische Schwerter: Ich glaube, da müsste diesbezüglich ein Psychologen zu Rate gezogen werden. Mein Chin. Sternzeichen in Verbindung mit meinen "Begleiter" , des Tages, Stunde und Jahreszeit quittiert mir eine ausgesprochen morbide Veranlagung und ein Hang zu Tataaaa: Antiquitäten. Nein im Ernst, ich bin schon als Stöpsel allein in Museen gegangen, weil ich keinen in der erwachsenen Bekanntschaft mehr fand, der sich zum 100ten mal den alten gleichen Kram angucken wollte. Es spielte keine Rolle was es war, es musste alt sein. Prähistorische Bereiche, Ägypten und Konsorten, Griechisch/Römische Epochen, Mittelalter und Ethnologisches, vollkommen egal. Weit vor jeglicher Jurassic-Park-Hysterie konnte ich sämtlich Erdzeitalter deren Untergliederung (Lias, Keuper, Buntsandstein) und Saurier mit ihren wissenschaftlichen Bezeichnungen im Schlaf aufsagen oder die Pharaonen alter und neuer Dynastien. In der Bibliothek bin ich zu den Erwachsenen gegangen, weil mir die Kinder und Jugend-Auswahl am A... vorbei ging. Da ich die Bücher wegen meines Alters nicht ausleihen konnte, musste ich sie halt da lesen. Ja, ich war ein Ur-Geschichts-Nerd.

    Ich lebte als Kind eine weile in Halle und hatte in der Schule ein Kumpel, dessen Vater ein Prof. für Ägyptologie war. Der arbeitete im Komplex der Uni-Halle für Ur und Vorgeschichte und allein die Aura dieser alten Uni-Gebäude war für mich eine Offenbarung. Alte Gebäude? Klar, also wurde Architektur upgedatet. Ich glaube, es gab damals kein (normalen)12 Jährigen, der irgendwas von Jugendstil oder Klassizismus wusste.

    Jedenfalls stiftete ich diesen Kumpel an, bei den in der Gegend vorkommenden Hünengräbern "Ausgrabungen" zu unternehmen und sind mit Schippen losgezogen. Später entdeckten wir, dass die Äcker der jungsteinzeitlich sehr interessanten Gegend wesentlich mehr hergaben. So kamen die ersten Waffen in Form von Pfeil- und Lanzenspitzen in mein Besitz.


    Das Ding mit Waffen muss halt in den Genen liegen. Waffen und Rüstungen egal welches Alters und Herkunft erregten stets mein besonderes Interesse. Damals kannte ich alle "An- und Verkauf" Läden meines Heimat-Ortes und ich machte ein Heidenspektakel bei meiner Mutter, bis sie mir einen barocken Hirschfänger für 100 Mark kaufte. Die 100 Mark musste ich in Ferienarbeit verdienen und zurückzahlen.


    Warum japanische Schwerter? Ich weiß es nicht. Dieses "Japan hat mich schon immer interessiert" ist mir zu öde. Zumal es Dinge waren, mit den ich am wenigsten in Berührung kam und am wenigsten bis keine Referenzliteratur hatte. Es gab mal eine Sonderausstellung "Japan" mit etlichen Schwertern in einem ethnologischen Museum in Wittenberg als wir auf einer Klassenfahrt waren. Da haben nur die Engelschöre gefehlt , als ich entrückt vor den Vitrinen stand. Irgendwie konnte ich die Stücke "lesen", habe sie "verstanden" und waren vertraut und überhaupt nicht fremd.

    Die ersten echten antiken Stücke konnte ich nach der Wende auf Waffenbörsen kaufen. Waffenbörsen wurden schon bald darauf verteufelt und abgeschafft, weil da ja nur verrückte, Massenmörder, Waffennarren und Nazis (und ich) rum latschten. Kurz darauf lernte ich Kaji kennen, der mich erst mal übern Tisch ziehen wollte. Typisch Wessi.


    Bogen: ich muss erst mal "Bogen" "Kendo" vor ziehen, um den Bogen zu kriegen :D

    Ich bin 70 geboren. Mitten in der Zeit des Vietnam-Kriegs und natürlich schwammen meine armen Eltern auf der Hippie-Welle und waren absolute Pazifisten. Obwohl ich mit Sicherheit das Kind meiner Eltern war, fand ich deren Outfit und Musik ziemlich gruselig und ich fand die Spielzeug-Wummen meiner Kindergarten-Kumpels cool. Als ich dann mit 5 oder 6 das erste mal mit einer eingetauschten Plaste-Pisti nach Hause kam, ging echt die Welt unter. In Folge mussten meine Eltern erkennen, dass ich vollkommen missraten war und gaben mich waffentechnisch auf. Zum Glück hatte ich ein Onkel. Der baute mir einen Bogen. Mit den Stengeln der Goldrute "erschoss" ich mit Begeisterung und zum Entsetzten meiner Eltern regelmäßig die besten Äpfel im Apfelbaum, später kam eine Fiberglas-Armbrust dazu, noch später ein Knicker. Luftgewehrtechnisch war ich sogar als Kind/Jugendlicher im Verein sehr erfolgreich und gewann diverse Turniere. Später mit der Kaschi bekam ich immer Mords-Ärger, weil ich die Mann-Scheiben mit einem Schuss "erschoss", anstatt wie befohlen Feuerstöße auszuführen. Mit dem Rumgeballere habe ich kein Scheunentor getroffen. Ein Schuss, ein Treffer war seit je her auch meine Devise.

    Wie auch immer. Ich bekam was zum Schießen in die Hand und wusste was zu tun war. Deswegen gruselte es mich etwas vor Kyudo. "Nich lang schnacken, Pfeil in Nacken" hielt ich für angebrachter. Deswegen ging ich nach dem Kendo in ein "normalen" Verein.


    Kendo: Gab es nicht im Osten. Klar, gab es in den End-80ger, aber das war ich Pubertär und hatte anderes im Kopf. Davor war Judo üblich. Also hin. Kaum eingetreten musste ich mit Null Ahnung von irgendwas an einem Turnier als Mattenfutter herhalten. Zu Beginn erklärte mir vorab mein erster Gegner auf laberrababerjapanisch, was er mit mir anstellen will. Das machte er dann auch und bevor ich mich versah, lag ich wie ein Maikäfer auf den Rücken. Man war ich sauer! Ich wusste zwar nicht was ich tun sollte, aber in Folge machte ich alles, nur nicht das was mein Gegner gerne mit mir machen wollte. Und ich ließ erst los, als die Ringrichter mich jedes mal vom Gegner zerrten und voll schimpften. Ich verstand kein Wort, was die wollten. Als es hieß, alle Kämpfe sind vorbei, bin ich heulend nach Hause. Judo fand ich fortan doof. Die Medaille für den 3. Platz brachte man mir nach Hause.

    Schwerter waren eh cooler (siehe weiter oben).

    Das Haus meiner Familie wurde 1936 gebaut mit der Siedlerpolitik "Eigenversorgung" östlich von Berlin gebaut (heute im klassischen Speckgürtel Berlins). Logischerweise waren 45 die Russen da und logischerweise waren die immer besoffen und logischerweise vergaßen die ein Schaschka. Diesen Familienschatz arbeitete ich logischerweise als Samuraischwert um und fuchtelte damit im Garten rum und wurde so zum ärgsten Feind der dort vorkommenden Flora. Kendo- oder Kenjutsuliteratur gab es nicht. Vorbild waren Toshiro Mifune und andere Spezies damaliger Metzel-Filme.

    Kaum war die Wende, meldete ich mich in einem winzigen Dojo im tiefsten Neukölln an. Ich werde das nie vergessen: mir öffnete ein asiatisch aussehender untersetzter Typ, grimmig guckend, den Bocken an der Seite, Halbglatze und die langen Haare hinten wie ein Pferdeschwanz gebunden. Der Typ sah echt aus wie aus einem Kurosawa-Film entsprungen. Und ich hatte fast ein Bolzen in der Schlüpper. Hier wollte ich hin! Der Typ war übrigens Iraner, kein Samurai...

    Der Meister war, wie ich später erfuhr, ein sehr bekannter Tea kwon Do Sensei, das Kendo eigentlich Kum Do, aber im Grunde identisch. Im Ganzen waren es vielleicht 12 Hanseln, die Kendo trainierten und alles hatte etwas sehr privates (gegenüber mein späteren Kendo). Ich hatte ein Weg von 2 Stunden hin und 2 Stunden zurück und war jedes mal total aufgeregt. Und wenn ich nur die ganze Zeit stupide Grundschläge in die Luft machen sollte - und die anderen dagegen die (in meinen Augen) tollsten Sachen - Hauptsache ich durfte dabei sein, ein Schüler dieses Dojos. Anschließend sind Einige 2 Straßen weiter in eine Spelunke und haben sich ein eiskaltes Hefeweizen genehmigt. Was habe ich die "Großen" damals angehimmelt! Im übrigen hatte ich in all den Jahren später im Seiza nach dem Training immer nicht meine Mitte gefunden - im Geiste schwebte immer ein total kühles Bierchen vor dem inneren Auge. Andere haben die innere Leere gefunden. Ich ein Pils.


    Prost!

    Der Hoki no Kami Ason Masayuki Versteher

  • Was heißt über den Tisch ziehen, der Preis war fair. Grummel......

    Aber egal. ich kann mich noch gut erinnern wie wir kurz nach der Wende dann im Pub gesessen haben und ich dir mit Trepan und Trichter die Grundlagen verpasst habe. Und bei Gott, du warst mein bester Schüler.

    Wenn ich daran denke wie wir in dem Pub am Hakschen Markt hockten und da fröhlich mit Schwertchen fummelten ohne das es jemanden aufgeregt hat, heute undenkbar. Kannst du dich noch an die Chefin erinnern die auch immer mtitspielen wollte ?^^


    Aber wie ist man selber da gelandet...ehrlich ich bin mir nicht sicher. Angefangen hat die Blankwaffenmania als kleiner Junge beim Großvater in der 'Werkstadt. Da lag ein oller Degenkorb rum. keine Ahnung wo das Ding geblieben ist. wie dem auch sei, ich mußte natürlich wissen was das ist...ja das war der Offiziersdegen, den haben wir nach dem Krieg zweckmäßig umgebaut. Die Stechbeitel aus der Klinge existieren noch.

    Leider ging das schief, klein Kaji hatte jetzt den Rüstungs-Schwertvirus...unheilbar diese Krankheit.

    Dann im zarten Alter von 13 oder wars 14, wurde ich mal von einem Bekannten in ein Kendo Dojo mitgenommen. Ui toll, in Rüstung mal drauf hauen dürfen. Was wirklich dahintersteckt merkt man erst viel später. Also war ich in der Kendoklapse gelandet. Fast parallel dazu meine ersten Kontakte mit echten Schwerten.

    Kurz darauf landete man dann schon bei der NBTHK, ab diesem Zeitpunkt setzte beim KAJIHEI der Restverstand aus und er wurde Nihontofetischist pur und de luxe.

    Dann wurde es noch schlimmer...Irgendwann tauchte dann so ein Ossi auf, Sabiji glaub ich heißt er und flehte "Gib mir 'nihonto" auch wenn der Handel o.k war, das Schöne folgte darauf. eine Freundschaft die seid damals hält. Fast dreißig Jahre inzwischen. man hat sich unterschiedlich entwicklet. Sabiji bogelt mehr, ich drehe immer mehr an der Schwertklapper. Trotz dieser 'Fremdgeherei, ein bewundernswerter Mensch den ich hoch schätze.

    Ich glaube wenn ich den Löffel mal abgebe, werde ich in einem Hitsugi mit Riesentsuba als Deckel eingebuddelt.


    Allerdings, es gab auch viele Dinge die waren nicht sehr schön, blos ich will diesen fröhlichen thread nicht zerschiessen.

  • Was heißt über den Tisch ziehen, der Preis war fair. Grummel......

    Ein Masamune ohne Hamon wollte er mir andrehen, und das blutrünstige Kurzschwert, was mich ins verderben gestürzt hätte...

    Oder ich kam mal mit einem Katsuie Waki an. Ein Spektakel! Ich wollte bloß wissen, ob es was taugt und musste es schließlich bei Kaji lassen. Dafür bekam ich 3 Yari und irgendwelche Bilder.

    Wenn ich daran denke wie wir in dem Pub am Hakschen Markt hockten und da fröhlich mit Schwertchen fummelten ohne das es jemanden aufgeregt hat, heute undenkbar. Kannst du dich noch an die Chefin erinnern die auch immer mtitspielen wollte ?^^

    Oh jeh, wie die Zeiten sich ändern. Heute würde mit Sicherheit umgehend das SEK kommen, ohne Witz. Ob die Klo-Frau noch lebt. Was wir da an Guinness und Kilkenny vernichtet haben...

    Lustig war auch, wie ich bei Jimmy Mac´s Saint Patrick´s 1995 auf dem einzigen Klo des Pubs eingepennt bin.


    Oder wie wir mal in Richtung Hamburg sind wegen einen Typen mit seiner Sammlung, welche nur Schrott beinhaltete. Da gab es Kartoffelsalat und anschließend habe ich die ganze Rückfahrt gek...tzt.


    Noch mal zum Kendo: vor allem, wie einfach und primitiv damals alles war. Im Sommer haste ein Hitze-Klaps bekommen, im Winter hat man sein Atem gesehen. Der Boden war so grausam schlecht. Die Bodenplatten hatten z.T. dermaßen Überstände, ich habe mir 2 mal ein Zeh in Aktion gebrochen, weil ich hängen blieb. Egal, ich habe den Fuß so getapt, das es irgendwie weiterging.

    Das spätere Dojo in Friedrichshain war eine ganz andere Welt. Oder man trainierte bei anderen Vereinen mit, die Zeiten in Turnhallen hatten.

    Der Hoki no Kami Ason Masayuki Versteher

  • Oh ja, im St Schluckli spielen waren wir recht fit. An das Ding bei Jiimmy Mac kann ich mich noch gut erinnern. Immerhin hab ich da den echten Father Brown kennen gelernt. Er war so frei eine Zigarre von mir anzunehmen.

    Die Rückfahrt mit dem Rad war sehr, wie soll man sagen, kreativ. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird es eigenstabil.

    Und ja die Hamburger Aktion war auch sehr schön. Ich glaube der konnte mich zum Schluss nicht mehr leiden. Das nervige Nachspiel, na was solls.

    Oder die Berliner NBTHK Sitzung wo Sabiji mich abgehalten hat mich mit einem anderen Mitglied ernsthaft in die Wolle zu bekommen...

    Ja alter Freund, es hat sich viel angesammelt.


    Was das kendo angeht, ja das war ein anderer Schnack als heute. Haste sehr schön beschrieben, unterschreib ich mal so. Aufgerissene Füße etc ; normal...

  • Mh, einer der Mitschüler hatte damit angefangen und ich bin dann einmal mitgelatscht und dabei geblieben.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Sabji, Kaji: wunderbar!!!! Der olle pub am hackeschen ist übrigens immer noch gut und ich schuld dem Kaji soweit ich weiß noch Guiness!


    Leidensgeschichte meinerseits.

    Karate hab ich mit 7 angefangen nachdem ich ständig durch meinen Bruder beflügelt versucht habe alles mögliche als Schlagpratzen zu nutzen. Bis zum 2. Kyu hatte es dann gereicht aber leider gab es dann ein vereinsende das für alle unschön war.

    Mit 10/12 Jahren hab ich dann übrigens auch das bogenschiessen für mich entdeckt aber eher doch in Richtung « privat » (großer Garten und große Wiese luden ein). Außerdem, ähnlich wie bei dir sabji, bin ich als Steppke auch in jedes Museum und hab meine Umwelt damit genervt. Habe auch, dank meines Vaters, vieles selbst ausprobieren und erforschen können (Messer aus Zimmermannsnägeln Schmieden mit 8/9/10 Jahren, steinschleuder und Bögen selbst anfertigen und und und) und war sowas von stolz als ich mit einer selbst gebauten steinschleuder auf 50m das kleine Oberlicht getroffen hatte...vom Nachbarn der das nicht so bewundernswert fand.


    Habe dann als Jugendlicher verschiedene Sachen ausprobieren können, alle aber an extremen Anfahrtszeiten gescheitert.

    Zum Aikido dann gekommen weil ich den Führerschein bekam und das in der Nähe war. Außerdem fand ich die Idee dahinter gut. Heute ist das auch noch so, ich bin aber sehr froh, dass es sich Leute im Training gibt die gern Crossover trainieren und Experimente zulasssen.

    JuJutsu und JiuJitsu gab es dann als Alternative noch dazu.


    Im Studium dann zum Fechten gekommen, auch hinsichtlich von Mensuren und dem eigenen entwickeltem Standesbewusstsein als verarmter Preissischer Adel.

    Und nun durch einen ehemaligen Kollegen für das kendo interessiert da ich eh schon immer mal kendo lernen wollen. :)