Lizenzen für Schwertpolierer: was muss generell sein und was gibt es in der BRD ?

  • Ryoma.


    Mit Qualitätskontrolle meine ich das ihr eure Techniken ja nicht mehr in de Realität ausprobieren könnt. D.h. wenn ein Soke etwas ändert, ob es wirklich funktionieren würde ?


    Aber gut.

    Was ich interessant finde ist dein Einwurf bezüglich der Lehrmethode.

    Wenn man Dinge in den Koryu erklären kann, wunderbar. Das funktioniert eben im Polierergeschäft großenteils nicht. So verrückt es klingen mag, Gefühl ist ein Zauberwort, einer der großen Schlüssel neben dem Wissen wie ein Schwert aussehen muß.

    Wie soll ich das erklären.

    Polieren ist im Endeffekt ein Dialog zwischen drei Teilnehmern :Schwert, Stein, Handwerker. Der Handwerker ist der der dauernd fragt, Stein und Schwert antworten.

    Sieht man wirklich großen Meistern zu, dann sieht und hört man es, ohne Worte ohne Erklärung.

    Der Meister hat z.B: drei Steine einer Körnung vor sich, die passen könnten.

    Er setzt an, es klingt falsch. Also nein

    Nächsten Stein ausprobieren.

    Klingt besser, aber der Effekt ist falsch.

    Etc.

    Wie soll man das erklären ?

    Wie soll man erklären das man das Vorgehen mit allen Sinnen wahrnehmen muß um an das Ziel zu gelangen ?

    Theorethisch geht das , wie man ja sieht, aber in der Praxis ? Eben gerade nicht.

    Hingegen nimmt man meine beschrieben Lehrmethode, wird man gezwungen alles wahrzunehmen. Irgendwann wird man dann auch gewahr, das eine Klinge auf dem falschen Stein nicht gut klingt. Was dieses gut Klingen aber heißt, das lernt man nur durch Zusehen und Lauschen. Erklärungen bringen einen nicht weiter.

    Diesen Effekt hat man der Majorität des Schleiferhandwerks.

    D.h. Es gibt keine Abkürzung.

    Übrigens das grundlegende Prozeder ist in diversen Büchern veröffentlicht worden, es schadet der Branche nicht. Warum ? Weil eben der genannte Effekt fehlt. Durch Erklärungen lernt man es nicht.


    Schnelligkeit des Lernens. Das hängt vom Schüler ab und den Möglichkeiten die er hat und seiner Begabung. Unter optimalsten Bedingungen : Wenige Jahre, im Schnitt 10 und einige lernen es nie.


    Ich hoffe das Ganze war nicht zu wirr.

  • Ick bin der, der die Seite betrei


    Ich bin der, der die Seite betreibt: https://www.nihontophoto.com/biografie

    Sag mal, ist das der Kiyondo von Krone ? Wenn ja, das war ich auch. Aber es ist einfach solange her...

    Wenn ja, das war ein Ding. Das kam aus Japan wieder. Der Mune lief einen fröhlichen halben 'Millimeter an der KissakiSaki vorbei.

  • Giorgio Movilli in der Nähe von Parma poliert noch (soweit ich weiss).

    Und wohl noch jemand in UK.

    Den kannte ich noch nicht. Als Polierer. http://www.japanese-sword.it/custom.html

    UK , mehrere Leute, teilweise leider Säureexperten, aber nicht alle !

    Italien gibt es noch einen, Belgien gibt es einen Kollegen der wirklich gut ist, In Deutschland gibt es auch noch einen Kollegen.

    Ich seh ich keinen Grund für ehrlose Kollegenschelte oder Neid.

  • Bleiben noch die Fachleute. Wo finde ich diese in der BRD, wie stelle ich als absoluter Laie sicher, dass ich nicht an irgendeine Klitsche gerate, die sich nur gegenseitig stützt und feiert (man denke da an die Großmeisterzirkel im KK-Bereich)?

    Tja. Schwierig.

    Ich habe gestern festgestellt, das ich übernächstes Jahr mein 30jähriges feire, was das beschäftigen mit der Materie Nihonto betrifft. Wenn es aber darum geht, die Polierwürdigkeit und vor allem MACHBARKEIT eines Schwertes zu beurteilen, bin ich hier in der BRD auf die Augen von genau 2 Menschen angewiesen, die das beurteilen können, denen ich vertraue und die auch das Handwerk beherrschen. Einer davon ist Kaji.

    Es ist ein Bereich, der mir selber noch voller Rätsel und manchmal voller Gegensätze ist. Was ich z.B. als schwerwiegend betrachte, scheint ihm keine Sorgen zu machen. Wo ich denke, das ist eine Kleinigkeit, zerbricht er sich den Kopf und schaut sorgenvoll drein.

    Wo ich auch oft abwinke ist, wenn er mir erklärt, hier müsse er den Hada zurücknehmen, oder das Ji-Nie, oder den Hamon, weil sonst im Gegenzug was anderes nicht passt, steige ich oft schon aus. Aber es zeigt mir, dass bevor er überhaupt als reiner "Polierer" tätig wird, er in erster Linie ein wirklicher Schwertkenner sein muss. Ist das nicht vorhanden, kann man nie gleichzeitig auch ein guter Polierer sein.

    Ich weiß selbst, und sicherlich auch Ryoma und CSM101, wie langwierig und mühselig der Weg des Kantei von Klingen ist, um zu sehen und zu verstehen. Vor allem was man an guten Klingen über Jahre sehen muss...


    Genug romantisiert. Ich bin mit Kaji bekannt und damit ist auch mein Statement wenig wert. Ausserdem stehe ich politurtechnisch mit ihm auf Kriegsfuß. Hat er doch über Jaaaahre es nicht geschafft, ein Schwert für mich zu polieren. Macht´s jetzt halt ein anderer. Diese Quelle gebe ich ums verrecken nicht preis. :P


    Was bleibt wäre mein Rat an den Laien, den langen Weg zu gehen. Meine Wahl wäre dann Herr Peuker, über den ich schon den "Papierservice" in Anspruch genommen habe. Er wird Dir grob sagen können, ob eine Politur machbar ist und sie nach Japan vermitteln. Die letzte Instanz bleibt vor Ort der Polierer, der immer noch ablehnen könnte. Auch heißt es noch lange nicht, dass der Meister seine Hand selber anlegt, oder ob es jemand aus seinem Workshop tut. Das hängt von der Klinge ab, vom Preis und der Zeit, die Du bereit bist zu warten. Ein Bekannter hat für eine Politur von Mishina-San himself 3 Jahre gewartet. Papiere wird Dir da keiner vor die Nase halten, bestenfalls wird man das Ansinnen mit hochgezogenen Augenbrauen quittieren. In der Szene weiß man wer gut ist und natürlich auch wer nicht.

  • Die Sache mit den Workshop ist ein weiteres übles, wirklich übles Problemchen. Wie oft hab ich Klingen gesehen wo für eine absolute Toppolitur vom Meister xyz gezahlt wird und geliefert bekommnt man eine Schülerarbeit. Wer sich einbildet da dann groß wie in Deutschland reklamieren zu können, der kann es gerne mal versuchen.

    Das nächste Problem für den Laien : Kann ich dem Polierer sagen welchen Stil ich haben will.

    Fast alle Kollegen runzeln da nur die Augenbrauen und denken still und leise "was weis der schon, nichts da "

    Und der Irrsinn geht fröhlich weiter.

    Immer wieder wird erzählt "Traditonell wird keine Säure benutzt" ; eine hübsche urbane Legende. Toppolierer benutzen nie Säure, nur das spezielle Polierwasser....

    Und zu guter Letzt noch eine wichtige Bemerkung : Ärger keinen Polierer-----


    Im Grunde genommen kann man einem Laien nur Eines raten :Erst lernen und dann ein Schwert kaufen. Wenn man da halbwegs sicher ist , dann erst dann ran an die unpolierten Sachen.

  • Wenn man da halbwegs sicher ist , dann erst dann ran an die unpolierten Sachen.

    Ein Satz, den man gebetsmühlenartig wiederholen kann und der dennoch hartnäckigst auf taube Ohren stößt! Ein Grund auch, warum ich mit Leuten deswegen schon heftigst aneinander geraten bin, bis hin zu Zerwürfnissen. Es ist mir absolut unverständlich, wie man zig Klingen in mäßigen bis schlechten Zustand einsammelt und dann davon angewiesen ist, dass jemand mit Ahnung aus dem Haufen was brauchbares findet. Aber solche Stücke müssen ja auch erst mal restauriert werden. Brauchen eine Shirasaya, Habaki und eine Politur. Auch hier setzt sich die Knauserigkeit fort...darf alles nichts kosten.

    Auch wenn es oft keine besonders hohen Beträge sind, die solche Leute ausgeben, in der Summe wäre ein wirklich gutes und solides Stück drin gewesen. Nöö, lieber Masse als Klasse.


    Auch ich schaue ab und an mal bei ebay aus reiner Neugierde und denke ab und an, ja, das könnte was sein. Und selbst dann, ich erkenne nicht, ob das Ding dann irgendetwas hat, was ich auf den Fotos nicht erkennen konnte.

    Ja, ich habe in den letzten Jahren 2 Klingen in einem restaurierungsbedürftigen Zustand geholt. Aber ersten stammten die von bekannten Schmieden, waren dadurch zweitens selbst in diesem Zustand nicht soo billig und drittens konnte ich dem Verkäufer blind vertrauen, kein Schrott zu bekommen, da dieser zu den wenigen wirklich ehrlichen Häuten unter den Händlern gehört.

    Viertens habe ich die Klingen gekauft, weil ich weiß, wozu die Schmiede zu fertigen in der Lage waren und dass sich eine Restauration dann auch wirklich lohnt, und fünftens mein Herz und Auge auch wirklich erfreut.

  • Was mich zu einem anderen Punkt bringt: Ich bin sooo froh, dass ich das ganze Schwertzeugs (also das Bijutsu Token Zeugs) noch vor dem eigentlichen Internet-Zeitalter kennenlernen durfte.

    Damals befasste man sich einfach wesentlich mehr mit der Materie, sprach mit massgeblichen Leuten, sah sich etliche gute Klingen an und las, was es zu lesen gab (wie z.B. die NBTHK-Hefte), bevor man sich dann mal zu einem Kauf entschied. So war es auf jeden Fall bei mir.

    Jede Woche einen Abend lang bei Herrn Indlekofer gesessen etwa 4 Jahre lang, bevor ich es dann mal wagte zu fragen ob er gewillt wäre einen Kaufauftrag von mir anzunehmen für seine nächste Japanreise. Das waren noch Zeiten...


    Heute benötigt man ein paar Klicks und ein paar Wochen später klingelts an der Türe.

    Das soll keine Verteufelung des Internet-Handels sein. Es gibt sehr gute, vertrauenswürdige Händler, keine Frage. Das Problem sehe ich eher auf der Käuferseite.

  • Hahaha, Telefonate mit Herrn Hagenbusch: draußen schien die Sonne und Vögel zwitscherten. Wenn ich auflegte war es dunkel und meine Frau lag sauer im Bett!:D Niemals unter 2 Stunden, locker länger.

  • Oh ja, die Hagenbusch Telefonate. Das kann ich bestätigen. Rekord bei mir ? 5 Stunden, danach hatte ich das ungute Gefühl mein Gehirn löst sich in Quark auf und ich hab Fransen am Mund. Alleine die Debatte "Können Chikei gegen den Hada laufen"

    Schade Hagenbusch war wirklich ein großer Lehrer, heute ist er ein großer Verlust.

    Eigentlich eine komische Situation. früher konnte ich jeden fragen, heute werde ich dauernd gefragt. Aber wen kann ich fragen wenn ich wie ein Schwein ins Uhrwerk blinzele und nicht mehr vorwärts komme ?

    Mishina hat mir freundlich gesagt :es gibt einem Punkt ab dem muß jeder seinen eigenen Weg finden.

    Damit wären wir wieder bei der Lehrweise des Wissenstehlens.

    Dieser Mangel an Erklärung zwingt automatsich zur denktechnischen Eigenleistung. Wozu das später gut ist ?

    Siehe die Antwort von Mishina.

    Blos das begreift man erst sehr spät, wenn eben keiner mehr da ist dem man eben mal so mit Fragen quälen kann.

  • Haha! 5 Stunden. Du Glücklicher! Wenn du das Pech hattest bei ihm zuhause eine Sitzung zu machen, dann warst du frühestens um 2 Uhr wieder draußen. Frühestens.


    Und der Kiyondo ist von Krone.

  • Dann hab ich den auch verzapft. Das war das Schwert wo der Mune irgendwo einen halben Millimeter neben der Spitze auslief. Ein vollkommen versauter Grundschliff. Der Witz bei der Sache ? Das war eine frische Japan-Politur....

  • Könnt ihr in Deutschland jemanden empfehlen wenn man seine Klinge nur nachschärfen lassen möchte, nicht polieren