Realität des Ernstfalls

  • Warum ist der Kampfsport bzw. die Kampfkunst nur bedingt für die Realität des Ernstfalls geeignet? Wo befinden sich die Grenzen eines noch so realistischen Trainings und wo wird das Versprechen, sich mit einem Kampfsport besser verteidigen zu können, eher zu einer Behauptung bzw. einem Werbegag? In diesem Blog wird versucht, Antworten zu diesen Fragen zu finden:


    http://www.kampfsport-kompakt.…realitaet-des-ernstfalls/


  • Da sind einige durchaus interessante Gedankengänge dabei, trotzdem kann man sich der Realität annähern. Ich selber mache ja weder KK noch KS, sondern vertrete die " Combatives/RBSD "-Ecke und damit ist es nicht nur mir, sondern auch vielen anderen bereits gelungen, einigermaßen heile rauszukommen.


    Es geht ja nicht darum eine Situation 1:1 nachzubilden - was nicht möglich ist, da eben zuviele unbekannte Faktoren im Spiel sind - aber es beginnt schon mit Kleinigkeiten. Ich habe einer JJ-Gruppe mal geraten, in normaler Kleidung und draußen zu trainieren. So eine kleine Maßnahme sorgte schon für das erste Aha-Erlebnis. Ich selber schwöre auf gut gemachtes Szenariotraining ( inkl. Videoanalyse hinterher ) und immer wieder verändernden Abläufen und Faktoren ... daß ist schon verdammt nah dran am Ernstfall.

  • Die Idee mit der Straßenkleidung und draußen ist gut. Man lernt sich zu fokussieren auch wenn die Passanten noch so glotzen, was ja häufig irritiert.

  • Was ist der Ernstfall und wie kann ich mich drauf vorbereiten?
    Kann ich es trainieren?

    Ich denke nein, ich kann mich dem nur annähern.

    Ich trainiere eine KK hauptsächlich, andere KK und KS dazu, schaue in die Combatives rein, mache Szenariotraining usw.

    Ist es das, was mich 1:1 auf den Ernstfall vorbereitet?

    Ich denke nein, aber es gibt mir sehr viele Hilfsmittel und Werkzeuge an die Hand, die mch den Ernstfall so gut es geht überstehen lassen.

    Eigentlich egal, was ich als Deliverysystem habe, ich muss es nur als das erkennen und umsetzen können.


    Aus dem KS und dem Sparring: Wie reagiere ich, wenn bei mir mal eine Faust in den Rippen einschlägt, wenn mich was am Kopf trifft, jemand anfängt zu clinchen und zu würgen, wie reagiere und verteidige ich mich im Wettkampf.

    Aus den KK und den SV-Szenarien: Wie bringe ich mich in eine gute Position, wie bringe ich meinen Gameplan auf den Angreifer und kann agieren, wie kann ich in entsprechender Kleidung und mit Ausrüstung agieren.
    Aus dem Dienstsport: Wie nutze ich meine Einsatzmittel, wie agiere ich im Team.

    All das muss ich für mich zusammenführen und kann dann für mich in der SV oder auch im Dienst meine Aufgaben umsetzen.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Grundsätzlich stimme ich diesem Artikel zu! Gerade das Rechenbeispiel um Hicks Law herum ist immer wieder beeindruckend.

    Ich nutze dieses Beispiel auch gerne als "Totschlagargument" wenn ich mal wieder mit einem KKler oder KSler in Diskussionen über dieses Thema Geräte.


    In der Tat ist eine Annäherung an die Realität durch Szenariotrainings möglich und sinnvoll.

    Am Ende gilt: Training Training Training!


    Selbst Elite-Einheiten aus Polizei und Militär können sich der Realität des Ernstfalles nur annähern. Aber dutrvh konsequentes Training nah an der Realität erhöhen sie ihre Chancen.


    Das ist wie in der Mathematik. In unserer Lebensrealität können wir uns der Null nur annähern, erreichen werden wir sie nie.


    Ein guter Artikel, danke dafür! :)

    "In reality based self defense, there are no 100%...if you want a guarantee, buy a toaster!"

    - Tony Blauer

  • Da sind einige durchaus interessante Gedankengänge dabei, trotzdem kann man sich der Realität annähern. Ich selber mache ja weder KK noch KS, sondern vertrete die " Combatives/RBSD "-Ecke und damit ist es nicht nur mir, sondern auch vielen anderen bereits gelungen, einigermaßen heile rauszukommen.


    Es geht ja nicht darum eine Situation 1:1 nachzubilden - was nicht möglich ist, da eben zuviele unbekannte Faktoren im Spiel sind - aber es beginnt schon mit Kleinigkeiten. Ich habe einer JJ-Gruppe mal geraten, in normaler Kleidung und draußen zu trainieren. So eine kleine Maßnahme sorgte schon für das erste Aha-Erlebnis. Ich selber schwöre auf gut gemachtes Szenariotraining ( inkl. Videoanalyse hinterher ) und immer wieder verändernden Abläufen und Faktoren ... daß ist schon verdammt nah dran am Ernstfall.

    Da hast Du aber nicht alles gelesen. Es geht so z. B. um Realitäten. Die sind nicht so, wie Du sie beschreibst, sondern so, wie sie sind - das nennt man "Realität". Deswegen habe ich diesen Begriff auch so ausführlich erklärt. So z. B. macht eine Videoanalyse nur Sinn, wenn fest steht, dass dieses Szenarium so oder so ähnlich verlässlich auf der Straße abläuft, um Rückschlüsse auf eine ähnliche Tat zu nehmen. Die Realität: Tut sie aber nicht. Jeder Ernstfall ist anders. Auch ein Training mit sechsfacher Kleidung, in einer Tief-Tiefgrage mit 1000 Gegnern wäre immer noch ein Training, wobei der Ernstfall ein Ernstfall bleibt. Die nächste Komponente: Das Bewusstsein. Dieses sagt den Teilnehmer nämlich ziemlich deutlich, dass sie sich im Training befinden. Im Training steht der Deal: Niemand verletzt den anderen. Diesen Deal gibt es auf der Straße nicht. Das Bewusstsein auf der Straße sagt: Shit - dass ist ein Ernstfall... jetzt geht es um Gesundheit oder Leben. Der Körper sagt: Ich muss dringend auf Toilette. Das Adrenalin sagt: Knie, bitte zittern. So ein 1:1-Szenarium kommt nicht mal in die Nähe eines im Körper ablaufenden biologischen Ernstfall-Prozesses.


    Derartige körperliche Reaktionen lassen sich einfach nicht trainieren. Der Mensch versucht zwar immer wieder, die Natur so gut es geht zu kopieren, dabei bleibt das Ergebnis aber nur eine fehlerbehaftete Kopie und wird nie das Original erreichen! Ich wiederhole das gerne, weil man darüber auch immer gerne hinwegsieht: Auch gestandene und erfahrene Kampfsportler werden Opfer von Gewalttaten. Nicht, weil sie ihre Techniken falsch eingesetzt haben, sondern, weil die Täter einfach cleverer, brutaler, planvoller und strategisch vorteilhafter agierten und ihre Vorteile besser ausgespielten.

    Was ich in Deinem Post absolut vermisse, ist der/die Täter. Für Kampfsportler nichts besonderes, denn sie gehen zu 99% vom Verteidiger aus. Das Problem in der Realität: Nicht das Opfer, sondern der Täter führt. Er ist derjenige, welcher den Takt vorgibt. Im Kampfsport und diesem 1:1 Szenariotraining spielen Angreifer eher eine Statistenrolle. Sie sollen lediglich überraschen und das Opfer zu einer Reaktion zwingen. Im Szanrio sind "Gegner" eher Dummys... sie wehren sich kaum bis gar nicht. Ganz sicher ist das mit nichts in einem Ernstfall zu vergleichen. Täter besitzen in der Regel Waffen, mindestens ein Messer. An dieser Stelle motiviere ich dazu, die Statistiken von Messerangriffe hinzuzuziehen. Im Ernstfall sind Messer aus scharfem und spitzen Metall und sorgen für schöne große Schnitte und tiefe Stiche - abgesehen von der Schockwirkung, dem Ausbluten und dem Adrenalin im Blutkreislauf, der die Spirale von Druckausgleich und Blutverlust nur noch ankurbelt.


    Und noch ein Kritikpunkt: Wer sagt eigentlich, dass eine Aggieren vom Opfer grundsätzlich gut ist? Aus den Erfahrungen wissen wir: Mal führt eine Gegenwehr zum Erfolg, mal bewirkt sie, dass der/die Täter noch brutaler zuschlagen. Daraus nur den Schluss zu ziehen, Gegenwehr ist grundsätzlich wichtig, finde ich nicht nur völlig falsch, er trifft einfach nicht den Kern der Realität. So ist das im Kampfsport allerdings insgesamt: Sie trifft nicht den Kern der Realität sondern suggeriert den Anwendern eine Schein-Sicherheit. Aber ist dann ein "sich nicht wehren" grundsätzlich eine gute Entscheidung? Nein. Aber wenn beides keine gute Idee ist - was dann? Einfach: Improvisationstalent. Im Ernstfall muss man sich auf seine Beobachtungsgabe und sein Können fokussieren. Man muss improvisieren können. Diejenigen, die "1000 Techniken für 1000 Gelegenheiten" trainiert haben, werden da schlecht dran sein (= schlechte Reaktionszeitwerte, weil viele Entscheidungsschritte).


    Auch gibt es mittlerweile so viele Videos über plötzlich und unerwartete Angriffe. Von daher kann ich nicht verstehen, dass man immer noch so, wie vor 100 Jahren, seinen Selbstverteidigungsstil durchzieht. Ein Gedanke gefällt mir übrigens besonders: Die Masse der Opfer von Gewalttaten sind keine Kampfsportler. Bedeutet: Sie haben weder ein Szenariotraining noch langjährige Erfahrungen in irgendeinem Kampfsport. Und doch: Sie kommen heil aus einem Ernstfall heraus und besiegen Täter. Anders erklärt: Die Masse an Menschen, die einen Ernstfall überlebt haben und Täter überwältigten, besiegten oder in die Flucht schlugen, sind und waren keine Kampfsportler. Die Botschaft: Um in einem Ernstfall zu überleben und sogar Täter zu besiegen ist das Training einer Kampfsportart nicht zwingend notwendig. Auch das ist Realität.


    Sorry für die klaren Worte, aber irgendwie müssen wir uns der Realität stellen bzw. nähern, die nicht so ist, wie wir wünschen, dass sie ist. Ob ich mit all dem sagen will, dass das Training eines Kampfsportes völlig sinnlos ist? Nebenkriegsschauplatz. Aber: Würde ich es sagen wollen, hätte ich es gesagt und zwar genauso klar, wie ich alle anderen Dinge erwähnt habe.

  • Und an dem Punkt macht es keinen Sinn weiter zu diskutieren, da mein Ansatz eine völlig anderer ist. Ich folge dem Grundkonzept der Combatives und da ist " Selbstverteidigung " eher nur ein schöner Nebeneffekt. Es geht um etwas ganz anderes, daß Leute die " SV " machen ablehnen oder nicht verstehen ( wollen ).


    In den Szenarios die wir üben, geht es nicht um eine 1:1 Kopie des Ernstfalles. Daß läßt sich eh nie so abbilden, wohl aber gibt es sich wiederholende Muster die man kennen muß und dann kann man sich der Realität annähern. Und wer glaubt er wird in einem Szenariotraining nicht verletzt oder mal hart angepackt, der ist bei uns eh verkehrt, da wird auch mal mit einer gebrochenen Nase weitergemacht. Bei einem Anbieter mußte so gar mal ein Szenario abgebrochen werden, weil sie mit einem Teilnehmer in die ambulante Psychiatrie mußten ... Shit happens ! Ihm ist ganz klar gesagt worden, auf was er sich da einläßt.


    Zu den Tätern: Ganz einfach ! Wir müßen noch bösartiger vorgehen als er.


    Zum Thema Waffen: Nee ... Messer werden vor allem im Bereich häuslicher Gewalt eingesetzt. Der Messerstecher der draußen rumläuft ist eher selten der Fall. Und wenn man auf ihn treffen sollte, greift wieder die Grundidee der Combatives.


    So ... mal auf die Schnelle ! :)

  • OK. Wenn man voraussetzt, es gibt eine 2. Realität neben der existierenden Realität, macht alles Sinn. Das ist dann das "Pipi-Langstrumpf-Syndrom": Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.


    Dazu zwei konkrete Fragen mit der Bitte um zwei konkrete Antworten:


    1. Welche "sich wiederholenden Muster" sind gesichert, an denen man sich an der Realität annähern kann?

    2. Welche Statistiken belegen, dass ein Messer "...vor allem im Bereich häuslicher Gewalt eingesetzt"... wird?

  • Welche Statistiken belegen, dass ein Messer "...vor allem im Bereich häuslicher Gewalt eingesetzt"... wird?

    also das dürfte wohl eher ein Erfahrungswert sein,

    auch ich kenne jede Menge Berichte, nach denen ein Mensch durch Haushaltsmesser zu Tode gekommen ist oder schwer verletzt wurde,

    aber das ist natürlich äußerst subjektiv,

    jedoch im Bereich 'Messer' sind die Statistiken wohl insgesamt eher mager, (und ich denke, das weißt Du auch ;) )

    Lohnende Kurzlektüre zum Thema:

    https://www.rnz.de/politik/sue…enommen-_arid,362921.html
    https://www.rbb-online.de/kont…r-mehr-messerattacken.htm

    https://meedia.de/2018/04/03/m…st-wenn-man-sie-versteht/


    Nun ist die Frage nach den Messerattacken natürlich nur ein Nebenschauplatz des eigentlichen Themas 'Realität des Ernstfallls',

    und da muss man in der Tat beim Realitätsbegriff ansetzen:

    Wenn man voraussetzt, es gibt eine 2. Realität neben der existierenden Realität, macht alles Sinn. Das ist dann das "Pipi-Langstrumpf-Syndrom": Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

    Was habe ich mir unter der 'existierenden Realität' vorzustellen? Was gehört dazu, was nicht? (vgl. Wikipedia )



    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • nachtrag zu den 'häuslichen Messern':

    Zitat

    Andreas Loepki, Polizei Leipzig

    "Das soll aber nicht bedeuten, dass quasi Leipzig – im gesamten Stadtgebiet – Zuwanderer mit Messern umherlaufen und darauf warten Passanten ja damit zu bedrohen oder sie zu verletzten. Weil eine Vielzahl dieser Delikte spielt sich wiederum in Gemeinschaftsunterkünften, im häuslichen Umfeld von Asylbewerbern und unter Asylbewerbern ab."


    Quelle: https://www.rbb-online.de/kont…r-mehr-messerattacken.htm

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ida: Es ging nicht um "häusliche Messer" sondern um "häusliche Gewalt". Damit habe ich beruflich zu tun. Weder habe ich in meinem Beruf beobachten können, dass zunehmend Messer bei häuslicher Gewalt eingesetzt werden, noch, dass überhaupt viele Messer in diesem Bereich zum tragen kommen. Auch kenne ich keine einzige Statistik, die einen derartigen Zusammenhang herstellt. Von daher bin ich wieder bei der Realität, die so ist, wie sie ist.


    Dem Rest kann ich nur zustimmen: Es ist alles subjektiv. Genau das ist die entscheidende Aussage. Es wird sich weniger an die Realität gehalten und mehr an dem, wie Menschen diese Realität interpretieren und geldlich nutzbar machen können, da SV-Kurse ein riesiges Geschäft sind, von dem viele Anbieter leben. Das ist aber nichts Neues, denn so funktionieren nunmal Verkaufsstrategien. Von daher haben sie ein unmittelbares Interesse daran, subjektive Sichtweisen bzw. Interpretationen der Realität als "die Realität" zu verkaufen.


    Bei den "großen Meistern" hängt dann natürlich auch Glaubwürdigkeit dahinter. Mit so einem Hintergrund werden Diskussionen schwer.


    Zum Thema: "existierende" Realität möchte ich mich hier nicht wiederholen. Ich empfehle, den Blog zu lesen. Ein Ausschnitt:


    Demnach ist die Realität das, worauf wir alle (jeder Mensch) schauen und das, was für alle gleich ist: Bäume, Häuser, Autos, die Sonne, das Wetter, Kaufhäuser, Feiertage, etc. Die Realität endet und mündet in die Individualität, wenn sie von Personen interpretiert wird. So können Bäume – je nach Sichtweise – groß, stark oder am wachsen sein. Straßen sind für den Einen zu eng, für einen Anderen zu holprig. Das Wetter ist dem Einen zu warm, dem anderen zu nass. Kurzum: Der Baum, der am Straßenrand steht, ist Realität. Der schmale Baum am Ende der Straße hingegen die Interpretation der Realität. Irritierend ist es und interessant wird es, wenn Menschen Realitäten interpretieren aber der festen Überzeugung sind, die Realität selbst zu beschreiben.

    Wenn eine Person etwas sieht, was andere Personen nicht sehen und was nicht für alle gleich ist, handelt es sich entsprechend um eine Vorstellung, eine Phantasie, eine Illusion, etc. der Person oder – exakter ausgedrückt – um deren Beobachtung. Um es an einem praktischen Beispiel zu verdeutlichen: Menschen behaupten, UFOs gesehen zu haben. Wenn alle anderen Menschen auf der Welt dieses UFOs ebenfalls gesehen hätten, wären UFOs Realität – so, wie es auch Flugzeuge sind. Realität diesbezüglich ist allerdings, dass nicht alle Menschen UFOs gesehen haben, womit die Behauptung der Menschen, es gebe UFOs, lediglich durch deren Beobachtung gedeckt wird aber keinesfalls Realität ist.

  • Paladin, ich habe den Artikel in Deinem Blog durchaus gelesen,

    mich irritiert jedoch Deine Interpretation des Realitätsbegriffs

    Zitat

    Wenn alle anderen Menschen auf der Welt dieses UFOs ebenfalls gesehen hätten, wären UFOs Realität – so, wie es auch Flugzeuge sind. Realität diesbezüglich ist allerdings, dass nicht alle Menschen UFOs gesehen haben, womit die Behauptung der Menschen, es gebe UFOs, lediglich durch deren Beobachtung gedeckt wird aber keinesfalls Realität ist.

    (Quelle: http://www.kampfsport-kompakt.…realitaet-des-ernstfalls/ )

    ... deshalb habe ich weiter oben ja auch weiter oben auf den Wikipedia-Artikel verwiesen,

    in diesem Artikel hieß es u.a.:


    " Als Realität wird darüber hinaus alles begriffen, was als Gegenstand des individuellen Bewusstseins aufgefasst werden kann, gerade eben auch Soziale Tatbestände, angenommene spirituelle Gegenstände und sowohl fremde wie eigene Gefühle und Einstellungen, insofern diese nicht auf bloße Willkür zurückgeführt werden können, sondern selbst als unter Regeln stehend vorgestellt werden. Dieser weite Realitätsbegriff, der auch von bestimmten Positionen der Sozialwissenschaften geteilt wird, wird für gewöhnlich jedoch auf verschiedene soziale Kontexte beschränkt: was bspw. in der Logik, vor einem Gericht, bei einem Streitgespräch unter Partnern oder in einer Kirche als real gilt, sind jeweils sehr verschiedene Entitäten, die nur bedingt zur gleichen Zeit für gleichermaßen real gehalten werden können. Generell werden Positionen, die positive Kriterien für die Realität von etwas aufstellen, als "realistisch" bezeichnet.

    Je nach Kontext hat der Realitätsbegriff unterschiedlichen Gehalt. Man kann verschiedene Realitätsbegriffe oder Kriterien für die Realität unterscheiden. Keine dieser Bestimmungen ist jedoch unproblematisch. "


    'Die existierende Realität' ist deshalb für mich ein schwieriger Begriff, weshalb ich durchaus das Konzept 'unterschiedlicher Realitäten' in Betracht ziehe,

    was rein gar nichts mit dem von Dir erwähnten 'Pipi Langstrumpf Syndrom' zu tun hat.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ida... das verstehe ich nicht. Unter Deinem Link finde ich:


    Als Realität wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Gesamtheit des Realen bezeichnet. Als real wird zum einen etwas bezeichnet, das keine Illusion ist und nicht von den Wünschen oder Überzeugungen einer einzelnen Person abhängig ist. Zum anderen ist real vor allem etwas, das in Wahrheit so ist, wie es erscheint, bzw. dem bestimmte Eigenschaftenrobust“ – also nicht nur in einer Hinsicht und nicht nur vorübergehend – zukommen (→ Authentizität). Realität ist in diesem Sinne somit dasjenige, dem „Bestimmtheit“ zugeschrieben werden kann. Ein intentionales Objekt (z. B. eine Überzeugung, eine Einschätzung, eine Beschreibung, ein Bild, ein Film oder Computerspiel) gilt dann als realistisch, wenn es die Eigenschaften der darzustellenden Wirklichkeit in vielerlei Hinsicht und ohne Verzerrungen wiedergibt (→ Realismus).


    Das ist, was ich unter "Realität" in Wikipedia gefunden habe und zwar ganz am Anfang, zuerst, also unmittelbar. Außerdem vermisse ich den gesunden Menschenverstand. Realität ist das, was um uns herum ist und was wir alle gleich sehen, spüren, wahrnehmen. Das habe ich bereits erwähnt. Die Sonne z. B. - ist die Sonne Realität oder haben wir da eine unterschiedliche Realität? Meinst Du vielleicht eher, dass wir unterschiedliche Wahrnehmungen haben bzw. die Realität unterschiedlich interpretieren?


    Unterschiedliche Realitäten also. Das solltest Du dann wirklich mal genauer erklären - vielleicht auch mit Beispielen?


  • Natürlich haben wir alle unterschiedliche Realitäten. Hängt von der eigenen Wahrnehmung der Realität ab. Einfaches Beispiel: Ich habe vor Urzeiten Garten- und Landschaftsbauer gelernt, also bei Wind und Wetter draußen. Leichter Regen war für uns "hohe Luftfeuchtigkeit" , für andere schon Sauwetter bei gleichen Bedingungen.

    Die Realität ist für alle gleich, die Bewertung unterschiedlich.

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Realität ist das, was um uns herum ist und was wir alle gleich sehen, spüren, wahrnehmen.

    Wenn Du das so siehst, bleibt aber von der 'Realität' nicht mehr viel übrig.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Wenn Du das so siehst, bleibt aber von der 'Realität' nicht mehr viel übrig.

    Ida - du irritierst mich. Die vielen Definitionen (z. B. Duden, Wikipedia) sind eindeutig, klar und ergänzen sich untereinander. Würdest Du mir bitte meine obigen Fragen beantworten? Ich bat Dich um Beispiele - kannst Du die erbringen oder nicht? Warum hast Du Wikipedia mit dem "Zweitrangigen" zitiert und nicht den eigentlichen Abschnitt?


    Dann zu Deinem letzten Post, mit dem ich - ehrlich gesagt - wenig anfangen konnte, weil er alles aber auch nichts sagt. Also: Worauf beziehst Du Dich, wenn Du erwähnst: "Wenn du das so siehst"? Was sehe ich - deiner Meinung nach - also wie? Warum sollte dann von der Realität nichts mehr übrig bleiben? Das habe ich am wenigsten verstanden. Wenn ich sage, dass die Realität so ist, wie sie ist, muss da weder was hinzu, noch weggetan werden. Warum auch?


    Ich nenne mal einige Beispiele: Vorausgesetzt alle Menschen - außer blinde Menschen - sehen nur eine einzige Sonne am Himmel; Vorausgesetzt die Sonne strahlt Wärme aus; Vorausgesetzt die Sonne macht den Tag hell. Vorausgesetzt alle diese Faktoren sind für alle Menschen gültig, wäre das eine Realität. Gegenstände fallen nach unten. Ebenso eine Realität. Warum? Die Anziehungskraft der Erde. Eine Realität. Die Luft um uns herum, ebenso eine Realität. Wir haben Lungen und können atmen, aber nicht unter Wasser. Da müssen wir immer Luft holen, wenn wir keine Sauerstoffgeräte bei uns haben. Ebenso eine Realität. Menschen können nicht fliegen, so, wie Vögel es können. Wir benötigen dazu Fluggeräte. Ebenso eine Realität. So könnte ich jetzt weiter machen. All das sind Realitäten. Warum? Weil die Dinge so sind, wie sie sind. Für alle Menschen auf diesem Erdball sind diese Realitäten gleich. Dann gibt es die Realitäten, die nicht für alle gleich sind, wie z. B. die Verteilung von Wohlstand, Krieg, Hunger, etc. Diese Dinge sind für uns keine Realität, aber für diejenigen, die in bestimmten Ländern leben. Eine weitere Realität ist, dass genau aus diesen Gründen Menschen aus ihren Ländern fliehen.


    Du siehst, Realitäten sind unglaublich umfangreich und zusammenhängend. Im Gegensatz zu dem, was Du vertanden haben willst. Aber eines bleibt: Die Realität ist da und nicht verhandelbar. Die Sonne ist da. Sie bleibt da, auch würdest Du behaupten, sie ist nicht da. Wie warm eine Sonne ist oder wie hell sie scheint liegt wiederum im Auge eines jeden Menschen. Das verstehe ich unter "Interpretation". Es gibt nur eine einzige Realität auf die jeder Mensch mit seinen individuellen Filtern schaut. Der Mensch macht dann aus dieser Realität seine Interpretation. Dennoch bleibt die Realität. Die Sonne bleibt also am Himmel, auch wenn sie für dich nicht so hell oder so warm strahlt und das ist eine Realität, die Du durch nichts verhindern, abschwächen, ergänzen oder weglassen kannst.


    Letztlich fehlt mir hinter all dem, was Du geschrieben hast, Deine eigene Sichtweise - ich weiß nicht, worauf Du hinaus willst... ein großes Geheimnis? Insgesamt würde mich - sozusagen als letzte Frage - außerordentlich interessieren, was genau Du im Bezug auf das Oberthema zum Ausdruck bringen möchtest. Für eine Diskussion ist es immer hilfreich, aufeinander einzugehen bzw. zu reagieren. Irgendwie habe ich das Gefühl, Du bist woanders...

  • Ida - du irritierst mich. Die vielen Definitionen (z. B. Duden, Wikipedia) sind eindeutig, klar und ergänzen sich untereinander.

    ...

    Du siehst, Realitäten sind unglaublich umfangreich und zusammenhängend. Im Gegensatz zu dem, was Du vertanden haben willst. Aber eines bleibt: Die Realität ist da und nicht verhandelbar.



    na ja, dann will ich jetzt mal hier nicht von dem Platon'schen Höhlengleichnis sprechen und auch nicht vom Konstruktivismus,

    ist ja eh alles eh nur Philosophie ... *grins*


    Und ja, die 'Relität' ist tatsächlich unglaublich umfangreich, wie Du sagst, aber die Zusammenhänge sind uns bisher wohl immer noch nur bruchstückhaft klar,

    man frage nur einmal die Hirnforscher zu diesem Thema.


    Also bleiben wir mal bei der 'praktischen Alltagsrealität' und betrachten die Relevanz der Wahrnehmung dieser Realität:

    Wie Du bereits sagtest, ist die Realität, die uns umgibt 'unglaublich umfangreich',

    so umfangreich, dass niemand die komplette Realität wahrnehmen kann (sagen zumindest die Hirnforscher)

    jeder nimmt nur soviel wahr, wie er verarbeiten kann, und da ist es eben wichtig, welchen Ausschnitt der Realität man wahrnimmt.

    Nimm zum Beispiel eine belebte Straße, dort sollte vielleicht die 'Realität' zunächst mal für jeden gleich sein,

    wenn man jedoch genauer hinschaut, so werden von unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Ausschnitte wahrgenommen,

    man betrachte z.B.:

    den Fußgänger, der mit dem Handy am Ohr durch die Gegend trollt,

    die junge Mutter, die einen Kinderwagen vor sich herschiebt,

    die schnatternde Teeniegruppe, die sich zum Einkaufsbummel verabredet hat,

    den Radfahrer, der sich mit den Fußgängern eine gemeinsame Spur teilen muss,

    den Autofahrer, der diese Straße nach einer Parkmöglichkeit absucht, oder auch nur möglichst schnell durchkommen will

    ...

    Aber unterschiedliche Wahrnehmungen von Realität können auch wieder zu einer neuen Realität führen,

    wenn z.B. der Handyfonierer mit dem Kinderwagen, dem Fahrrad, dem Auto seines Mitmenschen zusammenstößt,

    dann kann er sich völlig 'reale' schmerzhafte Zustände einfangen.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Da muss ich widersprechen, die Realität ist für alle gleich. Die Wertung oder Wahrnehmung ist jedoch nicht eine allgemeingültige Realität.

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Da muss ich widersprechen, die Realität ist für alle gleich. Die Wertung oder Wahrnehmung ist jedoch nicht eine allgemeingültige Realität.

    Du musst nicht widersprechen, ich habe nichts anderes behauptet ;)

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ja, das sehe ich auch so. Wir haben keinen Widerspruch sondern nur eine andere Auslegung für ein und die gleiche Sache. Aber genau das ist der Punkt: Wir interpretieren. Das ist dann nicht mehr die Realität, sondern unsere Sichtweise bzw. unsere Interpretation (so nenne ich das) der Realität. Niemand weiß, was passiert. Natürlich können wir die örtlichen Ereignisse in der Realität - mehr oder weniger - mitbestimmen. Wir können auf die Straße gehen und so uns selbst, als auch andere Menschen gefährden. Dabei bleiben allerdings die Realitäten, also z. B. die Straße, die Sonne, evtl. Häuser, Bäume etc.


    Ich habe allerdings immer noch nicht verstanden Ida, warum wir uns darüber unterhalten... ich vermisse den Zusammenhang zum Hauptthema ;)