Hebel für den Hausgebrauch?

  • Angeregt durch einen Text von schnüffler an anderer Stelle würde ich gern zum einen über den Einsatz von Hebeln stellen. Sinngemäß- du magst mich korrigieren- vertritt der Text die Meinung, dass Hebel zum Festlegen oder Führen nur für die Exekutive brauchbar sind, da immer zu zweit. Ist man allein, ist ein Hebel zum Brechen zu nutzen.

    Grundsätzlich bin ich da bei Schnüffler, denke aber, dass es auch ein wenig Situationsabhängig ist , sprich Konstitution des bösen Buben.


    Gibt es da vielleicht noch andere Sichtweisen?

    Hapkido- die Kunst Kleider zu falten, in denen noch Menschen stecken!

  • Das waren die zwei Extreme.

    Und deswegen hier von mir meine persönliche Meinung.

    Ich kann Hebel mMn. für drei Dinge beutzen.

    a) Ich bewege damit jemanden, sprich ich will, dass mein Gegenüber in eine bestimmte Richtung geht, wird der Hebel dahin "offen" gelassen, so dass er dem Schmerzen "entgehen" kann, wobei ich ihn aber noch immer unter Kontrolle halten muss oder durch den Hebel steht er so instabil, dass ich ihn ohne Probleme dahin bewegen kann, wo ich ihn hin haben will und sei es nur zu Boden.

    b) Ich fixiere mein Gegenüber damit und stelle ihn so ruhig.

    c) Ich reiße das Gelenk auseinander und mache was kaputt, so dass das Gelenk nicht mehr zu gebrauchen ist.


    a) und b) sind die sanfteren Sachen, die ich auch nutzen kann, bzw. sollte, wenn Onkel Karl-Gustav auf der Goldhochzeit wieder zuviel getrunken hat und randaliert oder wenn ich den Angreifer so sicher unter Kontrolle bekomme und weiß, dass er mir gleich abgenommen wird und keine wirkliche Gefahr mehr darstellt oder ich mich schnell entfernen kann. Weil es wäre doof, ich fixiere ihn, lasse wieder los, er wird richtig stinkig und semmelt mir dann eine. (Exkurs: Stehen an der Schlange einer Disco zum Einlass, ein Türsteher hat einen im Würger und kontrolliert ihn. Der andere tappt, der Türsteher läßt los, der andere dreht sich um und schlägt zu.)

    c) ist mMn. dann angebracht, wenn ich wirklich um meine Gesundheit oder mehr fürchten muss und keine Chance besteht, anders da raus zu kommen.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Ich schrieb ja Festlegen oder Führen. Insofern sind wir da schon im Einklang.

    Und ja, es ist ja auch immer situatiosabhängig.

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  • Habe es ja nur einmal verdeutlichen wollen. Damit der Rest weiß, um was es ging:

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Hm, ich sehe das etwas anders/einfacher. Also, mein Grundsatz ist, dass ich irgendetwas packe und so lange in eine Richtung drehe, bis es knirscht und der andere auf einmal ganz locker wird. Finger- und Handgelenkhebel sind da echt gut. Das stimmt ja mit dem einen Extrem, das oben beschrieben wurde, überein.


    Aber einen Hebel zum Fixieren und/oder Abführen? Ich bin kein Polizist, aber damals im Judo gab's doch noch diese Haltegriffe. Ich könnte mir vorstellen, dass man damit den Übeltäter fixiert, bis man ihm dann Handschellen o. ä. angelegt hat, die es dann ermöglichen, ihn mehr oder weniger widerstandsfrei abzuführen. Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit das Fixieren mit dem Knie im Rücken und das anschließende Arme-nach-hinten-zwingen-bis-die-Handschellen-sitzen als Hebel gezählt werden können ;-) .


    Und wenn ich mir das in Videos aus USA so ansehe, dann darf der Übeltäter sich ja selbst auf den Bauch legen, die Beine spreizen und die Hände auf den Rücken nehmen (gerne vorher durch Elektroschocks oder durch das Vorhalten einer Waffe überzeugt).


    So als Nachgedanke: es dürfte auch ein bisschen schwierig werden, zu erklären, warum man mit einem Fußhebel dem Festgenommenen den Knöchel und das Knie bei der Festnahme zerstört hat.

  • Kürzung, 1.), 2.) und 3.) von mir ins Zitat eingefügt.


    1.) Judohaltegriffe sind selten mit einem Hebel verbunden, sonder nur mit Gewichtsverteilung und Kraft. Sie funktionieren innerhalb der Gewichtsklassen, außerhalb eher weniger. Nehmen wir den Standarthaltegriff: Kesa-Gatame. Wenn jemand mit 50kg auf mir liegt, meinen Kopf umgreift, einen Arm einklemmt und Druck auf meine Rippen bringt, stehe ich zu 905 einfach mit der Person auf.

    Die Halte- und Fixierungstechniken funktienieren über Hebel und Schmerz. Wenn man weiß was man tut, braucht man kaum Kraft um den Arm auf den Rücken zu bekommen, insbesondere nicht, wenn man zu zweit arbeitet.


    2.) In manchen US-Bundesstaaten bist du nach 6 Wochen Cop. Da kannst du dir überlegen, wieviel Zeit da für eine wirkliche, saubere Ausbildung bleibt. DA wird sfort zu den Waffen gegriffen, da auch ein Cop sehr oft alleine unterwegs ist.


    3.) Im Rahmen einer Festnahme kommt es auch immer drauf an, wie sich das polizeiliche Gegenüber verhält. Leistet er Widerstand, kann dieser im Rahmen der Verhältnismäßigkeit gebrochen werden, um die Maßnahme durchzusetzen. Man kann sich aber auch ganz schnell in der Notwehr befinden und da kann es eine notwendige Maßnahme sein.

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  • Hallo Schnüffler,


    nur mal zu 1.) Wie gesagt, ich bin kein Polizist, ich kenne nur ein paar. Und das, was mir da so erzählt wurde, läuft eben eher auf Haltegriffe und "mit Kraft in die Position zwingen" hinaus, gerade wenn man zu mehreren jemanden festnimmt. Und wenn ich da so ein meinen Guro denke, einer von beiden ist Polizist, dann würde ich bei ihm eher unterstellen, dass er den Angreifer packt, hart zu Boden bringt, beide Arme rausreißt, und dann Handschellen anlegt :-) .


    Naja. Ich sage es ja, ich kenne mich da zu wenig aus. Ich weiß nur, wie ich Hebel anwende und was ich damit mache, in meiner kleinen spezifischen Welt.

  • Aus eigener Erfahrung, wenn man mit Kollegen zusammen arbeitet, die wenig bis kein Interesse an KKs haben oder zu wenig Übung, dann artet es sehr schnell in einen Kraftakt aus, da will ich dir nicht widersprechen.

    Nur in einem eingespielten Team, wo man auch nicht schaut, was der Andere macht, beide sehr erfahren sind, dann klappt es sehr gut.

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