An- und Abgrüßen

  • Hierzu habe ich einige Fragen an Euch:


    • Wen oder was grüßt Ihr an bzw. ab? (z. B. die Matte, den Raum, ...)
    • Wo ist der Hintergrund dieses Rituals in Eurer KK zu finden? (z. B. Kultur, Religion, ...)
    • Wie erklärt Ihr es Euren Schülern und in welchem Kontext? (z. B. in der ersten Trainingseinheit oder nebenbei)
    • Seht ihr einen pädagogischen Wert in diesem Ritual? (gibt es z. B. Kindern bzw. Jugendlichen etwas? ...was?)
  • 1. Kurz beim ein- und austreten vor dem Raum, und natürlich das traditionelle angrüßen voreinander bzw. vor dem Meister.


    2. Ist wohl ein kultureller und religiöser hybrid. Der Respekt vor der Trainingshalle, den Mitschülern, und dem Meister findet sich in großen Teilen ja schon in der konfuzianischen Gesellschaftstheorie wieder. Diese icht ja recht früh nach Japan gelangt und findet sich sowohl in religiöser als auch in gesellschaftlicher Handlungsweise wieder. Auch wenn das heutzutage immer mehr an Wichtigkeit verliert.
    Das ablassen von allem was nicht mit dem Training zu tun hat ist wohl wieder eher religiös orientiert, aber durchaus sinnvoll, denn man soll Trainieren, und sich nicht mit anderen Dingen beschäftigen.


    3. Was sie tun sollen beim ersten Training, das Warum wird hier und da immer mal wieder eingestreut wenn es kontextual passt.


    4. Die Lehre sich während des Trainings nur aufs Training zu konzentrieren sehe ich persönlich als elementar wichtig an. Im Traraining sollte es nur um den Sport gehen, für alles weitere ist vorher und nacher auch noch Zeit. Gerade für junge menschen ist es hilfreich zu lernen wie man sich auf eine einzelne Sache konzentriert.
    Auch der Part mit dem gegenseitigen Respekt und dem Respekt vor dem Trainer ist wichtig. Ein freundliches und respektvolles Miteinander schon zu beginn des Trainings sorgt für ein angenehmes Klima in welchem man gut trainieren kann.
    Den Trainer sollte man ohnehin respektieren, er bringt einem alles bei und auf ihn zu hören und ihn ernst zu nehmen ist für den Ablauf und die Sicherheit des Trainings essenziell.

    Wahre Kraft entspringt einem unbeugsamen Willen.

  • Hi Paladin,


    1. den Raum als Trainingshalle und alle darin befindlichen Menschen (ich grüße keine Bilder oder Flaggen)


    2. es hat asiatisch kulturellen Hintergrund


    3. siehe zwei als Bestandteil des Do, wobei ich persönlich Do mit Höflichkeit gleich setze


    4. in Zeiten der Hektik und des höher-schneller-weiter finde ich diese Sekundenbruchteile der Bewegungsfreiheit und des Innehaltens und der Aufmerksamkeit wichtig.


    Winke


    Mac :-)

  • Hierzu habe ich einige Fragen an Euch:


    • Wen oder was grüßt Ihr an bzw. ab? (z. B. die Matte, den Raum, ...)
    • Wo ist der Hintergrund dieses Rituals in Eurer KK zu finden? (z. B. Kultur, Religion, ...)
    • Wie erklärt Ihr es Euren Schülern und in welchem Kontext? (z. B. in der ersten Trainingseinheit oder nebenbei)
    • Seht ihr einen pädagogischen Wert in diesem Ritual? (gibt es z. B. Kindern bzw. Jugendlichen etwas? ...was?)

    Zu 1.) Also ich grüße den Raum, die Matte, dann die Gruppe und letztlich meinen jeweiligen Trainingspartner an. Raum, Matte und Trainingspartner mit einer kurzen Verbeugung, Gruppe mit abknien.


    Zu 2. und 3.) Pseudojapanische KK, also auch grob die Rituale übernommen. Durch meinen Trainer damals so erklärt bekommen und als gut eingestuft: Wenn ich das Dojo betrete, schüttel ich mit meiner Verbeugung den Alltagsstress von mir ab. Selbiges wenn ich die Matte betrete. Dann ist alles, was mich belastet vor der Tür, bzw. am Mattenrand geblieben. Abknien der Gruppe gegenüber bedeutet für mich als Trainer: Erst der Aufruf zur Ruhe und zur Konzentration. Dann durch die gemeinsame Verbeugung, das wir jetzt alle miteinander trainieren, auf uns achten und nicht verletzten und alle gleich sind. Außerdem hört ab jetzt alles auf mein Kommando. Die Verbeugung zum jeweiligen Trainingspartner heißt, Achtung jetzt geht es los. Beim Abgrüßen zum Partner, danke, wir sind fertig, keiner hat sich verletzt und alles ist gut. In der Gruppe, nochmal zur Ruhe kommen und das Training revue passieren lassen. Matte und Dojo weil alles gut war. Das kommt auch direkt am Anfang mit dazu, damit die Leute wissen, warum wir das so machen.


    Zu 4.) Wie oben beschrieben, das Abschütteln des Alltagsbalastes, die Konzentration aufs Training und den Respekt und die Anerkennung des Partners.



    In anderen Sportarten habe ich es auch anders erlebt, man stellt sich im Kreis auf, Hände über die Schultern und schreit "Los gehts" und am Ende "Danke", dem Partner gegenüber zeigt man das es los geht und den Respekt durch Shake Hands oder Faust auf Faust, Stock anticken, etc. Aber der Sinn ist für mich eigentlich immer gleich.

    Mein Englisch ist zu schlecht. Ich löse das physikalisch!

  • Hierzu habe ich einige Fragen an Euch:


    • Wen oder was grüßt Ihr an bzw. ab? (z. B. die Matte, den Raum, ...)

    Gegenüber dem Eingang des Dojo steht in unserer Tradition ein Hausschrein in der Futsunushi no Mikoto, ein Gott der Kriegskunst, eingeschreint ist, diese Front/Seite wird Shomen genannt.
    Da wir in einer Turnhalle trainieren haben wir natürlich keinen festen Schrein, jedoch wird dieser durch einen Talisman vom Katori-Schrein und einer ebenfalls vom Schrein stammenden Kalligraphie Rolle ersetzt.
    Beim betreten und verlassen des Raums verbeugt man gegenüber Shomen und damit vor Futsunushi no Mikoto.
    Vor und nach dem Training wird mit Ni rei, ni hakushu, ichi rei [zweimal verbeugen, zweimal Klatschen, nochmal verbeugen] angegrüßt.


    Paladin schrieb:

    2. Wo ist der Hintergrund dieses Rituals in Eurer KK zu finden? (z. B. Kultur, Religion, ...)

    Aus dem japanischen Shintoismus. Nach der Gründungslegende wurden die Techniken unserer Tradition von Futsunushi no Mikoto an den Gründer Iizasa Choizai Ienao überliefert.
    Ni rei, ni hakushu ippai stellt dabei eine 0815 Shinto Anrufung da um den Kami auf sich aufmerksam zu machen und diesen für ein sichere Training zu bitten und am Ende sich bei diesem zu bedanken.


    Wie erklärt Ihr es Euren Schülern und in welchem Kontext? (z. B. in der ersten Trainingseinheit oder nebenbei)

    Wer erklären es jedem der danach fragt.
    Wer nicht fragt bekommt es auch nicht erklärt.
    Erklärt wird es soweit ich weiß genauso wie ich es hier getan habe.


    Seht ihr einen pädagogischen Wert in diesem Ritual? (gibt es z. B. Kindern bzw. Jugendlichen etwas? ...was?)

    Man bekommt ein leichten Vorgeschmack auf Shinto. Welches von vielen Westlern nur selten verstanden wird.

  • Hallo,

    Mac scheint mich zu kennen,oder woher weiss er was ich schreiben wollte..?


    @Mac..Danke dir!!


    gruß Hai

  • ...


    Man bekommt ein leichten Vorgeschmack auf Shinto ...

    Und wenn schon der 'leichte Vorgeschmack' doch etwas stört,
    weil man das Konzept des 'Shinto' nicht mag,
    wird das Ritual dann erlassen, oder gehört es auf jeden Fall dazu?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Und wenn schon der 'leichte Vorgeschmack' doch etwas stört,
    weil man das Konzept des 'Shinto' nicht mag,
    wird das Ritual dann erlassen, oder gehört es auf jeden Fall dazu?

    Es gehört aufjedenfall dazu.
    Tenshin Shoden Katori Shinto-ryu ist definiert über die Verbindung und Beziehung die die Iizasa Familie zum Katori Schrein und damit zu Futsunushi no Mikoto hat.
    Keiner verlangt von einem das man an Futsunushi no Mikoto "glaubt" um am Training teilzunehmen, dies ist im Shinto eh unerheblich.
    Aber der Rahmen indem das Training stattfindet ist nunmal dieser und ohne diesen Rahmen mag es immer noch Kenjutsu sein, es ist aber kein TSKSR mehr.
    Oder glaubst du das ganze heißt nur so zum Spaß Shinto-ryu? ;)

  • Hallo,

    Mac scheint mich zu kennen,oder woher weiss er was ich schreiben wollte..?
    @Mac..Danke dir!!


    gruß Hai

    Dito! ;-D

  • Es gehört aufjedenfall dazu.Tenshin Shoden Katori Shinto-ryu ist definiert über die Verbindung und Beziehung die die Iizasa Familie zum Katori Schrein und damit zu Futsunushi no Mikoto hat.
    Keiner verlangt von einem das man an Futsunushi no Mikoto "glaubt" um am Training teilzunehmen, dies ist im Shinto eh unerheblich.
    Aber der Rahmen indem das Training stattfindet ist nunmal dieser und ohne diesen Rahmen mag es immer noch Kenjutsu sein, es ist aber kein TSKSR mehr.
    Oder glaubst du das ganze heißt nur so zum Spaß Shinto-ryu? ;)

    ... na ja, das Konzept vom Rahmen ohne Inhalt ist für mich halt noch etwas gewöhnungsbedürftig,
    nix für ungut, ich bin eben einfach zu sehr europäisch geprägt, ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • ... na ja, das Konzept vom Rahmen ohne Inhalt ist für mich halt noch etwas gewöhnungsbedürftig,
    nix für ungut, ich bin eben einfach zu sehr europäisch geprägt, ...

    Ich geh mal davon aus das du damit das Ritual meinst wenn man nicht an die entsprechende Gottheit glaubt, oder?
    Genauso wie keiner dich zwingt an Futsunushi no Mikoto zu glauben, verbietet es dir ebenso keiner das Ritual nicht auch eigenen Inhalt zu füllen.
    Ich als agnostischer Atheist zum Beispiel Nutze das Ritual zur Transition von Alltag zum Training und vom Training wieder zum Alltag und die Verbeugung vor Futsunushi
    no Mikoto interpretiere ich als meine Wertschätzung gegenüber dieser ca. 550 Jahre alten Tradition und all meinen Vorgängern(in der Tradition).

  • Es stand ja die Frage im Raum was wir warum machen.
    Gewiss hat jeder seine Ansicht dazu für wie sinnvoll er das ganze erachtet, aber das war nicht die zentrale frage.
    Der Sinn oder Unsinn solcher vorgänge bietet für sich aufgrund der teilweise sehr unterschiedlichen Ansichten zu solchen Themen viel Stoff, und wäre somit wohl eher ein Fall für ein neues Thema.

    Wahre Kraft entspringt einem unbeugsamen Willen.

  • Hierzu habe ich einige Fragen an Euch:


    • Wen oder was grüßt Ihr an bzw. ab? (z. B. die Matte, den Raum, ...)
    • Wo ist der Hintergrund dieses Rituals in Eurer KK zu finden? (z. B. Kultur, Religion, ...)
    • Wie erklärt Ihr es Euren Schülern und in welchem Kontext? (z. B. in der ersten Trainingseinheit oder nebenbei)
    • Seht ihr einen pädagogischen Wert in diesem Ritual? (gibt es z. B. Kindern bzw. Jugendlichen etwas? ...was?)


    Es stand ja die Frage im Raum was wir warum machen.
    Gewiss hat jeder seine Ansicht dazu für wie sinnvoll er das ganze erachtet, aber das war nicht die zentrale frage.
    ...

    ... also ich denke schon, dass gerade das die 'zentrale Frage' war ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Hi Inoshishi,

    Genauso wie keiner dich zwingt an Futsunushi no Mikoto zu glauben, verbietet es dir ebenso keiner das Ritual nicht auch eigenen Inhalt zu füllen.
    Ich als agnostischer Atheist zum Beispiel Nutze das Ritual zur Transition von Alltag zum Training und vom Training wieder zum Alltag und die Verbeugung vor Futsunushi
    no Mikoto interpretiere ich als meine Wertschätzung gegenüber dieser ca. 550 Jahre alten Tradition und all meinen Vorgängern(in der Tradition).


    hier habe ich kurz einige Verständnisfragen.


    Bedeutet, dass es kein Verbot zum Füllen mit eigenen Inhalten gibt, dass dieses Tun explizit erlaubt und vorgesehen ist? Ist das Toleranz oder gar anerkannte Lehrmeinung bis hin zu Japan?


    Die zweite Frage bezieht sich auf die Tradition. Darf ich das Geschriebene so verstehen, dass Du die Tradition wertschätzt, ihr aber in Bezug auf das Ritual aufgrund Deines Atheismus' selber nicht folgst? Wenn ja, schaffst Du damit in dem speziellen Fall einen Traditionsbestandteil für Dich selbst ab und beginnst, Deinen eigenen Weg zu gehen und zu tradieren?


    Interessierte Grüße


    Mac

  • Bedeutet, dass es kein Verbot zum Füllen mit eigenen Inhalten gibt, dass dieses Tun explizit erlaubt und vorgesehen ist? Ist das Toleranz oder gar anerkannte Lehrmeinung bis hin zu Japan?


    Die zweite Frage bezieht sich auf die Tradition. Darf ich das Geschriebene so verstehen, dass Du die Tradition wertschätzt, ihr aber in Bezug auf das Ritual aufgrund Deines Atheismus' selber nicht folgst? Wenn ja, schaffst Du damit in dem speziellen Fall einen Traditionsbestandteil für Dich selbst ab und beginnst, Deinen eigenen Weg zu gehen und zu tradieren?

    Ist das füllen mit eigenen Inhalten explizit erlaubt und vorgesehen?
    Weiß ich nicht. Es ist aber etwas was zwangsläufig passiert wenn für einem selber gewisse Prämissen nicht zutreffen, schließlich spielt bei uns keiner Gedankenpolizei oder versucht einen in Shintoismus zu indoktrinieren.
    Jemanden in Shinto zu indoktrinieren ist so gesehen auch ziemlich unmöglich, da Shinto kein Dogma kennt. Weswegen es für uns Westler auch so schwer zu verstehen und greifen ist.
    (Fun Fact: In Japan gab es vor dem 19.Jhd kein Wort für Religion)


    Und wieso folge ich nicht einem Teil der Tradition? Weil ich nicht an die Existenz des Gottes Futsunushi no Mikoto glaube?
    Hier liegt das Missverständniss: Es ist Teil unserer Tradition uns vor Futsunushi zu verbeugen, es ist nicht Teil der Tradition an ihn zu glauben. ;)


    Zusatz:
    Es ist vll auch noch wichtig zu erwähnen das das Konzept eines Kami nicht 1:1 mit der Existenz eines Gottes im Sinne der Abrahamischen Religionen gleichzusetzen ist.
    Eine andere Übersetzung ist auch nur Geist.
    In diesem Sinne kann man argumentieren: Existiert Futsunushi als Gottheit der physikalischen Einfluss auf die Welt nimmt? Höchst wahrscheinlich nicht.
    Aber Futsunushi existiert als Konzept, als Idee, als Legende und Mythe in den Köpfen der Leute und damit auch sein Geist.

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von Inoshishi () aus folgendem Grund: Zusatz

  • Hallo,


    ich versuche es auch mit einer Antwort.


    Was Mac schreibt, kenne ich aus dem Karate oder Taekwondo.
    In unserem Verein - Karate - gehört es dazu, daß bestimmte Dojo-Regeln beachtet werden.
    Ich kenne es auch, daß an der Wand die Dojo- oder Dojang Vorschriften deutlich lesbar hängen.


    1) Bevor wir die Trainingshalle betreten grüßen wir den " Raum " Dojo .
    Da wir hier unsere Kampfsport-Art ausüben und legen damit den Alltag vor der Tür ab.
    Wir verbeugen uns vor dem Training vor dem Meister, der uns seinen Kampfsport lehrt.
    Aber auch vor dem Trainingspartner als Ausdruck, ich werde immer auf Deine Gesundheit achten.
    Dann kommt eine sehr kurze Zeit der Meditation.


    2) Der Begriff Dojo soll ein buddhistischer Ausdruck sein.
    Wir bezeichnen unsere Turnhalle als unser Dojo und versuchen das von japanischen Meistern gelernte Verhalten,
    dort zu leben.
    Respekt, Disziplin, Höflichkeit,


    3) Do das habe ich bei Seo Yoon-Nam gelernt. Ist ein Teil der koreanischen Kultur.
    Der Weg ist das Ziel.
    Ob ich das Europäer völlig verstehe? Ich komme aus einer völlig anderen Kultur.


    4) Wir versuchen die Techniken so perfekt auszuführen wie möglich.
    Lernen eine Kata, Schritt für Schritt.
    Atmung - Anspannung- Entspannung.
    Sparring bedeutet sich mit dem Partner zu messen. Aber auch daran zu denken, ohne Partner könnten wir unsere Kampfsport-Art nicht lernen.


    5) Abgrüßen nach dem Training.
    Ist ein Danke für die Ausbildung durch den Sensei, der Sensei dankt den Schülern/innen für ihr Vertrauen, daß sie versuchen die Kampfsport-Art die er
    vermittelt wirklich zu lernen.
    Ohne Wenn und Aber.


    Dies habe ich, das möchte ich betonen, nicht in allen Turnhallen in denen ich geübt habe gemacht.
    Der Trainer bestimmt welchen Weg die Schüler gehen.


    :)