Free- (Cage-) Fights als Quelle von Gewalt?

  • Meiner Erfahrung nach sind es vor allem Laien, die diesen Bushido-Kram weiter hochhalten. Die koryu-Leute, mit denen ich bisher zu tun hatte, wussten alle mehr oder minder ausführlich, was es mit dem Sammelbegriff Bushido auf sich hatte. Auch höre ich häufiger von modernen jap. KK-Ausübenden Bezüge zum Bushido als von den Koryu-Ausübenden.


    Aber ja, Fakt bleibt, dass dieses ganze "Hochphilosophieren" von KK (aus europäischer Sicht) sehr stark in japanischen KK zu finden ist. Frag ich mich jetzt: Liegt das daran, dass es das in anderen asiatischen KK nicht gibt oder "nur" daran, dass es in Europa/USA lediglich nicht bekannt ist? Benjiro bezog sich ja auch auf Hollywood als Quelle... so gruselig das ist.


    Sorry, merke gerade, dass das doch sehr OT geht.

  • Ja es war minimal OT, aber ich denke, das das Umreißen dieses Themenkomplexes "Phantasievorstellung contra Realität" gar nicht einmal so falsch ist.

    Immerhin werden ja viele KK als Vergleich zum Käfigkampf herangezogen weil sie angeblich friedfertig und sanft sind. Aikido z.B. sieht man sich das klassische Aikido an, das ist alles aber nicht kuschelig.

    Ich glaube gelesen zu haben das zu Ueshibas Zeiten durchaus mal einige Knochen gebrochen wurden beim Training.

    Sollte das stimmen, dann wäre Aikido genauso brutal wie Käfigkämpfe im MMA.

    Also müsste man weiter argumentieren : Aikido verleitet zur Gewalt wenn man es analog betrachtet.

    Genau das passiert aber eben durch die philosophische Überhöhung nicht.

    Was würde denn passieren wenn die Käfigkämpfe aus Japan kämen und eine Tradition hätten und daraus resultierend diese Überhöhung.

    Wären sie dann immer noch brutal ?

    Der öffentlichen Wahrnehmung nach vermutlich weniger als so.

  • Na ja, das Bild vom 'edlen Krieger' ist doch zu allen Zeiten in allen Ländern zu finden,

    es steht einfach für den Wunsch, die Welt ein bisschen besser zu machen ...

    Und die Sportart MMA hat nun mal nichts, aber auch gar nichts mit diesem Weltbild zu tun.


    Käfigkämpfe sind eine öffentliche Zur-Schau-Stellung von Kämpfern, die sich dafür bezahlen lassen,

    und solange es Gaffer gibt, die für die Betrachtung zahlen, wird es auch 'Kämpfer' geben,

    die bereit sind, dafür ihre Gesundheit zu ruinieren.

    Auch das ist ein Aspekt unserer Gesellschaft ...

  • Na ja, früher hatte man das Kirmesboxen z.:B da hat sich auch nie jemand aufgeregt. Auf die Idee das es Gewalt fördern könnte, darauf ist schon gar keiner gekommen.

  • Zitat

    Benjiro bezog sich ja auch auf Hollywood als Quelle... so gruselig das ist. Sorry, merke gerade, dass das doch sehr OT geht


    Das stimmt überhaupt nicht, ich habe Hollywood überhaupt nicht als Quelle angegeben.


    Ließ mal genau was ich sagte, ich sagte Hollywood übermittelt den Mythos des Bushido mit diversen Figuren in Filmen. Das ist keine Quellen Angabe, sondern ein Fakt.


    Ich hab nie Hollywood als Quelle angegeben, das totaler Quatsch.

  • Seit Jahrzehnten ist im Kampfsport immer eine Lehre und Philosophie zu finden, selbst Hollywood überliefert diese immer in ihren Filmen mit Meister Miyagi in Karate Kid oder Pai Mei in Kill Bill, Bruce Lee in Karate Tiger usw.

    Ja, man kann Deinen Satz auch anders lesen. Für mich liest sich der Verweis so, als ob Du Dich auch auf die Hollywood-Darstellungen beziehst und damit Deine Aussage, es finde sich seit Jahrzehnten immer eine "Lehre und Philosophie" im Kampfsport, unterstützt.

  • Ich hab als Quelle die Drei Reichseiniger angegeben und bestätigt, dass sie auf solche Methoden wie Meuchelmord zurückgreifen haben, aber hervorgehoben, um Frieden zu schaffen.


    In Foren wird einem immer das Wort im Mund umgedreht komischerweise.

  • Ja, man kann Deinen Satz auch anders lesen. Für mich liest sich der Verweis so, als ob Du Dich auch auf die Hollywood-Darstellungen beziehst und damit Deine Aussage, es finde sich seit Jahrzehnten immer eine "Lehre und Philosophie" im Kampfsport, unterstützt.

    Ich würde mich nie auf Hollywood beziehen und dieses als Quelle angeben. Das wäre Größenwahn.


    Ich Achte den Bushido aber und es ist auch logisch, dass er manchmal auch zurechtgelegt wie man ihn Grad brauchte, wie die oberste Direktive in Star Trek.


    Aber dafür kann der Kodex nichts, sondern nur die einzelnen Personen. Der Kodex ist ja kein lebender Organismus, sondern etwas vom Menschen erfundenes. Das macht den Kodex ja nicht weniger minderwertiger, nur weil den sich jemand grade mal zurechtlegt, um sein Ziel zu erreichen.


    Der Kodex kann ja nicht sagen, ey Du Penner hast mich grade missbraucht für Deine miesen Aktionen.

  • Täter: Ja ey du Kodex, bist zwar ganz toll aber passt mir grade nicht so wie ich dich brauche.


    Kodex: Und ich bin dann wieder der dumme, weil du unschuldig davon kommen willst.


    Täter: ja einer muss es ja sein und du kannst dich nicht verteidigen und ich muss es nicht mehr wenn ich ins Gras beiße.


    Verstanden was ich damit sagen will.

  • Nein, den drei Reichseinigern ging es nicht um das Reich, sondern um die eigene Macht.

    Wäre es wirklich um Frieden gegangen, was sollte dann z.B. der Korea Feldzug Hideyoshis ?

    Wäre es ihnen wirklich nur um Einigkeit gegangen, es gab ja noch das Ashikaga-Shogunat bis 1573. Sie hätten es einfach nur stabilisieren müssen.

    Oder wie wäre es damit ?

    Der liebe Matsudaira Hideyasu, später Tokugawa vernichtete eben mal die Erblinie des Reichseinigers Hideyoshi die unter der Kuratell des Rates es einfach hätte so weiterlaufen lassen können.

    Wurde aber nicht gemacht. Anstelle dessen wurde das Land eben mal gespalten in die West und Ost-Allianz die sich dann nett in Sekigahara anno 1600 meuchelten.

    D.h. eine intakte Struktur wurde wieder aus Machtgier zerstört.


    Was den Kodex angeht : Man zeige mir eine schriftliche Aufzeichnung des Kodex. Es gab nie eine weil des den Kodex genauso wenig gab wie den Ritterkodex per se. Es gab einige Spielregeln die mehr oder minder ausgelegt wurden und mit der Zeit variierten. Mehr aber auch nicht.

  • Es gibt KEINEN Kodex namens Bushido, der tatsächlich einheitlich von einer Mehrheit der Samurai gelebt wurde. Wenn Du persönlich Deine Vorstellung von Bushido als Leitbild für Dein Handeln erwählt hast, ist das ja ok. Freut mich immer, wenn jemand etwas Wegweisendes für sein Leben gefunden hat. Aber schreib bitte nicht weiter faktisch Falsches in öffentliche Foren.


    Den drei Reichseinigern war nicht Frieden wichtig, sondern Machtergreifung. Siehe meine Zeilen zu Nobunaga. Der Mann ist von seinem EIGENEN Gefolgsmann "umgebracht" worden, wahlweise weil Nobunaga zu machthungrig, grausam oder einfach ein unangenehmer Mensch war, vielleicht auch weil Akechi Mitsuhide irgendwas gegen Nobunaga hatte. So ganz genau wissen wir das nicht. Nobunagas erklärtes Ziel war die Weltherrschaft, oder zumindest ganz Japan und ein bisschen drumherum. Das Tokugawa-Shogunat hat sich dem gesamten Katalog totalitärer Maßnahmen bis hin zur Ausrottung ganzer Clans und Dörfer bedient. Denn "Frieden" hieß, dass kein anderer stark genug war, die eigene Macht zu gefährden.

    Samurai testeten die Qualität ihrer Waffen an Lebenden und bei weitem nicht immer an Zum-Tode-Verurteilten (Stichwort tsujigiri). Ein guter Teil der Schwert-Zieh-Techniken der verschiedensten alt-japanischen Kampfkunstschulen (koryu) sind Meuchelmord-Techniken gewesen. Kämpfe wurden mit allen möglichen Mitteln, darunter auch alles an "ehrlosem" und "unfairem" Zeug durchgeführt. Ehre bringt einer Leiche nämlich wenig. In kürze: Moralische Bedenken gehen ziemlich schnell über Bord (bei den meisten Menschen), wenn es um das eigene Überleben geht.


    Im Übrigen besteht ein Unterschied zwischen Quelle und Quellenangabe.


    Nochmal zum Thema: Aus der Forschung zum Thema Aggression/Gewalt wird recht häufig deutlich, dass Aggressions- und Gewaltdarstellungen (egal in welcher Form) vor allem von Leuten aufgesucht werden, die eine gewisse Grundaggression mitbringen. Soll heißen, Cagefight macht nicht die Leute aggressiver, sondern aggressivere Leute schauen sich Cagefights an. Meiner Meinung nach gab es das schon immer in der Menschheitsgeschichte: von römischen Gladiatorenkämpfen über mitteralterliches Buhurt sowie Kirmesboxen bis zum Cagefight. Im Westen nichts Neues.

  • So Freunde jetzt mal als Mod, auch wenn mir das andere Thema Spaß macht, wir müssen zurück zum eigentlichen Thema kommen.

    Über den Bushido kann ja jemand einen thread eröffnen. Da können wir weiter spielen.