Wie lehrt man richtig ? Ist nur ein Hochgraduierter ein Spitzenlehrer ?

  • Ich weis diese Frage ist nicht absolut abzuhandeln oder zu beantworten.


    Meine Antwort wäre aber folgende :
    Das hängt großenteils vom Verhältnis Lehrer / Schüler und dem zu Grunde liegendem Lehrsystem ab.
    Wenn der Schüler eher Marke Frosch ist der nur das Mündchen aufreisst und sagt füttere mich !
    Das wird schwierig.
    Ist der Schüler jemand der erstmal den Anweisungen folgt danach aber kommt und einem ein Loch in den Bauch fragt : Besser geht es nicht.
    Dito bei den Graduierungen.
    Ich habe manchmal den Eindruck das so einiges verquer läuft.
    Es werden ja Prüfungen abgehalten, aber wird da wirklich das Verständnis vor allem bei den Dan-Graden abgeprüft, die Lehrfähigkeit ?
    Ich habe ehrlich gesagt nicht den Eindruck.
    Das Ergebnis sind dann z.B. Go-Dan die einem nicht einmal beibringen kann wie man ein Schwert richtig hält...
    Auf der anderen Seite gibt es bei den Kyu Senpei die wirklich gut erklären können.
    Ich schlage hier mal mit einer Phrase zu : Nur wer etwas wirklich verstanden hat kann es auch erklären.


    So weit meine wirre Sicht der Dinge.
    Gruß
    Euer
    Kaji

  • Ja, euer Verwirrtheit.
    Im Grunde hast Du es auf den Punkt gebracht. Nur weil man einen hohen Dan hat ist man noch lange kein guter Lehrer. Leider habe ich das selbst schon des Öfteren beobachtet.
    Ich habe für mich festgestellt, dass man das Lehren auch lernen muss, Nebeneffekt sich selbst mal zu überprüfen. Und das in jedem Training!

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • ... und dann gibt es da noch den Mathematikschüler, der angesichts einer Aufgabenstellung losplärrt:
    "Was soll ich denn nu mach'n?"

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Man kann auch ein Talent haben um Dinge einfach und verständlich rüber zu bringen.
    So wie es auch Zuhörer/Schüler gibt die ein gutes Auffassungsvermögen haben und solche bei denen du mit Trichter und Hammer nichts in den Kopf bekommst.
    Ich mache es auch gern so: Ich erkläre es dem einen. Wenn ich das Gefühl habe er hat es verstanden und begriffen, soll er es dem nächsten vermitteln. So sehe ich ob ich es Richtig vermittelt habe und auch ob es der Zuhörer/Schüler auch wirklich verstanden hat. Zu dem fördere ich genau diese Fähigkeit oder auch Talent des Lehrens beim Zuhörer/Schüler..


    So is mein Ding ^^
    Ach wie ging der Spruch noch bei Karate Kid? Schlechter Lehrer, schlechter Schüler. Guuuter Lehrer, guuter Schüler. :D

    "Die Wahrheit versteckt sich oft hinter Lügen"
    Meins!! :D

  • Na da greif ich mal die Überschrift und die Schlußphrase auf:


    1) hochgraduiert = Spitzenlehrer
    Kann aber muss nicht. Eine Graduierung sagt nichts über Lehrfähigkeiten aus. Wenn man in etwas graduiert ist, bedeutet noch lange nicht das man es auch lehren kann.


    2) eigenes Verständnis sollte Vorraussetzung sein.



    Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass eine Graduierung nicht unbedingt die Fähigkeiten wiederspiegelt. Im Laufe meiner KK-Laufbahn habe ich genug "schwarz Gurte" gesehen, die vielleicht Mittelklasseschüler waren. Dann waren da noch diejenigen die eine Graduierung aus anderen Systeme geschenkt (ach ja das heisst verliehen" gekommen habenm, oder ihr eigenes System kreiert haben und den x.ten Blck Belt haben...


    Zusammen gefasst kann man sagen: Eine Pfeife ist eine Pfeife - mit oder ohne Graduierung ;)

  • Ich werfe auch gerne mal ein Blick in die Realität außerhalb der Kampfkunst: Da gibt es studierte Lehrer... nicht jeder erreicht seine Schüler oder ist mit dem Studium per se ein guter Lehrer. Das gilt im Übrigen für jede Profession oder jeden Beruf. Warum soll also ein hoher Dan-Träger per se ein guter Trainer sein?


    Noch ein anderer Blickwinkel auf die Realität innerhalb der Kampfkunst, verbunden mit einem noch anderen Gedankengang: Jetzt könnte ich BL nehmen, verweise aber eher auf den lebenden Dan Inosanto. Meiner Meinung nach ein Super-Mentor, den Schülern sehr nahe, wissend, begleitend und immer irgendwie den richtigen Abstand haltend. Jetzt sollte man meinen, dass ein Inosanto nur gute Schüler hervorbringt. Das ist aber nicht richtig. Bliebe also die Frage zu klären, woran man denn genau "gute Trainer" festmacht? Es muss doch für die vielen Schüler, die bei Inosanto nur mittelmäßig gut geworden sind, frustriert sein, wenn sie erkennen, dass auch er nicht "zaubern" kann?


    Will sagen: Wenn man "Werbung" für einen guten Trainer (was immer das sein mag) macht, ist das keine Garantie dafür, dass man bei einem "guten Trainer" auch selbst wirklich - praktisch automatisch - gut wird. Übrigens gibt es dann ja sicherlich auch schlechte Trainer (?)... hieße es denn, dass niemand bei einem schlechten Trainer auch gut werden kann? Und wie ist das überhaupt: Entscheidet sich ein Trainer von alleine "gut" oder "schlecht" zu sein? Ich meine: Niemand wird doch extra ein "schlechter Trainer"... ?


    Woraus sich die Frage ergibt: Warum thematisieren wir das Thema "guter Trainer" eigentlich, welchen Sinn macht es, wenn es doch letztlich nur um Individualität geht, nämlich das, was BL schon in den 1970er Jahren schon wusste?

  • Für jeden Topf den absolut passenden Deckel zu finden und das innerhalb einer Gruppe dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein.
    Was aber machbar sein sollte aus meiner Sicht bei vernünftiger Schülerauswahl ist ein Deckel der so halbwegs bei den meisten und bei einigen halt perfekt passt.
    Ich habe gerade ein Wort benutzt. "Schülerauswahl". Ich sehe es so. Der Lehrer hat durchaus auch das Recht zu sagen "nein das wird Nichts" wie auch der Schüler das Recht hat zu sagen "Nein das passt nicht"
    Dummerweise ist das in der heutigen, vielfach nur noch Kommerz orientierten KK Struktur unmöglich. da muß ein Lehrer den Wackeldackel mimen und jeden annehmen ausser es wird wirklich zu grob. ( Schläger z.b. )


    Was aber auf Paladins Aussagen stimmen dürfte . von einem Guten, kenntnisreichen Lehrer kannst du unter passenden Umständen lernen. Von einem Scharlatan eben nichts, selbst wenn man harmoniert.

  • Hi Kaji,


    von einem Guten, kenntnisreichen Lehrer kannst du unter passenden Umständen lernen. Von einem Scharlatan eben nichts, selbst wenn man harmoniert.

    Es geht aber auch anders: ich kann an einem schlechten Vorbild sehen, wohin mich mein Weg niemals führen soll und mich immer wieder bemühen einen anderen Weg zu gehen. Nichts ist völlig umsonst.


    Winke


    Mac :-)

  • Schwieriges Thema - weniger vom sein als von der Definition!


    Ich traue mir zu- aufgrund der Erfahrung - einen guten Lehrer/Trainer erkennen zu können.
    Und das vollkommen unabhängig von der Graduierung. Kenne Leute mit dem x-ten DAN, das sind echte Pfeifen, kenne aber auch "niedrig" graduierte, da würde ich jeden hinschicken.
    An einer Graduierung kann man es nicht festmachen - übrigens auch nicht an einer Trainerlizenz oder an sonstigen Bescheinigungen.
    Man hat dann zwar die (so sagen wir im Projektmanagement immer) "reine Theorie", aber das erlernte dann auch entsprechend umzusetzen kostet viel Blut,Schweiß und Tränen.
    Und manche werden es niemals lernen. - Was für mich persönlich eine hohe Graduierung schon wieder ausschließt, denn dann hat der-/diejenige nicht verstanden, es nicht verinnerlicht.
    Ob in Mathe, Englisch, Deutsch oder einer Kampfart - Gute Lehrer werden immer eine Vielzahl von guten Schülern haben. Auch wenn der ein oder andere - oft dann aber mit einem relativ guten Gefühl - auf der Strecke bleibt.
    Denn ein guter Lehrer wird auch vermitteln können, wenn es nicht das richtige für einen ist.

  • Also meine 2 Cent dazu,
    ich beziehe mich einfach mal aufs Berufsleben und meine Persönlichen Erfahrungen im Bereich lernen und lehren.


    Ich habe mehrere Kategorien an Lehrenden kennengelernt.


    Da hätten wir einmal den Mitarbeiter der sein bestes versucht aber leider ist er nicht im Stande sein Wissen konstruktiv zu vermitteln und sich dem "Lehrling" entsprechend anzupassen.


    Des weiteren gibt es noch den Mitarbeiter, der gar nicht will das sein gegenüber viel Wissen erhält, denn dann könnte dieser ja besser werden.


    Und dann haben wir noch den Mitarbeiter der sich auf den einzelnen "Lehrling" einstellen kann und diesem sein Wissen so vermittelt das man es auch versteht.


    Ganz zum Schluss noch der der überhaupt nicht in der Lage ist jemandem was beizubringen und auch keine Lust dazu hat.


    Für mich persönlich hat das nichts mit dem Wissensstand zu tun sondern mit dem Vermögen sich der Situation anzupassen jemandem etwas beizubringen. Dem einem reicht es etwas erklärt zu bekommen, der andere braucht noch eine Zeichnung dazu und der letzte muss es auch noch "fühlen" können und somit ist jeder "Schüler", "Lehrling" gesondert zu betrachten und der Lehrende muss in der Lage sein sich dessen anzupassen und die entsprechende Lehrmethode anzuwenden.


    Grüße
    Björn

    Wer Tai Chi übt, wird geschmeidig wie ein Kind, gesund wie ein Holzfäller . und gelassen wie ein Weiser.
    (Das mit der Gelassenheit will noch auf sich warten ;-) )

  • bleiben wir mal bei den kk ...
    was ist eigentlich mit den kk, in denen es keine graduierungen gibt?
    :D

  • Hallo zusammen,
    Ich bin der Meinung, dass eine wie auch immer geartete Graduierung nichts über die Qualität als Lehrer aussagt.
    Für mich essentiell bei einem Lehrer:
    Ein klares Ziel seiner Schüler vor Augen und die entsprechende Didaktik, seinen Schüler dort hin zu führen.
    Da spielt es keine Rolle, ob das ein Superweltmeister oder "Dieter von nebenan" ist.


    Ich haue mal plakativ heraus:
    Schaue dir die Schüler an und du weißt, wie gut der Lehrer (als Lehrer!) ist.

  • Hi Shugyosha,

    Schaue dir die Schüler an und du weißt, wie gut der Lehrer (als Lehrer!) ist.


    ja und nein.


    Nein, weil es auch Lehrer gibt, die nicht das gelbe vom Ei sind, es unter ihnen aber Schuler gibt, die selber dafür sorgen (müssen und es tun), dass sie weiter kommen und sich unabhängig vom Lehrer entwickeln.


    Winke


    Mac

  • Hallo Mac,
    Du hast recht, aber ich denke, dass diese Schüler die Ausnahmen unter diesem Lehrer sind.


    Ich formuliere mal anders:
    Wenn ich auf einem Seminar Schüler eines anderen Dojos sehe und den Eindruck habe, dass die Jungs (und Mädels) gut drauf sind, so schließe ich eher darauf, dass der Lehrer gut ist, als wenn da ein Haufen Krampen herumturnt.

  • Ich kann nix, das aber gut vermitteln.
    Ich denk immer, es kommt darauf an, wie gut Lehrer und Schüler zusammen passen. Sicher sollte man als Lehrer halbwegs einen Plan haben und auf Menschen zugehen können. Aber eine Graduirung hat mMn nichts famit zu tun.

  • Hey,
    Ich habe mir auch damit beschäftigt wie man wirklich gut wird und wie Fortschritt passiert.
    Bin auf das Buch "Mastery" gestoßen und finde es ziemlich genial mit seinen 5 Schlüsseln.
    Habe die Grundideen in einer Animation zusammengefasst.
    Was haltet ihr von den 5 Schlüsseln von George Leonard?

  • Da sage ich doch :
    Erstmal : Willkommen hier im Forum ! :)
    Was sage ich zu diesem Schlüssel :
    Da fehlt etwas : Talent, Begabung. Ohne das wird man niemals über gutes Mittelmaß herauskommen.
    Ein Musiker der kein brauchbares Gehör hat kann voller Hingabe mit Spitzenlehrer sich zu Tode üben, ein guter Musiker wird er nicht.
    Anders Beispiel : Togi, Schwertschleifen. Man kann Leute lehren wo sie Hinzusehen haben, aber wie man richtig sieht, da ist die halbe MIete Begabung. Selbst mit den besten Lehrern können sie eben keine Stahlfarben sehen. Damit auch hier maximal Mittelklasse.
    Fazit : Dieses System verspricht etwas was es so nicht halten kann.
    Gruß
    Kaji

  • mh... Talent - Begabung - Einstein und andere haben mal gesagt, Erfolg sind 1% Talent und 99% Arbeit (oder so..).


    Meine Erfahrung ist eher, dass die Leute, die angeblich Talent haben, eigentlich nichts weiter als VORHER das dazu Notwendige getan haben, um die Voraussetzung mitzubringen, leichter Erfolg in dem Bereich zu erhalten, wo sie angeblich ein besonderes Talent vorzuweisen haben. Ist das ganze durch Spaß und Freude entstanden, aber müssen diese "Talente" dann mal Arbeit irgendwo reinstecken, was nicht soviel Spaß und Freude bereitet und wo es eben mal ein wenig härter wird, dann fehlt das, was das eigentlich Wichtige beim Lernen wäre: Ausdauer, Durchhaltevermögen und Methoden, wie man sich selber Motivieren und Inspirieren kann, auch wenn es eben mal nicht so toll läuft. Inzwischen weiß man ja auch, dass die genetischen Voraussetzungen zu einem Teil sogar während des Lebens verändert werden können, da ist die Eigenschaft "Talent" als angeborene Fähigkeiten durchaus infrage zu stellen.


    Motivation - Inspiration. Ein guter Lehrer/Mentor bringt eben genau das rüber. Er lehrt nicht nur, macht Dinge einfach, zeigt auf, sondern er motiviert und inspiriert. Denn der Lehrer kann nicht dem Schüler seine Fertigkeiten geben, die muss derjenige sich selber erarbeiten und dazu braucht es Zeit und Hingabe. Er kann aber dafür sorgen, dass der Schüler einen Eigenantrieb erhält und mit eigener Faszination und Vision diesen neuen Bereich erforscht, denn die meiste Zeit wird immer der Schüler dran sitzen, seine Skills zu verfeinern und das geht nur mit entsprechender Motivation. Ist man auch noch mit Freude dabei, so lernt man 10x leichter, als wenn man "muss", wenn es eine "Bürde" oder Pflicht ist und das macht meiner Meinung nach einen guten Lehrer aus.


    - ein Trainer trainert Leute
    - ein Lehrer erklärt und lehrt
    - ein guter Lehrer macht komplizierte Dinge einfach
    - ein sehr guter Lehrer motiviert und inspiriert und ein Mentor geht weit jenseits des üblichen Lernstoffes, um zu motivieren und inspirieren.


    Man lernt auch nicht am besten durch lernen allein, sondern durch die Mittel oder Methoden, die es einfacher machen, die richtige Vernetzung zu erzeugen. Um maximale Fortschritte zu erhalten, braucht man entsprechende Verstärker für die Basis. Nutzt man nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, geht das eben langsamer oder gar nicht. Lern- und Zeiteffizienz ist da das A und O und sich die Zeit zu nehmen, genau dort mittels Zeit zu investieren, das tut sich eben auch nicht jeder an.


    bis 10%: Vorlesung -> passiv auditiv
    10% aktives Lesen
    20% passiv audiovisuell
    30% Demonstration
    50% aktive Diskussionsteilnahme
    75% Praktisches Tun und Machen
    90% aktives Lehren und erklären
    90%+ zusätzlich richtige Lernkanäle effizient verstehen zu nutzen


    Das ist nur eine grobe Übersicht, aber sie ist sicherlich nicht völlig neu für jeden. Der Schlüssel dafür ist eben die Zeit. Sie ist die einzige Währung, die eben nicht so einfach herstellbar ist. Mit ihr kauft man sich Gesundheit, Krankheit, Geld, Armut, Familie, Liebe, Haß, Freunde, Kinder und alles andere. Man kann sie nicht einfach verdienen, man kann sie nur effizient verwalten. Ist man aber dazu nicht fähig, weil man meint, es verschwende Zeit, dann verschwendet man gerade einen entsprechenden prozentualen Anteil an allen andere Dingen in der Welt, die einen weiterbringen können, ohne es auch nur jemals wirklich zu realisieren.



    Man muss kein Talent sein, man braucht nur alle seine Sinne, aber dafür ein Maximum an Neugierde und Freude am Lernen - und das hat eigentlich jeder Mensch schon in die Wiege gelegt bekommen. Nur wird es in vielen Fällen von unserem Schulsystem oder von "fähigen" Lehrern im Laufe des Lebens kaputt getreten. Ein guter Lehrer bringt genau das wieder hervor - dazu ist aber auch ein Schüler nötig, der wirklich lernen will.


    "Es gehören zu so einer Geschichte immer mindestens "Zwei", die wollen"

  • Da sage ich mal Eines : Kurz und knapp sehe ich anders.
    Ich habe genügend Leute kennengelernt die haben sich über Jahrzehnte den Buckel rund geschuftet beim Schwert lernen, die sehen heute noch nichts trotz spitzen Lehrmaterial und super Lehrern.
    Ich kenne aber auch einige Leute die haben vorher noch etwas in der Form gesehen und voila : Ohne Anleitung sehen die das.
    Das gleiche Spiel auf dem Musikersektor.