lustiges Klingenraten oder: wir üben mal Kantei

  • ... ich warte irgendwie auf Ida.

    woher sollte ich das wissen? Bin doch erst gerade wieder 'geweckt' worden ...


    Habe mir das rätselhafte Samstagsding gestern Abend mal etwas genauer angeschaut,

    aber sonderlich weit bin ich damit nicht gekommen:


    'blackish' jigane und hada tatsu sieht nach Norden aus, Hokurikudo Straße,

    eine o-kissaki könnte Nanbokucho sein, ist es aber wahrscheinlich nicht, dafür ist die Klinge (ubu!) eigentlich zu kurz und zu dick,

    außerdem würde dann wohl auch doranba im hamon nicht passen,

    also geht es in Richtung revival;

    Shinshinto schließe ich wegen der lebhaften hada aus (zumindest habe ich sowas noch bei keiner Shinshinto-Klinge gesehen, was zugegebenermaßen ja nichts heißen muss ...),

    bleibt also Shinto übrig, ich denke da so an die Zeit um 1600 plus/minus 30 Jahre, wobei ich allerdings Zweifel habe, weil mir das Tapering der Klinge doch etwas zu deutlich zu sein scheint.

    Das nakago-jiri ist recht auffällig und wohl eher selten, aber ich kann im Augenblick keinen Schmied finden, der das so gemacht hätte ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Mmmh, von der Sugate könnten 2 Zeiten ganz gut passen: um die Kanei herum und Shinshinto. Abweichen davon könnte man bei Schulen nachschauen, die sich nicht sklavisch an den aktuellen Formenkanon gehalten haben.

    Shinshinto und lebhafter Hada: im Shinshinto gibt es 2 Extreme - hyperhochverdichteter Ko-Hada und Hada der so richtig auf die K***er haut, gerade was den Soshu-Den anbetraf.


    Zum Bleistift:

    http://www.nihontocraft.com/Ikkansai_Yoshihiro_Wakizashi.htm


    Wichtig bei unserem Teil ist der Überfluss an Ara-Nie! Wirklich richtig heftig über die gesamte Klinge! Das ist eigentlich typisch für Shinshinto. Aber auch im Shinto gab es Schmiede, welche solche Klingen "gebraten" haben.

  • gut, also wenn Herr Tsuruta Recht hat, und man im hamon wirklich doranba sehen kann, dann wäre Kanei wohl noch ein bisken zu früh, und ich sollte doch besser im Shinshinto suchen, zumal ich im Shinto nix richtig Passendes gefunden habe,

    mal sehen, was mir bis morgen noch über den Weg läuft ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Willkommen zurück ida.


    Also von der Form her....Nambokucho, Shinto Keicho-Kanei oder Shinshinto. Was auffällt ist die Spitze die ein wenig an den Kopf eines Barakuda '( Da fallen mir nicht sehr viele Schmiede zu ein ) erinnert. Das Nächste was mir zumindest in das getrübte Auge sticht, der blubbernde und schäumende Hada mit massiven nagare Elementen und einem Mix von Ko und O.

    Der Hamon mit dem Suguha artigen Schwänzchen passt auch ganz gut in die Suppe die ich braue. Das nie kann eine Bestätigung des Ganzen sein.

    Zeitlich lande ich im Shinto. Plums, bin aufgeschlagen in der Epoche um 1620 herum.


    Was das übertriebene wunderschön dekadente Nie angeht, Doi-Shinryu hat sowas z.:B gebaut. Aber nein, der ist es nicht und auch kein Satsuma-Kerlchen nicht.

  • gut, also wenn Herr Tsuruta Recht hat, und man im hamon wirklich doranba sehen kann, dann wäre Kanei wohl noch ein bisken zu früh, und ich sollte doch besser im Shinshinto suchen, zumal ich im Shinto nix richtig Passendes gefunden habe,

    mal sehen, was mir bis morgen noch über den Weg läuft ...

    Doch, doch Ida, auch im Shinto gab es Nie-Bratereien und mit Toran hat das Ding meiner Meinung nach nüscht zu tun. Als es im 19. Jhdt. die berüchtigten Aratemeshi-Wütereien gab (erinnere dich an Suishinshi Masahide) gab es neben den Osaka-Toran-Nie-Prügeln auch Schwerter einer bestimmten Schule/Schmiedes, welche besonders gerne brachen...

  • Also Toran sehe ich auch nicht. Was das Ara-nie angeht, da gab es wirklich einen ganzen Haufen im Shinto Was bei dem Schwert übrigens auch ein Knackpunkt sein dürfte ist das Yaki im Shinogi-Ji. Die Schule ist berühmt berüchtigt dafür überall irgendwelche Tempern auftauchen zu lassen.

    Noch ein kleiner Hinweis :Die Schule an die ich denke bestand bereits im Koto längere Zeit.

  • Die Frage ist nur im Namen aller Kantei-Götter, warum der beste Tsuruta aller Zeiten das nicht in die Oshigata gemalt hat. Zu übersehen ist es ja kaum.

  • Tja oh Meister aller Pummelkater, ich habe keinen noch so blassen Schimmer. Würde man übrigens die Beschreibung haben, ohne Bilder und ohne das Yaki, wäre das Ergebnis eine andere Schule. Soviel zum Thema eine Beschreibung reicht.... Was Oshigata angeht, ich gebe gerne zu das ist unendlich schwierig. ( Müßte mal wieder üben ) Aber gleichzeitig zwingt es einen förmlich in die Klinge hinein zu kriechen, ihr Wesen zu erfassen. Als Lehrmittel also wunderbar, tausend mal besser als Photos für den der zeichnet.

  • Da gebe ich dir absolut recht. Ich hatte ja erst vor kurzem das Vergnügen. Es ist wie ein Augenöffner. Anfangs tut man sich schwer. Hat man erst mal das Wesen erfasst, kommen die Details. Es ist wie ein Weg, den man noch nicht gelaufen ist. Man hangelt sich an markanten "´Gebäuden" und Landmarken" entlang. Ist man die Strecke dann mehrmals gelaufen, nimmt man die Feinheiten der Gegend eher war.


    Das Problem bei einer Kantei an einer körperlichen Klinge ist, diesen Prozess auf eine kurze Zeit zu komprimieren. Das Problem bei Tsurutas Ferndiagnosen ist, das seine Oshigata und die Klinge sehr oft unterschiedliche Wege gehen. Bei ihm ist es die Kunst, das zu sehen, was die Oshigata nicht zeigt und das nicht zu sehen, was sie einem weis machen will. Das Sahnehäubchen sind dann die Beschreibungen.


    Und nun harren wir mal Idas Eingebung. Schließlich ist sie mit Zaunpfählen gespickt, wie ein andalusischer Stier mit Speeren.

  • Und nun harren wir mal Idas Eingebung. Schließlich ist sie mit Zaunpfählen gespickt, wie ein andalusischer Stier mit Speeren.

    Na denn bleibe ich zunächst mal bei meiner ersten 'Eingebung':

    da hatte ich Hokurikudo Straße und ca. 1600 gesagt, nach euren 'Zaunpfählen' präzisiere ich die Zeit: 1620 plus minus 5 Jahre.

    So, und dann habe ich mich in den nördlichen Provinzen umgesehen und bin in Kaga gelandet,

    weil ich weder in Echizen noch in Etchu oder einer der anderen Provinzen eine Klinge gefunden habe, die zu unserer hier gepasst hätte, immer war irgend etwas 'verkehrt'.

    Nach längerem 'Wühlen' in den Schulen Kagas bin ich dann bei der Darani-Schule hängengeblieben, und mir scheint, dass die Arbeit von Ietada 1.gen. noch am ehesten zu unserem Rätselding passt.


    Hoffentlich habe ich mich jetzt nicht allzu sehr vergaloppiert ?(

    Sorry, dass ich in der Kürze der Zeit nicht mehr aus euren Zaunpfählen machen konnte,

    aber irgendwie waren die diesmal etwas 'sperrig' für mich ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Du, wir wissen diesmal alle nicht ob wir das richtige Pferd gesattelt haben.

    Meine erste Idee beim Querlesen der Beschreibung, mein Internet ist langsam , das Laden der Bilder dauert ewig, ja Richtung Horikawa. Dann kamen die Bilder und das große "Ähm ja, nein wohl eher nicht. Also weitergegrübelt und im Akkord der irren Verzweiflung der Stoppuhr noch schnell eine Antwort hingeschmiert : Mizuta Kunishige.

  • Freitag, so wie es sich gehört - Ordnung muss sein.

    Als ich unser Teil gesehen habe musste ich spontan an diesen Kollegen denken (man möge sich erinnern) http://www.nihonto.us/MIZUTA%20KUNISHIGE%202.htm

    Auch hier dürfte es um Kanei sein.

    Sicher ob es Kunishige ist, bin ich nicht. Das Problem, sein Arbeits- und Qualitätsspektrum variiert deutlich. Hier erinnert er stark an Nidai Kunisuke. Es gibt Klingen, da wackelt man mit den Ohren, und es gibt jene, da fragt man sich: was ist das denn?

    Mizuta-Klingen rangieren übrigens hinter Osaka-Shinto-Klingen gleich an zweiter Stelle auf Masahides Kaputtgeh-Liste.

  • Zitat

    Bicchu Kuni Mizuta Kunitsugu ... He had complete mastery over the Kunishige style.

    And he protect that style and made swords.

    (Quelle: https://www.aoijapan.com/appraisal-quiz-523/ )

    Jo mei, wenn der tatsächlich alles genauso gemacht hat wie sein Chef, wie soll man denn da erraten, dass er das war?


    Also auf zu der neuen Klinge:

    https://www.aoijapan.com/appraisal-quiz-523/


    Also wenn ich nicht glauben will, dass es sich hier um ein ganz hinterhältiges Ding handelt, das etwas anderes ist, als es auf den ersten Blick scheint,

    dann ist das 'Rätsel' bereits mit der tsurutischen Beschreibung gelöst:

    Nagamaki aus der Nanbokuchozeit, die Kombination aus Suguha und Chirimen verweist auf Aoe ...

    Oder sollte ich wieder mal etwas übersehen haben?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Was soll man dem hinzufügen? Auf ein Reflexionsbild hat er zu dem verzichtet. Bliebe noch der Charakter des Utsuri zu klären, aber ich vermag da nichts zu erkennen.

    Tsuruta langweilt mich. Die wievielte Aoe wäre das inzwischen? Warum hat er nicht den Toran-Masahide genommen?

  • nun eine wieder sehr schöne Klinge:

    ... aber sie ist wieder mal mumei ...


    Da ich mit der zeitlichen Einordnung etwas Schwierigkeiten habe, frage ich lieber mal zuerst nach,

    ob ich mit Muromachi 16.Jhd. richtig liege.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ach, Ida, schau mal die Sugata. Die Klinge wirkt breit und flächig. Ganz wichtig, das Stück zeigt kaum Tapering...