Implantieren

  • Eine sehr simple Frage die aber, so glaube ich, nicht so einfach zu knacken ist.
    Wie implantiert man wieder klassische Werte wie z.B. Respekt vor dem Menschen, seinem Eigentum in die Köpfe ?
    An allen klassischen Werten herrscht massivster Mangel, das Miteinander das diese ermöglichen ist katastrophal, es im Major nur noch ein Gegeneinader.
    Von der Frauenschändung über die Gewalt bis zur Menschenverachtung auf anderen Sektoren ; so geht es nicht.

  • Wie implantiert man wieder klassische Werte wie z.B. Respekt vor dem Menschen, seinem Eigentum in die Köpfe ?

    ... es ist Dir aber schon klar, dass Implantate Fremdkörper im System sind, oder?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Ich weis. Ich habe das Wörtchen mit Bedacht gewählt, denn all diese positven Dinge scheinen heute Fremdkörper zu sein.

  • Ich denke nicht, dass man das verordnen kann, geht halt nur über Vor-Leben.
    Sag mal zu einer gestressten Backwarenverkäuferin die Worte Bitte und Danke, sie wird zunächst überrascht sein........

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Den Gesischtsausdruck kenne ich nur zu gut. Eine ähnliche Wirkung hat ein fröhliches "guten Morgen"
    Das Seltsame ist aber das solches , vernünftiges Benhmen in meiner Kindheit üblich war. Heute ist das Gegenteil der Fall. Was hat dazu geführt ?
    Ich glaube wenn man das rausbekommt kann man auch dagegen angehen.

  • Meiner Meinung wird das seit Jahren durch die reduziert höfliche Umgangsform in Sozialen Medien sowie dem ungerechtfertigten Promistatus einiger bildungsferner Möchtegernhelden forciert.
    Menschen, die kaum in der Lage sind einen halbwegs vernünftigen Satz zu formulieren werden von kritiklosen Mitmenschen kopiert.


    Beginnt doch schon mittlerweile am Arbeitsplatz, schau Dir mal an was Du an mails bekommst! Eine mail ist nichts anderes als ein Brief, aber von Anrede/Grußformel, korrekter Rechtschreibung/Groß- und Kleinschreibung und so weiter haben anscheinend immer weniger Schreiber gehört. Ich reagiere auf solche Mails gern, in dem ich Teile der Ursprungsmail in korrekter Form wiederhole und erst dann kommentiere. Beim 2ten oder 3tten Mal geht es dann beim Absender :)


    Ich erlaubte mir kürzlich eine Mail einer Krankenkasse an mich folgendermaßen zu beantworten:


    Sehr geehrte Frau °°°° ,
    leider ist es mir nicht möglich Ihr Schreiben zu beantworten, Ihre Grammatik und Fragestellung lässt mehrere Deutungen des Sachverhaltes zu. Würden Sie bitte für mich noch einmal die Fragestellung exakter definieren?
    Ich danke Ihnen im Voraus...


    Über den mir zugesendeten Text war ich bei einer Krankenkasse doch sehr überrascht, ich sollte ihnen erklären warum meine 84 Jahre alte Mutter sich bei einem Sturz auf einem öffentlichen und schlecht beleuchteten Weg gestolpert ist und warum sie sich dabei 4 Rippen gebrochen hat? Die Fragestellung las sich in etwa so: Wie konnte sich Ihre Mutter 4 Rippen brechen, es handelt sich doch um einen Unfall auf öffentlichem Weg?


    K/

    Ihr seid doch wieder ohne Aufsicht....ich merk das doch!

  • Die Fragestellung las sich in etwa so: Wie konnte sich Ihre Mutter 4 Rippen brechen, es handelt sich doch um einen Unfall auf öffentlichem Weg?

    ... na ja, die Dame, die das schrieb, hatte während ihrer Schulzeit wohl einen 'Nachteilsausgleich' im Fach Deutsch ...


    aber darum geht es in diesem Thread doch eigentlich gar nicht,
    die Behauptung lautet doch:
    früher hatten die Leute noch 'Ehre' zwischen den Rippen ...

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Wo habe ich ewas von Ehre gesagt ?

    ... nirgends, ich bin nur etwas altmodisch und verknüpfe die Frage nach den 'klassischen Werten' mit diesem Begriff ;)

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • Mir ist das in den letzten Jahren ebenfalls stark aufgefallen und habe gerade erst am letzten Wochenende eine kleine Diskussion gehabt darüber.
    Es fehlen klar die 5 Tugenden, wenn nicht mehr. Die Grundwerte die damals schon Konfuzius aufgegriffen hat um eine funktionierende Kulturelle Ebene zu schaffen die eben auf Respekt und Höflichkeit basiert.


    Heute schimpfe ich Leute an mit ihrem übertriebenem Ego und Gier. Das macht kein Spass mehr.
    Denn jeder der sich an die wahren Werte hält und sich mit selbigen umgibt, der wird kein Stress, Feindlichkeiten und Eifersucht erfahren müssen.


    Idiotentum der Moderne... anders kann ich es nicht bezeichnen.

    "Die Wahrheit versteckt sich oft hinter Lügen"
    Meins!! :D

  • Eine sehr simple Frage die aber, so glaube ich, nicht so einfach zu knacken ist.
    Wie implantiert man wieder klassische Werte wie z.B. Respekt vor dem Menschen, seinem Eigentum in die Köpfe ?
    An allen klassischen Werten herrscht massivster Mangel, das Miteinander das diese ermöglichen ist katastrophal, es im Major nur noch ein Gegeneinader.
    Von der Frauenschändung über die Gewalt bis zur Menschenverachtung auf anderen Sektoren ; so geht es nicht.

    Ist das nicht nur der Blickwinkel Deiner Sicht?


    Ein anderer würde Dein Problem überhaupt nicht erkennen - weil Deine Werte für ihn gar nicht gelten bzw. von Bedeutung sind.


    Wie Kibon schon schrieb:


    Ich denke nicht, dass man das verordnen kann, geht halt nur über Vor-Leben.

    Beispiel dazu, tagtäglich im Berliner ÖPNV zu erleben: Gut organisierte, durchgeplante und verantwortungsbewusste Muttis und Papis schicken ihre Kinder nicht mehr in die Kita oder Grundschule um die Ecke, sondern es ist die hochqualifizierte Einrichtung die die Zukunft ihrer Bälger sichern soll. Dazu müssen die Plagen ewig weit früh im Berufsverkehr von den fürsorglichen und gestressten Eltern begleitete werden.
    Die Tür geht auf, die Göhre quetscht sich durch die Leute die gerade raus wollen und bekommt fast einen Heulkrampf, weil kein Sitzplatz in der überfüllten U-Bahn vorhanden ist. Nachdem die Tasche- oder Ranzenhinterhertragende Mutti oder der Papi es auch geschafft hat, in die U-Bahn zu kommen, wird dem Quengel lautstark gemahnt, so dass es auch jeder Fahrgast dessen Notlage mitbekommt, sich irgendwo ordentlich festzuhalten. Wird ein Sitzplatz frei, ertönt sofort die erregt-freudige Mittelung der Elternschaft an Karl-Friedjoff oder Anne-Marie, dass dort doch ein Platz frei wäre. Diese Mitteilung geht aber nicht nur an die Brut, nein, sie ist allgemein gültig, denn mit dem Ausruf gilt der Platz bereits an das Kind als vergeben. Ist das nun geregelt, wird das Kind fortan mit dem Inhalt der Brotbüchse oder Trinkflasche gefüttert und anderweitig bespaßt, damit keine Langeweile aufkommt.


    Es geht hier um die sofortige Befriedung von Bedürfnissen und die Erlangung und Verteidigung von Ressourcen gegenüber anderen. Du musst dir nehmen, was du willst, sonst nimmt es sich ein anderer. Das Kind wird auch später seinen Platz fordern, egal ob Alte oder Gebrechliche stehen, denn es wurde so erzogen: da ist ein Platz - nimm ihn dir! Der moralische Aspekt, auf dem Platz wären andere Leute aus irgendwelchen Gründen besser aufgehoben, wird gar nicht behandelt. So stellt sich auch später nie diese Frage.
    Wenn ich Hunger habe dann esse ich, auch im ÖPNV. Ich kenne es doch nicht anders. Andere sagen, es wäre verboten, aber wenn meine Eltern mir das vorgelebt haben, in dem sie mich alles haben essen und trinken lassen, also kann das Verbot doch kaum Bedeutung haben.


    Das ist das eine.


    Das andere ist, dass diese Eltern ja eigentlich mehr oder weniger meine Generation sind. Uns galten noch Grundsätze wie "der Jüngere sitzt zuletzt" oder" ich stehe auf für Ältere, Gehandicapte oder Schwangere" oder " Ich esse nicht in Verkehrsmitteln - weils auch eklig ist". Dennoch legen sie beim Nachwuchs andere Maßstäbe an. Warum - ich weiß es nicht. Fehlende Konsequenz? Gruppendynamik - es macht doch jeder so?


    Meine Tochter war letztens total perplex, als sie in der Straßenbahn aufstand, um einer älteren Dame den Platz an zu bieten. Die Dame reagierte nicht und um sich aufmerksam zu machen, ging sie 2, 3 Schritte auf diese zu. Schubs, saß auf den freigewordenen Platz eine andere junge Frau. Tochter meinte darauf hin zu ihr, sie wäre extra aufgestanden, um der ältere Dame diesen Platz an zu bieten. Die junge Frau tat überhaupt nicht der gleichen und blieb sitzen.

  • @sabiji
    Was Du hier beschreibst, ist nur ein Aspekt 'moderner' Erziehung:
    die verwöhnten Gören, die nie gelernt haben, Verantwortung für irgendetwas zu übernehmen,
    denen immer schon klar war, dass sie der Nabel der Welt sind ...


    dann gibt's da aber auch noch die 'Wohlstandsverwahrlosung':
    die Eltern erziehen ihre Kinder zur 'Selbständigkeit', indem sie alles ihnen selbst überlassen und sie wie kleine Erwachsene behandeln,
    und darauf sind sie dann auch noch schrecklich stolz (in Wirklichkeit ist das einfach nur sehr bequem ...)


    ... dann gibt es da noch die Kinder, die sich von der Gesellschaft benachteiligt fühlen,
    und viele weitere Facetten, so einfach ist die Sache also nicht ...


    ich denke aber, mit dieser Feststellung hast Du Recht:

    Ist das nicht nur der Blickwinkel Deiner Sicht?


    Ein anderer würde Dein Problem überhaupt nicht erkennen - weil Deine Werte für ihn gar nicht gelten bzw. von Bedeutung sind.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • DAs erstaunliche aber ist, das ein großer Teil meiner generation und die noch älterendas Problem auch so sehen, also dawürde ich mal sagen das es eher ein ehemals allgemeingütliges Wertesystem ist was heute komplett verlottert.
    Natürlich kann es indivduell sein einen vernünfdftigen Umgang miteinander einzufordern....

  • @ida Es war ja nur ein Beispiel von mir und sicherlich nur eine Facette, doch ist Erziehung in jedem Fall die Weitergabe von Werten und Sichtweisen.
    Na klar, ich kann ein Lied von singen als Tochter noch ein Frischling war. "Wir gehen gleich los und sind eine Weile unterwegs. Hast Du noch Durst?" "Nein!". Keine 10 Minuten später in der S-Bahn: "Ich habe Durst!" "Ich habe Dich gefragt, Du hättest noch trinken können. Jetzt gibt's erst was, wenn wir da sind!" "Huwääähhhh!" Irgendwann hat sie es geschnallt. Ich rede hier nicht von stundenlangen Urlaubsfahrten sondern vom ÖPNV mit dem wir selten länger als 30 Minuten unterwegs waren.


    Ein anderes bemerkenswertes Beispiel: ich habe im alternativen Stadtteil Friedrichshain mal mitbekommen wie sich eine alternative Mami und ein alternativer Papi fast das kloppen vor den Augen ihrer Kinder bekommen haben. Der Papa fand es uncool, dass die Mama mit Kindern bei Rot über die Ampel ging und äußerte sich kritisch, dass er das nicht gut fände. Das Ergebnis war ein lautstarkes Wortgefecht mit allerlei ganz alternativ-untypischen Kraftausdrücken.
    Natürlich, spontan und emotional bezieht man Kritik schnell auf sich, keine Frage. Aber ich erlebe es generell dass Kritik ausnahmslos persönlich genommen wird. Während ein Fehlverhalten bemängelt wird, wird es als persönlicher Angriff aufgenommen. Das fällt mir auch nicht immer leicht. Meiner Tochter habe ich eingehämmert, dass wenn ich laut wurde es ihr Verhalten betrifft, ihre Person aber dabei vollkommen außen vor ist. Sie sollte diesen feinen Unterschied stets im Hinterkopf haben.


    @KAJIHEI die Verflachung von Anstand, Benehmen und Werten sehe ich Altersübergreifend im Alltag. Es gibt genug Rentner, die sich wie die Axt im Walde benehmen. Andererseits erfahre ich auch von wesentlich jüngeren Menschen, auch Jugendlichen, dass dieser Verfall wahrgenommen wird. Das gibt mir Hoffnung.

  • Der Papa fand es uncool, dass die Mama mit Kindern bei Rot über die Ampel ging und äußerte sich kritisch, dass er das nicht gut fände. Das Ergebnis war ein lautstarkes Wortgefecht mit allerlei ganz alternativ-untypischen Kraftausdrücken.

    ... Mami und Papi auf Kindergartenniveau, tja, das kommt eben vor ...


    ich habe in meinem Beruf als Lehrerin schon viele solcher Mamis und Papis erlebt,
    mich wundert da gar nix mehr ;)

    Suche das Einfache und misstraue ihm.