Beiträge von Paladin

    shinken-shoubu schrieb:

    Ich persönlich halte den zweiten Weg für den öfter beschrittenen und ob man dann wieder zur Gesamtschau zurückkehrt oder gar selbst solche Bilder malt oder auch nur Elefanten oder Bäume malt, das ist dann einfach eine Sache der persönlichen Präferenzen und ALLE diese Präferenzen sind jeweils weder besser noch schlechter als die Anderen. Ausnahme wäre für mich jetzt beispielsweise das Fälschen solcher Bilder mit dem Ziele der eigenen Bereicherung unter Ausnutzung der Naivität Anderer (egal ob finanziell oder emotional) oder das ganz bewusste Anbieten von Elefantenbildern als Bildern von Bäumnen und umgekehrt.

    Ich persönlich bin Fan von nennen wir es mal Elefanten, möchte auch gar nicht Anderes zeichnen, weiß aber sehr genau, dass auf eine Leinwand i.d.R. mehr als nur ein Elefant passt.

    Es ging bei diesem Beispiel nicht darum, was einem Lieber ist, also ein Sonnenuntergang oder ein Elefant, sondern um ein Bildnis für Engstirnigkeit. Das gesellschaftliche Phänomen: Viele Menschen sehen einen Ausschnitt, meinen aber, dass Große und Ganze zu sehen. Was Ihnen fehlt: Die Erkenntnis, das in Bildung (auch Recherche) investierte Energie grundsätzlich zu mehr Bildung und mehr Überblick führt.

    shinken-shoubu schrieb:

    Den Gedanken sich nicht anpassen zu müssen/wollen und Dinge einfach an sich selbst anzupassen (sich selbst zu verwirklichen wäre der nächste Schritt) empfinde ich persönlich als einen überwiegend westlich geprägtes Ideal, wo das Individuum in den Vordergrund tritt, wohingegen in Fernost (ich schreibe DARÜBER i.S.v. Schuster bleib' bei deinen Leisten und ich komme, bin und bleibe halt dort verwurzelt) kulturell bedingt die Harmonie des Großen Ganzen erstrebenswertes Ziel ist vor dem der Einzelne auch einmal zurücktreten muss. Ich mag mir selbst am wichtigsten sein, für die Welt bin ich es aber nicht, sondern nur ein kleiner Teil des Ganzen.


    Aus meiner Sicht ist das kein Ideal, sondern eine Lebensphilosophie. Diese ist - in Deutschland - als Recht im Grundgesetz verankert: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Da steht nirgendwo eine Bedingung oder Abhängigkeit. Auch in den anderen Artikeln geht es grundsätzlich darum, das Individuum mit all seinen Fähig- und Fertigkeiten zu stärken und ihm zu sagen: Du bist das wichtigste, es gibt nichts wichtigeres, als Dich. Logisch weitergedacht endet diese Philosophie dort, wo die eines anderen beginnt. Da wir in Deutschland und nicht in anderen Ländern wohnen, ist auch dies anzuerkennen, zu respektieren und danach zu leben. Genau danach wird letztlich auch jedes Kind erzogen. Der sich dahinter verborgene Erziehungsstil heißt "sozial-integrativ", häufig auch nur kurz "domokratisch" abgekürzt (diese Bezeichnung ist mir zu politisch).


    Die "Kultur des Großen und Ganzen" ist keine reine fernöstlich dominierte gesellschaftliche Lebensform, sondern kommt so oder so ähnlich sogar in ganz vielen anderen Kulturen vor. Ein außerordentlich krasses Beispiel ist der Kommunismus. Äußerlich eine rein politische Gesellschaftsform, genauer betrachtet reicht sie bis in die letzte Zelle einer Familie. Auch hier muss der Einzelen auch mal zurücktreten. Er ist ein kleiner Teil des Ganzen. Demnach sind aber auch die Bedürfnisse und die Fähig- und Fertigkeiten, die jemand mitbringt, von keinem besonderen Wert. Diese Gesellschaftsform - egal wo sie zu finden ist - ist jedem Individuum außerordentlich feindlich gegenüber gesinnt. Blicken wir doch diesbezüglich einfach mal nach Russland oder aber - wo wir bei Fernost sind - nach China. Pädagogisch gesehen spricht man hier von "Kollektiverziehung" (interessante Lektüre: Makarenko - Der Weg ins Leben).


    Es gibt also noch einen Unterschied zwischen einer kampfkünstlerich geprägten Sichtweise auf den Menschen und dessen lebenspraktische Realität. Für mich ist eine Philosophie auch nur so gut oder so schlecht, wie die Rahmenbedingungen (Recht, Gesellschaftsform, Menschen- und Weltbild) es zulassen.


    In Deutschland würde ich Deinen letzten Satz so übersetzen: Für die Welt gibt es nichts wichtigeres, als Dich. Ich spinne mal weiter: Wenn Du das erkennst, erkennst Du Deine Lebensumwelt und Dein Gegenüber und gehst mit allem und jedem respektvoll und wertschätzend um. Übrigens nicht zu verwechseln mit Egoismus!

    shinken-shoubu schrieb:
    "Das System muss sich dem Anwender anpassen und nicht umgekehrt." empfinde ich oft als Ausrede dafür, Dinge nicht so meistern zu können oder wollen, wie sie gemeistert werden sollen und deshalb schlichtweg sein Eigenes Ding zu machen, weil's halt der einfachere Weg ist.

    Sorry, wenn ich Dir hier massiv widerspreche: Diese Sichtweise finde ich gerade im Hinblick darauf, dass sich jeder Mensch von einem anderen Menschen unterscheidet, eher herabwürdigend für das Individuum und sehr einfach gedacht, wenn es um jene Kunst geht, die keine Kommune, Gruppe oder Gesellschaft erstellt hat. Die Malerei, die Musik oder die Dichtung sind hervorragende Beispiele, die m. M. n. Deine Ansicht deutlich wiederlegen. Denn Kunst für sich ist prinzipiell Individuell. Wie wäre es, hätte man einem Goethe, einem Da Vinci oder einem Paul McCartney in die Hülle einer übergeordneten Ideologie gesteckt? In Deinen Worten ausgedrückt: Ja! Diese Künstler machen "ihr eigenes Ding", nicht, weil es der einfachste Weg ist, sondern weil es IHR Weg ist.


    Genauso funktioniert Kampfkunst. Der Mensch unterscheidet sich in diesem Kontext nicht nur durch Gewicht, Größe oder Reichweite, sondern auch durch Selbstbewustsein, Vorlieben, Courage, usw. Letztlich laufen wir alle auf unseren Beinen, jeder tut selbst dies allerdings auf seine Art und weise. Es gibt 1000de Dinge, die Menschen voneinander unterscheiden. Die Kunst soll Menschen nicht auf eine Ideologie hin filtern oder minimieren, sondern den Menschen in seinen individuellen Fähig- und Fertigkeiten und mit seinen physischen und psychischen Eigenschaften unterstützen, fördern und befreien. Nur durch diese Individualität haben Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen, Gedanken und Inspirationen auszuleben.


    Von daher ist es natürlich wesentlich einfacher für eine Sportart, dass sich alle an diese Sportart anpassen. Da sind wir wiederum bei dem philosophischen Wert eines Menschen. Richtet sich dieser danach, wie wertvoll der Einzelne für eine Gruppe ist, oder, was ein Mensch aus seinem Leben macht.


    Ein System, dass sich selbst für realitsitsch hält muss sich also seinem Anwender anpassen, weil nicht das System gegen einen Täter kämpft, sondern der Mensch. Wehe dem, wenn dann dieser Mensch nicht gelernt hat, selbstständig und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Anders gesagt: Jede Situation und jedes Problem ist anders. Es gilt also nicht, eine Lösung für jedes Problem oder jede Situation zu finden, sondern jemanden dazu befähigen, zu interpretieren, selbst zu entwickeln, selbst weiterzudenken.

    Erfahrungen auszutauschen ist völlig ausreichend. Mein Kritikpunkt: Eigene Erfahrungen sollten also solche auch erkennbar sein, Pauschalisierungen vermieden werden. Und: Ja, ich bestreite, dass "... ein Grossteil der westlichen Praktizierenden (von jap. KK) keinen Schimmer (...) von den Ritualen haben". Du führst sicherlich Statistiken darüber? Wenn nicht, ist das, was Du hier schreibst, einfach eine Behauptung - bestenfalls eine Thesen, schlimmstenfalls eine Unterstellung. Gerne kannst Du Dich einer der Möglichkeiten anschließen, vorausgesetzt, Du konkretisierst Deine Aussage.


    Du musst Dir nichts verbitten, weil Dir nichts unterstellt wurde. Lass da bitte Dein Kopfkino aus dem Spiel. Ich schrieb: "...sollte einem..." wobei mit "einem" eigentlich immer der gemeint ist, welcher sich diesen Schuh anzieht. Zur Erklärung: Wenn ich Dir antworte und direkt auf Dich eingehe, schreibe ich "Du", wenn ich mich mehr an die Allgmeinheit wende, schreibe ich "Man".

    Auf so eine Thema aus Sicht der Forenleitung konkreter zu antworten, ist in diesem Rahmen hier nicht möglich. Einerseits, weil dies hier - wie bereits erwähnt - ein Kampfkunstforum ist und bleibt, andererseits, weil gerade in diesen sensiblen Bereichen eigentlich jedes Wort überlegt und über eine gute Recherche und Quellen belgt werden sollte. Ich habe mich mit meiner Formulierung bewusst unkonkreter ausgedrückt, allerdings konkret in der Sache, was in diesem Forum toleriert und was nicht toleriert wird. Klarstellen möchte ich an dieser Stelle, dass - ich nenne es jetzt mal - "rechtes Gedankengut" in welcher Form auch immer in diesem Forum nicht geduldet wird. Hier nehme ich mir auch persönlich das Recht raus, unmittelbar und konkret zu handeln. Ebenfalls möchte ich diesbezüglich klarstellen, dass in diesen Fällen die betroffenen lediglich informiert werden, was nicht passiert ist, mit diesen Usern über "gute" und "schlechte" Verhaltensweisen zu diskutieren. Es wird auch keine Agreements geben. Grund hierfür ist, dass dieses Forum auch niemanden eine Plattform dafür bietet, rechtes Gedankengut in homäopathischen Einheiten und/oder Gerechtigkeitsdebatten zu "dehnen" und unser Rechtsbewusstsein zu perforieren.


    Aus diesem Grund erklärte ich ja: Wir leben in einer Demokratie und jeder kann sich aussuchen, wo er etwas schreiben will. Schreibt er hier in diesem Forum, sollte er sich an die Regeln halten und diese Implizieren natürlich auch das deutsche Recht.

    Warum ich mich auf das Schulsystem und Schüler beziehe, ist doch naheliegend: Methodik und Didaktik in Wechselwirkung von Moderne vs. Tradition. Ebenfalls haben wir es in der Schule mit Ritualen zu tun. Die Parallelen zur Methodik und Didaktik der Kampfkunst ist sehr naheliegend... oder findest Du nicht? Wenn nicht, müsstest Du mir das konkret erklären.

    Zitat

    Gerade in den modernen jap. Kampfkünsten wie z.B. Aikidô, Judô, Karatedô, Kendô kann man das sehr schön sehen. Die Praktizierenden im Westen vollführen "Rituale" (z.B. das Verbeugen oder das ominöse "OSS!" in einigen Karatestilen) ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die Entstehung, Herkuft oder Bedeutung dessen zu verschwenden. Man sehe sich mal an, wie sich gerade Judôka "verbeugen"... absolut schrecklich. Sie sollten es wirklich lassen (oder richtig lernen).

    Das würde ich jetzt einfach mal bestreiten und von Dir eine Quelle benannt bekommen, die Deine These belegt. Alternative: Du schreibst, dass das Deine Erfahrungen mit den von Dir bekannten Praktizierenden sind. So klingt das sehr allgemein und pauschalisierend.


    Insgesamt möchte ich Dich bei diesem Thema ganz dezent darauf hinweisen, dass sich die Kampfkunst insgesamt nicht um die "Welt des Koryû Bujutsu" dreht. Damit siehst Du nur einen kleinen Pixel auf dem riesigen Kampfkunst-Bild mit einer Auflösung von 6000x6000 Pixeln. Ich finde, dass ist sehr Egomanisch. Die Moderne sollte eigentlich dazu führen, einfach mal über seinen Tellerrand hinauszuschauen, eine Fixierung - egal wo und wie sie stattfindet - hat grundsätzlich etwas mit Stillstand, Vorurteilen und Egoismus zu tun, zumindest, was die Gesellschaftsform in Deutschland betrifft.


    Ich habe verstanden, dass Du in dem von Dir praktizierten Stil eine sehr individuelle Kultur pflegst. Wie es aber immer so ist, sollte einem dabei immer im Bewusstsein verankert sein, dass die Historie von Kulturen immer die war, friedlich nebeneinander zu existieren. Niemand spricht einer anderen Kultur die Berechtrigung ab. Sonst driften wir ganz leicht in einen Bereich ab, den ich hier lieber nicht besprechen möchte...

    Dieses Board verfolgt eine freiheitlich-demokratische Position. Radikalismus nach rechts oder links wird nicht geduldet, wobei momentan die Bewegungen nach rechts mehr im Fokus stehen. Warum? Weil wir eine m. M. n. rechtspopulistische Partei im Bundestag haben, die Kontakte zu rechtsradikalen Gruppierungen hat und die versucht, subtil in den Historien- und Sprachschatz einzugreifen, um diese zu manipulieren. So wollen wir z. B. in diesem Forum nicht darüber diskutieren, ob geschichtlich Dinge in der Nazizeit (z. B. der Holocaust) in Frage gestellt werden müssen, sondern allenfalls, welchen Stellenwert sie heutzutage in unserem Denken einnehmen. Auch bedienen wir hier nicht die typische Rhetorik rechten Gedankenguts, wie z. B. die Sichtweise auf die in Deutschland vorhandenen freien Medien (Stichwort: Lügenpresse), allenfalls als eundeutig falsch entlarvte Berichte (Quellenangaben sind hier unabdingbar).


    Ich kann nicht empfehlen, auszuprobieren, wie groß in diesen Fällen unser Toleranzvermögen ist. Es wir hier nicht um Dinge diskutiert, die der durchschnittlichen Allgemeinbildung unterliegen, so z. B. auch nicht, ob sogenannte "Reichsbürger" aufgrund eines subjektiv empfundenen Politikversagens mehr Sympathien erhalten sollten. Letztlich ist es auch kein Gebot unseres Egoismus, sondern eines übergeordneten Humanismus, ob wir Flüchtlinge aufnehmen müssen. Das haben wir alle längst entschieden. Thema kann diesbezüglich auch nur sein, wie jeder Einzelne für sich sowohl innerlich als auch äußerlich mit diesem Thema umgeht, vorausgesetzt, er/sie kommt überhaupt täglich in Kontakt mit diesem Thema. Wenn nicht, könnte das Thema allenfalls theoretisch eingeengt werden, was bedingt, dass den Leuten, die täglich mit diesem Thema zu tun hat, Glauben geschenkt wird. In diesem Kontext wird ebenfalls äußerst kritisch auf die Wortwahl geachtet, wobei das Wort "Gutmenschen" aus unserer Sicht bereits ein Indiz dafür ist, dass dessen Benutzer zumindest mit der rechten Randgruppe sympathisiert. Auch sowas dulden wir hier nicht.


    Nun kann man natürlich anderer Meinung sein - dafür leben wir in einer Demokratie. Demokratie bedeutet aber auch, wählen zu können, welches Kampfkunstforum zu einem passt. Fest steht: Wer diese Dinge versucht, über unser Forum in die Welt zu senden, hat nicht nur das Problem, sofort aus unserem Forum herausgeworfen zu werden. Er muss auch mit einer Anzeige rechnen, denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum, unsere Regeln (AGBs) ordnen sich dem deutschen Recht (z. B. BGB oder StGB) natürlich unter.


    Bei all diesen Themen und deren Kontexte werden wir nicht diskutieren, sondern handeln, sofern uns die entsprechenden Hinweise bzw. Infos vorliegen. Das ist das eigentliche Problem: Niemand von uns ist überall, von daher sind wir ebenso auf Rückmeldungen der User hier angwiesen.


    War das Antwort genug? Und wenn ja: War die Antwort klar genug?

    Das mit dem (vermutlich immer noch kampfkunstbezogen?) "der Zeit voraus sein" habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden, könntest Du das vielleicht an einem Beispiel erläutern?

    Ich bin immer noch bei der Kampfkunst bzw. dem Kampfsport. Die Pointierung lag auf "Modern vs. Traditionell" und nicht auf "der Zeit voraus sein". Eher ging es mir, deutlich zu machen, dass jeder Mensch von Geburt ab an neugierig und wissbegierig auf die Welt kommt. Leider verfügen wir über ein Schulsystem, dass den Kindern bereits in der 1. Klasse beibringt, besser still zu sein, ruhig zu sitzen und den Mund zu halten. Genau das Gegenteil davon habe eben diese Kinder noch im Kindergarten gemacht. Nun sollen sie keine Kinder mehr sein dürfen, sondern Schüler. Von daher stellt sich insgesamt die Frage, ob gute Schüler gut sind, weil sie intelligent sind, oder nur, weil sie sich besser anpassen können. Teilweise lernen intelligente Kinder schneller, sich anzupassen. In der Pädagogik allerdings ein "alter Hut". Das Wissen über den Ruf der Schule als "Fantasie- und Kreativtod" bei Kindern habe ich bereits in meinem Studium diskutiert. Angepasste Kinder - auch wenn sie intelligent sind - sind kaum bis gar nicht Teamfähig, verfügen über ein rudimentäres Selbstvertrauen, drehen sich mit Meinungen und Argumentationen nach dem Wind, sind autoritätshörig. Was ihnen fehlt: Ein freier Wille, Kreativität, eigene Wege zu entwickeln, Durchsetzungsvermögen, usw. usf.


    Die Schule in Deutschland wurde so, wie wir sie kennen, zu Kaiserzeiten in Deutschland konzipiert. In Preußen wurde um1810 die allgemeine Schulpflicht - damals noch mit Schulgeld - eingefügt, unser damaliger Kaiser modifizierte um die Jahrhundertwende die Bildungsideale, Vorbild war ein gewisser Wilhelm von Humboldt, Bruder von Alexander. Die Schule verfügt also - eigentlich - über eine große Tradition. Im Laufe der Jahre hat sich die Schule dann immer mehr der jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen angepasst. Damit teilt sie das Schicksal ihrer Schüler: Anpassung. Allerdings ist sie von der Grundstrucktur, also z. B. der Lernmethodik fast identisch zu der in der Kaiserzeit. Heute finden sich dafür nur modernere Wörter. Wenn ich z. B. mit Schulen ins Gespräch gehe und frage, wie der Unterrichtsstil aussieht, bekomme ich zu 99% die Antwort: Frontalunterricht. Spreche ich das an, erklären mir viel, dass sie aber auch Gruppenarbeit mit einbringen. Man stelle sich das Szenario bei 6 Stunden am Tag vor: Jede Stunde wird man für 45 Min. (Warum eine Stund in der Schule nur 45 Minuten dauert, hat mir übrigens auch noch niemand erklären können) von jemanden da vorne berieselt. Mal bekommt man was mit, mal schaltet man ab. Zu Kaiserzeiten, als die Schule vor allem mit militärischem Hintergrund konzipiert wurde (still sitzen und zuhören), kein Ding. Heute gibt es bereits seit Jahrzehnten wesentlich modernere und - vor allem - pädagogisch sinnvollere didaktische Konzepte. Es ist schon erstaunlich: Diejenigen, welche sich selbst "Pädagogen" nennen handeln in jeder Faser ihres beruflichen daseins völlig unpädagogisch, also an den Bedürfnissen ihrer ihnen anvertrauen Kinder und Jugendlichen vorbei. Die Zeit hat sich eben geändert und damit auch der Bedarf unseres Nachwuchses.


    Wie also wird in einer Gesellschaft Wissbegier und Kreativität bewertet und wie wird mit dem Wissen der Bedürfnisse unseres Nachwuchses umgegangen? Genau in dieser Frage treffen Tradition und Moderne stets aufeinander. Die Tradition sagt: Chemie ist Chemie, Biologie ist Biologie und Geografie ist Geografie. Trennschärfe ist wirchtig. Die Moderne sagt: Alles um uns herum ist Chemie, Biologie und Geografie. Die Zusammenhänge sind wichtig.


    In der Kampfkunst wird - traditionell - gesagt: Judo ist Judo, Taekwondo ist Taekwondo und Savate ist Savate. Die Moderne sagt: alles ist Kampfkunst - die Zusammenhänge sind wichtig. Mir ist die Sichtweise gerade auf diese Dinge viel zu einfach. Das ist so, als wenn jemand vor einem Bild steht, einen Elefanten erkennt und sich fragt, warum das Bild "Sonnenuntergang" heißt. Die Lösung ist so einfach, für manche aber doch zu kompliziert: Einfach ein paar Schritte zurückgehen (Rückschritte machen, ist eben in unserer Gesellschaft nicht beliebt und wird oft mit "Versagen" erklärt), und schon kann man das Bild in seiner vollen Pracht sehen und erkennen, dass dort tatsächlich ein Sonnenuntergang dargestellt wurde und der Elefant lediglich ein Ausschnitt des Bildes ist.


    Wenn die Erkenntnis von Tradition also lediglich auf Ausschnitte des Großen und Ganzen beruht, befindet sie sich zusehends in einer Einbahnstraße. Wenn Sie dazu Ausblicke verschafft, gibt es in der Einbahnstraße einen Wendekreis. Wenn sie die Ausschnitte als Teil des Großen und Ganzen erklärt, befindet sie sich auf der Autobahn.


    Tradition in der Kampfkunst ist für mich keinesfalls die Aufteilung in Systemen und das beharren darauf eben diese Systeme und nur die in diesem System vorhandenen Rituale, Techniken und Prinzipien. Tradition ist für mich übergeordnet, in Deutschland würde ich dazu wohl eher das Wort "Etikette" benutzen. Also: Das Wissen über die Kleidung, das "sich einlassen auf die Trainingsstunde", das gemeinsame An- und Abgrüßen für ein verlässliches Miteinander, usw. Es geht darum, diese Dinge zu seinem Eigen zu machen, es in sich aufzunehmen, in sich wirken zu lassen und zu sehen, dass es einem gut tut, weil es verlässlich ist. Also auch hier sollte es nicht darum gehen, sich Ritualen anzupassen oder anzugewöhnen.


    Modern in der Kampfkunst ist, wenn man das Gefühl hat, sich nicht einem System anpassen oder - um ein böseres Wort zu benutzen - unterordnen zu müssen. Vielmehr ist es das Ziel, das System zu individualisieren, sodass jeder Kampfkünstler das System zu "seinem" System umfunktionieren kann. Gerade für Systeme, die auf der Straße Wirkung zeigen sollen, eine m. E. alternativlose Methode. Allerdings findet man in allen modernen System auch traditionelle Aspekte, zumeist Rituale, die den gleichen Stellenwert denen der traditionellen Kampfkünste einnehmen. Eine Tradition, die sich ausschließlich mit einem Ausschnitt einer Sache beschäftigt, findet man hier jedoch nicht.


    Komme ich letztlich zu den Visionären. Einer der wohl bekanntesten Visionäre war Bruce Lee. Er war seiner Zeit meilenweit voraus. Im Grund hat er damals wohl mit "homöopathischen Mitteln" gearbeitet, zumindest für die Welt außerhalb bestimmter Ortschaften der USA, denn erst jetzt (seit ein paar Jahren) dringen seine Ideen und Konzepte immer mehr in das Bewußtsein der Kampfkunstszene. Zu seinen Lebzeiten haben nur wenig Menschen das Wissen mit ihm Teilen können. Er ist den meisten Kampfkünstlern uneinholbar vorausgelaufen. Heute bekommen wir sein Erbe "nur" noch über Guro Dan Inosanto mit, der - wie Bruce Lee damals auch - progressiv beeinflusste. Eine "traditionelle" Form des JKD gibt es eigentlich nicht, wohl aber Leute die behaupten, sie würden dieses trainieren. Das Drama dabei: Bruce Lee wollte unbedingt ein offenes, direktes und explizit non-traditionelles System. Wenn also ein System trainiert wird, welches Bruce Lee genauso oder so ähnlich 1972 trainiert hat, passt man sich - um im obigen Bild zu bleiben - lediglich einem Ideal an, von dem man nur einen Bildausschnitt kennt. Aus meiner Sicht eine Einbahnstraße ohne Wendekreis.


    Jetzt habe ich zwar weit ausgeholt, aber in jedem Land sind Lernmethoden stark am gesellschaftlichen Kontext gebunden. Aus Sicht von Kindern und Jugendlichen findet Lernen nicht beim Judo oder Karate statt, sondern in der Schule. Der Rest ist Freizeit und wird daher - mehr oder weniger - ernsthaft und nachhaltig betrieben.

    Bitte beachten: Aufgrund diverser Vorfälle haben wir uns dazu entschlossen, dieses Forum und die Unterforen zu moderieren. Wer hier also schreibt, sollte vorher seinen Beitrag gut überlegt online setzten, weil auch die Bearbeitung des eigenen Beitrags nicht mehr möglich ist. Der Beitrag wird also erst veröffentlicht, wenn von einen Moderator überprüft wurde. Persönliche Anspielungen und/oder Anfeindungen werden sofort geahndet, zuerst mit einer Ermahung, dann mit max. 3 Verwarnungen. Reicht das nicht, droht die dauerhafte Sperre.


    Paladin (Admin)

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    Paladin (Admin)

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    Paladin (Admin)

    Aufgrund diverser Vorfälle im Forum "Japanische Kampfkünste" und in dessen Unter-Foren haben wir uns nun das entschlossen, dieses Forum insgesamt unter Moderation zu stellen. Die eigentlichen Probleme in diesem Forum gingen einer sachlichen Diskussion weit voraus, sodass auch im Nachhinein nicht mehr eindeutig geklärt werden konnte, wo jetzt genau die Probleme lagen.


    Gleichfalls möchte ich aufgrund dieser Maßnahme noch einmal darauf hinweisen, dass wir künftig intensiver auf persönliche Anspielungen und Anfeindungen reagieren werden. Eine Ermahnung geht dabei immer voraus, danach gibt es Verwarnungen (insgesamt 3 Stufen), danach wird das betreffende Mitglied aus diesem Forum verbannt. Wir werden auch nicht mehr über unser Vorgehen in dieser Sach diskutieren. Geht davon aus, dass wir uns untereinander gut verständigen.


    Paladin (Admin)

    Vielleicht beschreibst Du noch einmal konkret das, was für Dich das "Dilemma" ist? Wie Du siehst, sind wir alle Erwachsen. Wenn wir Fragen haben, melden wir uns. Wenn wir etwas zum Tehma beitragen wollen, melden wir uns. Wenn wir uns nicht melden, haben wir also weder Fragen, noch können wir etwas zum Thema dazu beitragen. Manchmal will man auch nicht schreiben. Schreiben müssen gibt es hier nicht. Also einfach auf Antworten warten... ;)

    Moderationshinweis: Ich möchte an dieser Stelle ganz DEUTLICH darauf hinweisen, dass ich das Thema ganz bewusst nicht im japanischen Forum belassen habe und fordere die Diskutanten dazu auf, unbedingt sachlich zu bleiben und den Fokus nicht zu sehr auf Japan zu richten. Die Alternative: Alles, was zu stark in eine Richtung tendiert, wird gelöscht.

    Im Kampfsport bzw. der Kampfkunst erlebte und erlebe ich Tradition und Moderne sehr häufig als völlige Gegensätze, mit z. T. erheblichen (auch rechtlichen) Disputen. Ein Beispiel dafür habe ich oben weiter gebracht und das in einem eigentlich absolut progressiven Sport.


    Das Tradition immer auch ein "must have" hat, ist zumindest in der Lebenspraxis hier in Deutschland schon gut angekommen. Ohne Rituale funktioniert eine bedürfnisorientierte Erziehung (wo auch immer) nicht. Rituale sorgen nicht nur für Sicherheit, sondern auch für Zuverlässigkeit und somit für alle Seiten für ein angenehmes, vertrauensvolles Klima. Voraussetzung hierfür: Hierarchien sind nicht autokratisch.


    Die Moderne benötigen wir, um aus unserem (z. T. eintönigen und reizlosen) Alltag ausbrechen zu können. Von Grund auf sind wir alle neu- und wissbegierig. Dass soll auch so bleiben. Modern bedeutet hierbei allerdings "mit der Zeit zu gehen" und nicht "der Zeit voraus zu sein". Das gilt es, nicht verwechselt zu werden. Nicht falsch verstehen: "der Zeit voraus sein" ist nicht schlecht, man spricht auch von Visionären. Es ist allerdings auch mit der Gefahr verbunden, auch scheitern zu können. Insofern gebietet es die Lebenspraxis, bodenständig zu bleiben.

    Ein gutes Thema, was - glaube ich - eigentlich überall in der Kampfkunst/im Kampfsport für Probleme und Streit sorgt von daher haber ich es aus dem engmaschigem Bereich der japanischen Schwertkunst in diesen offenen Bereich verlegt. Sachliche Überlegungen werden nun von allen Seiten gewünscht.


    Für mich gutes Beispiel sind da die unterschiedlichen Jeet Kune Do (JKD) - Lager. Einerseits gibt es im JKD die Leute, die sagen, dass sie den Stil so trainieren wollen, wie ihn damals Bruce Lee trainiert hat. Andererseits gibt es JKD'ler die das JKD weiterentwickelt trainieren, weil Bruce Lee - wäre er noch am Leben - genauso trainiert hätte. Ich für mich kann beide Lager gut verstehen und eigentlich sollte es so zu keinem Streit kommen. Es kam aber zum Streit (ist schon wieder länger her) und dieser führte kurzweilig dazu, dass einer von Bruce Lee persönlich zertifizierter Trainer das JKD nicht mehr unter diesem Namen trainieren durft. Gut fand ich, dass eben dieser Trainer nicht auf diesen Streit einging und deutlich machte: Dann nenne ich das eben nicht "JKD"... Naja - irgendwann haben sich die Leute dann wieder selbst korrigiert.


    Dies Beispiel zeigt, dass sowohl Tradition als auch Moderne wichtig sind und gut auch nebeneinander existieren können. Probleme gibt es nur, wenn jemand behauptet, dass Eine wäre besser als das Andere. Leider lässte sich sowas nie beweisen, sodass alles nur an der Oberfläche mit Behauptungen diskutiert werden kann. Behauptungen wiederum haben noch kein einziges Thema "beflügelt" oder "weitergebracht", sie sind einfach nur eine desturktive Einbahnsatraße: man biegt in so eine Einbahnstraße schon mit dem Wissen ein, dass man da nicht rauskommt. Für einen Kampfsportler bzw. Kampfkünstler m. E. gerade im Realitätsdenken ein absolutes NOGO!

    Ich kann mich vielen Gesanken anschließen.


    Was aus meiner Sicht den "Kampf" in der Realität von dem "Kampf" im Training unterscheidet sind folgende Dinge:

    1. Im Training wird zu 90% der Kampf "Mann gegen Mann" abgearbeitet, wohingegen der Kampf auf der Straße überwiegend mehrere Personen beinhaltet.
    2. Im Training gibt es den Deal, sich nicht zu verletzen. Auf der Straße gibt es den Deal nicht. Die Konsequenz: Auf der Straße ist ein Stich oder Schnitt mit einem Messer lebensbedrohlich, im Training wird einfach weitertrainiert. Selbst bei den FMA gibt es hierfür kein passendes Szenarium mehr. Bedeutet: Kein Training der Welt kann die Realität auch nur annähernd spiegeln.
    3. Jede Tat ist in der Realität anders, keine gleicht einer anderen. Die Konsequenz: Es gibt keine verlässlichen Statistiken darüber, wie, womit, wann bzw. wodurch jemand angreift, von daher können auch keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Verteidigung gezogen werden.
    4. Das Bewußtsein sagt: Ahhh... ich bin im Training, hier fühle ich mich sicher. Das Bewußtsein sagt aber auch: Ahhh... ich werde real angegriffen... was mache ich nur?
    5. In der Realtität ist "Überraschung" ein ganz wichtiges taktisches Mittel (wird m. E. zu 90% falsch interpretiert). Nicht umsonst setzten Spezialeinheiten grundsätzlich auf dieses Mittel und benutzen hierzu entsprechendes Material (z. B. Blendgranaten). Im Training lässt sich "Überraschung" nicht trainieren, zumindest habe ich in über 40 Jahren unterschiedlicher Kampfkünste bisher noch kein Szenarium dieser Art kennengelenrt.
    6. Nach einem Training geht man duschen, nach einem Kampf auf der Straße (hat man ihn überlebt) befindet man sich zumeist in ärztlicher Behandlung.
    7. ...

    Die Liste lässt sich sicherlich noch mit vielen Dingen weiterführen (siehe Anhang). In diesem Sinne finde auch ich das Wort "Spielen" zutreffender, wobei es sich eben um die Spiele der Erwachsenen handelt. Spiele haben ja zum Inhalt, Erfahrungen zu Sammeln und seine Softskills zu verbessern. Insofern finde ich die Aussagen von Stefan schon sehr zutreffend...

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    Das ist ja mal sowas wie eine richtig tolle Überraschung und ein tolles Ereignis! Na dann: Willkommen zurück!!