Beiträge von Paladin

    Die Realität wird nicht durch Wahrnehmungen verändert. Würde es so sein, so gebe es für jeden spezifisches Wetter. Das Wetter ist so, wie es ist. Es regnet, also regnet es. Es regnet auch immer noch, obwohl jemand meint, es würde nicht regnen. Die Wahrnehmung dabei ist: Jemand findet Regen gemütlich, für einen anderen ist Regen ekelig. Was sich ändert sind Situationen und die Sache ist: Jeder schau aus seinem Blickwinkel auf eine Sache. Noch einmal: Diese Sache (Realität) ist für jeden gleich, jeder schaut aber anders darauf (Wahrnehmung) und bewertet sie anderes. Eigentlich simpel und eigentlich sind das Binsenweisheiten wofür man nicht mal besonders gebildet sein muss.


    Um zum Thema zurück: Ein Training ist und bleibt ein Training und wird nie die Realität sein. Das ist eigentlich die Grundaussage für die Realität eines Ernstfalls. Dann sind wir wieder bei den Begriffen "plötzlich" und "unerwartet". Wer sehen möchte, was das bedeutet: Wir werden im Dezember einen "Knife-Day" veranstalten, da zeige ich - physisch - was "plötzlich" und "unerwartet" bedeutet. Ich habe noch niemanden gesehen, der es dann nicht verstanden hat...

    Die Seite musste aufgrund der langen Ladezeiten noch einmal aufgesetzt werden, der Blog ist momentan noch nicht auf der Seite.


    Ida... was Du meinst ist die einzige, existierende Realität. Es soll darauf hingewiesen werden, dass nur eine einzige Realität existiert und jeder Mensch im Grund das gleiche sieht, nur eben anders interpretiert. So sieht jeder beispielsweise einen Stuhl, die Sonne, ein Auto oder einen Topf. Die Unterschiede fangen dort an, diese Realität aus dem eigenen subjektiven Blickwinkel zu interpretieren. Das war der Hintergrund. Auch nichts neues, in der Psychologie oder der Pädagogik ein alter Hut.

    So, wie immer, geht es hier um den Verkauf. Nichts weiter. Sucht man auf den Seiten nach einem "roten Faden", sucht man vergebens. Was man findet sind viele Widersprüche und das umherschmeißen mit Superlativen. Grundsatz: Alles andere ist schlecht, nur dies ist gut. Transaktionsanalyse: Ich bin OK, Du bist nicht OK.


    Das wird mit "wissenschaft" argumentiert und ich sehe nicht eine einzige, wisschenschaftliche Begründung mit wirklich gesichertem Wissen. Da zählt nur die bloße Behauptung. Es heißt weiter, dass man keine "... Gürtel in diversen Stilen..." benötigt und doch zählen die Trainer ihre Gürtel bzw. Graduierungen auf. Bedeutet: Graduierungen bzw. Zertifikate scheinen dann doch wohl zumindest nennenswert zu sein.


    Für mich entscheidend ist allerdings eine "Graduierung": Instructor im Progressive Fighting System (PFS) von Paul Vunak, Schüler von Dan Inosanto (Freund und Trainingspartner Bruce Lees). Schätze mal, dies wird auch die Quelle der "Realität" des Systems sein, denn Vunak selbst war Ausbilder des Navy Seal Team Six. Auch die Videos sprechen eher für PFS als Grundlage: Immer wieder Kettenfauststöße, Ellbogen, Knie... Schaut Euch mal diese Videos von Vunak als vergleich an:



    Nunja.... das Problem ist, dass Du wohl zu 95% Dinge nicht verstehst, womit wir Beide und alle anderen hier sicherlich nicht alleine sind. Eine Binsenweisheit. Das Problem ist: Niemand hier weiß wahrscheinlich, was ein anderer über etwas weiß. Das Gute: Dieses Forum dient dem Austausch (und nicht der Klassifizierung) von Wissen. Bescheidenheit fängt damit an, sich vorsichtig nach vorne zu tasten. Zu behaupten, man wäre Wissend und andere wären unwissend, dies über ein bestimmtes Wort zu propagieren und zu überlegen, ob man an diesem Umstand etwas ändert, indem man evtl. die Unwissenden aufklärt, ist nicht nur nicht bescheiden, sondern auch arrogant und vorurteilsbehaftet.


    Hierbei geht es überhaupt nicht um das Thema Tradition vs. Moderne, sondern um die Art und Weise des Umgangs und des Austausches miteinander. Im engsten Sinne auch um Wertschätzung. Wie wertschätzend ist es, jemanden in eine Schublade zu packen und sich zu überlegen, ob man ihn jemals aus seinem Gefängnis befreit und - wenn ja - auf welche Art und Weise. Sowas ist Themenunabhängig und ausschließlich von den Menschen hinter den Tastaturen abhängig. Ich traue so z. B. der Fraktion der japansichen Kampfkünste durchaus zu, auch z. B. über die chinesischen, philippinischen oder auch deutschen Systeme zu diskutieren. Im Übrigen weißt auch das Wort "Pluralismus" auf eine vorhandene Vielfalt hin, die natürlich auch mit Leben gefüllt werden will.


    Daher: Dieses Forum dient ausdrücklich dem Meinungsaustausch und keinem Kompetenzgerangel - dafür ist ein anderes Forum zuständig, indem ihr euch gerne ausspielen könnt. OK. Jetzt habe ich persönlich alles geschrieben, was mir möglich ist, um deutlich zu machen, was hier geht und was nicht. Respektiert es einfach und tauscht euer Wissen untereinander aus. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

    So Leute. Letzte Aufforderung, die Diskussion offen auf die Kampfkunst zu beziehen. Japan ist - im Bezug auf die irre vielen anderen Systeme - vielleicht 1% der Kampfkunst. Wer das Thema aus den Augen verloren haben sollte, hier noch einmal die Erinnerung. Thema dieses Threads ist:

    Tradition gegen Moderne ?

    Ich halte es da wie Kaji. Ich lege nicht jedes Wort auf die Goldwaage, um alle nur erdenklichen seelischen Verletzungen etlicher dutzender oder gar hunderter von Lesern zu vermeiden.

    Ich habe hier "***" im Kontext benutzt, wie es allgemein üblich ist.


    P.S. Ich erinnere Dich daran, dass ich hier in der Schweiz lebe. :D

    Ok. Der schreibe ich jetzt als Admin und teile Dir mit, dass ich künftige diese Worte unter "***" setze. Ich finde es unhöflich eine subtile Doppeldeutigkeit zu benutzen, die im eigentlich Sinne deutlich macht, dass es dumme und weniger dumme gibt. Auf so einer Basis lasse ich hier nicht weiterdiskutieren. Läuft das so weiter, ist dier Thread - und i. d. F. - alle anderen, wo derartige Wortwahlen benutzt werden, dicht. Du bist in der Schweiz - sehr nett. Wir sind hier in Deutschland, besser also, Du gewöhnst Dich an die Regeln hier ;)


    Dies gilt im Übrigen für jeden, der eine solche doppeldeutliche Wortwahl benutzt, die Wissen klassifizieren will. Diese Art von Zensur wird hier nicht zugelassen!

    Ich sehe Sabijis Kantei-Beispiel als Metapher und nicht DIREKT auf das Kantei selbst bezogen.

    Auch wenn ich sagte, dass den Nichteingeweihten der Kantei-Vorgang erklärt werden sollte, so meinte ich das auch eher im Kontext einer Metapher.

    Warum benutzt Du das Wort "Nichteingeweihte"? Wäre es falsch zu sagen, Du bist im Leben nicht eingeweiht und rege mal mit einem eingeweihten, vielleicht erklärt er Dir das Leben? Was ich sagen will: Diese Art von Wörten sollten unbedingt vermieden werden, weil sie so nach Klassen-Einstufungen riechen. Mag sein, dass das in Japan so ist. Ich erinnere Dich daran, dass wir hier in Deutschland leben. Ich habe auch gar nicht vor, tiefer in eine andere Kultur einzudringen. Gegen informationen über Kulturen und andere Lebensarten hingegen habe ich überhaupt nichts. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn Du unmissverständliche Wörter benutzt ;)

    Die Erfahrung und Naturwissenschaften lehren uns eigentlich etwas völlig anderes, nämlich, dass jemand der weiter weg von einem Gegenstand ist i.d.R. weniger Details an diesem Gegenstand wahrnehmen kann als jemand, der sehr dicht an diesem Gegenstand ist.

    Naturwissenschaftler gehen wahrscheinlich davon aus, dass die Natur dem Sinnesorgan "Auge" Grenzen gesetzt hat. Geisteswisschenschaftler - zu denen ich gehöre - machen "die Sicht" bzw. "das Sehen" nicht von Physis abhängig. Das ist auch gar nicht das Bild, welches ich bedient habe. Was ich meine: Wer immer nur in seinem kleinen Kosmos lebt und ressistent gegenüber der Vorstellung ist, dass es außerhalb dieses Kosmos noch mehrere andere gleichberechtigte Welten zu entdecken gibt, kann von den anderen Welten - außer das Wissen über deren Existenzen - nicht mehr wissen. Unsere Gesellschaft besteht aus vielen Menschen, die eben dieses Lebensprinzip praktizieren. Das Problem: Viele dieser Menschen erleben ihren Kosmos als den Kern des Kosmos aller Anderen, im Bewusstsein, dass jeder, der mit ihnen sprechen will, sich zweckmäßig auf ihren Kosmos beschränken muss, indem sie ja selbst Fachleute sind. Ein rhetorische Falle, wenn man so will. Denn immer dann, wenn es um die vielen anderen Welten geht, wird - wie auch immer - abgeblockt und gesagt: Wenn DU DICH schon mit mir unterhalten willst, dann nur über meinen Kosmos (...bzw. den Kosmos, in dem ich lebe). Gesprächstaktik. Transaktionsanalyse (wieder so etwas geisteswissenschaftliches) nennt das: die "Spiele der Erwachsenen". Wer das Spielangebot eingeht, wird sehr schnell mit dem unangenehmen Gefühl konfrontiert, dass man aneinander vorbei redet.


    Und nun der Zusammenhang: Der Mensch, der lediglich den Fokus auf den Elefanten legt und auch auf Auforderung nicht dazu bereit ist, ein oder zwei Schritte (also über eine sehr geringe körperliche Aktivität) zurückzugehen, lebt in seinem Kosmos und will dort verharren. Der Mensch, der sich dazu entscheidet, doch ein paar Schritte zurückzugehen, um seinen Kosmos zu überprüfen, eröffnet sich damit nicht nur eine andere Sichtweise, sondern auch einen anderen Horizont. Damit ist dieser Mensch in der Lage, seinen Kosmos in Kontext zu den vielen anderen Welten zu setzen und dies - das ist jetzt wichtig - auch erklären zu können (vielleicht sogar auch zu wollen).


    Mal ehrlich: Das Denken, Menschen könnten aufgrund einer fehlerhaften Einschätzung ihres Sehvermögens scheitern, ein vor ihnen hängendes Bild zu erkennen, weil sie sich zu weit von diesem entfernt haben, hört sich für sich schon ziemlich konstruiert an. Da muss man dann auch nicht die Naturwissenschaften bemühen, da reicht einfach nur ein gesunder Menschenverstand.

    Na ja, ich habe die Idee einfach mal etwas umfunktioniert. Du setzt voraus, daß man sich stetig selbst hinterfragt. Ein Außenstehender kann nie sagen, warum stiert jener auf des Elephanten Rüssel z..B.

    D.h.Die Fragestellung "warum tut er das " lässt sich aus meiner Sicht nur so lösen :Fragen. Anders erlangt ma kein Verständnis. aber auch dieses Minikonzept ist schon wieder selbst reflektierend. sich selbst hinterfragend.

    Warum, Der Mensch ist immer ein Individuum, d.h. die meisten Antworten für das Warum findet er nur in der Bereitschaft zur Frage. Das aber setzt voraus, das man sich selber anzweifelt, was in der heutigen Gesellschaft als Schwäche angesehen wir, obwohl es die Triebfeder der Erkenntniss ist. Jemand der nicht an sich zweifelt , der hat immer die "Antwort" parat, egal ob sie Sinn macht oder nicht.

    Kann ich Dir nur zustimmen. Ohne zu Fragen oder bereit dazu zu sein, manchmal ein paar Schritt zurück zu gehen, um letztlich voran zu kommen, lebt man in einem künstlichen Cubus und alles in diesem Teil hat nichts natürliches mehr.

    Ganz genau. Lebendige Traditionen wandeln sich.

    Allerdings tun sie dies meist nicht so, wie das die Aussenwelt gerne hätte.

    ...wirft 2 Fragen auf: 1. Was genau ist mit "Aussenwelt" (klingt nach Geheimbund und "die da draußen") gemeint und 2. Wie hätte es denn die Aussenwelt gerne und wer sagt das?

    Naja, diesbezüglich geht es ja nicht um das Bild selbst, sondern um die Motivation des Betrachters. Es geht auch nicht darum, zu interpretieren, ob der Elefant Teil des Bildes ist, was das Bild insgesamt aussagt bzw. was da noch für Details im Bild zu finden sind, die ebenso nur den Teil des Bildes ist. Die Binsenweisheit: Jedes Bild besteht grundsätzlich aus Details, letztlich ist ein Bild ein Bild. Diejenigen, die gerne über das Bild sprechen wollen und im Gleichnis "Details vs. Gesamtheit" bleiben, befinden sich m. E. im Bereich der Ansicht, dass Große und Ganze würde nur existieren, weil es Details gibt und weil das so ist, ist jedes Detail immer kleiner als das Große und Ganze. Im Grund genommen für ein Bild durchaus schlüssig, für eine Staatsform allerdings - wie die Geschichte in der Vergangenheit und in der Gegenwart gezeigt hat - ein absolutes Desaster für jedes Individuum. Der Trick: Man vergleicht Menschen mit Dingen. Das kann nicht gut gehen, auch nicht im Bezug auf Kampfkünste...


    Interessant für mich ist also nicht, ein Bild als solches zu interpretieren, sondern - wie oben erwähnt - den Betrachter des Bildes in den Folus zu stellen. Mit welcher Motivation schaut er auf das Bild, warum sieht er z. B. nur den Elefanten, warum geht er nicht von sich aus zwei oder drei Schritte zurück, um sich vom Gesamtbild ein Eindruck zu machen? Was veranlasst ihn dazu, sich dem Gesamtblick zu entziehen. Genau hier finden sich die Parallelen zur Kampfkunst: Diejenigen, welche in Ihrer Sichtweise auf das "Große und Ganze" gefangen sind (aus welchen Gründen auch immer) und diejenigen, die immer offen für neue Blickweisen sind.


    Im Grund geht es - übergeordnet - um die eigenen Sozialisation und die "Vererbung" von Unzulänglichkeiten aufgrund eines eher unmotivierten Bezugs zur Offenheit gegenüber neuen Ideen, Gedanken bzw. Inspirationen.

    OK. Ich stelle mal fest, dass wir bei unterschiedlichen Themen verschiedenen Meinungen haben. Das ist auch gut so... ich für mein Teil habe alles dazu geschrieben und hoffe nun auf andere User und deren Sichtweisen. Nur eine Sache noch: Wir sind hier im offenen Forum und nicht im Japanischen. Ich lade ab hier alle dazu ein, offener und übergeordneter zu diskutieren und bitte nunmehr darum, wie in so einem offenen Forum üblich, diese Chance auch zu nutzen.

    shinken-shoubu schrieb:

    Ich persönlich halte den zweiten Weg für den öfter beschrittenen und ob man dann wieder zur Gesamtschau zurückkehrt oder gar selbst solche Bilder malt oder auch nur Elefanten oder Bäume malt, das ist dann einfach eine Sache der persönlichen Präferenzen und ALLE diese Präferenzen sind jeweils weder besser noch schlechter als die Anderen. Ausnahme wäre für mich jetzt beispielsweise das Fälschen solcher Bilder mit dem Ziele der eigenen Bereicherung unter Ausnutzung der Naivität Anderer (egal ob finanziell oder emotional) oder das ganz bewusste Anbieten von Elefantenbildern als Bildern von Bäumnen und umgekehrt.

    Ich persönlich bin Fan von nennen wir es mal Elefanten, möchte auch gar nicht Anderes zeichnen, weiß aber sehr genau, dass auf eine Leinwand i.d.R. mehr als nur ein Elefant passt.

    Es ging bei diesem Beispiel nicht darum, was einem Lieber ist, also ein Sonnenuntergang oder ein Elefant, sondern um ein Bildnis für Engstirnigkeit. Das gesellschaftliche Phänomen: Viele Menschen sehen einen Ausschnitt, meinen aber, dass Große und Ganze zu sehen. Was Ihnen fehlt: Die Erkenntnis, das in Bildung (auch Recherche) investierte Energie grundsätzlich zu mehr Bildung und mehr Überblick führt.

    shinken-shoubu schrieb:

    Den Gedanken sich nicht anpassen zu müssen/wollen und Dinge einfach an sich selbst anzupassen (sich selbst zu verwirklichen wäre der nächste Schritt) empfinde ich persönlich als einen überwiegend westlich geprägtes Ideal, wo das Individuum in den Vordergrund tritt, wohingegen in Fernost (ich schreibe DARÜBER i.S.v. Schuster bleib' bei deinen Leisten und ich komme, bin und bleibe halt dort verwurzelt) kulturell bedingt die Harmonie des Großen Ganzen erstrebenswertes Ziel ist vor dem der Einzelne auch einmal zurücktreten muss. Ich mag mir selbst am wichtigsten sein, für die Welt bin ich es aber nicht, sondern nur ein kleiner Teil des Ganzen.


    Aus meiner Sicht ist das kein Ideal, sondern eine Lebensphilosophie. Diese ist - in Deutschland - als Recht im Grundgesetz verankert: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Da steht nirgendwo eine Bedingung oder Abhängigkeit. Auch in den anderen Artikeln geht es grundsätzlich darum, das Individuum mit all seinen Fähig- und Fertigkeiten zu stärken und ihm zu sagen: Du bist das wichtigste, es gibt nichts wichtigeres, als Dich. Logisch weitergedacht endet diese Philosophie dort, wo die eines anderen beginnt. Da wir in Deutschland und nicht in anderen Ländern wohnen, ist auch dies anzuerkennen, zu respektieren und danach zu leben. Genau danach wird letztlich auch jedes Kind erzogen. Der sich dahinter verborgene Erziehungsstil heißt "sozial-integrativ", häufig auch nur kurz "domokratisch" abgekürzt (diese Bezeichnung ist mir zu politisch).


    Die "Kultur des Großen und Ganzen" ist keine reine fernöstlich dominierte gesellschaftliche Lebensform, sondern kommt so oder so ähnlich sogar in ganz vielen anderen Kulturen vor. Ein außerordentlich krasses Beispiel ist der Kommunismus. Äußerlich eine rein politische Gesellschaftsform, genauer betrachtet reicht sie bis in die letzte Zelle einer Familie. Auch hier muss der Einzelen auch mal zurücktreten. Er ist ein kleiner Teil des Ganzen. Demnach sind aber auch die Bedürfnisse und die Fähig- und Fertigkeiten, die jemand mitbringt, von keinem besonderen Wert. Diese Gesellschaftsform - egal wo sie zu finden ist - ist jedem Individuum außerordentlich feindlich gegenüber gesinnt. Blicken wir doch diesbezüglich einfach mal nach Russland oder aber - wo wir bei Fernost sind - nach China. Pädagogisch gesehen spricht man hier von "Kollektiverziehung" (interessante Lektüre: Makarenko - Der Weg ins Leben).


    Es gibt also noch einen Unterschied zwischen einer kampfkünstlerich geprägten Sichtweise auf den Menschen und dessen lebenspraktische Realität. Für mich ist eine Philosophie auch nur so gut oder so schlecht, wie die Rahmenbedingungen (Recht, Gesellschaftsform, Menschen- und Weltbild) es zulassen.


    In Deutschland würde ich Deinen letzten Satz so übersetzen: Für die Welt gibt es nichts wichtigeres, als Dich. Ich spinne mal weiter: Wenn Du das erkennst, erkennst Du Deine Lebensumwelt und Dein Gegenüber und gehst mit allem und jedem respektvoll und wertschätzend um. Übrigens nicht zu verwechseln mit Egoismus!

    shinken-shoubu schrieb:
    "Das System muss sich dem Anwender anpassen und nicht umgekehrt." empfinde ich oft als Ausrede dafür, Dinge nicht so meistern zu können oder wollen, wie sie gemeistert werden sollen und deshalb schlichtweg sein Eigenes Ding zu machen, weil's halt der einfachere Weg ist.

    Sorry, wenn ich Dir hier massiv widerspreche: Diese Sichtweise finde ich gerade im Hinblick darauf, dass sich jeder Mensch von einem anderen Menschen unterscheidet, eher herabwürdigend für das Individuum und sehr einfach gedacht, wenn es um jene Kunst geht, die keine Kommune, Gruppe oder Gesellschaft erstellt hat. Die Malerei, die Musik oder die Dichtung sind hervorragende Beispiele, die m. M. n. Deine Ansicht deutlich wiederlegen. Denn Kunst für sich ist prinzipiell Individuell. Wie wäre es, hätte man einem Goethe, einem Da Vinci oder einem Paul McCartney in die Hülle einer übergeordneten Ideologie gesteckt? In Deinen Worten ausgedrückt: Ja! Diese Künstler machen "ihr eigenes Ding", nicht, weil es der einfachste Weg ist, sondern weil es IHR Weg ist.


    Genauso funktioniert Kampfkunst. Der Mensch unterscheidet sich in diesem Kontext nicht nur durch Gewicht, Größe oder Reichweite, sondern auch durch Selbstbewustsein, Vorlieben, Courage, usw. Letztlich laufen wir alle auf unseren Beinen, jeder tut selbst dies allerdings auf seine Art und weise. Es gibt 1000de Dinge, die Menschen voneinander unterscheiden. Die Kunst soll Menschen nicht auf eine Ideologie hin filtern oder minimieren, sondern den Menschen in seinen individuellen Fähig- und Fertigkeiten und mit seinen physischen und psychischen Eigenschaften unterstützen, fördern und befreien. Nur durch diese Individualität haben Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen, Gedanken und Inspirationen auszuleben.


    Von daher ist es natürlich wesentlich einfacher für eine Sportart, dass sich alle an diese Sportart anpassen. Da sind wir wiederum bei dem philosophischen Wert eines Menschen. Richtet sich dieser danach, wie wertvoll der Einzelne für eine Gruppe ist, oder, was ein Mensch aus seinem Leben macht.


    Ein System, dass sich selbst für realitsitsch hält muss sich also seinem Anwender anpassen, weil nicht das System gegen einen Täter kämpft, sondern der Mensch. Wehe dem, wenn dann dieser Mensch nicht gelernt hat, selbstständig und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Anders gesagt: Jede Situation und jedes Problem ist anders. Es gilt also nicht, eine Lösung für jedes Problem oder jede Situation zu finden, sondern jemanden dazu befähigen, zu interpretieren, selbst zu entwickeln, selbst weiterzudenken.

    Erfahrungen auszutauschen ist völlig ausreichend. Mein Kritikpunkt: Eigene Erfahrungen sollten also solche auch erkennbar sein, Pauschalisierungen vermieden werden. Und: Ja, ich bestreite, dass "... ein Grossteil der westlichen Praktizierenden (von jap. KK) keinen Schimmer (...) von den Ritualen haben". Du führst sicherlich Statistiken darüber? Wenn nicht, ist das, was Du hier schreibst, einfach eine Behauptung - bestenfalls eine Thesen, schlimmstenfalls eine Unterstellung. Gerne kannst Du Dich einer der Möglichkeiten anschließen, vorausgesetzt, Du konkretisierst Deine Aussage.


    Du musst Dir nichts verbitten, weil Dir nichts unterstellt wurde. Lass da bitte Dein Kopfkino aus dem Spiel. Ich schrieb: "...sollte einem..." wobei mit "einem" eigentlich immer der gemeint ist, welcher sich diesen Schuh anzieht. Zur Erklärung: Wenn ich Dir antworte und direkt auf Dich eingehe, schreibe ich "Du", wenn ich mich mehr an die Allgmeinheit wende, schreibe ich "Man".

    Auf so eine Thema aus Sicht der Forenleitung konkreter zu antworten, ist in diesem Rahmen hier nicht möglich. Einerseits, weil dies hier - wie bereits erwähnt - ein Kampfkunstforum ist und bleibt, andererseits, weil gerade in diesen sensiblen Bereichen eigentlich jedes Wort überlegt und über eine gute Recherche und Quellen belgt werden sollte. Ich habe mich mit meiner Formulierung bewusst unkonkreter ausgedrückt, allerdings konkret in der Sache, was in diesem Forum toleriert und was nicht toleriert wird. Klarstellen möchte ich an dieser Stelle, dass - ich nenne es jetzt mal - "rechtes Gedankengut" in welcher Form auch immer in diesem Forum nicht geduldet wird. Hier nehme ich mir auch persönlich das Recht raus, unmittelbar und konkret zu handeln. Ebenfalls möchte ich diesbezüglich klarstellen, dass in diesen Fällen die betroffenen lediglich informiert werden, was nicht passiert ist, mit diesen Usern über "gute" und "schlechte" Verhaltensweisen zu diskutieren. Es wird auch keine Agreements geben. Grund hierfür ist, dass dieses Forum auch niemanden eine Plattform dafür bietet, rechtes Gedankengut in homäopathischen Einheiten und/oder Gerechtigkeitsdebatten zu "dehnen" und unser Rechtsbewusstsein zu perforieren.


    Aus diesem Grund erklärte ich ja: Wir leben in einer Demokratie und jeder kann sich aussuchen, wo er etwas schreiben will. Schreibt er hier in diesem Forum, sollte er sich an die Regeln halten und diese Implizieren natürlich auch das deutsche Recht.

    Warum ich mich auf das Schulsystem und Schüler beziehe, ist doch naheliegend: Methodik und Didaktik in Wechselwirkung von Moderne vs. Tradition. Ebenfalls haben wir es in der Schule mit Ritualen zu tun. Die Parallelen zur Methodik und Didaktik der Kampfkunst ist sehr naheliegend... oder findest Du nicht? Wenn nicht, müsstest Du mir das konkret erklären.

    Zitat

    Gerade in den modernen jap. Kampfkünsten wie z.B. Aikidô, Judô, Karatedô, Kendô kann man das sehr schön sehen. Die Praktizierenden im Westen vollführen "Rituale" (z.B. das Verbeugen oder das ominöse "OSS!" in einigen Karatestilen) ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die Entstehung, Herkuft oder Bedeutung dessen zu verschwenden. Man sehe sich mal an, wie sich gerade Judôka "verbeugen"... absolut schrecklich. Sie sollten es wirklich lassen (oder richtig lernen).

    Das würde ich jetzt einfach mal bestreiten und von Dir eine Quelle benannt bekommen, die Deine These belegt. Alternative: Du schreibst, dass das Deine Erfahrungen mit den von Dir bekannten Praktizierenden sind. So klingt das sehr allgemein und pauschalisierend.


    Insgesamt möchte ich Dich bei diesem Thema ganz dezent darauf hinweisen, dass sich die Kampfkunst insgesamt nicht um die "Welt des Koryû Bujutsu" dreht. Damit siehst Du nur einen kleinen Pixel auf dem riesigen Kampfkunst-Bild mit einer Auflösung von 6000x6000 Pixeln. Ich finde, dass ist sehr Egomanisch. Die Moderne sollte eigentlich dazu führen, einfach mal über seinen Tellerrand hinauszuschauen, eine Fixierung - egal wo und wie sie stattfindet - hat grundsätzlich etwas mit Stillstand, Vorurteilen und Egoismus zu tun, zumindest, was die Gesellschaftsform in Deutschland betrifft.


    Ich habe verstanden, dass Du in dem von Dir praktizierten Stil eine sehr individuelle Kultur pflegst. Wie es aber immer so ist, sollte einem dabei immer im Bewusstsein verankert sein, dass die Historie von Kulturen immer die war, friedlich nebeneinander zu existieren. Niemand spricht einer anderen Kultur die Berechtrigung ab. Sonst driften wir ganz leicht in einen Bereich ab, den ich hier lieber nicht besprechen möchte...

    Dieses Board verfolgt eine freiheitlich-demokratische Position. Radikalismus nach rechts oder links wird nicht geduldet, wobei momentan die Bewegungen nach rechts mehr im Fokus stehen. Warum? Weil wir eine m. M. n. rechtspopulistische Partei im Bundestag haben, die Kontakte zu rechtsradikalen Gruppierungen hat und die versucht, subtil in den Historien- und Sprachschatz einzugreifen, um diese zu manipulieren. So wollen wir z. B. in diesem Forum nicht darüber diskutieren, ob geschichtlich Dinge in der Nazizeit (z. B. der Holocaust) in Frage gestellt werden müssen, sondern allenfalls, welchen Stellenwert sie heutzutage in unserem Denken einnehmen. Auch bedienen wir hier nicht die typische Rhetorik rechten Gedankenguts, wie z. B. die Sichtweise auf die in Deutschland vorhandenen freien Medien (Stichwort: Lügenpresse), allenfalls als eundeutig falsch entlarvte Berichte (Quellenangaben sind hier unabdingbar).


    Ich kann nicht empfehlen, auszuprobieren, wie groß in diesen Fällen unser Toleranzvermögen ist. Es wir hier nicht um Dinge diskutiert, die der durchschnittlichen Allgemeinbildung unterliegen, so z. B. auch nicht, ob sogenannte "Reichsbürger" aufgrund eines subjektiv empfundenen Politikversagens mehr Sympathien erhalten sollten. Letztlich ist es auch kein Gebot unseres Egoismus, sondern eines übergeordneten Humanismus, ob wir Flüchtlinge aufnehmen müssen. Das haben wir alle längst entschieden. Thema kann diesbezüglich auch nur sein, wie jeder Einzelne für sich sowohl innerlich als auch äußerlich mit diesem Thema umgeht, vorausgesetzt, er/sie kommt überhaupt täglich in Kontakt mit diesem Thema. Wenn nicht, könnte das Thema allenfalls theoretisch eingeengt werden, was bedingt, dass den Leuten, die täglich mit diesem Thema zu tun hat, Glauben geschenkt wird. In diesem Kontext wird ebenfalls äußerst kritisch auf die Wortwahl geachtet, wobei das Wort "Gutmenschen" aus unserer Sicht bereits ein Indiz dafür ist, dass dessen Benutzer zumindest mit der rechten Randgruppe sympathisiert. Auch sowas dulden wir hier nicht.


    Nun kann man natürlich anderer Meinung sein - dafür leben wir in einer Demokratie. Demokratie bedeutet aber auch, wählen zu können, welches Kampfkunstforum zu einem passt. Fest steht: Wer diese Dinge versucht, über unser Forum in die Welt zu senden, hat nicht nur das Problem, sofort aus unserem Forum herausgeworfen zu werden. Er muss auch mit einer Anzeige rechnen, denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum, unsere Regeln (AGBs) ordnen sich dem deutschen Recht (z. B. BGB oder StGB) natürlich unter.


    Bei all diesen Themen und deren Kontexte werden wir nicht diskutieren, sondern handeln, sofern uns die entsprechenden Hinweise bzw. Infos vorliegen. Das ist das eigentliche Problem: Niemand von uns ist überall, von daher sind wir ebenso auf Rückmeldungen der User hier angwiesen.


    War das Antwort genug? Und wenn ja: War die Antwort klar genug?