Beiträge von sabiji

    Ich sehe Sabijis Kantei-Beispiel als Metapher und nicht DIREKT auf das Kantei selbst bezogen.

    Auch wenn ich sagte, dass den Nichteingeweihten der Kantei-Vorgang erklärt werden sollte, so meinte ich das auch eher im Kontext einer Metapher.

    Genau. Manchmal sehe ich Sachen, wenn ich nur hinter jemanden stehe, welcher sich gerade die Klinge anschaut. Obwohl ich die Klinge vorher schon in den Händen hatte, habe ich so zu sagen "den Wald vor lauter Bäumen" nicht gesehen.

    Allegorisch also: manchmal hilft ein anderer Blickwinkel um eine Sache klarer zu sehen.

    Maaaann, Kaji, mein Kantei-Einwurf ist mit einem Zwinker-Emoji verziert. Außerdem, man kann zwar tonnenweise Klingen gesehen haben, und dennoch nicht alles wissen. Deshalb gehört auch eine Portion Intuition dazu. An dieser Stelle noch mal ein Seitenhieb auf das ebenso rhetorisch zerpflückte unsignierte Möchtegern-Horikawa-Waki: Sollte das Ding eine Zuschreibung auf einen Horikawa-Schmied bekommen, ist das auch nur eine Meinung von Experten nach besten Wissen. Mehr nicht. Alles andere Bedarf einer Zeitreise.


    Zurück zum Thema der "Welten" und Sichtweisen. Hie noch mal eine Anekdote, im Bemühen meiner Tochter was auf ihren "Weg" mitzugeben. Ich stellte einen Euro hochkant auf die Tischplatte. "willste haben, wa?" - "Logo" kam prompt als Antwort. Gut, aber darum geht´s jetzt nicht ;).

    Ich meinte zu Ihr, die Sichtweise auf Dinge im Leben ist manchmal wie im Moment mit dem Euro. Dabei drehte ich den Bundesadler zu Ihr. Jetzt siehst Du nur diese Seite. Ich drehte die Münze um 180°, so dass sie die Zahl sah. Und jetzt siehst Du die andere Seite.

    Das Ding ist einfach, dass Du aus Deiner Position nur diese Seite sehen kannst. Manchmal positioniert man sich im Leben so, dass man nur eine Seite sieht, oder nur diese sehen oder wahrhaben will.

    Jetzt drehte ich die Münze mit der Kante zu ihr. Mit etwas Flexibilität kannst Du nun beide Seiten sehen. Wenn Du auch überzeugt bist, dass Dein Standpunkt richtig ist, versuche auch die Sichtweise des anderen nachzuvollziehen. So wie beide Seiten der Münze zu einem Ding gehören, so sind viele Dinge im Leben direkt miteinander verflochten.


    Wir haben ja auch eine Kyudo-Abteilung im Verein. Im Sommer trainieren die Kyujin mit den "normalen" Bogenschützen Freitags zusammen auf den Platz. Oft machen sich die "Normalen" über die Kyujin lustig: "mann , bis die einen Pfeil geschossen haben, stecken von mir 10 davon in der Scheibe!"

    Tja, sage ich, die machen genau das, was Du nicht machst. Sie konzentrieren sich absolut auf ihren gesamten Ablauf. Du rotzt deine Pfeile raus, für dich ist einer wie der andere. Für die ist dieser eine Pfeil im hier und jetzt, alles andere spielt keine Rolle. Sich auf etwas absolut zu konzentrieren bedeutet auch, an nichts anderes zu denken. Aller Fokus ist nur auf diesen einen Schuss gerichtet. Das Treffen des Pfeils ist nur die logische Konsequenz des Schussablaufs. Auch hier ist Treffen wichtig, aber wertvoll ist der Treffer nur, wenn vorher alles richtig gemacht wurde. Hier zeigt sich das Überbleibsel zur Kriegskunst. Mach was du tust mit Konzentration, Hingabe, mit Überzeugung und Kompromisslos.

    Du als Sportschütze hast andere Ziele. Dein Pensum von Pfeilen ist wichtig, um Abläufe einzuschleifen und Kondition zu erlangen.


    Das Wissen um "die andere Seite" entmachtet Vorurteile. Aber bei allem klugscheißerischen Gelaber bin ich auch nicht frei davon. Als ich nach meiner Kendo-Zeit kurze Zeit in Katori-Shinto reinschnupperte, dachte ich abschätzig: ihr seid auch nur "Kata-Läufer"...

    Für mich als Kendoka war Ji-Geiko (also Freikampf) das aller wichtigste. Deswegen finde ich das, was Ryoma macht auch so hyper-interessant - eine Ko-Ryu, die Freikampf als wichtiges Element sieht. Und ganz ehrlich, eine gewisse kleine Arroganz, oder lass es Stolz auf die ausgeübte KK heißen, finde ich gar nicht schlimm. Das macht auch einen Kämpfer aus. Man muss sich nur vor falschem Stolz und falscher Arroganz hüten, die nur darauf abzielt, anderes niederzumachen um selbst groß da zu stehen.

    Lustig: auf der selben Seite gefunden: "Der Schweiz gehen die Sportschützen aus"

    https://www.swissinfo.ch/ger/f…ortschuetzen-aus/44184640


    Aber um es noch mal deutlich zu machen: es geht mir nicht um das reine ballern. Es gibt auch Verbände, wo es rein nur um Training, Schießen und Wettkämpfe geht. Beim immateriellen Kulturgut Schützenwesen ging es im wesentlichen um den Punkt Brauchtumspflege und das Ganze Drumherum.


    Allerdings könnte man dieses: ich will keine Vereinsmeierei, keine Pflichtstunden, keine Feiern, Uniformen, Sitzungen, und auch keinTschingderassabum und Täterää. Mein Hobby sind Schusswaffen, ich will schießen, dafür trete ich in einen Verein mit Schießanlage ein, dafür zahle ich und Sense.


    Auch eine Art Tradition gegen Moderne...

    Naja, Bayern ist wirklich unschlagbar, was die Mitgliederzahlen angeht. Ich habe meiner Tochter mal bei einer Facharbeit geholfen, da ging es um Leistungssport kontra Breitensport auf ihren Bogenverein bezogen. dadurch habe ich die Tendenzen noch im Kopf.

    Die Mitgliederzahlen im DSB sind seit den späten 90gern stetig rückläufig. Ausnahme sind die neuen Bundesländer, die entweder stabil bleiben, oder leichte Zuwächse haben. Wer jetzt denkt, jaja, typisch die Ossis: Bayern hat mit knapp 470.000 Mitgliedern (auf 2018 bezogen) rund 7 mal mehr Mitglieder als alle neuen Bundesländer zusammen.

    Von diesen 470.000 sind etwa ein Drittel über 56 Jahre alt. Dieses Verhältnis Alter zur Gesamtmitgliederzahl zwischen etwa 1 Drittel bis etwa zur Hälfte (Sachsen-Anhalt) zieht sich durch alle Landesverbände.

    Um mal das Ganze etwas aufzulockern, mal ein durchaus ernsten Seitenblick zum Schießsport.

    Als Verein sind wir im Deutschen Schützenbund organisiert. Der DSB ist auch der nationale Dachverband der olympischen Schießsportarten, inkl. dem olympischen Bogenschießen.

    Den weitaus größten Teil macht aber der sogenannte "Knall-Peng-Bereich" aus. Dort hat man massive Probleme mit Nachwuchs. Das mag in bestimmten Regionen Bayerns, Baden-Württembergs oder im Rheinland noch nicht so extrem sein, aber Bundesweit gibt es eine deutliche Tendenz. Viele Vereine "überaltern" regelrecht. Für viele Mamis und Papis ist es in den letzten Jahren ethisch und politisch nicht mehr wirklich vertretbar, Lasse, Paul, Sophie und Marie in ein Verein mit Schusswaffen zu schicken. Der Bogen wird nicht den verkappten "Mordwaffen" gleichgesetzt, davon profitieren wir. Aber das Schützenwesen hat eine sehr lange Tradition in Deutschland und der moderne Zeitgeist ist dabei, diesem langsam das Grab zu schaufeln.

    2015 wurde das Deutsche Schützenwesen von der Deutschen UNESCO-Kommission und Kulturministerkonferenz in des Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturgutes aufgenommen. In der Begründung wurde das Schützenwesen gewürdigt...

    ...als Ausdruck lokal aktiver Kulturpraxis mit lebendiger Traditionspflege, die stark in örtliche Sozial- und Kulturmilieus eingebunden ist. Es gibt vielfältige Maßnahmen zu Weitergabe, unterschiedliche Formen der Jugendarbeit und eine aktive Pflege regionaler und europäischer Verbindungen. Auch die Verpflichtung gegenüber sozialem Engagement

    und ziviler Kultur im Umgang mit Waffentechnik und Waffengebrauch sowie der integrative Charakter wurden hervorgehoben.

    https://www.dsb.de/tradition/immaterielles-kulturerbe/

    Ja Ida, mit Shinto gehe ich konform. Die Sori ist für die Länge recht flach, aber die "Chu" Kissaki extendiert heftig. Dazu dunkler, etwas rau wirkendes Jitetsu. Viel minoeskes aber auch Soshu drin.

    Zettel ist ausgefüllt. Sollte das stimmen, kann ich mich nicht erinnern, so etwas schon mal gehabt zu haben...

    Nö, ehrlich! Der eine Typ mit den Stichblättern in Kawagoe konnte kein Fatz englisch und ich beherrsche kein Fatz japanische Konversation. Was hätte ich gerne fachgesimpelt. Mit englisch kommst Du nicht sonderlich weit in Japan.

    In einen Atelier für Shigaraki Keramik habe ich ein paar Keramiken auf englisch gelobt. Der Angestellte hat sich ein Loch in Bauch gefreut und fragte mich "Do you like Shigaraki?" Darauf habe ich ihn zugetextet und sein Gesicht wurde immer länger. Er meinte dann radebrechend, er habe im Prinzip nichts verstanden. Er studiere englisch wirklich sehr ernsthaft, aber es ist ja so schwer...

    Andersherum gings mir auch nicht anders. Anderer Laden: Karatsu Yaki? Hai! Und dann gings los ... Laberrababer...äh...ja...immer lächeln und nicken...

    Das ist manchmal echt frustrierend.

    Ja, OK. Aber wenn ein potentieller Käufer nicht ein klein wenig in sein Wissen investiert, dann zahlt er eben Lehrgeld. Das war schon immer so, auch vor dem Internetzeitalter, aber ja, diese Wundermaschine "Netz" macht es heute einfacher, viele Unwissende zu finden.

    Und überhaupt: Was sind schon "gerechtfertigte" Preise bei Kunstobjekten?

    Neben Wissen hat Kunst auch viel mit Emotionen zu tun. Selbst wenn man nach zig Jahren auf einem Gebiet meint "abgeklärt" und "rational" zu sein, wickelt einem die Diva Emotion mit einem müden Lächeln um den kleinen Finger und haut einen dann mit Schwung in die Pfanne. Ich glaube davor ist man nie gefeit. Dennoch sollte man stets abwägen, in wie weit eine Investition - und damit der Preis - gerechtfertigt ist. Es geht mir nicht um ein Papier und netter Zuschreibung und einer Klinge dran. Sicher geht es um das eigentliche Stück. Da entwickelt man mit der Zeit ein gewisses Gespür. Man erkennt Potential, man erkennt Blender und man sieht Angebote, die auch in Natura nicht mehr hergeben, als man auf den Foto ohnehin schon sieht. Bei betreffenden Angebot klickert bei mir gar nichts. Sollte ein solcher Kauf nicht den Erwartungen entsprechen, den man in gewisser Weise an eine Horikawa-Klinge hegt, hat man schlicht 5000 Pinökel für eine unsignierte Wakiklinge ohne Montierung und ohne irgendein Papier bezahlt.

    So wie ich es verstanden habe, wurde nichts als Horikawa beschrieben, sondern es geht um die MÖGLICHKEIT, dass die Klinge bei einer Shinsa Horikawa zugeschrieben werden würde:

    (Hervorhebung im folgenden Zitat von mir eingefügt)

    Mmh, ich kann mich nicht an irgendeine Zuschreibung der NBTHK mit "Den Horikawa" erinnern. Ich will es nicht ausschließen, aber ich kenne keine. Unsignierte Werke werden in der Regel im Zusammenhang mit dieser Schule direkt einem Schmied zugeschrieben.

    Wenn ich "Den Horikawa" schreibe meine ich, das ich nach meiner Meinung überwiegend Eigenschaften dieser Schule sehe, sie aber keinen der Schmiede zuordnen kann.

    Der Preis zielt ja schon auf die Möglichkeit einer Horikawa-Zuschreibung ab. Aber das ist Fiktion und vollkommen irrelevant und rechtfertigt diesen Preis nicht.