Beiträge von sabiji

    Mister Kato auf dem Sofa und das Foto, welches nie geschossen wurde


    Ich habe lange überlegt, ob ich dazu was schreiben soll. Letztendlich will ich ja auch niemanden kompromittieren. Also wird folgende kleine Geschichte eine absolut rein fiktive Geschichte sein. Ähnlichkeiten zu realen Personen und Orten bestenfalls reiner Zufall. Ich schwöre!

    Einige werden nur Bahnhof verstehen, die Bescheidwisser werden aber Bescheid wissen.


    Ida und Kaji hatte ich ein Foto versprochen. Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns intensiv mit einem Spiel Herrn Katos (fiktive Geschichte -> fiktiver Name), und ich habe gesagt, wenn ich bei Herrn Kato vorbei komme, mache ich ein Foto! Vorweg, zu dem Foto ist es nicht gekommen. Hätte ich die Aktion eher am Ende unseres Aufenthalts gemacht, wer weis, dann hätte ich das Gruppenfoto einfach eingefordert.


    Noch in Deutschland bin ich schwachgeworden. Ein Stichblatt (Tsuba) auf Herrn Katos Seite flehte mich an, gekauft zu werden. Und wenn mir mal was gefällt, wie soll es auch anders sein, wollen es andere auch haben. So musste ich mich das erste mal auf Herrn Katos Auktionsseite mit Anderen rum zanken.


    Erzankte Stücke müssen innerhalb einer kurzen Frist bezahlt werden. Versand ist im Endpreis enthalten. Ich schrieb Herrn Kato an und meinte, ich würde das Stück nächsten Monat persönlich abholen. Nebenbei fragte ich nicht ohne Hinterlist, ob der Preis so bliebe, da ein Versand ja dann nicht notwendig würde. Aber "Neeiiiin" hieß es prompt, "das wäre ja unfair den anderen Bietern gegenüber". Obwohl mich das Elend der Verlierer kalt ließ, generös mimte ich Verständnis. Ich bat noch darum ein anderes Stück sehen zu wollen, sollte dies noch zur Verfügung stehen, wenn ich vorbei komme. Logo kam als Antwort, ich solle nur sagen, wann ich genau komme.


    Das teilte ich ihm 3 Tage vorher mit. Ich hatte nachgeschaut, 18:00 Uhr macht er zu. Wie lange werde ich brauchen? Ein Stück nur abholen, ein Blick auf ein Zweites - 15, maximal 20 Minuten? Also schrieb ich, dass meine Durchlaucht gegen 17:30 einschweben wird. Mit 17:30 meine ich auch 17:30, bin ja schließlich Preuße. "Neeiiiiin" kam postwendend, da man ja um 18:00 schließe, würde 17:30 in keinem Fall funktionieren!!! Ich musste prompt an die Prenzelberger Schwaben hier in Berlin denken. Die 25 Minuten nach Ladenschluss flanierend vom Verkaufspersonal sensilbelst darauf hingewiesen werden, dass unglücklicherweise der Laden längst geschlossen sei, und dafür was von Service-Wüste Deutschland an den Kopf geknallt bekommen.

    Na gut flunkerte ich, meine Lichtgestalt wird den Laden dann eben zwischen 16:30 und 17:00 Uhr erhellen. Das stieß auf Wohlgefallen.


    Inzwischen war es Nachmittag in Tokio. Tochter erinnert zum wiederholten mal, ich möge doch mein Termin nicht verpassen. Ich aber habe es nicht eilig. Inzwischen bin ich tiefenentspannt. "Gestern" früh bin ich in Berlin aufgestanden, seitdem habe ich nicht geschlafen. Täuscht das, oder warum sind die Wolken hier so rosa und haben Gesichter? Ich meinte zu Tochter, solange nicht Godzilla gerade durch Yoyogi latscht, sollte sie sich keine Sorgen machen.

    Erstmal frisst uns die Berufsverkehr-U-Bahn (stimmt nicht: JR-Line ist S-Bahn, aber das wusste ich zu der Zeit noch nicht) und spuckt uns in den siebziger Jahren wieder aus. Das erste Mal bin ich einigermaßen entsetzt. Erhaltungstechnisch wetteifert die Ecke mit abgehalfterten Kiezen von Neukölln oder Wedding. Viele marode Fassaden werden von riesen Werbetafeln zusammengehalten. Ein Fitness-Studio wirbt mit Öffnungszeiten von 5:00 bis 26:00 Uhr. In Japan ticken die Uhren anders.


    Der Weg ist kein Problem, über die Straße, links halten, dann links um die Ecke und ratz fatz steht man vor Herrn Katos Refugium, dass den Scharm eines Schuhkartons versprüht. Also rein in die gute Stube und sogleich fühlt man sich in einen Cowboy versetzt, der den Saloon einer fremden Stadt betritt. Ein Gespräch verstummt augenblicklich. Links im Saloon, äh Laden, befindet sich eine Sitzgruppe. Darin lungert ein Kunde (?) und Herr Kato. Neben der Sitzgruppe stehen 2 Damen, eine älter, eine jünger an Jahren. Den Zugang zur rechten Seite des Ladens verhindert eine thekenhohe Vitrine. Das "Gelände" dahinter ist ziemlich "zugekramt". Auf der Vitrine liegt ebenfalls allerlei Zeugs, darunter eine angerostete Jumonji-Yari, und gibt nur teilweise den Blick in die Vitrine mit allerlei Stichblättern frei. Da ich kein Spucknapf sehe, beschränke ich mich auf meine Ansage. Konichiwaaa, der Rest ist englisch, anstatt Bourbon verlange ich die Stichblätter. Obwohl Herr Kato besonders von seiner internationalen Kundschaft lebt und wir ja angemeldet sind, habe ich eher den Eindruck, als ob die vier Augenpaare gerade zwei Außerirdische mustern. Während einer folgenden Schweigeminute überlege ich, ob mein Englisch wirklich so grottig ist. Doch dann regt sich Herr Kato und raunt der jüngeren Dame etwas in der hiesigen Sprache zu. Diese unterstreicht die mehreren geäußerten "hais" mit Nicken und verschwindet durch eine Hintertür. Anstatt Whiskey bietet uns Dame Nummer 2 Tee an. Obwohl ich sonst so gut wie nie grünen Tee trinke muss ich zugeben, dass wenn ich den in Japan getrunken habe, dieser unheimlich gut tut und neue Lebensgeister weckt.

    "Hai, dozooo..." Dame 1 ist aus der Tiefe des Schuhkartons wiedergekehrt, offeriert mir die gekaufte und die zu begutachtende Tsuba, dazu legt sie die entfalteten NBTHK Papiere auf den kramfreien Bereich der Thekenvitrine, welche damit vollends bedeckt ist.

    Tochter hats gut, die schlürft ihren Tee neben Herrn Kato in der Sitzlandschaft, der inzwischen wieder mit dem anderen Japaner parliert.

    Ich muss stehen, nippe abwechselnd Tee und beäuge die Stichblätter. Tsuba 2 ist nett. Nett ist so ein Begriff. Wenn Kaji zu einem Schwert "nett" sagt, rangiert die damit bezeichnete Qualität mit ach und krach über dem "Klobürsten-Level". Ganz so ist es hier nicht. Das Tsuba ist wirklich nett. Aber ich hadere damit, dafür wirklich Geld auszugeben. Keine Frage, sie ist es wert. Hoan, nicht ganz früh, aber plusminus 1650. Unsigniert, aber einem Schmied zugeschrieben. Aber es macht nicht klick bei mir.

    Dann fällt mir was ein: da war doch erst vor kurzem was neues dazu gekommen...ich frage danach. Nummer 1 verschwindet wieder im hinteren Schuhkarton und kehrt mit besagtem Tsuba und entblätterten Papier zurück. Engelchöre jauchzen, ich bin verzückt, Schlafentzug und wer weiß welche Kaufdrogen im Tee waren, tun ihr übriges. Meine Begeisterung steckt die beiden Damen an. Gemeinsam bewundern wir das Stück und überhäufen es mit Lob.

    Tochter schlürft Tee, Herr Kato labert ungerührt mit Sitzgruppen-Kunde.

    "Die soll es sein! Nein, nicht alle drei! Diese, dafür die andere nicht! Ja, die andere sowieso" Es dauert etwas mit der Verständnis-Salat, was aber zu allgemeiner Heiterkeit führt. Wie wollen Sie bezahlen? Karte? Nöö, bar. Beide Damen verfallen in Hektik, suchen nach Verpackungen. Aber ich habe doch einen Rucksack bei! Neiiiin, alles muss säuberlich verpackt werden. Ich bekomme sogar eine "Herr Kato-Tüte" (ich überlege gerade, wo die gelandet ist). Allgemeine Betriebsamkeit.

    Tochter schlürft Tee, Herr Kato labert ungerührt mit Sitzgruppen-Kunde.

    Beide Damen beginnen in holprigen Englisch ein Gespräch. Ja, das ist meine Tochter ..."kawaiiii!"... sie hat ein Jahr in Japan gearbeitet "sugoooiii!"...auf einer Farm und in einem Bärenschutzprojekt ....eeeeehh?...und das ich sie hier abhole..."sugoooiii!"

    Tochter hat Tee inzwischen alle, Herr Kato quasselt weiter mit Sitznachbar. Ich nicke ihr zu und sie hievt sich aus den Niederungen des Sofas hoch und lässt Herrn Kato darin allein zurück.

    Der labert weiter.

    Die Damen begleiten uns schwatzend zu Tür. Ich überlege ernsthaft, mich nur von den Damen zu verabschieden und Herr Kato nebst Sofa einfach nur Herr Kato und Sofa sein zu lassen. Ich entbiete dann doch noch meinen Abschied zur Ikea-Gruppe. Kurze Unterbrechung - man grüßt zurück - und plaudert weiter.

    Inzwischen bin ich überzeugt, dass die Damen den Laden schmeißen und Herr Kato und Sitzgruppe zum Inventar gehören.

    Beide Damen bringen uns bis vor die Tür und verbeugen sich immer wieder. Ich wollte doch noch ein Foto machen...nach 50, 60 Meter des Wegs frage ich meine Tochter, ob die Damen wieder drin sind. Tochter dreht sich um und verbeugt sich, nee die schauen uns immer noch nach. Das geht so bis wir abbiegen.

    Leider kein Foto.

    Noch mal kurz zum Verständnis zum Thema modernes Material kontra Tradition.


    Man bekommt häufig vermittelt, dass reine Bambusbögen erst ab höhere Graduierungen empfohlen werden.

    Warum?


    - Zugstärke. Anfänger üben mit Bögen von 8 bis 12 Kilo. Das hört sich sehr wenig an, besonders für normale Bogenschützen. Auf Grund der komplexen Technik macht das jedoch absolut Sinn. Konstruktionsbedingt sind aber solch schwache Bögen als reine Bambusbögen kaum herzustellen und beginnen meist erst jenseits der 12 Kilo.


    - Form und Eigenschaft. Darauf bin ich bereits oben schon eingegangen. Glas- und Carbonlaminierungen halten den Bogen dauerhaft in identischer Form und Schusseigenschaft. Die Form eines reinen Bambusbogens muss dagegen ständig kontrolliert und ggfls. korrigiert werden. Dazu gehört Erfahrung. Reiner Bambus sollte aufgespannt erstmal etwas ruhen und vor dem Schießen etwas "aufgepumpt" werden, also nicht gleich von null auf hundert in den vollen Einsatz gebracht werden. Bambus reagiert auf Umwelteinflüsse (trocken, feucht, unterschiedliche Temp.), entsprechend ist der Einfluss auf die Schussleistung. das bedarf ebenfalls Erfahrung.


    - Technik. Laminierte Bögen sind unempfindlicher gegenüber Technikfehlern, Zudem verändert sich der Auszug bei Anfängern mit der Entwicklung und Verbesserung der Technik.


    - Preis. Yumi sind teuer. Handgefertigte Bambusyumi sind gerne doppelt so teuer, wie die laminierten Kollegen. Da Anfänger über die Zeit auch an Zugkraft zulegen, macht es Sinn, "seinen" Yumi ab einen bestimmten Level zuzulegen. Viele üben deshalb eine ganze Weile mit günstigen laminierten Bögen.


    Das Gleiche gilt bei den Pfeilen. Reine Bambuspfeile, möglichst noch mit Greifvogelfedern und Hornnocken sind irre teuer. Schon ein 6er Satz Mato-Pfeile Alu mit Truthahn/Gans schlägt mit um die 200 Euro zu buche. So ist es nur verständlich, das hochwertige Materialien bei hoher Treffsicherheit länger halten.

    Ausnahme: für das üben am Makiwara eignen sich für Anfänger auch Bambuspfeile sehr gut. Die Nodien dienen besten zur Kontrolle des Auszugs. Markierungen an Alu verschleißen dagegen regelmäßig.

    ...und da Heki Ryu Insai Ha vom Kriegsschießen zu Fuß kommt drehen wir die Zughand tatsächlich ein. Für die Bogenhand benutzen wir Fudeko, das kann man in etwa mit dem Magnesium der Turner vergleichen und soll verhindern, dass durch Schweiß nicht die Spannung der Bogenhand "entflutscht". Fudeko ist eine Mischung aus Reisstrohasche und Kalk vom Plattenknochen der Kalmare.,

    Im normalen Heki-Kyudo benutzt man den drei-Finger-Gake mit "steifen" Daumen. Der Daumen hat an der Basis eine Sehnenkerbe. Da "hakt" man die Sehne ein. Das Kleben mit Harz kenne ich nicht. Harz in Form von Giriko benutzen wir trotzdem für den Handschuh, und zwar an der Stelle, an der das erste Fingergelenk des Mittelfingers auf der Daumenspitze liegt. Hier soll das Harz ausreichend Halt geben. Durch eindrehen der Hand löst sich die Sehne aus der Kerbe und gleichzeitig "schnippst" man mit Daumen und Mittelfinger beim Lösen.

    Der Kriegshandschuh dagegen besitzt diesen steifen Daumen nicht. Er ist im Bereich des Sehnenlagers lediglich verstärkt.

    Ein Bogenkollege aus einem anderen Berliner Verein schießt sog. Krim-Tartaren-Bögen und sieht sich damit schon eher als Europäer, wenn man dann noch die ungarische Bögen nimmt, so reichen die Reflexbögen (viele Reflexbogenschützen mögen den Begriff Reiterbogen gar nicht) bis deutlich nach Europa rein.

    Auch wenn der Begriff Reiterbogen umgangssprachlich fast betoniert ist und die Verbreitung tatsächlich bei vielen Nomaden-Völkern vorherrscht, wird er auch sehr viel Off-Gaul-technisch verwendet. Dennoch, und das ist unbestritten, waren es gerade hier die asiatischen Krieger, welche das Bogenschießen vom Pferd zur Kriegskunst entwickelten. Das Besondere bei diesen Reflexbögen ist die enorme Vorspannung im aufgespannten Zustand. Abgespannt sind solch Bögen fast nur noch Reflex. Beispiel eines türkischen Bogens: http://www.archerybrennecke.de…A8/29BA/5F98/DSC_0251.JPG

    Und der ist noch harmlos, manche Bögen bilden fast einen Kreis, bei den sich die Siyahs, die steifen Enden der Wurfarme fast berühren: https://upload.wikimedia.org/w…commons/d/d4/Gak_gung.jpg

    Und hier sieht man den unterschied zwischen ungespannt und gespannt: http://www.atarn.org/chinese/visible_bow/wholebow.JPG

    Dagegen war "unser" Langbogen schlicht eine gerade Latte, an deren beiden Enden die Sehne gespannt wurde. Hier kann man ahnen, welchen unterschied schon die Vorspannung machte. Und man kann auch ahnen, welche Kunst es war, einen solchen entspannten Bogen mit einen Sehne zu versehen. Denn "den Bogen spannen" bedeutet eigentlich die Sehne aufziehen und nicht den Bogen mit einem Pfeil ausziehen. Selbst bei einem normalen sportiven Jagdrecurve mit 35 Pfund bei 28 Zoll Auszug. so wie in viele Sportschützen nutzen, muss man u. U. je nach Bauform und Recurves locker 45 bis 55 Pfund überwinden, um die Sehne einzuspannen. Also deutlich mehr, als man aufbringen muss um den Bogen voll auszuziehen! Und jetzt stellt auch dass mal bei einem türkischen Kriegsbogen mit 120 Pfund vor!

    Erinnert Euch an Odysseus! Als er von seiner langjährigen Irrfahrt zurück kam, waren schon etliche Typen auf Penelope scharf, weil man ja Odysseus für tot hielt. Penelope wollte also den zum Mann erwählen, der durch die Schaftlöcher von 12 Äxten hindurchtraf. Doch das war gar nicht entscheidend, denn dazu musste der Bogen erstmal mit einer Sehne aufgespannt werden. Und daran scheiterten schon alle, die sind also gar nicht erst zum schießen gekommen.

    Man liest manchmal, dass das Drehen des Bogens dem Pfeil noch mal das Sahnehäubchen an Kraft und Schnelligkeit geben soll. Ich kratze im Kyudo gerade mal an der Oberfläche, aber aus meiner langjährigen Erfahrung als Bogenschütze glaube ich das nicht. Die Sehne ist einfach schneller, als das der Drehimpuls der Hand irgendeine Auswirkung in Form von mehr Energie bringen würde. Ich denke, dass die wesentliche Aufgabe dieser speziellen Technik wie bereits oben dargestellt besteht. Es geht auch nicht nur um den Kopf, sondern auch Brust und Unterarm. Auf dem Foto des Kyujin sieht man es nicht, aber die Sehne muss im Vollauszug die Brust berühren. Beim Schießen mit Kimono wird mit entblößten Bogenarm/Brust geschossen (Frauen binden sich wie Schwertkämpfer die Ärmel hoch). Was meint ihr wie das fetzt, wenn bei ungenügender Technik die Sehne an der Brustwarze vorbei-senst! Ist mir auch schon passiert, aber das war noch der Gi dazwischen.

    Auf dem Schlachtfeld hat der Samurai jedoch noch die Rüstung an, und da darf die Sehne nirgends hängenbleiben. Allerdings wird hier drauf geachtet, dass das Ausdrehen so viel wie nötig, so wenig wie möglich passiert. Das totale Umschlagen des Bogens, wie man es auf manchen Videos sieht ist hier nicht erwünscht. Der Bogen bleibt fest zwischen Mittel-, Ring- und kleinen Finger und der "Temonkin" eingespannt. Alles ist auf reine Effizienz ausgerichtet, da man hintereinander in schneller Folge die Pfeile verschießt.

    Weil ich so viel einfach nicht in die Shoutbox reinbekomme, hier ein paar Zeilen für Kaji und Ida.


    Uffff... wo fange ich an?


    Mein Wechsel vom "westlichen Bogenschießen" zum Kyudo war schon eine mächtige Zeitreise. Nicht wegen der Sichtweise des trad. Bogenschießens, sondern wortwörtlich aus "Bogen-Technischer Sicht".


    Mittlerweile wissen die Leutchen ziemlich genau, dass ich allein schon bei dem Begriff "westliches Bogenschießen" einen Mega-Hals bekomme. Dann platzt der Kragen "außer euch und ein paar verirrte Vorder- und Fernostasiaten schießt die ganze Welt so wie ich, also kommt mir nicht mit westliches Bogenschießen! Meine Art in die Sehne zu greifen, wird sogar Apache draw genannt!" Dann gucken sie wie die Hamster.


    Neben dem berühmten Bambusbogen gibt es dann noch die einfacheren Fiberglasbögen und Carbonbögen. Aber auch diese Begrifflichkeiten - zu mindestens "Fiberglasbogen", sind voll 70er. Als Dreikäsehoch hatte ich mal ein Bogen, in der Mitte einen dicken Kork-Griff und die Wurfarme waren dicke Fiberglasstangen, wie beim Zeltgestänge zu der Zeit.

    Heutzutage bestehen die Wurfarme eines Normalo-Jagdbogens häufig aus einem getaperten Esche- oder Ahorn-Furniers. Damit das ganze noch etwas fescher Aussieht, kommt irgend eine nette Holzart als Sichtfurnier auf Forder- und Rückseite. Und das ganze wird dann mit einer feinen Glasschicht belegt. Diese Glasschicht hat tatsächlich einen maßgeblichen Einfluss auf den Bogen. Er wird kaum brechen und verliert über Jahrzehnte weder Form noch Zugkraft. Auch Umwelteinflüsse haben kaum Einfluss auf die Eigenschaften des Bogens. Meistens sind es heher die Kleber, die bei extremen Temperaturen und unter Last schlapp machen.

    Später, ab Mitte der 80ger kam Carbon anstatt Glas im Hochleistungssport auf. Carbon ist dünner und leichter als das Glas, und die leichteren Wurfarme wurden schneller. Gleichzeitig sind Wurfarme mit Carbon verwindungsteifer und ziehen sich softer. Weil Carbon die Wurfarme verwindungssteifer macht, konnten die Wurfarme auch schmaler gestaltet werden. Weniger Masse -> noch schneller. Und vor allem ganz wichtig: Glas und Carbon machte es möglich Wurfarme herzustellen, die selbst bei recht geringer Zugkraft sehr effizient waren.

    Parallel dazu verläuft die Entwicklung der Pfeile. Alu als Pfeilmaterial gibt es glaube ich schon seit den späten 1930gern. Die Ami-Firma Easton war da Pionier. Alu war damals das Maß der Dinge, was Rundlaufgenauigkeit und damit Präzision angeht. Die jagdbegeisterten Amis übernahmen auch schnell Alu aus dem Leistungssport. Alu war wesentlich robuster und gleichzeitig leichter als Holz. Carbon machte die Pfeile noch leichter und schneller. Alu und Carbon, auch Kombis von beiden machten die Pfeile auch dünner und bieten damit weniger Angriffsfläche für den Wind.

    Eine Sechzehnjährige kann mit 30 Pfund Zugkraft, 27 Zoll Auszug und dünnen Alu-Stricknadel-Pfeilen im olympischen Bogenschießen eine Untertasse auf 60 Meter treffen.


    Schnelle Bögen und leichte Pfeile aus beschriebenen Materialien bedingen aber auch, dass sehr viel Energie im Spiel ist. Ein olympischer Recurvebogen ist in der Regel 68 Zoll lang, besitz ein schweres Mittelteil, zudem nehmen die Stabilisatoren übrig gebliebene Energie mit auf. Bei einem 60 Zoll Jagdrecurve, der wesentlich kürzer und leichter ist, bedeutet zu viel Restenergie, welche nicht auf den Pfeil gebracht wird und im Bogen verbleibt, sehr viel Stress für das Material. Bei schwereren Pfeilen, die den Bogen langsamer entspannen lassen, verbleibt weniger Energie im Bogen. Deswegen wird oft auf ein Mindestgewicht bei Pfeilen geachtet. Doch auch hier machen schon moderne Holzverbundstoffe und Kunstharze sehr unempfindliche Bögen möglich, so dass eine Hersteller kein Mindestpfeilgewicht mehr vorschreiben.


    Hier jetzt der "Bogen" zum Primitiv-Bogen. Bei uns im nördlichen Mitteleuropa und Nordeuropa waren Langbogen üblich. Diese bestanden aus einem Stück Holz. Im Grunde eignen sich viele heimische Hölzer, doch am meisten nutze man Eibe und Ulme. Geeignetes Holz muss eine hohe Rückstellkraft haben und die Belastung lange Aushalten können. Denkt an den berühmten Holzstiel vom Stieleis. Haltet das kurze Ende mit dem Daumen an der Tischkante fest, und zieht den längeren Teil des Stiels über die Tischkante. Lasst los und der Stiel schnippst zurück. Das ist die Rückstellkraft. Um so weiter ihr drückt und los lässt, um so höher die Rückstellkraft. Das funktioniert so lange, bis das Holz bricht. Kurz vor dem Brechen besitzt der Stiel aber die höchste Rückstellkraft. Genauso funktioniert der Bogen. Ein guter Primitivbogen muss also nach der Auszugslänge des Schützen gebaut werden, damit er höchstmöglich effizient ist. Da die meisten Holzarten am Bogenbauch sehr druckempfindlich sind, wurden viele Bögen mit flachen Querschnitten gebaut. Nur Eibe bildet eine Ausnahme. Auf der einen Seite kann das Material ab einer bestimmten Belastung "dicht" machen, auf der anderen Seite hat noch der Winkel Wurfarm/Sehne entscheidenden Einfluss auf das Auszugsverhalten. Das ist besonders bei kürzeren Bögen wichtig, und so erfanden andere Kulturen die reflex-deflex Form, so wie sie in Zügen noch bei den modernen olympischen Bögen zu finden ist. Damit diese kurzen Bügen diese hohe Belastung aushalten, wurden Tiersehnen und Horn als "Urglas" eingesetzt.

    Ein Jagdpfeil ist etwa halb so schwer wie ein Kriegspfeil, doch immer noch schwer genug, um vom Bogen eine gewisse Kraft zu verlangen, damit der Pfeil mit einer gewissen Geschwindigkeit und Penetrationskraft auf eine jagdbare Entfernung sein Ziel traf. Ein schwerer Kriegspfeil bedurfte wiederum eines schweren Bogens. Nur die nominale Zugkraft des Bogens, Geschwindigkeit und Masse des Pfeils bringen nur was, wenn der Schützer seinen Auszug, auf den der Bogen ja abgestimmt ist, voll nutzt. Hier setzen die Bogentechniken und hier sind sie auch alle ziemlich ähnlich.


    Beim Yumi ist halt die Besonderheit, das er weit bis hinters Ohr gezogen wird, wobei der Pfeil zu mindestens beim Heki auf Höhe des Wangenknochens liegt.

    https://cdn.lifehack.org/wp-co…94002344_c8c4e100dd_b.jpg

    Im Vergleich dazu mal der englische Kriegsbogen:

    https://cangeo-media-library.s…/1184/english_warbow1.jpg

    Im Gegensatz zum tieferen Brustanker beim Engländer sieht man deutlich die Problematik: ein Stückchen der Birne und das Ohr des Kyujin liegen im "Weg" der Sehne. Die Sehne muss also um den Kopf des Schützen rum. Bin ich im "westlichen Bogenschießen" mit Wangen-, Mundwinkel- oder Kinnanker bemüht, so gut wie keine Impulse auf Bogen und Sehne zu geben, welche Einfluss auf den Pfeilflug haben, ist das im Kyudo elementar wichtig. Vereinfacht gesagt, verwindet der Schütze den Bogen regelrecht, durch Eindrehen der Sehne mit Zughand und Ausdrehen des Bogens mit der Bogenhand. Ist man zu langsam, macht es aua...

    Vergleicht man Zug- und Pfeilgewichte mit denen des westlich Bogenschießens, sind letztere natürlich deutlich stärker, schneller und die Pfeile leichter. Aber auf Grund der wesentlich komplexeren Technik macht das Erlernen eben dieser Technik mit schwächeren Bögen und schweren Pfeilen = langsamer deutlich mehr Sinn.

    Stilistisch ist das Schwert wirklich einfach. Es ist nur nicht ganz so einfach, es einem bestimmten zuzuordnen. Jedenfalls bin ich mir da noch nicht grün und habe nur die Schule stehen.

    Örtlich gehe ich mit dir konform, Ida. Aber zeitlich würde ich es eindeutig früher einordnen. Die Form ist klassisch.

    Als wir in Kawagoe aussteigen, treibt uns die App zum Busbahnhof, denn in 3 Minuten soll es weitergehen. Wie abgeklärte Profis stürmen wir den bereitstehenden Bus und ab geht´s. Argwöhnisch vergleiche ich die angezeigten Haltestellen mit der App, nee, passt, wir sind richtig. Nur etwa 5 Stationen weiter steigen wir in einer menschenleeren Wohngegend aus, in der wir nicht tot übern Zaun hängen wollen. 7 andere Leute sind ebenfalls ausgestiegen, 2 entscheiden sich für das über den Zaun hängen und 5 streben in eine Richtung, die Ich und mein Handy-Navi auch favorisieren. Also einfach hinterher dackeln. Eine Ampel. Weit und breit nichts. Imaginäre Büsche rollen über die Straße. Wir und 5 Japaner warten artig, bis wir laufen dürfen.

    Nach 150 Metern die erste Ahnung, dann Gewissheit: an einem Seiteneingang zum Tempelgelände drängen sich die ersten Stände und ich staune nicht schlecht, der Markt bereits verdammt gut besucht. Das erste "überfliegen" der Angebote bringt Erleichterung, alles was das Japan-Antikherz begehrt. Wir sondieren erstmal die Stände und ich gebe meiner Tochter Empfehlungen ...ach guck mal hier...und das ist toll... ja der Preis ist wirklich gut ... tolle Masken...usw.

    Dieser Sondierungsluxus entpuppte sich als gewaltiger Fehler. Nachdem wir im zweiten Durchgang ausgesuchte Favoriten einsammeln wollen, waren gut 50% der Stücke bereits weg. Aha, der Markt erinnert mich an den alten Bermondsay Market in den 90ern von London. Ein reiner Sammler und Händler Markt. Da war um 9:00 der Zug meistens längst abgefahren. Also Taktik geändert. Ich erteile Tochter regelrecht Befehle, bestimmte Sachen sofort zu kaufen. Meistens gehorcht sie, manchmal ziert sie sich den Händler zu fragen. Dann werde ich energisch: wenn Du dass nicht mitnimmst, dann ist es weg. Preis und Qualität stimmen, mach es! Mit erfahrenen Blicken fische ich die Schmeckerchen aus den Angeboten, die für Tochter in Frage kommen. Die Highlights sind ein antiker Reiseschrein mit einem Jizo-Bosatsu, eine tolle alte Shishi-Maske aus Holz mit Original Holzbox, sowie eine schöne und grimmige Kagura-Maske. Auch ihren Holzschnitt bekommt sie, natürlich mit Fuji, irgendwie zwischen späte Meiji bis frühe Showa einzuordnen für umgerechnet keine 5 Euro.

    Bald hat Tochter Rucksack und Beutel voll, nur ich habe nichts. Intensiv schaue ich mich noch mal um. "fachsimple" in einer Mischung aus englisch und jap. Fachausdrücken mit Händlern. Was mir gefällt ist natürlich teuer, zu teuer, oder zu groß, oder zu schwer. Bei einem netten Händler muss ich bei einer ebenso netten Ko-Sukashi Tsuba zweimal nach den Preis fragen. Bei dem geforderten Witz-Preis muss ich auch nicht mehr mit meinem schlechten Gewissen diskutieren. Gekauft!

    Nach 3 Stunden sind wir echt geschafft. Wir machen Schluss, Ziel erreicht, Tochter happy, ich auch.


    Ein kurzes Markt-Resümee: im Vergleich zu deutschen Antikmärkten sind die Waren hier größtenteils ausgepreist. Auch habe ich den Eindruck, dass die Anbieter ungerne handeln und schon gar nicht um den Preis feilschen wollen. Auch würde ich nicht empfehlen, Stücke schlechter zu machen, um Preise zu drücken. Da gehen schnell Jalousien runter. Wenn einem der Preis nicht passt, dann eben nicht. Des Weiteren war ich immer wieder erstaunt, das Händler keinesfalls überrascht sind, wenn man sich als Gaijin auskennt. Im Gegenteil, sie freuen sich eher. Sie honorieren es auch, wenn man Stücke eher lobt. Tochter war total glücklich über den kleinen Jizo-Schrein. Es war ihre teuerste Erwerbung und sollte 11.000 Yen kosten, also etwa 95 Euro. Da ihre Ohren besuch bekamen, ihre Augen leuchteten und nach einem Jahr Japan sich stilecht beim Händler bedankte, rief der sie nach einen kurzen Augenblick zurück als wir schon am Gehen waren, und gab ihr 2.000 Yen zurück! Jetzt freuten sich beide um die Wette.

    Es gibt aber auch Händler, welche sich mit uns Gaijin schwer tun. Das ist mir auch in den vergangenen Tagen ab und an aufgefallen. Es äußert sich dahingehend, dass man schlicht ignoriert wird. Man konnte unmittelbar vor dem Händler stehen und unmissverständliches Interesse für etwas zeigen, aber der gegenüber kramte dann umständlich irgendwo in seinen Sachen rum oder guckte demonstrativ in jede mögliche andere Himmelsrichtung. Man musste dann Gaijin-typisch hartnäckig bleiben bis der arme Händler aufgab und einsah, das es besser war uns zu akzeptieren. Den Grund dafür sehe ich im wesentlich die Sprachbarriere. Denn wie gesagt, auch englisch ist hier absolut Mangelware.

    Aber es gab auch das Gegenteil. Bei einen Händler schaute ich mir eine ganze Reihe Stichblätter an. Hervorragende Stücke, zum Teil mit sehr alten Origamis (Gutachten) aber jenseits meines Budgets. Er schnatterte munter irgendwas, ich laberte einen Brei aus englisch, gespickt mit jap. Fachausdrücken. Er und ich hätten auch von grünen Elefanten mit lila Punkten erzählen können. Dann stellte er doch eine direkte Frage, hilfesuchenden Blick meinerseits zur Tochter...er fragt, ob ich deine Tochter bin. Hai, hai, watashi wa Chichioyadessss mit Fingerzeig auf Tochter radebreche ich zurück. Gruppenfreuen ist angesagt.


    Was machen wir jetzt? Nach Ko-Edo, wenn wir schon mal hier sind. Aber in der Nähe soll ja noch das Kawagoe Honmaru sein, das Kawagoe-Schloss. Kawagoe war mal eine begehrte Gegend und es gab sogar eine berühmte Schlacht im 16. Jahrhundert hier, als die Hojo den Uesugi die Burg abluchsten. In der Edo verwalteten die wichtigsten Vasallen der Tokugawa (Sakai, Hotta, Matsudaira, Matsui) die Burg von Kawagoe. Das was aber Heute noch davon übrig ist, ist mehr oder weniger recht übersichtlich. Im Grunde ist es eine im 19 Jahrhundert wieder errichtete Residenz. Wir haben uns durch die meist leeren Räume schieben lassen und waren 15 Minuten später wieder draußen. Na. dann auf zum Ko-Edo Viertel. Verlaufen war unmöglich, den ein steter Menschenstrom wies uns den Weg. Auch die Straßen waren mittlerweile voll mit Autos.

    Das Viertel ist sicherlich sehenswert. In den alten Holzhäusern sind allerlei Geschäfte mit Kunstgewerbe und Leckereien, welche ganz auf die vielen Besucher abzielen, die hier bummeln wollen. Doch von "bummeln" kann Heute keine Rede sein. Myriaden von Leuten quetschen sich durch die antiken Straßen und Gassen. Das Wetter und der Sonntag lassen grüßen. Mit "angezogenen Beinen" lassen wir uns einmal ums Karree "tragen", futtern ein paar salzige Dangos und beschließen fluchtartig das Gelände zu verlassen. Es soll ja hier noch den Kita-in Tempel mit sehenswerten Garten geben, nur weg von hier! Lustiger Weise lotst uns die App wieder in die Richtung aus der wir gekommen sind. Nach 15 Minuten kommen wir wieder am Antikmarkt vorbei, der Tempel den wir suchen befindet sich in unmittelbarer Nähe "unseres" Antikmarkt-Tempels. Den Ausflug in den Gedränge-Irrsinn hätten wir uns echt klemmen können. Hier sind zwar Leute, aber es herrscht entspannte Ruhe. Wir machen erstmal vor dem Kita-In im Schatten schlapp und mir kommt eine Idee. Ich besorge meiner Tochter eine Portion Oktopus-Bällchen und bitte sie zu warten. Dann eile ich noch mal schnell auf den Antikmarkt um die Ecke und erwerbe doch noch ein Hagi-Chaire, was ich früh ein paar mal in der Hand hatte, mich aber nicht überwinden konnte. Mein zaudern hatte sehr wohl einen Grund, den der Deckel des Teepulver-Gefäßes ist aus Elfenbein. Der ist zwar alt und antik, aber mach das mal unseren Zollbeamten klar. Ich gehe also ein Risiko ein.

    Wieder zurück hat Tochter nur ein Bällchen übrig gelassen und die anderen in ihrem Bauch versteckt. Wir raffen uns hoch und schlendern zum Eintrittskartenhäuschen des Gartens, welchen wir uns anschauen wollen. "Zwei Erwachsene bitte!". Ein etwa 80jähriger Opa mustert uns kurz und hält vor unseren baffen Gesichtern einen Vortrag in besten Deutsch, dass wir für nur wenige Yen mehr uns das gesamte Tempelgelände nebst Gebäude angucken können. Nur müssten wir die Tickets an einem anderen Häuschen direkt am Tempel kaufen. Wir bedanken uns artig, loben das gute Deutsch und schleppen uns in Richtung besagten Häuschens. Und mit jeden Schritt verlieren wir immer mehr Motivation uns hier noch so viel Kultur anzutun. Nicht weil wir plötzlich zu Kulturbanausen mutiert sind, sondern wir denken mit Unbehagen an die Massen im Ko-Edo Viertel und der damit verbundenen, irgendwann im Laufe des Nachmittags einsetzenden Rückreisewelle. Schließlich müssen wir noch unsere Räuberhöhle im Hotel aufräumen und unsere Koffer abreisefertig machen. Auch wollte ich noch zum Sakura-Mon am Gelände des Kaiserpalastes in Tokio.

    Wir verzichten auf den Bus und genießen für die rund 40 Minuten zum Bahnhof das schöne Wetter und kommen stressfrei nach Tokio zurück.

    Klein Edo...


    ...wird eine Ortschaft, anderthalb Stündchen mit den Öffis vom Zentrum Tokios entfernt, mitten in der platschflachen Kanto-Ebene in der Präfektur Saitama genannt: Ko-Edo.

    Genau genommen ist Ko-Edo eigentlich ein Viertel mit einigen Straßenzügen alter Lager- und Handelshäuser-Substanz in der Stadt Kawagoe. Und da Tokio so etwas nicht mehr besitzt und man sagt, genauso hat es vor 150 Jahren auch in Edo (früher für Tokio) ausgesehen, heißt dieses Viertel eben Ko Edo.

    Dieses Viertel ist ungemein beliebt bei Touristen und Ausflüglern, allen voran die Tokioter himself. Da bei einer 6 Tage Arbeitswoche die meisten Japaner am Sonntag auch wirklich frei haben, sollte man tunlichst vermeiden, an einem Sonntag dort hinzufahren.


    Also fahren wir an einen Sonntag dort hin.


    Naja, nicht ganz exakt dorthin, sondern - Achtung, ich versuch´s mal - zum Naritasan Kawagoe Betsuin Hongyoin. Auf dem Gelände dieses buddhistischen Tempels findet immer am 28. eines Monats der Kawagoe Antik-Markt statt. Und dieser 28. im April des Jahres 2019 ist unglücklicherweise ein Sonntag.


    Doch bevor wir uns ins Getümmel stürzen, muss ich etwas ausholen. Dieser Sonntag, an dem der Antikmarkt stattfindet ist gleichzeitig auch unser letzter voller Tag in Japan vor unserer Abreise. Am folgenden Montag haben wir nämlich keine Chance mehr, antike Schnäppchen zu ergattern. so hatte ich schon einige Bauchschmerzen vor diesem Sonntag.

    Warum?

    Tja, in den vergangen Tagen hatte ich diverse Möglichkeiten "Altes" zu erwerben. Wir hatten einige Antikläden dreckig gelatscht, nicht zu vergessen das Volksfest mit einigen Antik-Ständen vor dem Nationalmuseum. Auch waren die Preise vollkommen im Limit, doch durchringen konnte ich mich nie, irgendwas zu kaufen. Es fehlte immer irgendwie der letzte "Schnipp".

    Das nächste Problem war, das Tochter unbedingt sich noch Andenken mitnehmen wollte. Am liebsten eine Maske, ein Holzschnitt oder irgendwas anderes Volkskunsttechnisches. Doch in den Touristen-Fänger-Straßen wie der Nakamisedori in Asakusa standen mir die Haare zu Berge, was die Läden verramschen wollten. Reine Touri-Ware zu exorbitanten Preisen. Nee, meinte ich zu Tochter, mehr als ein Hunni für eine simple Holzschnitt-Kopie ist Blödsinn. Für den Bruchteil des Geldes müsstest wir was wirklich altes bekommen.

    So hoffte ich. Und so bündelte sich die Hoffnung ganz auf den Sonntag. Aber was wenn der Markt ausfällt. Und wenn nicht, woher soll ich wissen, dass dieser Markt nicht so was wie der 17. Juni bei uns in Berlin ist: heftige Preise und letztendlich auch nur ein Touri-Markt. Nichts für Schnäppchen-Jäger.


    Nun, der Reihe nach. Über den Beginn des Marktes gab das Internet sehr widersprüchliches her und reichte von 5:00 bis 9:00 Uhr. Die Homepage des Marktes versprach 5:00 Uhr. Ich wollte so früh wie möglich da sein. Also Sonntag auf letzten Drücker um 6:30 hoch, das Frühstückslokal gestürmt, zwei Onigiri ins Gewölbe gedrückt und dann zur U-Bahn nach Ikebukuro. von dort aus geht der Vorort-Zug.

    Wenn man denkt, man wäre nach Sieben recht alleine in der U-Bahn am Sonntag in Tokio - vergiss es. Wir waren froh, noch Sitzplätze zu ergattern. Der einzige äußerliche Unterschied zu den anderen Wochentagen: die Japaner sahen komisch aus, denn sie hatten Freizeit-Klamotten an. Vollkommen ungewohnt.

    Der Vorortzug ist vorerst recht leer. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen präsentiert sich der Sonntag als unglaublich klarer Tag mit einem intensiv blauen Himmel und einer um die Wette strahlenden Sonne. Zusammen mit dem Sonntag ergibt das pro Station ein immer voller werdender Zug mit Ausflüglern.

    Ab und an geben Häuser und Vegetation für Sekunden den Blick auf den Fuji in der Ferne frei. Es verschlägt einem regelrecht die Sprache: nicht einen Fatz Wolke umhüllt den noch tief verschneiten Vulkan, dahinter die azurblaue Leinwand des Himmels. Vor ein paar Tagen standen wir direkt vorm Fuji und haben nichts gesehen und später nur ein Teil, als etwas Wind die Wolken vertrieb. Ich beneide die Leute, deren Ziel Heute der Vulkan ist.

    ...ja, sicherlich. Tsuruta schreibt "sehr aktives Gunome". Die Reflexionsbilder zeigen eher ein auf Sugu-Ha basierender mit etwas flaches Gunome/Midare. Phasenweise zerhaut es den Hamon durch den sehr charakteristischen Hada. Das spricht für Yamato Shizu, aber auch für Ko-Uda.

    Wie schon angedroht bleibe ich im Umfeld Ko-Bizen Masatsune...