Beiträge von sabiji

    Weiß nicht ob man fragen darf. Mueller bzw. Barbier-Mueller ist halt ein Schweizer Industriellen -"Clan" mit langer Kunstsammler-Historie.


    Der Weg zur Sammlung ist meistens ähnlich. betreffende Leute haben angefangen zu sammeln, als betreffende Stücke mehr oder weniger "Kuriositäten" darstellten und dadurch oft sehr billig waren. Stücke, die heute zig tausend kosten wurden für wenige Mark erstanden.


    Ich war mal mit Kaji bei einem Herrn X, der noch "Restbestände" besaß. Den Großteil verkaufte er über ein sehr bekanntes Auktionshaus vor vielen Jahren. Eine Rüstung erreichte knapp 6 Stellen vor dem Komma. Der Mann ist der Szene vollkommen unbekannt.

    Ist Sie in jedem Fall. Die Sammlung umfasst ganz besondere Stücke und ist weltbekannt. Auch in Hinblick auf die Jannsen-Sammlung hat mich es dennoch nachdenklich gemacht, was für besondere Schätze noch in Privatsammlungen stehen, deren Besitzer selbst der Szene vollkommen unbekannt sind. Wenn man es nicht selbst gesehen hat, glaubt einem das keiner....

    Was soll man dem hinzufügen? Auf ein Reflexionsbild hat er zu dem verzichtet. Bliebe noch der Charakter des Utsuri zu klären, aber ich vermag da nichts zu erkennen.

    Tsuruta langweilt mich. Die wievielte Aoe wäre das inzwischen? Warum hat er nicht den Toran-Masahide genommen?

    Freitag, so wie es sich gehört - Ordnung muss sein.

    Als ich unser Teil gesehen habe musste ich spontan an diesen Kollegen denken (man möge sich erinnern) http://www.nihonto.us/MIZUTA%20KUNISHIGE%202.htm

    Auch hier dürfte es um Kanei sein.

    Sicher ob es Kunishige ist, bin ich nicht. Das Problem, sein Arbeits- und Qualitätsspektrum variiert deutlich. Hier erinnert er stark an Nidai Kunisuke. Es gibt Klingen, da wackelt man mit den Ohren, und es gibt jene, da fragt man sich: was ist das denn?

    Mizuta-Klingen rangieren übrigens hinter Osaka-Shinto-Klingen gleich an zweiter Stelle auf Masahides Kaputtgeh-Liste.

    Da gebe ich dir absolut recht. Ich hatte ja erst vor kurzem das Vergnügen. Es ist wie ein Augenöffner. Anfangs tut man sich schwer. Hat man erst mal das Wesen erfasst, kommen die Details. Es ist wie ein Weg, den man noch nicht gelaufen ist. Man hangelt sich an markanten "´Gebäuden" und Landmarken" entlang. Ist man die Strecke dann mehrmals gelaufen, nimmt man die Feinheiten der Gegend eher war.


    Das Problem bei einer Kantei an einer körperlichen Klinge ist, diesen Prozess auf eine kurze Zeit zu komprimieren. Das Problem bei Tsurutas Ferndiagnosen ist, das seine Oshigata und die Klinge sehr oft unterschiedliche Wege gehen. Bei ihm ist es die Kunst, das zu sehen, was die Oshigata nicht zeigt und das nicht zu sehen, was sie einem weis machen will. Das Sahnehäubchen sind dann die Beschreibungen.


    Und nun harren wir mal Idas Eingebung. Schließlich ist sie mit Zaunpfählen gespickt, wie ein andalusischer Stier mit Speeren.

    gut, also wenn Herr Tsuruta Recht hat, und man im hamon wirklich doranba sehen kann, dann wäre Kanei wohl noch ein bisken zu früh, und ich sollte doch besser im Shinshinto suchen, zumal ich im Shinto nix richtig Passendes gefunden habe,

    mal sehen, was mir bis morgen noch über den Weg läuft ...

    Doch, doch Ida, auch im Shinto gab es Nie-Bratereien und mit Toran hat das Ding meiner Meinung nach nüscht zu tun. Als es im 19. Jhdt. die berüchtigten Aratemeshi-Wütereien gab (erinnere dich an Suishinshi Masahide) gab es neben den Osaka-Toran-Nie-Prügeln auch Schwerter einer bestimmten Schule/Schmiedes, welche besonders gerne brachen...

    Mmmh, von der Sugate könnten 2 Zeiten ganz gut passen: um die Kanei herum und Shinshinto. Abweichen davon könnte man bei Schulen nachschauen, die sich nicht sklavisch an den aktuellen Formenkanon gehalten haben.

    Shinshinto und lebhafter Hada: im Shinshinto gibt es 2 Extreme - hyperhochverdichteter Ko-Hada und Hada der so richtig auf die K***er haut, gerade was den Soshu-Den anbetraf.


    Zum Bleistift:

    http://www.nihontocraft.com/Ikkansai_Yoshihiro_Wakizashi.htm


    Wichtig bei unserem Teil ist der Überfluss an Ara-Nie! Wirklich richtig heftig über die gesamte Klinge! Das ist eigentlich typisch für Shinshinto. Aber auch im Shinto gab es Schmiede, welche solche Klingen "gebraten" haben.

    Ich wollte gerade nachhaken, ob es was neues gibt...


    Ein Wunder!


    Was heißt hier unlustig? Wir sind total lustig! Mega-Lustig! Alles andere ist verboten! Und jetzt ab zum aktuellen Klingenraten, und zwar z.z. !!!


    Ach so, schön das Du wieder da bist...:thumbsup:

    Da kann man sich leider erstens mal, nur daran halten, was der Verkäufer einem aufschwatzt. Vielleicht noch einen anderen Frage und auf dessen Urteil vertrauen.

    Händler A sagt: super tolles Teil, absolut selten, Traumarbeit, Kamakura. Kunde B tippelt damit freudestrahlend zu Fachmann C: Gurke, Shinshinto, Schrott weil 5 Hagire, gnadenlos überbezahlt.


    Kunde B sauer auf Händler A. Händler A sauer auf Fachmann C. Fachmann C sauer auf Händler A. Fraktionen Bildung. Kunde B zwischen Baum und Borke. Er entscheidet sich für die Fraktion, die den größeren rhetorisch/psychologischen Einfluss auf Kunde B gelten machen kann.


    Bei Händler A nennt man das Kundenstamm. Bei Fachmann C gehört man zur Clique des C. Und was C nicht mehr mag, wird er gut an B los.


    Lösung: Kunde B setzt sich auf seinen Arsch und büffelt. Investiert in Literatur. Fährt zu Schwerttreffen. Die fragen am Eingang: guckst du Schwerter? B: sschwöre! Schwertreffenmensch: kommst du rein!

    Und wichtig leeeeernen! Auch die Eier haben, seinen Kanteizettel abzugeben. Auch Eier haben, mit seiner Kantei auf die Schn**ze zu fliegen, aber daraus zu lernen, wieso? Fragen stellen. Kritisch sein. Abstand waren. Es sind Lernobjekte. Die Freude liegt beim Sehen und studieren.Nicht alles haben wollen was einem gefällt, sonst hoffnungslose Sammlerkrankheit. Es gibt genug Leute, die alles aufsaugen, was billig im Net kursiert, aber Fachmann C benötigen um zu selektieren.


    Effekt: man lernt, dass es tatsächlich unter den vielen Händler A Leute gibt, bei denen man ungesehen ein Schwert kaufen kann - denen man vertrauen kann. (Tsuruta gehört bei mir nicht dazu). Man lernt, dass es auch unter den Fachleuten C solche gibt, welche nicht des Prestiges wegen "dazugehören" sondern ihre Passion ehrlich leben. Das Beste zum Schluss, man kann sich seine eigene Meinung bilden. Man weiß, was man kauft. Man sieht was man kauft. Man sieht und freut sich an dem, was man sieht und versteht.

    Dann nennt man das auch: B ist Schüler des C. Und C kann dabei durchaus auch ein A sein.


    Ein Laie ist ein gefundenes Fressen für den Rest.

    Mmmmh, für denTeil über jap. Schwerter wurde eine Abhandlung von Tanobe-San verwendet. Deswegen gehe ich davon aus, das der Autor für den koreanischen Bereich einen ähnlichen Stellenwert hat.


    Ansonsten kurz Zusammengefasst: 3 Reiche - schwarzes Loch - Joseon. Der Teil der Zeit, der für die Entwicklung des jap. Schwertes besonders wichtig ist (Heian bis Kamakura), ist Schwerttechnisch ein weißer Fleck in Korea. Davor ähnliche Entwicklung wie Japan. Möglicherweise bedingt durch Kitan und Mongolenherrschaft. Joseon zeigt deutlich chin. Einfluss. Ergänzt wird das Feld durch Klingentypen jap. Vorbilds auf Grund der Invasion Japans 1592. Das jap. Schwert, aber auch die Fechttechnik wird der Koreanischen als überlegen dargestellt. Auch die Fechttechnik wird scheinbar übernommen. Dennoch seinen die Klingen jap. Typs weitgehend Eigenproduktionen zu sein. Womit Kaji und seinem kopiergemaule Recht hat.

    Es werden im Wesentlichen kürzere Klingen bevorzugt. Die gezeigten Beispiele unterstreichen das. Die Montierung, äußerlich ähnlich, scheint dennoch kaum Schnittpunkte zu haben. Der Griff ist hauptsächlich fest mit der Angel verbunden (oft durch eine Art Hülsenniete). Das Trennen dieser Montierungsbestandteile beschädigt in der Regel den Griff.

    Über die Technik der Herstellung erfährt man nichts wesentlichen. Es scheint Meisterhandwerker gegeben zu haben, die Schwerter in der Regel für hochrangige Personen herstellten. Des Weiteren, ich sage es mal salopp, Wald- und Wiesenschmieden für den privaten Bedarf.

    Das weitaus größere Mittelfeld wäre, dass das Schwert sehr militärbezogen als Kriegswaffe gesehen wurde. Offensichtlich wurde die Produktion administrativ über die Behörden in speziellen "stattlichen" Manufakturen gefertigt. Kostenbezogene Herstellung steht wohl im Mittelpunkt.Teilweise gab es Bemühungen die Waffen zu standardisieren. Das Schwert wird durchaus wichtige Waffe angesehen, doch es bleibt im Wesentlichen ein Werkzeug.


    Man sieht also gewaltige Unterschiede zu der Vitae des Nihonto, die natürlich mit besonderen politisch/gesellschaftlichen Entwicklung einhergeht und so seine ganz eigene Dynamik in der Entwicklung hat.

    Ich erinnere an das Europa-Syndrom: sagenhafte Damaszener-Klingen, überirdisch scharfe Samuraischwerter, usw. Die eigenen Schwerter waren plumpe Werkzeuge. Waffen schmieden galt nicht mal als Kunsthandwerk. Warum sollte man da was erforschen.

    Fränkisch-Alemannische Schwerter waren hochkomplex aufgebaut und oft selektiv gehärtet und das zu Zeiten, als die Japaner schmiedetechnisch noch im Sandkasten saßen. Verbesserte Ofentechniken brachten später Rohmaterial zustande, dass qualitativ ausreichte, um derartig aufwendige aufgebaute Klingen abzulösen. Sichtbare Faltstrukturen der legendären Wurmbunten Klingen gehörten der Vergangenheit an. Verbesserte Technologien, die zu effektiveren Produktionsmethoden führen und deren Produkten qualitativ ihren Zweck bestens erfüllen nennt man Fortschritt - sicherlich aber nicht Kunsthandwerk.

    Ich bin jetzt mal fies und behaupte, dass die Japaner in dieser frühmittelalterlichen Technologie stecken geblieben sind. Aber auch die Japaner waren der Meinung "früher war alles besser". Und so ist das besondere an der jap. Schmiedetradition, dass man immer wieder versuchte, künstlich einen Sprung in die Platte zu bekommen, um mit diesen Renaissancen möglichst nahe an frühere Ideale anzuschließen.


    Während sich abseits Japans die Welt technologisch weiter drehte.


    In China schwang man schon Eisenschwerter, als in Japan hunderte Jahre noch Bronze üblich war. Die Technologie der Bronzeschwertherstellung kam genauso vom Festland wie die der Herstellung von Schwertern aus Stahl. Technologien brachten Menschen mit, die diese Techniken beherrschten. Gerade das Frühmittelalter Japans ist geprägt durch gewaltige Migration. Nöö, ich habe mit der Rai These keine Probleme, auch wenn sie bereits eine gefestigte Periode betrifft. Eine rigide Abschottung setzte erst unter den Tokugawa ein. Fähige Handwerker, Künstler und Gelehrte waren durchaus willkommen. Die Provinzfürstenmentalität förderte das besonders, strebte doch jeder an, gute Handwerker und Künstler an seine Provinzen zu binden.


    Interessant ist gerade, dass während die Schwertschmiedetradition in Japan ihren Höhepunkt zu strebte, diese offensichtlich auf dem Festland stagnierte oder rückläufig war. Dagegen entwickelten sich Kriegstechnologien weiter, die in Japan keine Rolle spielten (Kriegsschiffe, div. Artillerie-Waffen, Schwarzpulver, Raketen, Armbrüste, etc...)


    Anderes Beispiel: Keramik. Auch diese Technologie wurde importiert. Ähnlich wie bei den Schwertern mit den Gokaden entstanden 6 Grundtraditionen mit Tokoname, Bizen, Tamba, Echizen, Seto und Shigaraki. Im Vergleich zu den Schwertern setzten diese Traditionen relativ spät im 12. Jhdt. ein. Das ist deswegen im Vergleich zu den Schwertern so interessant, da die Schwertentwicklung parallel mit der Entwicklung des jap. "Militärstaates" einhergeht. Die Keramiktechnologie setzt ein, als diese sich konsolidiert hat. Das Maß der Dinge der jap. Upperclass waren vielleicht dadurch nach wie vor Importe vom Festland. Viele Öfen konnten damit nicht konkurrieren und waren auf Massen-Gebrauchsware reduziert. Der Versuch, die chin. Luxuskeramiken zu kopieren, führte zu vielen typischen Eigenkreationen wie gelbes und schwarzes Seto und anderes, welches hunderte Jahre später erst mit der Wabi/Sabi Ästhetik der Teemeister des 16. Jhdts eine besondere Beachtung fanden.

    Die Urväter der Raku Keramik brachte Hideyoshi von den Koreafeldzügen mit. Hideyoshi war großer Fan der Teezeremonie. Legendär seine Kontroversen zwischen ihm und Sen no Rikyu, einen der wichtigsten Teemeister jener Zeit. Übrigens Sen no Rikyus Familienname war Tanaka. Typisch japanisch. Doch er benutzte den Namen seines Großvaters Sen´ami, der aus Korea eingewandert war (schon wieder Korea).


    Zurück zu den Raku Hanseln. Hideyoshi ging es mit denen gar nicht um delikate Tee-Keramiken. Das waren Hersteller von Dachschindeln und Hideyoshi brauchte Mengen davon für seine neuen Bauten. Du wirst wahrscheinlich keine vergleichbare Raku-Teeschalen in Korea finden.

    Moin Kibon, da hast Du was interessantes angestoßen.

    Fakt ist, dass die Technologie der Schwertherstellung nach Japan importiert wurde. Die Ringknaufschwerter der Frühzeit (Yayoi/Kofun-Periode) sind in Japan wie in Korea identisch. Gerade in dieser Zeit gibt es viele Typen von Klingen, die mit dem Festland identisch sind. Besonders in dieser Zeit muss es starke wechselseitige Beziehungen zwischen der Koreanischen Halbinsel und dem jap. Archipel gegeben haben. Laut dem Nihon Shoki soll der Zwergstaat Gaya eine jap. Enclave gewesen sein und Gayas wichtigstes Handelsgut war Eisenerz und Eisen.


    Anschließend müsste man sich die Geschichte Japans und Koreas ab der Kofun weiter ansehen. Japans isolierende Insellage und der Umstand einer sich bildenden Militärelite auf Clan-Basis als Statthalter Kaiserlicher Herrschaft - welche zunehmend autonomer wurde und letztendlich die eigentliche Macht darstellte, findet man so weder in Korea noch in China. Dass sich somit besondere kulturhistorische und kulturhandwerkliche Aspekte in Zusammenhang einer besonderen Kriegermentalität definieren konnten, wem wundert´s?


    Mit Ende des Silla-Reiches lag Korea eigentlich fast ausschließlich unter fremder Vorherrschaft, ob es die Kitan waren, Mongolen oder Chinesen. In deinen Links wird bemerkt, dass auch der Konfuzianismus Koreas einer besonderen militärischen Ausrichtung und Elitenbildung entgegenstand. Zu mindestens stagnierte in diesem Zusammenhang wohl eine nennenswerte Waffenschmiede-Industrie.Nicht dass die Koreaner keine Schwerter schmieden konnten. Der Umstand, oder besser die Theorie dass, der "legendäre" Gründer der Rai Schule des Yamashiro-Den ein koreanischer Migrant war, ist durchaus geläufig.

    Ich bin überzeugt, dass insbesondere einige der von dir verlinkten Abbildungen in Shinogi-Zukuri Bauweise jap. Herkunft sind. Mag sein, dass der Schwerpunkt des von Kaji beschriebenen Schwerterhandels mit China stattfand, aber die Joseon Könige waren de facto Vasallen des chin. Kaisers. Warum sollten Schwertexporte nach China nicht auch Korea betroffen haben. Desweiteren haben die Daimyiate Kyushus durch ihre vorteilhafte geografische Lage schon immer ihr eigenes Handelssüppchen gekocht. Auch mit Hilfe der jap. Wako bestanden Handelsbeziehungen bis weit nach Südost-Asien.