Beiträge von sabiji

    Hat jetzt nichts mit der momentanen Kantei-Klinge zu tun. Eher mit der Beschreibungsproblematik von Tsuruta, wie wir sie schon bei der ersten Kantei-Klinge hatten.
    Ich sehe, dass er eine Klinge, Nanki Shigekuni anbietet. Es interessierte mich deshalb, weil ich selbst eine an den Yamato-Stil angelehnte Shinto-Klinge besitze. Der Yamato-Stil ist im Shinto eher selten vertreten. Nanki Shigekuni ist einer von wenigen Schmieden, der diesen Stil zu dieser Zeit schmiedete. Also klicke ich mit einer gewissen Erwartungshaltung auf den Link und lese wieder was von Ko-Itame Hada! Auf der Klinge ist astreines Itame Nagare und streckenweise pures Masame zu sehen. Geht's noch???
    http://www.aoijapan.com/img/sword/2016/16393-2.jpg


    Hier ein anderer Vertreter des Yamato-Stils wärend der Shinto Zeit: Kunikane.
    http://www.aoijapan.com/img/sword/2016/ASAsn3027-4.jpg
    Diese Schmiededynastie schmiedete über zig Generationen bis in die Meiji-Zeit in Yamato-Tradition mit einem klassischen Masame (hier mal richtig beschrieben).
    Hier bei Kunikane und bei Nanki Shigekuni verweist Aoi-Art aus einige kleine Kizu ( Wunden). Gemeint sind winzige offene Stellen zwischen den Schweißlagen des Hada. Bei Masame fallen solche Kizu deutlicher ins Auge da die Stahllagen nicht wie bei anderen Hada-Arten schneller wieder in "der Tiefe" verschwinden.

    Ida, du bist schon nahe dran! Noch ein bisschen die Zeit hinrücken und gut. Die Herkunft hast du schon gut erkannt. Die Schule ist für ihren flamboyanten Choji berühmt geworden. In deinen anvisierten Kamakura III war dieser überschäumende Hamon in bester Blüte. Das ist aber (noch) nicht dieser Hamon.
    Es gibt noch Vertreter , die neben ausgeprägten Choji noch relativ Old-School gearbeitet haben. Einen solchen hatte ich auf den Schirm. Doch rein Form-technisch wird die Klinge früher sein.
    Ich selber werde keinen direkten Schmied benennen können, nur Schule und Alter eingrenzen.


    Am Rande: stark runterpolierte Klingen mit vormals ausgeprägten Choji verändern ihren "Resthamon" eher zu einem unklaren schwachen Midare.
    Das ist hier jedoch nicht der Fall. Die Oshigata gefällt mir nicht so ganz. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das die Differenz zwischen Oshigata und echter Klinge bei Tsuruta manchmal sehr interessant sind.


    @Kaji: kein Tickchen Sakisori im späten Kamakura/Nanbokucho, der Blütezeit der Cutter-Klingen? Ich denke gerade an viele Soshu Klingen.

    Ida, alles gut! Die Krümmung liegt mit Schwerpunkt an der Hüfte des Trägers.
    Choji, Nee (noch) nicht. Kamakura lll hat dann doch eher Tori sogar mit Einen Tick Sakisori da schon Orientierung zum Nanbokucho. Zudem fehlt der Klinge die Substanz dieser Zeit. Was jetzt nicht heißt, dass es keine schlanken Klingen in dieser Zeit gegeben hat. Ist aber eher untypisch.

    Auch ein sehr interessantes Thema, welches ich aufmachen möchte.


    Letztens ist mir bei folgender Montierung die Fuchi und Kashira (Griffzwinge und -Kappe) aufgefallen(bei den Fotos weiter unten).
    http://www.aoijapan.com/img/sword/2016/16380koshirae.jpg


    Auf der Fuchi werden zwei Tiger und auf der Kashira ein Tiger mit jeweils Bambus dargestellt. Sehr schön: der Bambus begrenzt den Rand der Kashira und der Fuchi wie ein Rahmen. Die Darstellungen sind stark plastisch ausgeführt (takabori),Augen, Fellzeichnungen und Bambusblätter in flacher Tauschierung (nunome) mit Gold belegt. Der Hintergrund ist in Nanako (Fischrogengrund) gestaltet. Das Material ist Kupfer mit einem bestimmten Goldanteil in der Legierung (Shakudo) welche durch eine Beizung eine schwarze Farbe annimmt.


    Der Tiger hat in der Ostasiatischen Kunst viele Attribute und Eigenschaften. Er verkörpert Mut und Stärke sowie ein langes Leben. Er hilft und schützt gegen allerlei Dämonen, Unglück im Leben und bewahrt die Gesundheit.
    Die Darstellung von Tigern in der älteren Kunst in Japan ist immer sehr speziell und findet in unseren Beispiel mit allen Klischees seinen vollen Niederschlag.
    Der Tiger kommt in der Fauna Japans nicht vor, ganz im Gegensatz zu Korea oder China - ein Pech für jeden darstellenden Künstler damals.
    Sicher wussten sie, das die Tiere groß und furchterregend sind und vielleicht hat der eine oder andere auch schon gestreifte und gepunktete Felle gesehen. Was macht solch ein Künstler nun, wenn er den Tiger nur vom Hörensagen kennt? Er greift auf das zurück, was wahrscheinlich gerade friedlich in der Ecke seiner Werkstatt schlummert - die Hauskatze. Das ganze etwas größer und grimmiger gestaltet und voila, fertig ist der Tiger. Diese etwas mutierten und sehr unproportionierten Darstellungen, welche besonders vom Kopf her an eine normale Katze mit ihren groooßen Augen erinnern, nennt man Neko-Tora - Katzentiger. Hier ein Beispiel aus der Malerei. https://www.google.com/cultura…/u/0/asset/7AEQGdLu_qMQxg
    Ich erwähnte vorhin noch "gepunktete Felle" welche heute jeder spontan zu einem Leopard zuordnen würde. Für die damaligen Künstler war jedoch naheliegender, das dass gepunktete Exemplar das weibliche Tier, die Tigerin sein müsse. Sehr schön zu sehen auf der Kashira.


    Ein weiteres Motiv in unseren Darstellungen ist der Bambus. Jeder Kampfsporttreibende kennt die Attribute des Bambus, hart und widerstandsfähig und doch nachgebend und flexibel. Ein Bambuswald schützt den Wanderer bei starken Regen, Sturm und er verbirgt Verfolgte in seinem dichten Dickicht. Beides, Bambus und Tiger bilden das Motiv "Take ni Tora". Der Tiger gilt mit seiner enormen Stärke als das einzige Tier, was das Bambusdickicht durchbrechen kann. Der Tiger gilt auch Symbolistisch für den Samurai. Der Starke beschützt den Schwachen. Doch wer ist hier der Schwache, wer der Starke? Das zu interpretieren wird wie so oft in der ostasiatischen Kunst dem Betrachter überlassen. Natürlich aber auch ein sehr gutes Beispiel dafür, das jeder auch auf den anderen angewiesen ist. Stark und schwach sind Attribute, die dann ihre Bedeutung verlieren bzw. umkehren. Die Stärke des einen ist die Schwäche des anderen.
    Hier gibt auch die Bambus-Rahmung nicht nur einen künstlerischen Aspekt wieder, sondern auch eine Symbolische: wie ein Zaun oder Wall umgibt er die starken Tiger und schützt sie ihrerseits.

    Mit etwas mehr Sorgfalt in der Aufstellung ließen sich solche zum Teil unrichtigen Darstellungen vermeiden. Mittlerweile gibt es genug Quellen, welche sich hervorragend dazu eignen.
    Die Texte spiegeln wieder, dass die Urheber sich nicht wirklich, oder nur sehr oberflächlich mit der Materie beschäftigt haben.


    Lustig: Ko-Tachi --> "kleines dickes Schwert". Aha! Leute, einfach mal drüber nachdenken, bevor man was ins Netzt stellt.

    Ich denke, dass dieses Beispiel die Beschränktheit unseres Klingenratens im Net offenbart, denn ihr habt keine direkten Vergleichsmöglichkeiten.
    Würde unser vorhergehender Nagamitsu und die jetzige Klinge direkt nebeneinanderliegen, wäre der Unterschied echt dramatisch - obwohl beide Klingen etwa (jetzt) gleich lang sind.
    Ja Ida, ich habe nicht umsonst "Spargel" geschrieben. Das war nicht abwertend, sondern eher liebevoll. Diese Klinge besitzt Eleganz!


    Die Klinge ist gekürzt, das haben wir jetzt festgestellt. Würden wir uns das fehlende Stück dran denken, wäre die Koshi-Sori deutlich ausgeprägter und das Schwert noch eleganter.
    Wie weit wurde gekürzt? Ich sage mal so: wir sind gewohnt, das Signaturen häufig in der Nähe des originalen Mekugi-Ana zu finden sind, dann häufig unterhalb des Pflocklochs. In der Zeit, in der die Klinge entstanden ist sind Niji-Mei, also "zwei Schriftzeichen-Signatur" üblich und auch überhalb des Mekugi-Ana. In diesem Fall fehlt schon ein gutes Stück des originalen Schwertes und wir sind wieder im Bereich eines 80 cm Schwertes.
    Schwerter dieser Epoche haben häufig einen deutlichen Unterschied zwischen der Breite der Klinge am Klingenansatz und der Spitze. Leider fehlt uns hier der ursprüngliche Klingenansatz.


    Ikubi-Kissaki: die Grundidee einer solchen Spitzenform liegt besonders in der Schwertgeschichte. Stellt euch unsere Klinge breiter vor, ohne das wir eine längere Spitze haben, dann haben wir Potential für besagte Ikubi. Die Klingen sind breiter und kräftiger mit ausgeprägter balliger Schneide. Solche Schwerter sind, Achtung Zaunpfahl, später entstanden.


    Also: Koshi-Sori, gerade im Monouchi, recht kleine Kissaki - wo können wir diese Form grundsätzlich zeitmäßig festmachen???


    Wir wollen ja noch mit Hada und Hamon weitermachen!

    Zur neuen Klinge: was für ein Spargel! Aus dieser Zeit würde ich ganz andere Kaliber erwarten. Aber klar, ich kann voll verstehen, dass dir die Klinge gefällt, Kaji.


    Erst einmal: der Ober Kantei-Schüler-Titel geht an Ida fürs sich trauen. :thumbsup:


    @ Kogaratsu, kann man wirklich nur anhand der Rinnen in unserem Beispiel auf die Herkunft schließen? Rinnen wurden zu jeder Zeit und überall in Klingen geschnitten. Was wir müssen ist ein "Gesamtpaket" schnüren.


    Und was war die allererste Lektion
    bevor wir Rinnen schön finden ( welche ja auch wesentlich später angebracht sein könnten)? Das, auf was der arme Kaji schon die ganze Zeit rum-reitet - die FORM!
    Ist das wirklich eine klassische Nambokucho-Form?


    Vorerst: ist die Form noch so korrekt? Haben wir den gleichen Effekt in der Machi-Area wie beim Nagamitsu? Wir blenden ja mal wieder den Angelbereich aus. Den sehen wir jetzt nicht - nur die Klinge. Und wie sieht die Krümmung der Klinge aus - der reinen Klinge, ohne Angelbereich. Gleichmäßig, ein Tick zur Spitze verlagert, ein Tick zur Angel verlagert.


    nur @ Kaji: um mein Bauchgefühl zu lenken sage ich mal so viel - stecken wir mit dieser Klinge zeitmäßig mitten in einer bestimmten Epoche? Und bestünde die Möglichkeit, dass ich (oder wir) eine Klinge in den Händen gehalten haben, welche Kirikomi besaß und bei einem Berliner Event auslag vor zig Jahren, welche mit dieser Klinge "verwandt" sein könnte?

    So, jetzt komme ich mal dazu.


    @ Kaji: Wieso schreibt Tsurata, die Klinge wird auch mit einer ordentlichen Politur nicht gut werden? Das schreibt er doch gar nicht. Im Gegenteil, er gibt deiner absolut korrekten Einschätzung über die Qualität der Politur recht. Sie ist von geringer Qualität. Aber er schreibt auch, dass die Klinge sich die Klinge "sehr verändern" wird, bekommt sie eine gute Politur.


    Der Hintergrund für die geneigten Mitleser: (müsste eigentlich Kajihei besser erklären) gute Polituren sind teuer. Sie sind teuer, da auch damals die Steine dazu schon teuer waren und es war zeitaufwendig. Das ist nicht nur heute so, sondern all die hunderte Jahre zu vor nicht anders. Im Gegenteil: wir sehen heute Klingen, wie wir sie damals mitnichten gesehen hätten. Man entschuldige meinen Ausdruck: jeder Trottel rennt zum Polierer und verlangt manchmal Wunder vom Togi für die Gurken, die er anschleppt. Kaji wird von Lieder singen können. Viele Schwerter einer bestimmten Grundqualität hatten schlicht eine Gebrauchspolitur - es waren in erster Linie Waffen. Nur weil es ein Nihonto ist, muss es nicht gleich ein Kunstschwert sein.


    Zum Nagamitsu: an dem was ich an Stahl und Hamon erkennen konnte, hätte ich es nicht festmachen können. Bei allen Nagamitsu die ich finden konnte gab es eine Gemeinsamkeit: die Form. Da sah einer aus wie der andere hieß. Ähnlich ist es bei den Emura-Klingen. Emura und Nagamitsu-Klingen sehen aus wie kleine Bulldoggen: gedrungen, stämmig und kräftig. Yasukuni-Klingen zeigen da deutlich mehr Eleganz und Klassizismus.
    Emura und Nagamitsu-Klingen scheinen da eher in die Practical-Blades-Schiene zu fahren, und nicht umsonst sind diese Klingen bei Martial-Artist mit Schwerpunkt Schnitt-Tests sehr beliebt.
    Als nächstes gab es in den 30ger und 40ger Jahren ein erneutes Revival des Schwertschmiedens in der Blütezeit des Jap. Militarismus. Nagamitsu, wie auch viele andere Schmiede jener Zeit konnten unmöglich allein die Nachfrage aus den Offizierskreisen decken. Es ist so wie Kajihei schrieb, Arbeitsteilung und Zuarbeiten von Schmiedehilfen, Schülern und Schwertschmieden für ihren Chef. Im Fall von Yasutake, von dem ich mal ein Schwert besaß und ein Buch über ihn wurde das sehr deutlich: oftmals übernahm er nur die finale Formgebung und das Härten der Klinge, tja und das signieren.
    Das nächste Problem, das Polieren: die traditionellen Polierer wären mit der Schwemme von Schwertern und vor allem der Zeitknappheit der Auftragsarbeiten gnadenlos überfordert gewesen. Frauen wurden in Schellverfahren zu Schwertpolierern ausgebildet. Im Fall von Emura und Nagamitsu waren es Häftlinge eines Gefängnisses in Okayama, wo sie (Nagamitsu) temporär arbeiteten, die Klingen polierten. Man muss sich ja eins vor Augen halten: es ging nicht darum, alte Polituren aufzufrischen, sondern einem neuen Schwert die Politur zu verpassen.
    Und ich bekomme einen absoluten Hals (geht definitiv nicht an deine Adresse, Kaji), wenn ich dieses schwachsinnige Geschwafel im NMB dazu lese: ööhh, das ist ein anderer Nagamitsu, ööh, da wurde ne Angel angeschweißt... laber, Rababer. Die Leutchen sind schon so satt und platt. Niemand zwingt sie den Prügel zu kaufen. Nur Fakt ist, was die fernmündlich auf Bildern sehen, wurde von der NBTHK als Shin-Mei verifiziert. Punkt.
    Gerade bei Nagamitsu habe ich irgendwo mal den Spruch gehört (was im Grunde auf eine Vielzahl von Schmieden zu trifft) die Klinge entscheidet nicht die Signatur. Wenn sich also die Kunstschwertsammlerschaft und unser Kaji über die offensichtlich unter-dem-Level-von-Nagamitsu-Qualität einig sind, ist eine Daisaku-Mei mehr als wahrscheinlich.

    @ Kogaratsu: kontaktiere ihn doch mal direkt deswegen.


    @ Ida: ich weiß auch noch viel zu wenig. Komm, mach einfach mit. Was der Kopf nicht kann, entscheidet der Bauch.


    @ all: kann mal einer bei Tsuruta anrufen: so geht das hier nicht! In Germany herrscht Zucht, Ordnung und Pünktlichkeit! :!:

    So ist es!


    Es geht hier speziell nicht darum, zum Sammler zu werden, denn es ist ein Kampfkunst-Forum. Es ist, so setze ich mal voraus, eine Plattform, auf der sich - Achtung Überraschung - Kampfsport und -kunst-Treibende und -Begeisterte austauschen. Ein Teil davon betreibt mehr oder weniger eine japanische KK, welche des Nihonto im weitesten Sinne beinhaltet.
    Mittlerweile sind meine beiden Knie im Ar... und ich schaffe es gerade noch mich mit dem Bogen zu wehren. Ich habe 15 Jahre Kendo, etwas Iai und Kenjutsu hinter mir und ich war immer erstaunt, das kaum bzw. gar keiner irgend eine Ahnung von dem trad. Schwert hatten. Da gab es Einige, welche auf Grund hohes Einkommens sich Stücke geleistet hatten und dennoch kaum Bescheid wussten, was Sie da überhaupt hatten. (Ja es gibt auch Mitglieder der NBTHK* eine Schwertkampfkunst betreiben - die meine ich nicht).
    Ich will sagen: außer dass das Schwert oben spitz und vorne scharf ist und einen Griff hat sowie einige obskure Märchen und Gerüchte, mehr war da nicht zu holen. Das finde ich arg wenig!


    Hier kann keiner zum Experten und Schwertkenner werden. Das ist unmöglich. Das Thema ist zu subtil und zu komplex und für den Anfänger unüberschaubar. Um echte Fortschritte zu machen ist es unerlässlich qualitativ hochwertige und typische Schwerter zu sehen, was bestimmte Meister, Schmiedetraditionen, Schulen und Zeiten angeht. Das Ganze natürlich unter fachkundiger Anleitung - sonst weiß man gar nicht, was man sehen muss. Man muss bestimmte Dinge mit eigenen Augen erfahren, was kein Buch oder Text vermitteln kann.
    Das geht hier im Netz gar nicht und es würde auch über das eigentliche Ziel hinausschießen.
    Wir kratzen etwas an der Oberfläche um die Augen für dieses faszinierende Thema zu öffnen und um sich ein kleines Gerüst anzulegen, wie man an das Thema herangehen kann. Das man einen groben Überblick über gewisse Grundlagen erhält und dass einem bestimmte Begriffe geläufiger werden.


    Ich hoffe deswegen ehrlich, das unser "Spielchen" mehr Teilnehmer findet, denn auf Dauer wird es fad, wenn nur ich und Kajihei uns wie die beiden Alten auf dem Balkon der Muppetshow gegenseitig belöffeln. Nehmt Kogaratsu das nächste Mal den Ehrentitel "Ober-Kantei-Schüler des Nihontoforums" ab! Stürzt ihn vom Thron! Revolution! Es geht hier echt nur um Spaß mit etwas Aha-Effekt und Background!


    Und wenn mehr draus wird und vielleicht ein Funke überspringt- Willkommen im Club!


    Dazu eine kleine Story: damals hatte ich über 10 Jahre schon einiges gesehen und besaß selbst ein paar Stücke. Doch irgendwie trat ich auf der Stelle, weil nicht genug relevantes sah, worauf ich wiederum bauen konnte. Die NBTHK galt in bestimmten Kreisen, welche ich tangierte, als gefährliches Pflaster, arrogant, überheblich, herablassend. Doch ich wollte es wissen! Also ließ ich mich "einladen". Kajihei, damals noch jung und schön, warnte mich eindringlich meinen Krempel mitzunehmen, bestenfalls ein Schwert, einen Mutsu Kami Kaneyasu (Migi-Mutsu). Der Gute war eingekürzt und hatte schon einiges an Material verloren, keine guten Voraussetzungen um von Leuten beachtet zu werden, welche sich mit ganz anderen Kalibern abgeben. Aber der Kaneyasu hatte eine nette Montierung und ich brauchte irgend einen Vorwand.
    Lange rede kurzer Sinn: ich bat Herrn Hagenbusch um seine Meinung zur Montierung, denn die Klinge sei schon recht müde. Die Montierung interessierte ihn gar nicht. Er zog umgehend die Klinge aus der Scheide und fragte mich mehrmals hintereinander "was haben Sie gegen dieses Schwert???" Und ich konnte nichts vernünftiges darauf antworten - weil ich nicht wusste was ich antworten sollte. Diesen Zustand habe ich gehasst!
    Im Gegenzug sah ich drei Klingen, welche ich nie vergessen werde, weil sie mir in Bezug auf Qualität die Augen geöffnet haben: einen Shodai Hizen Tadahiro, Taikai Naotane und einen Etchu Norishige. Ich war an diesem Tag Kantei-unfähig, ich konnte die Grundbausteine der Kantei gar nicht abrufen, weil ich unfassbar auf das gestarrt habe, was man aus Stahl machen kann: welche Tiefe, Brillianz und Strahlkraft! Es waren Schwerter und es waren Kunstwerke. Es war ein Schritt in die Richtung, auch "meinen Kaneyasu" mit den richten Augen zu sehen und dessen Qualität zu erkennen und zu erklären. Ohne den Möglichkeiten, welche sich mir als Mitglied der NBTHK eröffneten, hätte ich kaum das Thema so studieren können. Dafür bin ich dankbar.


    Eines ist 100% Fakt: ein Dram guter Whisk(e)y und der Blick auf eine hervorragende Klinge ist Balsam für die Seele!


    Aber diese Story nur als Randnotiz werten! Hier gilt Spaß haben und mitmachen!!!


    Mal sehen, was ich morgen um die Ohren gehauen bekomme! 8o


    *NBTHK Nihon Bijutsu Token Hozon Kyokai (European Branch) - der europäische Zweig der Gesellschaft zum Studium des Japanischen Kunstschwertes


    Dann noch eine Kleinigkeit.
    Du hast geschrieben das sunagashi bei Choji in Reinform nicht gerne gesehen sind. Wie kommt man denn darauf ? Nagamitsu z.B. machte das gerne, Ko-.BIzen und Ichimonji etc dito. ( Ko heißt hier früh )

    Ich meinte in dieser extrem geharkten und besonders durch den Hada verursachten Form. Es ging bezüglich der Quelle darum, ob etwas bewusst angelegt wird, oder ob es ein, mal sehen was passiert Effekt ist.


    Die Quelle dafür ist versiegt. Ich hoffe du verstehst... ||

    Frau = Freiwild
    Diesen Eindruck haben einige unserer Mitbürger aber leider viele unserer Gäste.
    Dann kommen die harten Richtersprüche, 2 Jahre auf Bewährung..... der Junge lächelt und denkt diese Idioten.

    Wieso sollte er das denken? Würde er nicht auch nur ein "Du Du" in seinem Herkunftsland bekommen, wenn er dort eine Frau belästigt?


    Und Kaji, bei allem Respekt: staatliche Förderung des Islam, Ausbildung von Predigern? Das wäre die Aushebelung des laizistischen Staats, nur umgedreht. Wie wenig reicht dann, das Ganze auch umgedreht laufen zu lassen Religion -> Staat?


    Tut mir leid, ich habe keine Lösung, keine Vorschläge, dazu habe ich zu Ahnung und Plan. Ich kann nur miauen, weswegen ich mich hier auch nicht mehr beteiligen mag.


    Gestern lief irgendein Beitrag in der Kiste über Saudi-Arabien. Frauen dürfen dort nicht Autofahren, zum Arzt dürfen sie nur in Begleitung eines männlichen Vormunds, zur Polizei etwas zur Anzeige bringen, klar, mit männlichen Vormund.
    Eine bekannte arabische Frauenrechtlerin filmte sich selbst beim Autofahren um zu sehen was passiert, wenn sie erwischt wird: über 70 Tage Gefängnis, Anklage wegen "Terrorismus" und ihr Auto wurde zerstört.
    Nein, das hat wenig mit Islam zu tun. Das ist Despotentum, ein Mix aus Standesdünkel, Stammesdenken, uraltes patriarchalisches Gehabe und Religion. Verbreitet in vielen Ländern in der Ecke.
    Klar regt sich Widerstand, meist aus religiöser Ecke. Klar gibt es überall aufgeklärte Gegner in den Systemen, die große graue Masse flüchtet sich in die religiöse Opposition, der moralischen Instanz wegen. Und diese Opposition ist nicht wirklich liberal-religiös beseelt.
    Bestes Beispiel Persien: Shah weg, Mullahs her. Wenigstens ein halbwegs stabiles Land. Was passiert wenn man das Macht Vakuum böser ehemaliger Diktoren nicht händeln kann: siehe Irak, Syrien.

    Was den Nachbau klar werden läst ist bis auf zwei Kleinigkeiten im Hamon wirklich nur der Hada. Starke masame Strukturen im alten Ichimonji..Nein, die gab es eben nicht. Hier mal ein echter Koto-Ichimonji dagegen. http://www.nihontoantiques.com…ve/yoshioka_ichimonji.htm

    Haha!
    Hast du die dir mal die Beschreibung angeschaut: :D ..."a mixture of mokume an masame".
    Der Mensch ist Polierer wie du, der müsste doch eigentlich wissen, was er schreibt.
    Im Ernst: könnte der Effekt masame zu sehen nicht im Mix von O-Hada und mokume liegen?


    Geneigte Mitlese: bevor totale Verwirrung eintritt: O-Hada =große Hada - man stelle sich einen lecker Marmorkuchen vor. Lecker Vanilleteig und lecker Schokoteig bilden die Marmorierung =die O-Hada, während beide Geschmacksrichtungen ansich ein dichtes Teiggefüge besitzen = mokume.


    Über Chounsai Emura habe ich gelesen das der Knast-Direx grundsätzlich im Bizenstil gearbeitet (oder muss man schreiben gehärtet) hat, ähnlich wie Ichryusai Nagamitsu. Geschrieben steht auch, er fertigte Mokume und Itama/masame Mix.


    Wie ich schon schrieb: unsicheres Terrain für mich. Aus dieser Richtung habe ich zu wenig in echt gesehen, bzw ist nichts haften geblieben.


    Übrigens...mir gefällt die Richtung Ichiryusai Nagamitsu für unseren Prügel immer mehr, auch wenn der Yasurime-Abschluss zu schlampig währe. Yasukuni-Umfeld - welche ja auch alle Bizen-lastig sind - schließe ich für mich allerdings aus.


    Damit habe ich mich jetzt offiziell aus dem Fenster gehangen. Hoffentlich falle ich nicht all zu tief. :thumbsup:

    Für die geneigten Mitleser:


    Gokaden - die 5 großen Schmiedetraditionen wie Kaji schon schrieb.


    Yamato-Den
    Yamashiro-Den
    Bizen-Den
    Soshu-Den
    Mino-Den


    Die Reihenfolge entspricht in etwa der Reihenfolge der zeitlichen Entstehungen. Jede Tradition steht für bestimmte schmiedetechnische Grundcharakteristika. Besonders in die späteren Traditionen fließen Charakteristika einer oder mehrerer bestehender Traditionen.


    KAJIHEI : bei Masame kommt bei mir spontan Yamato-Den. In dem Fall, explizit Masame (parallele Struktur) in Mune (Rücken) und HA (Schneide) und dazwischen ein Itame/O-Mokume Konglomerat: Mino! (Struktur wie bei einen Baumstammschnitt - rechtwinklig zum Stamm eher mokume, mit mehr Winkel im Schnitt =Itame, schneide ich parallel zur Stammachse = Masame, ist der Stamm krepelig gewachsen und der Holzarbeiter besoffen= Ayasugi).


    Aber warum darauf ein Bizen-Hamon pinseln? Choji-eskes gab es auch im Mino - aber anders.

    Sorry Kogaratsu,
    ich war gestern einfach zu müde und wollte nur noch ins Bett, so ist das Ganze etwas hingeschludert worden. Ich habe versucht, einige typische Vertreter ihrer Zeit zu finden, damit du die Formen vergleichen kannst. Das Ganze würde eigentlich mehr Sorgfalt benötigen und schon habe ich wieder eine Idee zu einem Projekt hier, bei denen man Klingen vorstellen könnte, die sehr typisch für ihre Zeit sind und als Vergleich herangezogen werden können.. In den Weiten des I-Nets sollte man gute Verlinkungen finden.


    Zu unseren Beispiel habe ich ebenfalls etwas bei Aoi gefunden, welche der Grundcharakteristika der Sugata (Klingenform) verdammt ähnlich ist und zudem ein Vertreter unserer anvisierten Zeitspanne ist, ein Nagamitsu :http://www.aoijapan.com/katana-nagamitsu-showa
    Gleiche flache Sori (Biegung), gleiches Tapering (engl. Verjüngung), gleiche Spitzencharakteristika. dadurch das die Klinge kürzer ist, wirkt sie in Proportion zur Sori (Biegung) ein müh eleganter, wenn man das so nennen kann.


    Und denn hört es aber auch schon auf, denn es ist ein Bereich, mit dem ich mich weniger beschäftigt habe und damit auf unsicheren Boden unterwegs bin. Aus meinen Empfinden her waren wohl der Bizen (einer der 5 alten Schmiedetraditionen) und Yamashiro-Rai Stil (Stil innerhalb einer weiteren alten Schmiedetradition) zu dieser Zeit sehr beliebt. Besonders im Dunstkreis der Yasukuni-Schmiede (Yasukuni-Jinja - Shinto Schrein in Tokyo, Schwertschmiedezentrum i.d. 1930/40gern) findet man entweder Choji (eine Form d. Härtelinie) oder Suguha (eine weitere Form). Bei den Seki Leuten (nach d. Stadt Seki benannt, Schmiedezentrum zu Kriegszeiten) auch Gonome-Notare (Formen d. Härtelinie). Von dem, was ich gesehen habe, wirkte das Jitetsu (sichtbare Klingenstahl d. Oberfläche) immer sehr hart und die Hada (Schmiedestruktur) war sehr dicht geschmiedet. Auch hier habe ich recht elegante Klingen gesehen, sie erinnern etwas an die Katate Uchi (Eine-Hand Schwerter) der Sue Koto (um 1500), allerdings ohne die ausgeprägte Saki-sori (Biegungsschwerpunkt Richtung Spitze).
    Es gibt in dieser Zeit einige sehr gute Schmiede und einige Talentierte, sehr viele "bemühte" Arbeiten und einen Berg Klingen, welche mit "Nihonto" wenig zu tun hat. Ich hatte bisher keine Klinge gesehen, wo ich wirklich begeistert war. Da waren wirklich gute Klingen bei, aber wirkten immer sehr penibel/bemüht auf mich.
    Ich hatte mal einen Yasutake aus den 60gern, ein ehemaliger Yasukuni-Tosho (Tosho = Schwertschmied, Yasukuni, siehe oben), welcher in der Nachkriegszeit Schwertschmied blieb und recht viele Preise gewann und zum Schluss auch Mukansa (Ehrentitel) wurde. Der Prügel war mächtig Lang (78 cm, Motohaba 3,7 cm) Ko-Itame bis Muji, ko-Choji gonome(Schmiedestruktur und Art d. Härtelinie) in Anlehnung an die Rai-Schule). Die Klinge war nett, hatte mit den Vorbildern im weitesten Sinne aber nichts zu tun. Die Sugata (s. o.) allerdings war schon prächtig.