Beiträge von ida

    ... dann will ich mich mal ein bisschen rantasten, und fange mit der sugata an.


    Wir haben hier ein hira-zukuri ko-wakizashi mit einer Klingenlänge von 31,4 cm, was relativ lang ist.

    Ich sehe eine leichte sakizori (2mm) und eine nakago mit yamashiro-jiri (Hinweis auf Yamashiro-den).

    Auf der einen Seite haben wir eine bohi, auf der anderen futasujihi, beide Male ryo-chiri,

    d.h., sie reichen in die nakago hinein.

    Oberhalb der futasujihi ist ein hâmmâm bonji angebracht.

    (Das gehört zu dem indischen Gott Acala-vidyârâja, der in Japan als Fudô-myôô bekannt ist,

    seine Aufgabe ist es, Hindernisse zu zerstören. Ich finde, das passt sehr gut zu einem Schwert.)


    Auf Grund von Länge und sori, sortiere ich unsere Rätselklinge in das Shinto ein.

    Wenn ich mit den ausländischen Kollegen in englisch über martial arts spreche, ...

    na ja, das englische Adjektiv 'martial' hat halt auch ein relativ breites Bedeutungsspektrum,

    das reicht von kriegerisch über kämpferisch bis zu militärisch und soldatisch,

    so betrachtet kann man entsprechende Bogenschießtraditionen selbstverständlich als martial Art bezeichnen,

    denn eine kunstvolle Fertigkeit erfordert das allemal.

    Ryoma, ich sprach von einer Betrachtungsweise, auf die man in einschlägigen Foren sehr häufig trifft,

    nicht mehr und nicht weniger.

    Und nach dieser Definition ist es eben völlig egal, womit geschossen wird ...

    gestern habe ich eine ganz besondere Klinge sehen dürfen, nein, nicht aus Japan, aber dafür seeehr alt:

    Eine Eisenklinge aus der Latène-Zeit, über 2500 Jahre alt, war eine Grabbeigabe und wurde in der Nähe von Bad Homburg gefunden,

    leider war das gute Stück hinter Glas, und wurde künstlich angeleuchtet, weshalb mein Bild jetzt etwas reflektiert:



    P1010581.jpg

    Kaji, wie kommst Du darauf, dass ich Samstag will? Ich habe doch bloß gesagt, dass ich bis zur offiziellen Auflösung recht einsam auf meinem Weg sein werde,

    weil ihr beide nach Osaka abgedampft seid und ich euch nicht folgen mag ;)

    ...

    Die Osaka Heinis hatten halt einen Femel für Deko, Toran Hamon hopsasa, Kesho-Yasurime trallala ...

    und nicht zu vergessen, die yakidashi; und bei unserer Klinge sehe ich weder die yakidashi noch den hopsasa-hamon und das kesho-yasurime hält sich durchaus in Grenzen, das ist nicht sonderlich aufwendig ausgeführt. Unser Rätselhamon wirkt trotz breiter yakiba doch eher schlicht.

    Auch das jihada-Argument überzeugt mich nicht ganz,

    von der jihada ist ja wegen der breiten yakiba nicht allzu viel zu sehen, aber das, was ich sehe, passt z.B. sehr gut mit dem hier zusammen.

    Ja und ein Vergleichskesho gibt es auch:

    http://www.aoijapan.com/img/sword/2014/14458-2.jpg

    außerdem sollte man auch das nakagojiri nicht vergessen.

    Also ich bleibe jetzt erst mal stur ...

    ... also ich möchte nicht mit nach Osaka, ich bleibe lieber in Edo, und da ist mein Hauptkandidat nach wie vor Kazusa Kaneshige,

    zumal das 'kesho' an unserer Rätselklinge doch ziemlich 'unfertig' aussieht und ich eine vergleichbare nakago von meinem Verdächtigen finden konnte.

    Ich sehe einen Boshi mit einem saftigen Mino-Einschlag

    natürlich war meine 'jizu'-Boshi ein Schluderfehler, ich meinte schon 'jizo', und so etwas soll Kazusa Kaneshige ja auch gelegentlich gemacht haben,

    aber echtes kesho kann ich bei ihm leider nicht finden, auch wenn es irgendwo mal heißt, dass der ein oder andere Schüler von Izumi Kaneshige das gemacht haben soll, so kann ich nichts Konkretes für den nidai finden.

    Da werde ich meine Suche doch ausdehnen müssen, aber im Kanbun werde ich schon noch bleiben.

    also dann erst mal das weniger 'SSbäschiälle':

    die nakago weist kesho-yasurime auf, deshalb ist das shinogizukuri-Wakizashi nicht älter als Shinto,

    die koitame hada scheint mir sehr deutlich strukturiert zu sein, weshalb ich die Klinge eher nicht im Shinshinto verorten würde.

    Also suche ich nach einem Shinto-Schmied, der kein yakidashi zu Beginn des sichtbaren hamon gemacht hat.

    Die hada im shinogiji kann ich auf dem Bild nicht erkennen, ich hoffe, es ist masame.

    Der shinogi ist relativ hoch.

    Die Wurzeln unserer Klinge könnten womöglich in Echizen liegen ...


    Und jetzt die beiden Dinge, die mir als Besonderheit aufgefallen sind:

    1. Die boshi ist nicht sugu sondern sieht jizu-ähnlich aus.

    2. Das nakagojiri ist eine Mischung aus ha-agari und iriyamagata (der lange Schenkel ist gerundet, der kurze ist schnurgerade)


    Bei meiner bisherigen Suche schien mir Kazusa no Suke Fujiwara Kaneshige ein vielversprechender Kandidat zu sein, ich denke,

    hier werde ich weitergraben, wenn kein wesentlicher Einwand kommt ...

    Also mir scheint ja, die Definition von 'Kampfkunst' und 'Kampfsport' wird meist recht eng gefasst auf den Nahkampf bezogen;

    mit bloßen Händen, Armen und Beinen, aber auch mit manchen Waffen muss man dem 'Gegner' eben sehr nahe kommen,

    wenn man mit ihm kämpfen will.

    Bei dieser Betrachtungsweise ist dann das Schießen, womit auch immer, sicher kein(e) Kampf-sport (-kunst).

    ... muss mich erst noch an die geänderten 'Abgabezeiten' gewöhnen ;)


    wegen hamon, hada und tsurutischer Beschreibung hatte ich oben ja auch schon an Hizen Masahiro Senior gedacht,

    und nach der Entenregel müsste das soweit richtig sein, aber dann wurde ich doch sehr unsicher,

    weil ich nirgends ein auch nur annähernd dazu passendes tanto gefunden habe, deshalb auch mein erster Gedanke,

    dass das Messerchen womöglich aus dem Shinshinto stammen könnte, von einem Schmied, der in diesem Stil gearbeitet hat,

    aber Pustekuchen, damit bin ich auch nicht weiter gekommen.


    Deshalb schließe ich mich jetzt mit meinem Tipp der Mehrheit an und sage ebenfalls: Hizen Kuni Kawachi Daijo Msahiro (1. gen.)

    Also ich fange jetzt erst mal beim Offensichtlichen an, das Alter kommt dann erst ...


    Ein hira-zukuri tanto mit nur ganz geringer sori (2mm, sakizori), Länge 27 cm, breit und dick,

    macht insgesamt einen recht stämmigen, robusten Eindruck;

    ohne respektlos sein zu wollen, das erinnert mich an ein Hackmesser.

    Die Nakago ist kurz, breit mit leichter sori und einem iriyamagata jiri sowie sujikai yasurime.

    Die yakiba nimmt teilweise mehr als die Hälfte der Klinge ein, außerdem haben wir bohi ni soebi.

    Die hada ist ein dichtes koitame mit gleichmäßig verteiltem nie und chikei, könnte vielleicht eine Reiskorn-hada sein.

    Der gunome-midare hamon ist nicht kongruent auf Vorder-und Rückseite, aber doch ähnlich.

    Der Gesamteindruck der Aktivitäten wirkt 'wolkengleich', (was anscheinend ein wichtiger Zaunpfahl ist :) )

    Die boshi ist gerundet (neigt aber zu etwas ''Spitzigkeit') mit etwas hakikake an der Spitze und einem eher kurzen kaeri.


    All diese Merkmale zusammengenommen passt die Klinge wohl eher ins Shinshinto.


    p.s.:

    bei der letzten 'wolkigen' Klinge, die es zu raten galt, haben wir uns im Umfeld von Masahiro bewegt ...

    ehrlich gesagt, hatte ich schon fast befürchtet, mir die Herzbuben antun zu müssen ;)


    Zur neuen Klinge:

    Die ist schon schwierig, wenn man nichts Vergleichbares kennt, also ich bin jetzt gerade dabei, erst einmal alles zu sortieren, was ich da sehe, damit ich dann weiß, wonach ich überhaupt suchen muss ...